Aktuelle Heraus­­forderungen für Unternehmen und wie sie sich flexibel aufstellen können

Die Wirtschaft hat mit aufeinanderfolgenden Krisen zu kämpfen: Erst die Corona Pandemie, jetzt der Krieg in der Ukraine. Die Hoffnung, nach der Pandemie aufatmen zu können, war nur von kurzer Dauer. Unternehmen, die schon durch die Vorkrisen geschwächt sind, müssen sich jetzt mit weiteren aktuellen Herausforderungen auseinandersetzen: Steigende Preise für Energie und Rohstoffe, bestehende und neue Lieferengpässe sowie Inflation. Die steigenden Finanzierungszinsen belasten die Betriebe zusätzlich. Vor allem bei vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU), deren Rücklagen schon in den vergangenen zwei Jahren größtenteils aufgebraucht wurden, bedeutet dies Liquiditätsengpässe und möglicherweise neue Existenzsorgen. Gerade in diesen Zeiten ist es daher essentiell, sich vorzubereiten und sich als Unternehmer:in flexibel aufzustellen.

Der ifo Geschäftsklimaindex verdeutlicht die aktuelle Lage deutscher Unternehmen. Während der deutliche Einbruch Anfang 2020 der Corona-Krise geschuldet war, ist auch jetzt aufgrund der Russland-Ukraine-Krise ein Rückgang der Erwartungen zu verzeichnen. Obwohl die Firmen im Hinblick auf zukünftige Geschäftserwartungen weiterhin skeptisch sind und mit hohen Unsicherheiten zu kämpfen haben, scheint sich das Geschäftsklima im Mai zum Vormonat April ein wenig zu erholen.

Drei Problemstellungen für Unternehmen und ihre Folgen für den Wirtschaftskreislauf

1. Energiekrise und steigende Rohstoffpreise

Die Ukraine-Krise und die Abhängigkeit westlicher Länder, führte im März zu sprunghaften Erhöhungen der Energiepreise von bis zu 50% an einzelnen Tagen. Seit April sind die Preise wieder leicht zurückgegangen, befinden sich aber immer noch auf einem sehr hohen Niveau. Nicht nur die steigenden Energiepreise, sondern auch die erhöhten Preise für Rohstoffe und die Handelssanktionen schwächen die finanzielle Lage von Unternehmen. Laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Hantelskammertags (DIHK) im März sind über 30% der Industriebetriebe direkt durch die Sanktionen und über 50% indirekt durch steigende Preise, Transportprobleme und Lieferengpässe betroffen. Viele Betriebe fürchten eine Verschlimmerung der Lage durch ein Energie-Embargo seitens Deutschlands oder einen Lieferstopp russischer Energie. Obohl die Menge an importiertem Erdöl und Erdgas aus Russland schon reduziert wurde, ist Deutschland noch immer ein Stück weit von Russland abhängig. Auch mögliche Rationalisierungspläne für Energie würden nichts Gutes für die Betriebe bedeuten. Tritt hier keine Entspannung der Lage ein, müssen einige Unternehmen über eine Standortverlagerung ins Ausland nachdenken, was der deutschen Wirtschaft zusätzlich schaden würde. Obwohl laut DIHK bereits vermehrt Unternehmen in erneuerbare Energien oder Direktlieferverträge von grüner Energie, sogenannten Power Purchase Agreements, investieren, ist das keine kurzfristige Lösung.

2. Lieferengpässe und Transportprobleme

Unterbrochene Handelsketten und Lieferengpässe sind Herausforderungen, mit denen sich Unternehmen seit der Corona-Pandemie auseinandersetzen müssen. Verstärkt durch die Handelssanktionen gegen Russland, leidet das produzierende Gewerbe an einem Produktionsrückgang von fast 4% im Monat März. Grund dafür ist ein schwächer werdendes Auslandsgeschäft und weniger Exporte. Außerdem fehlen auch auf vorgelagerten Produktionsprozessen notwendige Rohstoffe, weshalb Unternehmen auf allen Stufen den Absprung von Kunden, Lieferanten oder Geschäftspartnern zu befürchten haben. Nicht nur die Suche nach neuen Partnern, Abnehmern oder Lieferanten gestaltet sich zeitaufwendig und kostenintensiv, sondern auch die verstärkte Lagerhaltung, mit der Unternehmen den Engpässen versuchen entgegenzuwirken. Zu allem Überfluss beeinträchtigt der erneute Lockdown Chinas zusätzlich die Handelswege. Circa 3% der weltweiten Containerfrachtschiffkapazität stehen derzeit unbewegt im Hafen von Shanghai und das Exportvolumen ist bereits um 40% zurückgegangen. Die endgültigen Auswirkungen dessen werden sich in Deutschland zwar erst in einigen Wochen zeigen, dennoch kommen deutsche Firmen mit der Auftragslage, aufgrund fehlender Vorprodukte, schon jetzt kaum hinterher. Abhängig von der Entwicklung in Russland und China, könnte es also weiterhin zu Transportproblemen mit weitreichenden Folgen für deutsche Unternehmen und die gesamte Wirtschaft kommen.

3. Inflation und Zinsen

Die steigenden Rohstoffpreise wirken sich enorm auf die Inflationsrate aus. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist diese auf 7,8% im April gestiegen. Alleine im März zeigten sich die Auswirkungen des Kriegs deutlich mit einem Plus von 0,8%. Aber nicht nur für Rohstoffe und Energie müssen höhere Ausgaben erbracht werden, sondern auch Endverbraucher zahlen mehr, beispielsweise für Lebensmittel. Der Grund dafür liegt im Preisanstieg bei Vorprodukten, der in der Regel an Kunden und nachgelagerte Bereiche weitergegeben wird. Dieser Effekt betrifft am Ende die Konsumenten und zieht Umsatzeinbußen für Unternehmen auf allen Stufen der Wertschöpfungskette nach sich. Ein weiterer triftiger Grund für die steigende Inflation ist die Corona-Krise der letzten zwei Jahre. Aufgrund des verschobenen Angebot-Nachfrage-Verhältnisses ist es auch hier zu Preissteigerungen in vielen Bereichen gekommen. Außerdem stieg durch den EZB-Leitzins, der seit dem Jahr 2016 bei 0 liegt, die Geldmenge M0 und M1 enorm an, wie in der unten stehenden Grafik deutlich wird. Als Gegenmaßnahme zur steigenden Inflation und der expansiven Geldpolitik erhöhen die Zentralbanken die Leitzinsen. Auch EZB-Chefin Christine Lagarde hat eine Leitzinserhöhung im Sommer in Aussicht gestellt. Das hat zur Folge, dass auch die Finanzierungszinsen für Unternehmen ansteigen. In der Immobilienfinanzierung hat beispielsweise schon jetzt ein merkbarer Anstieg der Zinsen stattgefunden und eine weitere Erhöhung wird erwartet. Neben dem Leitzins setzt sich der Zinssatz für einen Kreditnehmer auch aus der Risikobewertung eines Unternehmens zusammen. Überprüfen Sie als Unternehmer deshalb regelmäßig, ob es Möglichkeiten gibt, die Bonität zu verbessern (beispielsweise durch eine Erhöhung der Eigenkapitalquote). Einige Branchen sind zudem besonders schwer von den Auswirkungen betroffen, weshalb Unternehmen dieser Sparte aufgrund eines schlechten Branchenklimas generell mit höheren Zinsen rechnen müssen. Ein Beispiel hierfür ist die Automobilbranche, die unter anderem aufgrund der Knappheit von Kabelbäumen gerade mit besonderen Herausforderungen umgehen muss. Auch die Gastronomie- und Event-Branche oder die Flug- und Reisebranche haben mit höheren Zinsen zu rechnen.

Die gesamtwirtschaftliche Lage zusammengefasst

Die steigenden Kosten für Rohstoffe und Energie und die Weitergabe der Preiserhöhung auf nachfolgende Handels- und Wirtschaftsstufen bringt deutsche Unternehmen, und darunter vor allem kleine und mittelständische Betriebe, vielfach an ihre Grenzen. Sie befinden sich in einer Preisspirale, die sich scheinbar vorerst nicht stoppen lässt. Zum einen fordern Arbeitnehmer als Endverbraucher aufgrund der steigenden Lebenshaltungskosten höhere Löhne. Das bedeutet für Unternehmen einen weiteren Kostenfaktor, der möglicherweise wieder weitergegeben werden muss.. Zum anderen machen es höhere Kredithürden schwierig, kurzfristig Liquidität von Banken zu erhalten. Konkret heißt das, dass Unternehmen geplante Investitionen nicht durchführen können oder keinen Kapitalpuffer für die erhöhten Ausgaben haben. Weitreichende Folgen sind ein beeinträchtigter globaler Wettbewerb für deutsche Unternehmen und ein allgemein geschwächtes Wirtschaftswachstum. Insgesamt herrscht eine große Unsicherheit über die zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklungen, da ein weiterer Verlauf des Russland-Ukraine-Konflikts und damit zusammenhängende Preissteigerungen, Transportprobleme und Kapitalengpässe nicht abzusehen sind.

Dennoch können Sie als Unternehmer einige Maßnahmen ergreifen, um sich in diesen unsicheren Zeiten, auch ohne einen Bankkredit, flexibel aufzustellen.

Wie können sich Unternehmen vorbereiten und flexibel aufstellen?

1. Durch Factoring können Forderungen aus Lieferung und Leistung an einen Factorer abgetreten werden. Der Factorer zahlt in diesem Fall die Rechung abzüglich einer Gebühr aus. Darüber wird nicht nur Liquidität generiert, sondern auch vor möglichen Zahlungsausfällen der Debitoren abgesichert.

2. Bei Sale & Lease Back haben Sie als Unternehmer:in die Möglichkeit, Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens zu liquidieren. Wichtig ist, dass die Güter sekundarmarktfähig sind und einen Zeitwert haben. Dadurch kann kurzfristig Liquidität bereitgestellt werden. Die Liquidität kann dann zur Tilgung von Verbindlichkeiten genutzt werden. Dadurch kann unter anderem eine Bilanzverkürzung erzielt werden, welche sich zum Jahresende positiv auf die Eigenkapitalquote auswirkt. Wichtig dabei ist, dass die Maßnahme bis zur Erstellung des Jahresabschlusses umgesetzt werden muss.

3. Leasing oder Mietkauf sind ebenfalls gute Optionen, Ihren Cashflow zu schonen. Mieten oder Leasen Sie Produkte anstatt Anlagevermögen zu kaufen. Damit erhöhen Sie Ihre Liquidität und verbessern die Eigenkapitalquote. Außerdem ist diese Art der Finanzierung oft schneller umsetzbar.

4. Fall Sie ein produzierendes- oder Handelsunternehmen sind, ist es sinnvoll, eine Einkaufsfinanzierung in Betracht zu ziehen, um zusätzliche Liquidität zu schaffen. Mit einer Einkaufsfinanzierung können Sie außerdem das Lager für eine höhere Produktionssicherheit mit essentiellen Vorprodukten aufstocken.

5. Variabel aufstellen und Risiko streuen: Verteilen Sie Ihre Kredite und Guthaben bei mehreren Banken und Kreditinstituten und bemühen Sie sich auch um bankenunabhängige Finanzierungen. Durch eine Portfolioverteilung bei verschiedenen Finanzierern kann außerdem das Risiko gestreut werden.

6. Schließen Sie Kreditversicherungen oder Bürgschaften ab, um sich bestmöglich vor Zahlungs- und Lieferungsausfällen zu schützen. Beispiele hierfür sind Lieferbürgschaften, welche eine ordnungsgemäße Lieferung gemäß Kauf- oder Werkvertrag garantiert. Auch eine Mängel – beziehungsweise Gewährleistungsbürgschaft, mit welcher der Auftraggeber gegen mögliche Mängel abgesichert ist kann hilfreich sein. Achten Sie außerdem darauf, dass Gewährleistungs- und Garantierechte vertraglich konkret definiert werden.

7. Krisensichere Aufstellung: Unternehmer:innen sollten einen Überblick darüber haben, wie externe Rating Agenturen, zum Beispiel die Crefo oder Schufa, das eigene Unternehmen bewerten. Zusätzlich sollten Sie regelmäßig überprüfen, ob das Einreichen aktueller Unterlagen dazu beitragen könnte, Ihren Score zu verbessern. Beachten Sie: Ein negatives Scoring kann sich auf die Beziehung zwischen Finanzierer und Kunden auswirken und schwächt die Kreditwürdigkeit.

8. Langfristig und vorausschauend planen: Alle unternehmerischen Planungen sollten mittel- und langfristig an aktuelle und voraussichtliche wirtschaftliche Verhältnisse angepasst werden. Vor allem in der gegenwärtigen Lage sollte eine mögliche Verschlechterung des Marktes bei strategischen und operativen Entscheidungen mit einkalkuliert werden.

9. Geschäftsausrichtung überdenken und anpassen: Unternehmen sollten flexibel und nicht zu starr aufgestellt sein, um schnell auf äußere Veränderungen und Einflüsse, wie beispielsweise die voranschreitende Digitalisierung, reagieren zu können. Die Produktpalette und strategische Ausrichtung eines Unternehmens sollte stets kritisch betrachtet werden und anpassbar gestaltet sein, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

10. Opportunitäten nutzen können: Seien Sie auf schnelle Entscheidungen (beispielsweise Kaufentscheidungen) vorbereitet und halten Sie die nötigen Ressourcen frühzeitig bereit.

Welche staatlichen Hilfen gibt es für betroffene Unternehmen?

  • Energiekosten-Zuschuss: Unternehmen erhalten einen befristeten Zuschuss zur Kostendämpfung des Preisanstiegs von Erdgas und Strom.
  • Eigenkapitalhilfen und ein Finanzierungsprogramm für Unternehmen, die von dramatischen Preissprüngen an Energiebörsen belastet sind.
  • Das KfW Sonderprogramm UBR 2022 ist am 09. Mai 2022 gestartet und stellt betroffenen Unternehmen kurzfristig Liquidität in Form von zinsgünstigen Krediten mit weitgehender Haftungsfreistellung zur Verfügung. Außerdem ist in dem Sonderprogramm eine Möglichkeit zur Konsortialfinanzierung mit substanzieller Risikoübernahme enthalten.
  • Erweiterung der Bund-Länder-Bürgschaftsprogramme. Betroffen sind Bürgschaftsbanken und das Großbürgschaftsprogramm. Anträge hierfür können seit dem 29. April 2022 gestellt werden, eine Entscheidung erfolgt jedoch erst nach der beihilferechtlichen Genehmigung
  • Ein Finanzierungsprogramm: Die Bundesregierung erarbeitet speziell für, durch hohe Sicherheitsleistungen (Margining) gefährdete Unternehmen standardisierte Kriterien. Ziel ist es, den Unternehmen kurzfristig mit einer durch Bundesgarantien unterlegte Kreditlinie der KfW unter die Arme zu greifen. Hierfür ist ein Kreditvolumen von bis zu 100 Milliarden Euro vorgesehen.
  • Zielgerichtete Eigen- und Hybridkapitalhilfen: Hierbei wird gezielt der Einsatz von Eigen- und Hybridkapitalhilfen zur Stabilisierung von besonders relevanten Unternehmen geprüft. Bei betroffenen Einzelfällen wird dies zunächst technisch über Zuweisungsgeschäfte der KfW abgebildet.

Nähere Informationen zur staatlichen Unterstützung finden Sie auf der Homepage des Bundesfinanzministeriums.

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