Bankenrating: Wie mache ich mich finanzierbar?

Um das System zu verstehen, werfen wir einen Blick unter die Haube.

Bankenrating

Egal ob Kapitalerhöhung, Firmenkredit oder Mezzanin: Damit Ihr Unternehmen aus der Sicht von Geldgebern attraktiv ist, müssen Sie den „Dresscode“ einhalten. Nach welchen Kriterien treffen Banken im Bankenrating und andere Kapitalgeber Investitionsentscheidungen? Welche Scorewerte sind maßgeblich und wie können Sie diese gezielt verbessern? Welche Bedeutung hat der CREFO Score? Lohnen sich spezifische Maßnahmen zur Optimierung der Firmenbonität überhaupt? Diese und weitere Fragestellungen rund um Scoring und Co. werden hier beleuchtet.

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Zusätzliche Information

Was ist ein Bankenrating überhaupt?

Ob Ihr Unternehmen einen Kredit erhält und zu welchen Konditionen die Bank diesen gewährt, hängt vom Bankenrating ab. Ein Rating ist eine Note, mit der Kreditwürdigkeit bewertet wird. Für das Rating messen Banken anhand verschiedener Kennzahlen die Ausfallwahrscheinlichkeit. Diese misst – in Prozentwerten ausgedrückt – das Risiko, dass es innerhalb eines Jahres zu einem Zahlungsausfall kommt.

Unternehmen mit gutem Bankenrating erhalten bei vielen Banken Kredite zu günstigen Konditionen. Unternehmen mit weniger guten Ratings müssen Risikoaufschläge zahlen oder erhalten gar keinen Kredit. Das Rating wird nicht nur bei der initialen Kreditvergabe, sondern auch bei der Verlängerung oder Ausweitung von Kreditlinien herangezogen.

Nur wer das eigene Bankenrating kennt, kann vergleichen

Viele Unternehmen, insbesondere KMUs – kennen ihr eigenes Rating nicht und wissen schon gar nicht, wie es sich zusammensetzt. Eine gesetzliche Verpflichtung für Banken zur detaillierten Erläuterung des Ratings gibt es nicht. Fragen Unternehmen jedoch nach, erteilen die meisten Institute auch entsprechende Auskünfte. Die Kenntnis des eigenen Ratings ist wichtig, um Angebote verschiedener Finanzierer miteinander vergleichen zu können. Auch, wer die betriebliche Kreditwürdigkeit verbessern und das Unternehmen finanzierbar machen möchte, benötigt Kenntnis über das Rating.

Bankenrating kennen

Eine einheitliche Ratingskala gibt es nicht im Bankenrating

Ein Problem bei der Beurteilung der eigenen Scoring Werte besteht darin, dass Banken und Sparkassen mit ganz unterschiedlichen Notensystemen operieren. Der deutsche Sparkassen- und Giroverband DSGV  stuft Unternehmen anhand der Scoring Werte bzw. Ausfallwahrscheinlichkeiten in insgesamt 15 Gruppen ein. Bei den Genossenschaftsbanken gibt es 16, bei der Deutschen Bank 14 und bei der Commerzbank mehr als 20 Stufen. Der sogenannte CREFO Score (der Bonitätsindex der Auskunftei Creditreform) sieht insgesamt acht Gruppen vor. Der CREFO Score gehört zu den wichtigsten Messgrößen im Scoring von Unternehmen.

Eine Übersicht über die verschiedenen Systeme findet sich zum Beispiel beim Verband der KMU Berater. Mit dieser Übersicht lassen sich die Ratingnoten verschiedener Banken vergleichen. Die Übersicht teilt die Ratingkategorien verschiedener Banken in insgesamt sieben Stufen ein.

Wie genau Banken im Rahmen des Scoring eine konkrete Ratingnote entwickeln, hängt von jedem einzelnen Institut ab. Typischerweise werden Kennzahlen aus Jahresabschlüssen betrachtet. Zusätzlich müssen Unternehmen einen Fragenkatalog beantworten, der sich zum Beispiel auf Aspekte der Unternehmensführung bezieht. Nicht zuletzt wird der Verlauf des Geschäftsgirokontos einbezogen. Liegen hier bestimmte Vorfälle vor, kann dies zur Ablehnung des Kredits führen. Beispiel für solche Vorfälle sind Rücklastschriften mangels Deckung und nicht ausgeführte Überweisungen oder Überziehungen der mit der Bank vereinbarten Kreditlinie. Bei kleineren Krediten besteht die Kreditwürdigkeitsprüfung zu besonders großen Teilen aus der Betrachtung des Girokontos. Wer ein Unternehmen besser finanzierbar machen möchte, muss deshalb auf eine einwandfreie Kontoführung achten.

Bankenrating: für KMUs ist ein Ratingstufe 2 sehr gut!

Kleine mittelständische Unternehmen können nicht damit rechnen, in die höchstmögliche Ratingstufe eingestuft zu werden. Mit einer Note auf Stufe 2 ist die Verhandlungsposition gegenüber Banken jedoch bereits sehr gut.

Ab welcher Ratingnote keine Kreditvergabe mehr möglich ist, lässt sich ebenfalls nicht einheitlich bestimmen. Gemessen an der Skala des Verbands der KMU Berater sind Kredite bis zu einem Scoring in der Stufe 5 prinzipiell möglich. In diesem Bereich sind jedoch nicht mehr alle Banken zu einer Kreditvergabe bereit. Diejenigen Institute, die noch Kredite vergeben, werden Risikozuschläge verlangen.

Kreditwürdigkeit verbessern: Diese Fragen sollten Unternehmen ihrer Bank stellen

Unternehmen – auch KMUs – sollten ihrer Bank konkrete Fragen zum Scoring und zur Ermittlung des Ratings stellen. Gefragt werden sollte nach den Kennzahlen, die in die Bonitätsprüfung einfließen. Die Bank sollte zudem konkret Auskunft über die ermittelte Note geben und auch die dazugehörige Ausfallwahrscheinlichkeit nennen. Unternehmen sollten auch nachfragen, was das Bankenrating für mögliche zukünftige Kredite bedeutet. Weitere wichtige Fragen: Wo liegen aus Sicht der Bank die Stärken und Schwächen des eigenen Unternehmens? Wie lässt sich die Kreditwürdigkeit verbessern?

Perspektivenwechsel: Kriterien, die für Investoren wichtig sind

Wer die Kreditwürdigkeit verbessern und das eigene Unternehmen finanzierbar machen möchte, muss zunächst wissen, wie Banken und andere Investoren Bonität messen. Die Bonitätsprüfung umfasst typischerweise quantitative und qualitative Erfolgsfaktoren. Die quantitativen Erfolgsfaktoren bestehen im Wesentlichen aus Bilanzkennzahlen. Bei den qualitativen Erfolgsfaktoren (auch als weiche Faktoren bezeichnet) werden zum Beispiel bestimmte Aspekte des Managements und der Mitarbeiterqualifikation, der Wettbewerb oder die betriebliche Organisation bewertet.

Quantitative Erfolgsfaktoren im Bankenrating (Bilanzkennzahlen)

Welche Bilanzkennzahlen eine Bank genau in das Scoring einbezieht, wird letztlich durch jedes Institut entschieden. 8 Kennzahlen sind jedoch Gegenstand nahezu jeder Bonitätsprüfung im Zusammenhang mit Firmenkrediten:

  1. Eigenkapitalquote
  2. Verschuldungsgrad
  3. Anlagendeckung
  4. Liquidität
  5. Debitorenziel
  6. Kreditorenziel
  7. Umsatzrendite
  8. Cashflow

1. Eigenkapitalquote

Eine möglichst hohe Eigenkapitalquote ist notwendige (aber nicht hinreichende) Bedingung für eine Kreditvergabe. Als guter bis sehr guter Wert gelten Eigenkapitalquoten von mehr als 25 %. Mittlere Werte bewegen sich im Bereich von 10-25 %, schlechte Werte liegen unter 10 %. Wer ein Unternehmen günstig finanzierbar machen möchte, kommt an der Eigenkapitalquote nicht vorbei.

2. Verschuldungsgrad

Der Verschuldungsgrad ist das Verhältnis von kurzfristig liquidierbaren Vermögenswerten zu kurzfristigen Verbindlichkeiten. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten sollten keinesfalls höher liegen als die kurzfristig liquidierbaren Vermögenswerte.

3. Anlagendeckung

Die Anlagendeckung beschreibt, wie Anlagevermögen finanziert wurde. Bei sehr großem Anlagevermögen steigen die Anforderungen an das Eigenkapital. Zudem sollten die Fremdkapitalanteile aus primär langfristigen Krediten bestehen.

4. Liquidität

Liquidität besteht primär aus Bankguthaben und kurzfristig fälligen, nicht gefährdeten Forderungen. Die Summe aus diesen Posten sollte ausreichen, um mehr als die Hälfte der kurzfristigen Verbindlichkeiten bedienen zu können.

5./6. Debitoren- und Kreditorenziel

Ein kurzes Zahlungsziel für die Kunden senkt die Ausfallquote. Günstig für ein Rating wirkt sich aus, wenn Kunden im Durchschnitt nach spätestens 30 Tagen bezahlen. Kürzere Zahlungsziele können das Bankenrating verbessern, wenn die Zahlungen der Kunden nach der Umstellung ebenfalls schneller eingehen. Achtung: Lassen sich schnellere Zahlungen absehbar nicht bewirken, kann eine Verkürzung des Zahlungsziels kontraproduktiv sein. Dann nämlich gerät ein Großteil der Forderungen technisch in Verzug.

Beim Kreditorenziel verhält es sich genau andersherum. Banken überprüfen zum Scoring auch, wie schnell ein Unternehmen Rechnungen bezahlt. Je schneller die Zahlung erfolgt, desto besser für die Bonität. Ein gute Zahlungsmoral kann somit ein Unternehmen besser finanzierbar machen.

7. Umsatzrendite

Die Umsatzrendite ist das Verhältnis aus Gewinn zum Umsatz. Die Umsatzrendite eines Unternehmens sollte im Branchenvergleich zumindest nicht auffällig schlecht ausfallen.

8. Cashflow

Cashflow gilt als zentrales Maß für die Kapitaldienstfähigkeit. Er bezeichnet den Rückfluss des investierten Kapitals und ist eine wesentliche Rentabilitätskennzahl. Zur Berechnung des Cashflows wird der Gewinn um die Abschreibungen erweitert. Je höher der Cashflow eines Unternehmens, desto besser kann es Kredite bedienen und desto besser dementsprechend das Rating.

Qualitative Erfolgsfaktoren im Bankenrating (Management)

Qualitative Erfolgsfaktoren betreffen vor allem Aspekte der Unternehmensführung. Diese Faktoren sind nicht so objektiv messbar wie qualitative Kriterien, können jedoch nach gängiger Ansicht wesentliche Auswirkungen auf die Entwicklung eines Unternehmens entfalten. Diese sogenannten weichen Faktoren dienen aus Sicht der Banken auch dazu, potenzielle Krisen frühzeitig zu erkennen.

Qualitative Erfolgsfaktoren werden anhand von Fragebögen und Checklisten ermittelt. Aus den dabei erhobenen Daten werden bei den meisten Scoring Verfahren numerische Werte entwickelt. Unternehmen, die sich finanzierbar machen möchten, können in den betrachteten Bereichen Änderungen vornehmen und dadurch ein besseres Bankenrating ganz ohne Maßnahmen in der Bilanz erreichen.

Welche Faktoren berücksichtigt werden, hängt von der jeweiligen Bank und auch vom betrachteten Unternehmen ab. Prinzipiell sind folgende qualitative Erfolgsfaktoren relevant:

  • Management und Mitarbeiterqualifikation

  • Wettbewerbssituation

  • Betriebsorganisation

  • Informationspolitik

  • Rechtsform

  • Kundenbindung

  • Strategie des Unternehmens

  • Risikomanagement

  • Jahresabschlusspolitik

  • Rechnungswesen und Controlling

  • Produktion

  • Planung und Steuerung

  • Kontoführung

Vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen werden nicht alle diese Faktoren im Detail berücksichtigt. Hier sind vielmehr Planung und Controlling, Qualität der Kontoführung und gegebenenfalls Nachfolgeregelungen relevant.

Es liegt auf der Hand: Geht der Inhaber eines Unternehmens bereits auf das Rentenalter zu und ist kein Nachfolger in Sicht, werden Banken bei der Kreditvergabe zurückhaltend sein. Unternehmen können sich finanzierbar machen und ihre Kreditwürdigkeit verbessern, indem frühzeitig ein Nachfolger deklariert und in das Unternehmen eingebunden wird.

Sehr wichtig für die Kreditwürdigkeit ist die Kontoführung. Auf dem Geschäftskonto sollte sich im besten Fall   genügend Liquidität befinden, um alle Forderungen der nächsten 2-3 Monate bedienen zu können. Keinesfalls sollte es zu einem Überschreiten von eingeräumten Kreditlinien oder gar zu nicht eingelösten Rücklastschriften kommen.

Auf die Eigenkapitalquote kommt es an

Unabhängig davon, welche Scoring Methode angewandt wird, ist die Eigenkapitalquote die wichtigste Kennzahl für die Beurteilung der Bonität. Die Eigenkapitalquote ist definiert als der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital. Gute bis sehr gute Werte liegen über 25 %. Eigenkapitalquoten von 10-25 % sind mittelmäßig, Werte unterhalb von 10 % ungünstig.

Unternehmen, die ihre Kreditwürdigkeit verbessern möchten, müssen deshalb ihre Eigenkapitalquote erhöhen. Dies ist der effektivste Weg zu einem besseren Bankenrating.

Wie wird das wirtschaftliche Kapital berechnet?

Dies ist relativ einfach. Dem Stammkapital werden Kapital- und Gewinnrücklage, Gewinnvortrag, Jahresüberschuss, Sonderpostenrücklagenanteil sowie Gesellschafterdarlehen mit Rangrücktritt hinzugerechnet. Abgezogen werden Verlustvorträge, Jahresfehlbeträge, ausstehende Einlagen, Forderungen gegen Gesellschafter sowie immaterielle Vermögenswerte.

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Unternehmen finanzierbar machen: Das Eigenkapital stärken

Wie kann die Eigenkapitalquote erhöht werden, um Bankenrating und Kreditwürdigkeit verbessern und die Chance auf eine günstige Finanzierung erhöhen zu können? Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Gewinne erhöhen und thesaurieren (Eigenkapital verdienen)

Eigenkapital verdienen und Unternehmen finanzierbar machen: Ist ein Unternehmen profitabel und werden die Gewinne nicht ausgeschüttet, erhöht jeder Jahresüberschuss die Eigenkapitalquote. Werden Gewinne über einen längeren Zeitraum im Unternehmen thesauriert, sollte sich das Rating verbessern. Um dieses Ziel so rasch wie möglich zu erreichen, sollten Unternehmen nicht nur Entnahmen und Ausschüttungen reduzieren, sondern auch alle Möglichkeiten zur Optimierung der Ertragskraft ausschöpfen.

Neue und alte Investoren gewinnen (Eigenkapital aufnehmen)

Deutlich schneller als die Erhöhung der Eigenkapitalquote über das Thesaurieren von Gewinnen wirken Änderungen an der Kapitalstruktur, die durch neue und alte Investoren initiiert werden. Unternehmen können eine Kapitalerhöhung durchführen, indem neue Teilhaber aufgenommen oder Mitarbeiter beteiligt werden. Dies geht allerdings mit einer Änderung der Eigentümerstruktur und damit auch der Mitbestimmungsrechte einher.

Unternehmen, die ohne eine solche Änderung der Eigentümerstruktur ihre Kreditwürdigkeit verbessern möchten, können zum Beispiel Mezzanine Kapital aufnehmen. Dabei kann es sich etwa um langfristig bereitgestelltes, nachrangiges und stimmrechtloses Kapital mit Gewinnbeteiligungsanspruch handeln.

Leasing und Factoring (Eigenkapital optimieren)

Die Eigenkapitalquote lässt sich durch Leasing und Factoring optimieren. Durch solche Maßnahmen können Unternehmen sich finanzierbar machen, ohne neue Investoren an Bord zu holen. Wird ein Gegenstand (meist eine Immobilie, ein Fahrzeug etc.) geleast, befindet es sich nicht in der Bilanz. Dadurch reduziert sich die Bilanzsumme, wodurch die Eigenkapitalquote im Vergleich zu einem kreditfinanzierten Kauf erhöht wird.

Mit Sale-and-Lease-Back-Verfahren können bereits bestehende, finanzierte Anlagegüter an eine Leasinggesellschaft verkauft und zurückgemietet werden. Auch dies verkürzt die Bilanzsumme und führt zu einer erhöhten Eigenkapitalquote.

Eine Erhöhung der Eigenkapitalquote ist auch durch Factoring möglich. Dabei werden Forderungen an Factoringgesellschaften verkauft. Diese bilanzieren anschließend die Forderungen, wodurch sich die Bilanzsumme verringert und die Eigenkapitalquote erhöht.

Auch durch den Abbau von Lagerbeständen lässt sich über eine erhöhte Eigenkapitalquote die Kreditwürdigkeit verbessern. Dies kann oft durch eine Verkürzung der Lagerdauer erreicht werden.

Insbesondere die Kombination aus Sale-and-Lease-Back, Anschaffung neuer Güter durch Leasing, Verkauf von Kundenforderungen an Factorer und dem Abbau von Lagerbeständen führt oft zu einer signifikanten Verbesserung der bilanziellen Situation und kann Unternehmen besser bzw. günstiger finanzierbar machen.

Bankenrating: Was bringt Bilanzoptimierung bei Finanzierbarkeit und Zinssatz?

Das allgemeine Zinsniveau ist bekanntlich seit Jahren sehr niedrig. Über die konkreten Finanzierungskonditionen für Unternehmen sagt dies jedoch wenig aus. Tatsächlich lässt sich eine zunehmende Bandbreite der Konditionen beobachten. Größere KMUs mit einem guten Bankenrating erhalten Zinssätze im Bereich von 2-4 %. Andere Unternehmen müssen – insbesondere für Kontokorrentkredite und andere flexible Kreditlinien – nach wie vor zweistellige Zinssätze in Kauf nehmen.

Die Optimierung der Bilanz und insbesondere die Erhöhung der Eigenkapitalquote führt zu besseren Werten bei Scoring und Bankenrating. Unternehmen können sich so finanzierbar machen und die Chance auf eine Kreditzusage erhöhen. Unternehmen, die ihre Kreditwürdigkeit verbessern, erfüllen die Annahmekriterien von einer größeren Zahl von Finanzierern. Dies vergrößert die Auswahlmöglichkeiten und verbessert die Verhandlungsposition. Insbesondere Unternehmen, die ohne akute Problemlage unter ungünstigen Finanzierungskonditionen leiden, sollten entsprechende Maßnahmen in Betracht ziehen.

Auskunfteien und Rating: Was ist der CREFO Score?

In der Praxis stützen Banken sich beim Bankenrating maßgeblich auf Informationen von großen Wirtschaftsauskunfteien – allen voran Creditreform. Der Verband der Vereine Creditreform e.V. mit Sitz in Neuss ist die wichtigste deutsche Auskunftei für die Bewertung von Unternehmen. Der Creditreform Bonitätsindex (häufig als CREFO Score bezeichnet) bewertet eine Vielzahl von Unternehmen. Wer ein Unternehmen finanzierbar machen möchte, kommt an diesem Rating nicht vorbei.

Der CREFO Score wurde 1984 eingeführt und liefert eine detaillierte Angabe zur statistischen Ausfallwahrscheinlichkeit. Banken und andere interessierte Parteien können dadurch sehr schnell die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens einschätzen. Zur Ermittlung der Bonität kommen mathematisch-statistische Verfahren zum Einsatz. Wie bei allen Scoring Verfahren spielt dabei auch die Zuordnung eines Unternehmens zu vergleichbaren Unternehmen eine Rolle (Peer-Group-Verfahren).

Welche Merkmale fließen in den CREFO-Score ein? Creditreform legt die Zusammensetzung des Ratings offen. Diese Merkmale fließen mit den nebenstehenden Gewichtungen ein:

  • Krediturteil: 25 %

  • Zahlungsweise: 25 %

  • Unternehmensentwicklung: 5 %

  • Auftragslage: 5 %

  • Rechtsform: 4 %

  • Branche: 6 %

  • Unternehmensalter: 4 %

  • Umsatz: 5 %

  • Mitarbeiterzahl: 4 %

  • Umsatz/Mitarbeiter: 2 %

  • Gezeichnetes Kapital: 5 %

  • Bilanzbonität: 10 %

Der CREFO-Score fasst diese Merkmale zu einem Gesamtwert zusammen und stellt sie als dreistellige Zahl dar. Der CREFO-Score nimmt Werte von 100-600 an. Diesen sind Ausfallwahrscheinlichkeiten zugeordnet. Die Ausfallwahrscheinlichkeit in Prozent gibt das Risiko ein, mit dem es in den kommenden zwölf Monaten statistisch betrachtet zu einem Zahlungsausfall kommt.

Was bedeuten die CREFO Score Werte? Insgesamt gibt es acht Stufen.

  • 100-149: Ausgezeichnete Bonität (0,04 % Ausfallwahrscheinlichkeit)
  • 150-199: Sehr gute Bonität (0,18 % Ausfallwahrscheinlichkeit)
  • 200-249: Gute Bonität (0,46 % Ausfallwahrscheinlichkeit)
  • 250-299: Mittlere Bonität (1,34 % Ausfallwahrscheinlichkeit)
  • 300-349: Schwache Bonität (4,29 % Ausfallwahrscheinlichkeit)
  • 350-499: Sehr schwacher Bonität (12,24 % Ausfallwahrscheinlichkeit)
  • 500: Mangelhafte Bonität (massiver Zahlungsverzug)
  • 600: Ungenügende Bonität/Zahlungseinstellung (Zahlungseinstellung)

Es ist erkennbar, dass eine reguläre Kreditvergabe nur für Unternehmen mit einem CREFO Score in den ersten fünf Stufen möglich ist. In der sechsten Stufe (mit einer statistischen jährlichen Ausfallwahrscheinlichkeit in Höhe von 12,24 %) sind allenfalls Kredite spezialisierter Investoren denkbar (Hochrisikokapital). Unternehmen mit einem CREFO Score an den ersten vier Stufen (bis maximal 1,34 % Ausfallwahrscheinlichkeit) erhalten in der Regel problemlos und mit einer guten Verhandlungsposition Kredit.

Technisch beschreibt die Ausfallwahrscheinlichkeit die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Unternehmen innerhalb von zwölf Monaten in eine der beiden Stufen mit dem schlechtesten CREFO Score eingestuft wird.

Bei neu gegründeten Unternehmen sowie bei Unternehmen, bei denen unklare Sachverhalte vorliegen, wird kein CREFO Score vergeben. Unternehmen, die mit ihrem CREFO Score nicht zufrieden sind können die Auskunftei ansprechen und zum Beispiel Informationen nachreichen.

Unternehmen können ihre Kreditwürdigkeit verbessern und sich finanzierbar machen, indem die einfließenden Werte verbessert werden. Insbesondere das strikte Vermeiden von Zahlungsverzug und negativen Vorfällen auf Geschäftskonten ist dabei hilfreich. Mitunter lässt sich die Kreditwürdigkeit verbessern, indem nach ungünstigen Entwicklungen wie z. B. einem Zahlungsverzug eine Weile abgewartet wird.

Unternehmen sollten nicht erst ihre Kreditwürdigkeit verbessern, wenn bereits ein Kreditantrag abgelehnt wurde oder Darlehen nur zu schlechten Konditionen angeboten wurden. Stattdessen sollte schon im Vorfeld eines Finanzierungsvorhabens das eigene Rating gerpüft und optimiert werden.

Der CREFO Score wird seit 1984 berechnet. Seit dem Jahr 2000 wird die Berechnung durch die Creditreform Rating AG durchgeführt. Seit Einführung gab es verschiedene Änderungen, die nach Angaben von Creditreform zum Beispiel strukturelle Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur Deutschlands sowie veränderte Ausfallwahrscheinlichkeiten bei bestimmten Branchen oder Rechtsformen berücksichtigen. Als Beispiel nennt Creditreform, dass die Auswahlwahrscheinlichkeit bei Gewerbebetrieben den letzten Jahren stark angestiegen sei, während Unternehmen in der Gesellschaftsform GmbH & Co. KG ihre Kreditwürdigkeit verbessern konnten.

Das heißt zusammengefasst:

Die Zinsentscheidung der Kreditinstitute fällt auf Basis einer komplexen Kombination an Daten. Wer diese kennt, kann gezielt seine Kreditwürdigkeit verbessern und so unter Umständen Finanzierungen erreichen, die ihm andernfalls verwehrt blieben.

Die Mühe, bei den Aufkunfteien auf dem Laufenden zu bleiben, ist also bares Geld wert.