Buy-Out-Finanzierung: Was sind die wichtigsten Fakten?

Buy-Out-Finanzierung

Bei einer Buy-Out-Finanzierung fließen Mittel ins Unternehmen, die aus dem Verkauf von Teilen des Unternehmens stammen. Dabei sind verschiedene Varianten der Geldbeschaffung denkbar. Sie reichen von kleineren Beteiligungen bis hin zum Komplettverkauf an eine Investorengemeinschaft. Eine Finanzierung über einen Buy-Out grenzt sich von anderen Finanzierungsformen dadurch ab, dass die Investoren schon vor dem Kauf eine enge Verbindung mit dem Unternehmen haben.

Woher kommt der Begriff Buy-Out-Finanzierung?

Die Bezeichnung dieser Finanzierungsform leitet sich von den englischen Vokabeln „buy“ und „out“ ab. Sie lassen sich als Kombination mit „herauskaufen“ übersetzen. In der Betriebswirtschaftslehre zählt die Buy-Out-Finanzierung zu den möglichen Formen der Private Equity Finanzierung. Das bedeutet, dass diese Finanzierungsform keine regulierten Märkte nutzt. Sie verwendet im Regelfall individuelle Verträge, was mit einigen Risiken verbunden ist. Alle Vertragsparteien müssen sich intensiv mit den Vertragsklauseln beschäftigen. Außerdem stammt das Geld überwiegend aus privaten Vermögen. Fremdkapital (beispielsweise aus Bankkrediten) kann allerdings als Ergänzung infrage kommen.

Wie funktioniert eine Finanzierung über einen Buy-Out in der Praxis?

Das typische Vorgehen bei einer Buy-Out-Finanzierung ist der Verkauf einer Unternehmenssparte an einen der vorhandenen Kooperationspartner. Nehmen wir als Beispiel einen Smartphonehersteller, der selbst Prozessoren baut. Bei der Entwicklung der Prozessoren arbeitet der Hersteller mit einem Unternehmen zusammen, das ausschließlich Prozessoren entwickelt und produziert. Irgendwann braucht der Smartphonehersteller Geld. Deshalb verkauft er zur Erhöhung seines Cash Flow den gesamten Fachbereich Prozessoren an den auf CPUs spezialisierten Hersteller. Solche Verträge enthalten häufig Regelungen, nach denen der Verkäufer vom neuen Eigentümer der Sparte besonders günstige Lieferkonditionen erhält. Diese Form der Buy-Out-Finanzierung spielt vor allem bei Großkonzernen mit einem breiten Produktportfolio eine wichtige Rolle.

Was kennzeichnet einen Management-Buy-Out?

Die einzelnen Formen der Buy-Out-Finanzierung unterscheiden sich anhand der Käufer. Beim Management-Buy-Out sind es die Mitarbeiter, die in führenden Funktionen im Unternehmen tätig sind. Sie erwerben dabei Beteiligungen in unterschiedlichem Umfang. Die Investitionen bei einem Management-Buy-Out können als einmalige Zahlungen oder über einen längeren Zeitraum hinweg erfolgen. Denkbar ist dabei auch die Umwandlung eines Teils des Entgelts in den kontinuierlichen Erwerb immer größerer Unternehmensanteile.

Was fällt unter den Begriff Employee-Buy-Out-Finanzierung?

Welche Pluspunkte und Minuspunkte bringt ein Employee-Buy-Out?

Der Firmeninhaber kann sich auch bei der Employee-Buy-Out-Finanzierung die Gewinne nicht mehr allein in die Tasche stecken. Das ist der wichtigste Nachteil dieser Finanzierungsform. Die Vorteile überwiegen jedoch deutlich. Genau wie beim Management-Buy-Out verstärkt sich das persönliche Interesse der Mitarbeiter an der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens. Die Mitarbeiter ziehen durch die Beteiligungen unmittelbare Vorteile aus einer positiven Gewinnentwicklung. Sie sind dadurch eher bereit, Kompromisse beispielsweise bei der Notwendigkeit von Sonderschichten in Zeiten mit einer überdurchschnittlich guten Auftragslage einzugehen. Außerdem senkt eine Employee-Buy-Out-Finanzierung die Gefahr der Abwanderung dringend benötigte Fachkräfte. Dieser Pluspunkt wirkt sich bei einer allgemein guten Konjunkturlage besonders stark aus.

Wie funktioniert ein Institutional-Buy-Out?

Die Bezeichnung Institutional-Buy-Out-Finanzierung wird für einen Verkauf von Unternehmensteilen an eine Institution verwendet. In der Mehrheit der Fälle ist die Institution eine Private-Equity-Gesellschaft. Aber auch Risikokapitalgesellschaften kommen als Investoren infrage. Das heißt, hier stammen die Investoren nicht aus dem Unternehmen selbst und gehören auch nicht zu den bisherigen Geschäftspartnern. Andererseits können bei der Institutional-Buy-Out-Finanzierung größere Geldmengen aus einer Hand beschafft werden. Das hält im Unternehmen den Aufwand bei der Verwaltung der einzelnen Anteile auf einem niedrigen Niveau.

Welche Vorteile und Nachteile hat die Institutional-Buy-Out-Finanzierung noch?

Ein erheblicher Nachteil bei der Institutional-Buy-Out-Finanzierung besteht darin, das Außenstehende ein Mitbestimmungsrecht erhalten. Wie umfangreich dieses Mitbestimmungsrecht ausfällt, hängt von den Regelungen im individuellen Vertrag ab. Das gilt genauso für die Wahrnehmung von Auskunftsrechten. Die Vorteile der Unternehmensbindung und der Motivationssteigerung greifen bei der Institutional-Buy-Out-Finanzierung im Gegensatz zum Employee-Buy-Out und Management-Buy-Out nicht. Deshalb werden diese beiden Formen in der Praxis gegenüber den Risikokapitalgesellschaften und Private Equity-Gesellschaften als Investoren meistens bevorzugt.

Was ist eine Owner-Buy-Out-Finanzierung?

Bei einer Owner-Buy-Out-Finanzierung kommt eine Zweckgesellschaft ins Spiel. Deren Ziel ist die Weiterführung des Unternehmens nach dem Ausscheiden des bisherigen Eigentümers. Dabei überträgt der aktuelle Firmeninhaber Anteile sofort vollständig oder Zug um Zug an die Zweckgesellschaft. Diese spezielle Form der Buy-Out-Finanzierung kommt vor allem bei der Regelung der Weiterführung von Familienbetrieben ohne Nachwuchs aus der eigenen Familie zum Einsatz. Diese Art der Finanzierung über einen Buy-Out bringt eine Besonderheit mit. Der bisherige Eigentümer bleibt in der Regel für eine Übergangszeit an der operativen Geschäftsführung beteiligt. Ein Owner-Buy-Out ist nicht nur an Zweckgesellschaften möglich, sondern kann mit ähnlichen Verträgen auch an Einzelpersonen oder andere Unternehmen erfolgen.

Welche Pluspunkte und Minuspunkte hat diese Art der Finanzierung?

Durch die Mitarbeit des bisherigen Eigentümers als Chief Executive Officer (CEO) ist bei der Owner-Buy-Out-Finanzierung ein sanfter Übergang gewährleistet. Die vom bisherigen Eigentümer verfolgten Strategien können über einen längeren Zeitraum an die Strategien der Zweckgesellschaft als neuer Eigentümer angepasst werden. Anderseits kann der abgebende Eigentümer per Vertrag bestimmen, dass die Zweckgesellschaft bestimmte Dinge über einen gewissen Zeitraum hinweg nicht ändern darf. Diese Chance resultiert aus dem gesetzlich verbrieften Recht zur freien Gestaltung der Vertragsinhalte. Solche sanften Übergänge sind vorteilhaft, weil schnelle Änderungen in der Regel mit Kundenverlusten verbunden sind. Durch eine längere Übergangszeit können die Kunden auf die anstehenden Veränderungen vorbereitet werden.

Was kennzeichnet eine Leveraged-Buy-Out-Finanzierung?

Bei der Leveraged-Buy-Out-Finanzierung gehen Unternehmensanteile an Investoren, die für den Kauf eine Fremdfinanzierung benötigen. Das typische Praxisbeispiel ist der Verkauf von Unternehmensanteilen durch Zulieferer an die Firmen, die sich zu Abnehmern der Produkte zählen. Damit sichern sich die Investoren ein umfangreiches Mitspracherecht. Deshalb ist auch die Übernahme von mindestens 50 Prozent der Unternehmensanteile bei der Leveraged-Buy-Out-Finanzierung üblich. Hilfsweise verlangen die Investoren ein Minimum von 25,1 Prozent der Unternehmensanteile, um sich die Vorteile der sogenannten Sperrminorität zu verschaffen.  Das Ziel der Investoren bei der Mitwirkung an dieser Form der Buy-Out-Finanzierung ist in der Regel die vollständige Übernahme zu einem späteren Zeitpunkt.

Welche Vorteile und Nachteile hat eine Leveraged-Buy-Out-Finanzierung?

Die Buy-Out-Finanzierung zwischen Unternehmen, die zu einer längeren Lieferkette (Supply Chain) gehören, gilt als der ideale Weg. Dabei sind Investitionen sowohl von den Endproduzenten in Richtung der Zulieferer als auch umgekehrt möglich. Sie verstärken das gegenseitige Interesse innerhalb der Supply Chain. Dadurch sinkt das Risiko, dass ein Glied der Lieferkette durch ein gutes Angebot der Konkurrenz ausfällt. Umgekehrt können sich Zulieferer mit Beteiligungen an Endproduzenten einen langfristig stabilen Absatz sichern. Das heißt, Leveraged-Buy-Out-Finanzierungen innerhalb einer Supply Chain bringen allen Beteiligten Vorteile.

Was ist ein Secondary Buy-Out?

Wer sich Geld über eine Buy-Out-Finanzierung beschaffen will, sollte diesen Begriff kennen. Er bezeichnet die Möglichkeit, die bei einem Buy-Out erworbenen Anteile zu verkaufen. Das Risiko eines Investorenwechsels besteht vor allem bei der Institutional-Buy-Out-Finanzierung. Die Gesellschaften streben eine Gewinnerzielung durch Verkäufe zu einem Zeitpunkt an, zu dem die Unternehmensanteile besonders hoch bewertet werden. In den Verträgen mit den Risikokapitalgesellschaften und Private-Equity-Gesellschaften ist ein Ausschluss der Veräußerungsmöglichkeit kaum möglich. Verträge über eine Leveraged-Buy-Out-Finanzierung, einen Management-Buy-Out oder einen Employee-Buy-Out enthalten oft besondere Klauseln. Darin sichern sich die Unternehmen für den Fall eines Weiterverkaufs der Anteile ein Vorkaufsrecht.

Welche Besonderheiten gibt es beim Spin-off als Buy-Out-Finanzierung?

Die Bezeichnung Spin-off kommt bei einer Ausgliederung eines Geschäftsbereichs als neu gegründetes Unternehmen zum Einsatz. Meistens ist das Mutterunternehmen selbst der einzige Kapitalgeber. In der Praxis gibt es aber auch viele Fälle, in denen sich Dritte als Investoren an der Gründung des Tochterunternehmens beteiligen. Die vom Tochterunternehmen erzielten Gewinne fließen abhängig von der Höhe der Beteiligungen als Rendite ans Mutterunternehmen. Dort erhöhen sie den verfügbaren Cash Flow. Ein weiterer Vorteil der Buy-Out-Finanzierung über ein Spin-off liegt in der Risikoverteilung unter allen beteiligten Investoren. Deshalb gliedern Unternehmen oft Geschäftsbereiche aus, die als Teil eines breit aufgestellten Konzerns nicht mehr lohnenswert sind, weil die Spezialisierung fehlt. Betroffen davon sind vor allem Geschäftsbereiche mit hohen Anforderungen an die Innovationsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit an technische Entwicklungen.

Welche weiteren Varianten sind bei der Buy-Out-Finanzierung denkbar?

Die Geldbeschaffung über eine Buy-Out-Finanzierung ist auch mit anderen Vorgehensweisen möglich. Dafür lassen sich auch die in einem Unternehmen vorhandenen Sachwerte und ideellen Werte verwenden. Das typische Beispiel sind Unternehmen, die eine Vielzahl von Patenten halten. Sie können sich regelmäßige Zuflüsse zum Cash Flow verschaffen, indem sie die Nutzungsrechte für einzelne Patente verkaufen. Besonders beliebt ist diese Vorgehensweise, wenn es bereits Nachfolger für patentierte Technologien und Produkte gibt. Mit der Vergabe von Nutzungsrechten für Patente geben Unternehmen wichtige Wettbewerbsvorteile aus der Hand. Sie fallen gering aus, wenn Neuentwicklungen für Zusatzvorteile sorgen, welche die Produkte mit den alten Patenten nicht besitzen.

Buy-out-Finanzierung-Alternativen

Besonders beliebt ist diese Vorgehensweise, wenn es bereits Nachfolger für patentierte Technologien und Produkte gibt. Mit der Vergabe von Nutzungsrechten für Patente geben Unternehmen wichtige Wettbewerbsvorteile aus der Hand.

Sie fallen gering aus, wenn Neuentwicklungen für Zusatzvorteile sorgen, welche die Produkte mit den alten Patenten nicht besitzen.

Wie bringt eine Finanzierung via internem Buy-Out zusätzliche Vorteile?

Bei der Management-Buy-Out-Finanzierung und der Employee-Buy-Out-Finanzierung profitiert der Cash Flow nicht nur von den unmittelbaren Zuflüssen. Parallel schlagen diverse Einsparungen sowohl auf Seiten des Unternehmens als auch bei den Investoren positiv zu Buche. Dabei sind vor allem steuerliche Aspekte sowie die Behandlung der Umwandlung von Entgelten in Beteiligungen bei der Sozialversicherung von Bedeutung. Gerade bei der Sozialversicherung ergeben sich Vorteile und Nachteile. Es ist also wichtig, alle Auswirkungen genau zu beleuchten und zu erklären.

Wieso sind Buy-Out-Finanzierungen noch lohnenswert?

Das Interesse an Unternehmensanteilen bei Buy-Out-Finanzierungen bei den Arbeitnehmern steigt stetig. Wer als Mitarbeiter Unternehmensbeteiligungen hält, bekommt in der Regel bei betrieblichen Veränderungen nicht so schnell eine Kündigung wie Mitarbeiter ohne Beteiligungen. Gute Arbeit ist durch die Gewinne aus den Beteiligungen doppelt lukrativ. Hinzu kommen die wachsenden Lücken zwischen den Bezügen aus der gesetzlichen Altersversorgung und den tatsächlichen Lebenshaltungskosten. Sie ziehen die Notwendigkeit einer ergänzenden privaten Altersvorsorge nach sich. Beteiligungen versprechen dabei eine bessere Rendite als die Beiträge für eine klassische Rentenversicherung. Der Vorteil des Erwerbs von Beteiligungen über eine Employee-Buy-Out-Finanzierung liegt darin, dass langjährige Mitarbeiter die Situation des Unternehmens gut einschätzen können. Dieser Pluspunkt fehlt beim Aufbau einer privaten Altersvorsorge beispielsweise durch den Kauf von Aktien beliebiger anderer Unternehmen völlig.

Was macht Buy-Out-Finanzierungen lukrativer als Bankkredite?

Bei der Antwort auf diese Frage wirken sich mehrere Eckpunkte aus. Für Bankkredite fallen Kosten unabhängig von den Gewinnen und Verlusten eines Unternehmens an. Die über eine Buy-Out-Finanzierung abgegebenen Anteile schmälern lediglich den Gewinnanteil der bisherigen Unternehmenseigner, verursachen aber keine Verluste durch dauerhafte Kosten. Banken haben ausschließliches Interesse an der pünktlichen Rückführung der Kreditsumme nebst Zinsen. Bei Zahlungsausfällen haben sie keine Hemmungen, von ihren Pfändungsrechten Gebrauch zu machen. Anteilseigner zeigen sich dagegen kompromissbereit. Sie haben auch in kritischen Zeiten Interesse an einer Erhaltung des Unternehmens. Dieser Fakt spielt vor allem bei der Management-Buy-Out-Finanzierung und der Employee-Buy-Out-Finanzierung eine wichtige Rolle. Mitarbeiter als Investoren und Anteilseigner verzichten auch einmal auf ihren Gewinnanteil oder erklären sich mit einer späteren Auszahlung einverstanden. Ihnen ist bewusst, dass sie bei einer finanziell kritischen Lage des Unternehmens auch ihre Arbeitsplätze in Gefahr bringen.

Fazit: Buy-Out-Finanzierungen sind in vielen Situationen der beste Weg

Bei einer Buy-Out-Finanzierung stammt das flüssige Kapital aus den Werten, die ein Unternehmen bereits geschaffen hat. Eine gute Entscheidung ist der Verkauf von Beteiligungen an die eigenen Führungskräfte und Mitarbeiter. Das steigert die Motivation und wirkt sich positiv auf die Fachkräftebindung und Führungskräftebindung aus. Das Interesse der Mitarbeiter an Unternehmensbeteiligungen ist allein schon durch das gesteigerte Bewusstsein für die Notwendigkeit der privaten Altersvorsorge gegeben. Auch die Abgabe von Beteiligungen an andere Unternehmen innerhalb einer Supply Chain bietet erhebliche Vorteile. Diese Vorgehensweise festigt bestehende Geschäftsbeziehungen und verbaut der Konkurrenz beispielsweise die Chance, wichtige Lieferanten abzuwerben. Buy-Out-Finanzierungen haben grundsätzlich den Pluspunkt, dass sie Kosten nur dann verursachen, wenn Gewinne erzielt werden. Das macht sie den Finanzierungen mit Bankdarlehen überlegen, für welche die Zinsen auch dann fällig sind, wenn Unternehmen Verluste erwirtschaften.