Finanzierung Biotechnologie – Ihre Möglichkeiten

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Finanzierung Biotechnologie

Die Industrie der Biotechnologien ist eine umfassende Industrie. Sie ist stark innovationsgetrieben, erfordert aber auch große Investments zur Realisierung der Produkte am Markt. Wir zeigen Ihnen die Besonderheiten und Eckdaten der Industrie sowie Möglichkeiten der Finanzierung von Biotechnologie auf.

Über die Industrie der Biotechnologie und ihre Besonderheiten

Der Begriff der Biotechnologie setzt sich aus den Worten „Bio“ und „Technologie“ zusammen. Bio hat in diesem Fall nur wenig mit nachhaltigem Anbau zu tun. Er stammt aus dem altgriechischen und bedeutet „Leben“. Die Biotechnologie beschäftigt sich folglich mit einer interdisziplinären Wissenschaft aus lebendigen Organismen, Zellen oder Enzymen und der Technologie. Es geht um die Verwendung von Organismen zur Optimierung technologischer Prozesse. Das Einsatzgebiet reicht von der Herstellung bestimmter chemischer Verbindungen über die Produktion, zum Beispiel von Bier bis hin zur Diagnose von Krankheiten bei Menschen und Tieren. Die Industrie verbindet Ansätze aus Ingenieurswissenschaften und Verfahrenstechnik mit denen der Naturwissenschaften.

Zweige der Biotechnologie-Industrie

Um Ihnen ein besseres Gefühl über die Reichweite der Industrie zu verschaffen, haben wir eine Untergliederung der Biotechnologie in seine Zweige vorgenommen:

Bezeichnung Fokus
Blaue Biotechnologie Die Blaue Biotechnologie befasst sich mit der Anwendung biotechnologischer Methoden auf Lebewesen aus dem Meer. Im Vordergrund stehen hierbei Möglichkeiten durch Bakterien aus der Tiefsee.
Braune Biotechnologie Die Braune Biotechnologie wird auch als Umwelttechnik bezeichnet. Der Fokus liegt hierbei auf Verfahren der zur Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme und dem Umweltschutz.
Graue Biotechnologie Die Graue Biotechnologie kümmert sich um die Aufbereitung von Trinkwasser und Möglichkeiten der Optimierung der Abfallwirtschaft, auch in Verbindung mit dem Umweltschutz.
Grüne Biotechnologie Bei der Grünen Biotechnologie liegt der Fokus auf der Agrarwirtschaft. Sie fokussiert auf den Einsatz biotechnologischer Methoden und Mittel zur Optimierung des Outputs aus Nutzpflanzen.
Rote Biotechnologie Die Rote Biotechnologie beschäftigt sich mit den Möglichkeiten der Biotechnologie in der Medizintechnik und Pharmaindustrie. Sowohl therapeutische als auch diagnostische Möglichkeiten werden entwickelt. Es geht darum, Krankheiten zu erkennen und sie zu heilen.
Weiße Biotechnologie Mit der Weißen Biotechnologie wird der Einsatz biotechnologischer Verfahren bei industriellen Produktionsverfahren verfolgt. Einsatzgebiete sind beispielsweise die Herstellung von Lebensmitteln und Bier.

Entsprechend der weiten Spannbreite unterschiedlicher Einsatzgebiete der Biotechnologie sind auch de Anforderungen stark unterschiedlich. Jeder Bereich spricht unterschiedliche Industrien an. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Optionen, der Finanzierung von Biotechnologie.

Situation und Herausforderungen in der Biotechnologieindustrie

Innovationen und Produktion in der Biotechnologie erfordern in der Regel größere Investments. Notwendige Technologien und Maschinen müssen mitunter teuer angeschafft werden. Wissen um Innovationen und Fortschritte kann nur durch Experten geschaffen werden. Diese Experten kennen sich optimalerweise sowohl in den Technologien als auch den naturwissenschaftlichen und biologischen Möglichkeiten der Zielbranche aus. Ohne technisches Equipment ist die Umsetzung ihres Wissens und ihrer Innovationen nicht möglich. Aus diesem Grund ist es für junge Unternehmen oft schwer, sich am Markt zu etablieren. Es gibt sehr gute Ideen, es fehlt aber an Finanzmitteln.

Große Investitionen – große Potenziale

Die Finanzierung von Biotechnologie stellt besondere Herausforderungen dar: Sie ist kapitalintensiv. Das Ergebnis ist dabei aber nicht garantiert. Dennoch können die Resultate großes bewirken. Sie können die Welt verändert. Einem hohen Risiko der Investition stehen große Potentiale gegenüber. Nicht nur ideeller Erfolg, auch ein monetärer Gewinn kann groß ausfallen, wenn das Vorhaben gelingt. Auf Grund der Unsicherheit ist es aber oft schwer, an eine Finanzierung durch Kredite zu gelangen.

Einer Studie des Wirtschaftsprüfungsinstitutes Ernst & Young (EY) zu Folge gab es in Deutschland im Jahr 2017 647 Unternehmen in der Industrie der Biotechnologien. Hiervon waren 21 Unternehmen an einer Börse notiert. Diese Unternehmen erzielten im selben Jahr Umsatzerlöse in Höhe von etwa 4 Milliarden Euro. Sie sind in den zwei vorherigen Geschäftszahlen jeweils um mehr als 8 Prozent gegenüber dem jeweiligen Vorjahr gestiegen. Der Aufwand für Forschung und Entwicklung lag bei ungefähr 1,2 Milliarden Euro.

Das BioTechnologie Jahrbuch 2018 von biotechnologie.de untergliedert den Fokus der Biotechnologieunternehmen weiter. Demnach sind etwa 50,5 Prozent der Unternehmen der Industrie in Deutschland im Bereich der Medizin und Pharmazie tätig. 10,5 Prozent beschäftigen sich mit der industriellen Biotechnologie und 6 Prozent mit der Bioinformatik. Lediglich 2,8% fokussieren auf Biotechnologien der Agrarwirtschaft. Die verbleibenden 30, Prozent spezifizieren ihre Dienstleistungen nicht weiter oder erbringen branchenübergreifende Dienstleistungen.

Finanzierungsmöglichkeiten in der Industrie der Biotechnologien

Gerade wenn es um junge und noch nicht am Markt etablierte Unternehmen geht, stellt die Finanzierung von Biotechnologie oft eine besondere Herausforderung dar. Etablierte Unternehmen haben es einfacher, dennoch können auch sie mitunter verschiedene Finanzierungsmodelle in Betracht ziehen. Jedes Modell hat Vor- und Nachteile. Im Folgenden werden wir wesentliche Optionen kurz darstellen.

1. Finanzierung Biotechnologie: Wagniskapitalfinanzierung

Wie bereits beschrieben stehen gerade bei jungen Unternehmen der Industrie der Biotechnologie einem Investment in das Unternehmen große Unsicherheiten gegenüber. Kapitalgeber müssen unter Umständen damit rechnen, dass das Projekt nicht glückt. Teile des Investments oder sogar die komplette Finanzierung gehen verloren. Banken wissen das und tun sich deshalb schwer, ohne weiteres eine Kreditfinanzierung bereitzustellen. Rein rechtlich ist es ihnen nicht möglich. Aus diesem Grund ist das Wagniskapital oft eine Option der Finanzierung des Projektes.

Wagniskapital oder auch Venture Capital dient der Finanzierung von Biotechnologie. Investoren kaufen Unternehmensanteile und investieren in Form einer Kapitalrücklage zusätzliches Kapital in das junge Unternehmen. Der Preis für Wagniskapital ist die Abgabe von Entscheidungsfreiheiten und Renditechancen im Anteil der Stammkapitalübertragung. Anstatt frei und ungebunden die Entscheidungen für das eigene Unternehmen treffen zu können, sprechen andere Anteilseigner mit. Zugleich erhält das Unternehmen oft aber auch Unterstützung bei der Umsetzung des Projektes. Es fließt nicht nur Kapital sondern auch Know-How.

Wagniskapital-Runden

Wagniskapital zur Finanzierung von Biotechnologie wird in verschiedenen Runden ausgegeben. Pre-Seed- und Seed-Kapital werden in einem sehr frühem Unternehmensstadium gegeben. Die Beträge sind noch gering. Die gegenüberstehenden abzugebenden Anteile sind vergleichsweise hoch. Wenn es ein Produkt gibt, wird dieses dann am Markt getestet und bei Annahme am Markt kann die Expansion folgen. In verschiedenen weiteren Runden können Unternehmen Wagniskapital entsprechend des Fortschritts und der Marktchancen des Projektes erhalten. Für dieses Eigenkapital zahlt der Wagniskapitalnehmer keinen Zins, sondern maximal eine Rendite anteilig am Jahresgewinn. Ansonsten können Investoren die eigenen Anteile verkaufen, in der Hoffnung Gewinne zu erwirtschaften oder Schaden zu begrenzen. Das Investment als Wagniskapital an sich ist mit vergleichsweise hohem Aufwand verbunden. Sowohl die Investorensuche als auch die Registrierung der neuen zusätzlichen Anteilseigner oder der Anteilsstruktur verursachen Zeit- und Kostenaufwand. Wagniskapital wird gegeben, wenn das Risiko groß ist.

2. Finanzierung Biotechnologie: Pharma-Biotech-Kooperationen

Einen Wagniskapitalgeber zu finden ist mitunter aber auch sehr schwer. Nicht jeder Investor kennt sich im Bereich der Biotechnologien aus oder ist nicht bereit in die Industrie oder in ein Unternehmen zu investieren. Einfacher kann eine Kooperation mit Unternehmen sein, die bereits erfolgreich am Markt und auch an Innovationen interessiert sind. Unternehmen der Industrie der Biotechnologie kennen die Industrie natürlich. Sie wissen besser als kaum jemand anderes um die Chancen und Risiken neuer Produkte. Je nach Biotechnologiekonzern kann die Unterstützung anders aussehen. Manche Unternehmen investieren an sich wieder Wagniskapital in Unternehmen. Andere Unternehmen stellen eigene Maschinen und Mitarbeiter als Unterstützung zur Verfügung, um die Produktentwicklung voranzutreiben. Entweder erhält der vorher externe Innovator bei Erfolg eine Gewinnbeteiligung des Produktes, oder das unterstützende Unternehmen der Biotechnologie erhält Anteile am Unternehmen, in welches es Ressourcen investiert hat. Die Erfolgschancen sind bei solch einer Finanzierung sicherlich höher als bei anderen Wagniskapitalgebern.

3. Finanzierung Biotechnologie: Innovative Köpfe outsourcen

Denkbar sind auch Modelle, in denen ein erfolgreicher Konzern junge Unternehmer und Innovatoren in hauseigene Startups hinein holt. Diese Innovationstreiber erhalten Anteile am Unternehmen, sowie Maschinen und Kapital, um die Entwicklung von Projekten voranzutreiben. Die Technischen Anlagen können zeitweise an das Startup vermietet werden. Das Kapital kann dann in Form von Eigenkapital oder Gesellschafterdarlehen gegeben werden. Der finanzierungssuchende Innovator erhält die Chance am Erfolg mit Unterstützung eines erfahrenen Konzerns teilzuhaben. Kapitalsuchende können sich über verfügbare Programme informieren oder mit einem Pitch auch ohne Programm von ihrem Vorhaben überzeugen. Unter Umständen laufen sie aber Gefahr, dass der Konzern den Pitch als Inspiration nutzt und das Projekt selbst entwickelt. Wenn kein Unternehmen unterstützen will, besteht manchmal auch die Möglichkeit der Kooperation mit einer Universität oder Hochschule zur Finanzierung von Biotechnologie in der Entwicklungsphase. Die Kosten der Kooperation, sind dabei häufig geringer, so aber auch das verfügbare unternehmerische Know-how.

4. Finanzierung Biotechnologie: Fremdfinanzierungsmöglichkeiten

Ganz ohne Aufgabe von Unternehmensanteilen besteht auch die Möglichkeit der Finanzierung aus Fremdkapital. Die Nutzung von Fremdfinanzierung zur Finanzierung von Biotechnologie kann auf unterschiedlichste Art ausgeübt werden. Je nach Stadium, Alter und Situation des Unternehmens sowie dem Zweck des Investments unterscheiden sich sowohl die Verfügbarkeit als auch die Konditionen für die Finanzierung. Firmenkredite werden in der Regel erst gegeben, wenn ein Unternehmen zwei geprüfte Jahresabschlüsse vorlegen kann. Junge und nicht profitable Unternehmen ohne Sicherheiten erhalten kaum ohne weiteres eine Unternehmensfinanzierung in Form eines Kredites. Dies bedeutet aber noch nicht, dass eine Fremdfinanzierung für junge Unternehmen komplett ausgeschlossen werden kann. Neben dem altbewährten Kredit für Unternehmen stehen folgende Alternativen zur Verfügung:

Firmenleasing

Mit dem Firmenleasing können technische Anlagen und Maschinen geleast werden. Es wird nicht unmittelbar der komplette Kaufpreis fällig. Stattdessen zahlen Sie monatliche Leasingraten über eine fest vereinbarte Grundmietzeit. Der Ausweis künftiger Verbindlichkeiten ist nach HGB nicht zulässig. Folglich wird Ihre Eigenkapitalquote geschont. Die Leasinggebühren können unmittelbar erfolgswirksam in der Gewinn- und Verlustrechnung der Bilanz als Kosten erfasst werden. Am Ende des Leasingzeitraumes besteht oft die Option der Übernahme des Leasingobjektes durch Einmalzahlung oder Ratenzahlung oder die Rückgabe an den Leasinggeber. Während der Laufzeit sind Sie für die Instandhaltung der Maschine verantwortlich.

Finetrading

Über das Finetrading können Sie Zahlungsziele bei Ihren Lieferanten verlängern. Wenn Sie bereits Produkte Absetzen, erhalten Sie so die Chance, Kundenzahlungen zu erhalten, bevor sie die Lieferantenrechnung zahlen. Skonto kann genutzt werden. Wenn Sie den Finetrader innerhalb der ersten 30 Tage zahlen, wird für Sie oft keine Gebühr für die Dienstleistung fällig. Je später sie zahlen, desto höher die zu zahlende Gebühr.

Factoring

Über das Factoring können Sie Den Geldeingang von gewerblichen Kundenforderungen gegen eine Gebühr vorziehen. In vielen Fällen trägt der Factor als Finanzierer das Risiko des Ausfalls einer Forderung (Delkredererisiko).

Auch die Lagerfinanzierung oder der Mietkauf könnten für Sie eine Option der Finanzierung von Biotechnologie darstellen.

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5. Finanzierung Biotechnologie: Öffentlichen Fördermitteln

Wenn Sie ein junges Unternehmen sind und eine Herausforderung mit der Kapitalbeschaffung haben, dann können Sie unter Umständen auf verfügbare öffentliche Fördermittel zugreifen. Bund, Länder und Kommunen stellen zur Unterstützung der heimischen Wirtschaften Fördermittel zur Verfügung. Unterstützung finden Startups, Unternehmen mit Fokus auf Energie und Umwelt, sowie Exporteure und expandierende Unternehmen bei einigen öffentlichen Einrichtungen.

Eine dieser Förderinstitute ist die Kreditanstalt für den Wiederaufbau (KfW). Diese Förderbank erhält Fördermittel, um Unternehmen bei unternehmerischen Zielsetzungen unter die Arme zu greifen. Für Unternehmen stellt die Bank zur Finanzierung von Biotechnologie Sicherheiten wie Bundesgarantien zur Verfügung. Dank dieser Sicherheiten können Kredite überhaupt erst oder zu besonders guten Konditionen angeboten werden. Hierzu wenden Sie sich unter Angabe eines Programms der KfW Bank an eine Geschäftsbank. Diese prüft Ihr Investitionsvorhaben. Wenn sie an einem Investment in Ihr Projekt interessiert ist, kontaktiert die Geschäftsbank die KfW. Wenn die KfW Bank zustimmt, erhalten sogar junge Unternehmen einen Kredit mit guten Konditionen. Die Finanzierung von Biotechnologie wird so oft erst ermöglicht. Im Falle eines Zahlungsausfalls tritt der Garantiegeber ein.

6. Finanzierung Biotechnologie: Börsengang und Crowdfunding

IPO

Unter Umständen befinden Sie sich mit Ihrem Unternehmen in einer Situation, in der Sie zur Finanzierung von Biotechnologie über einen Börsengang nachdenken. Grundsätzlich kann jedes Unternehmen an die Börse gehen. Hierzu sind diverse Schritte wie die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und die Notierung an einer Börse notwendig. Ein Börsengang mit allen Maßnahmen ist allerdings sehr zeit- und kostenintensiv. Auch das Ergebnis am Ende ist nicht garantiert. Anteile an der Börse anzubeten ist noch nicht genug. Sie müssen das Interesse von Investoren wecken, die Ihnen Ihre Anteile im Primary Offering auch abnehmen. Wenn niemand die angebotenen Anteile abnimmt, fließt auch kein Geld in Ihr Unternehmen. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert eine bestimmte Unternehmensgröße und einen Bekanntheitsgrad erreicht zu haben, bevor Sie über einen Börsengang zur Finanzierung von Biotechnologie nachdenken.

Crowdfunding als günstige Alternative

Als Alternative zum Börsengang können Sie auch Geld aus der Crowd („Menschenmenge“), d.h. von Privatpersonen, erhalten. Ein teurer Börsengang ist dazu nicht erforderlich. Über Crowdfunding-Plattformen wie Indiegogo können Sie Projekte vorstellen und Geld gegen eine Leistung bereits in der Entwicklungsphase einsammeln. So erhalten Sie Geld und möglicherweise bereits ein Interesse in der Öffentlichkeit. Ihre Produkte werden abgesetzt/vorbestellt. Sie generieren Anzahlungen in Umsatzerlöse und lernen den Markt bereits kennen. Über Kreditplattformen wie auxmoney können Sie sich ebenfalls Darlehen aus der Crowd anfragen. Diese sind aber zuzüglich Zinsen zurückzuzahlen und in der Regel teurer als Bankkredite.