Swap-Geschäfte – So spart Ihr Unternehmen Geld!

Swap-Geschäft

Swaps sind derivative Finanzinstrumente, mit denen zwei Vertragspartner zukünftige Cashflows austauschen. Wie genau funktioniert ein Swap? Welche verschiedenen Swap-Typen gibt es? Welche Vorteile bieten Swap-Geschäfte Unternehmen? Gibt es spezifische Risiken im Zusammenhang mit der außerbörslichen Abwicklung? Diese und weitere Fragen zum Thema Swap werden hier beantwortet.

So funktioniert ein Swap

Zu einem Swap gehören jeweils zwei Geschäftspartner. Wie bei jedem Geschäft gilt auch für Swaps, dass von einem guten Geschäft beide Seiten profitieren. Wann ist ein Swap sinnvoll? Dazu ein Fallbeispiel anhand eines Währungsswaps.

Die Ausgangslage: Ein europäisches Unternehmen plant Investitionen in den USA und benötigt dafür US-Dollar. Gleichzeitig plant ein amerikanisches Unternehmen für den Einstieg ins europäische Geschäft Investitionen, für die Euro benötigt werden.

Für beide Unternehmen gilt, dass sie sich in ihren jeweiligen Heimatländern sehr viel günstiger verschulden können als im Ausland. Das US-Unternehmen erhält in den USA signifikant günstigere Kredite als in Europa. Umgekehrt kann das europäische Unternehmen am Anleihemarkt der Eurozone sehr viel günstigere Zinsen erhalten als in den USA.

Konkret sollen in diesem Beispiel gelten:

  • EU-Unternehmen Kreditaufnahme Euro: 4 %
  • EU-Unternehmen Kreditaufnahme US-Dollar: 5 %
  • US-Unternehmen Kreditaufnahme Euro: 5 %
  • US-Unternehmen Kreditaufnahme US-Dollar: 4,5 %

Beide Unternehmen wissen, dass eine Kreditaufnahme im Heimatland günstiger ist. Die Unternehmen könnten den Kredit im Heimatland aufnehmen, anschließend in die andere Währung tauschen und nach Fälligkeit der Anleihe wieder zurücktauschen. Dies ginge jedoch in einem erheblichen Wechselkursrisiko einher. Die Unternehmen suchen also nach einer Möglichkeit, von den günstigeren Kreditkonditionen des Heimatmarktes zu profitieren, ohne Wechselkursrisiken einzugehen. Deshalb vereinbaren Sie ein Swap Geschäft.

Dabei verschulden sich beide Unternehmen im Heimatmarkt. Anschließend werden drei Transaktionen durchgeführt:

  1. Die Unternehmen tauschen Kapitalbeträge zum aktuellen Wechselkurs aus
  2. Die Unternehmen leisten die vereinbarten Zinszahlungen. Das US-Unternehmen zahlt die Euro Zinsen für den Euro Kredit, das europäische Unternehmen zahlt die USD Zinsen für den USD Kredit.
  3. Die Unternehmen tauschen die Kapitalbeträge zum ursprünglichen Wechselkurs wieder zurück

Was bedeutet dies für die Finanzierungskosten? Das EU Unternehmen hätte für einen Kredit in Dollar 5 % Zinsen gezahlt. Wie viel bezahlt es jetzt? Dies zeigt eine einfache Rechnung:

  • 4 % Zinsen fallen für den Euro Kredit an (die Kreditgeber werden durch den eigentlichen Darlehensnehmer bedient)
  • 4 % Zinsen erhält das Unternehmen von dem US-Unternehmen
  • 4,5 % Zinsen zahlt das EU Unternehmen an das US-Unternehmen für den USD Kredit
  • Die Nettokosten entsprechen 4,5 % Zinsen
  • Der Zinsvorteil gegenüber einer Kreditaufnahme in US-Dollar beträgt 0,5 %

Was bedeutet der Swap für das US-Unternehmen? Wieder lässt sich diese Berechnung anstellen:

  • 4,5 % Zinsen fallen für den USD Kredit an
  • 4,5 % Zinsen werden durch das EU Unternehmen gezahlt
  • 4 % zahlt das US-Unternehmen an das EU Unternehmen für den Euro Kredit
  • Die Nettokosten entsprechen 4,5 % Zinsen
  • Der Zinsvorteil gegenüber einer Kreditaufnahme in Euro beträgt 0,5 %

Das vorgenannte Beispiel verdeutlicht, wie ein komparativer Vorteil zustande kommt. Die genauen Bedingungen eines Swaps können zwischen den Vertragspartnern frei ausgehandelt werden. So ist es zum Beispiel möglich, die Finanzierungsvorteile nach einem bestimmten Schlüssel untereinander aufzuteilen. So könnte ein Unternehmen deutlich stärker von einem Swap profitieren als der Vertragspartner. Profitieren würden jedoch unterm Strich beide.

Alternativen zu Swap Geschäften

Um zu verstehen, warum Swapgeschäfte bei Unternehmen beliebt sind, ist ein Blick auf mögliche Alternativen zu diesem Instrument hilfreich. Was tut ein Unternehmen, wenn es sich in einer fremden Währung verschuldet und Wechselkursrisiken ohne Swap ausschließen möchte? Die Antwort: Das Unternehmen wird Absicherungsmaßnahmen am Finanzmarkt vornehmen.

Solche Absicherungsmaßnahmen sind für grundsätzlich jedes Unternehmen möglich. Zur Auswahl stehen insbesondere Futures bzw. Forwards und Optionen. Futures bzw. Forwards sind unbedingte Termingeschäfte. Optionen sind bedingte Termingeschäfte.

Bei einem FX Future, also einem Terminkontrakt, der sich auf Währungen bezieht, verpflichtet sich ein Marktteilnehmer zum Kauf bzw. Verkauf einer bestimmten Menge einer bestimmten Währung zu einem bestimmten Wechselkurs zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft.Emittiert ein US-Unternehmen eine fünfjährige Nullkuponanleihe in Euro, trägt es ein Risiko. Ein Beispiel: Der Wechselkurs zum Zeitpunkt der Anleiheemission beträgt 1,20. Um 100 Millionen EUR am Ende der Laufzeit zu tilgen, müsste das Unternehmen somit 120 Mio. USD aufwenden. Der Wechselkurs könnte sich aber zuungunsten des Unternehmens ändern und z. B. auf 1,40 steigen. Dann müsste das Unternehmen 140 Mio. USD einsetzen und damit EUR kaufen, um den Kredit zu tilgen bzw. die Anleihe zurückzuzahlen.

Um dieses Risiko zu eliminieren, könnte das Unternehmen einen fünfjährigen Terminkontrakt abschließen. Mit dem Kontrakt verpflichtet sich das Unternehmen, in fünf Jahren 100 Mio. EUR für 120 Mio. USD zu kaufen. Im Gegenzug verpflichtet sich ein anderer Marktteilnehmer, zum selben Zeitpunkt 100 Mio. EUR für 120 Millionen USD zu verkaufen.

Notiert der Wechselkurs nach fünf Jahren bei 1,10, hat das Unternehmen rückblickend ein schlechtes Geschäft gemacht. Es muss nun aufgrund des Futures 120 Millionen USD bezahlen, obwohl 100 Millionen EUR am Devisenmarkt für 110 Millionen USD erhältlich wären. Gelohnt hat sich der Future dagegen bei einem Wechselkurs von 1,50. Statt für 150 Millionen USD am Devisenmarkt 100 Mio. EUR zu kaufen, muss das Unternehmen lediglich die im Terminkontrakt fixierten 120 Millionen zahlen.

Die Konsequenz: A verschuldet sich hier netto zu Euribor -0,25 %. B verschuldet sich für 7 % netto. Beide Parteien profitieren von dem Zinsswap.Futures weisen allerdings auch Nachteile auf. So gibt es nicht zwingend Kontrakte für lange Laufzeiten. Die FX Futures an der Eurex sehen z. B. Vorlaufzeiten von maximal drei Jahren vor. Zudem können erhebliche Kosten anfallen. Diese Kosten resultieren aus der Zinsdifferenz zwischen zwei Währungsräumen.

Auch beim Kauf von Optionen zur Absicherung fallen Kosten in Form der Optionsprämie  an. Eine solche Option räumt dem Inhaber das Recht (nicht aber die Pflicht) ein, eine bestimmte Menge EUR zu einem festgelegten Zeitpunkt zu einem bestimmten Kurs zu kaufen. Die Option wirkt aus Sicht des US-Unternehmens wie eine Versicherung gegen die Abwertung des USD. Vor allem bei längeren Laufzeiten und ganz besonders in unruhigen Marktphasen können die Optionsprämien jedoch ausgesprochen hoch ausfallen.

Diese Arten von Swap Geschäften gibt es

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Arten von Swaps. Historisch sind Währungsswaps von besonderer Bedeutung. Mit einem solchen Geschäft begann die Geschichte des Swaps. Das US-Unternehmen IBM hatte im Jahr 1979 Obligationen in den Fremdwährungen Deutsche Mark (DM) und Schweizer Franken (CHF) emittiert. Bis zum Jahr 1981 werteten sowohl DM als auch CHF deutlich gegenüber dem Dollar ab. Die Konsequenz für IBM: Der Gegenwert der Verbindlichkeiten in der heimischen WährungUS-Dollar war signifikant gesunken. IBM hatte also einen Kursgewinn erzielt. IBM  hätte nun die Anleihen zurückkaufen und seine nominale Schuldenlast deutlich senken können. Dies war jedoch aus steuerlichen Gründen nicht attraktiv. Deshalb suchten Experten von IBM nach einer Alternative. Zeitgleich plante die Weltbank, langfristige Kredite in CHF oder DM aufzunehmen. Die Weltbank sah sich dabei zwei Problemen gegenüber.

Zum einen war das Volumen der europäischen Anleihemärkte in der damaligen Zeit klein. Die Institution konnte sich nicht sicher sein, dass gewünschte, hohe Volumen dort tatsächlich platzieren zu können. Zum anderen musste die Weltbank mit deutlichen Zinszuschlägen für die Verschuldung außerhalb des Dollarraums rechnen.

Währungsswap

Die Weltbank und IBM eröffnen deshalb einen Währungsswap. Wie ein solcher Swap funktioniert, wurde bereits im Beispiel oben dargelegt. Im Kern geht es darum, zukünftige Zahlungsströme zu tauschen. Dies gilt auch für diverse weitere Typen von Swap Geschäften.

Zinsswap

Beinen Zinsswap vereinbaren zwei Vertragspartner den Austausch von Zinszahlungen. Anders als bei einem Währungsswap lauten die Zahlungen auf die gleiche Währung. Zudem kommt es anders als bei einem Währungsswap auch nicht zu einem Austausch der Kapitalsumme. Typischerweise wird ein fixer gegen einen variablen Zinssatz getauscht. Sinnvoll ist ein Zinssatz zum Beispiel, wenn ein besser geratetes Unternehmen eine variable Verzinsung anstrebt und zugleich ein Unternehmen mit einem schlechteren Rating einen festverzinslichen Kredit sucht.Ein Beispiel: Unternehmen A kann sich zum Euribor +0,25 % variabel finanzieren. Der Zinssatz für die fixe Mittelbeschaffung beträgt 6 %. Unternehmen B kann sich zu Euribor +0,75 % variabel finanzieren und muss für eine festverzinsliche Anleihe 7,5 % zahlen.

Die beiden Unternehmen können mit einem Zinsswap einen komparativen Vorteil realisieren. Unternehmen B kann einen variabel verzinsten Kredit aufnehmen, während Unternehmen A eine Anleihe mit Festverzinsung begibt.

  • A zahlt für die festverzinsliche Anleihe 6 %
  • A zahlt Euribor an B
  • B zahlt Euribor + 0,75 % für Anleihe
  • B zahlt 6,25 % Zinsen an A

Die Konsequenz: A verschuldet sich hier netto zu Euribor -0,25 %. B verschuldet sich für 7 % netto. Beide Parteien profitieren von dem Zinsswap.

Equity Swap

Bei einem Equity Swap vereinbaren zwei Vertragsparteien den Austausch von zukünftigen Cashflows zu festgelegten Zeitpunkten. Anders als bei einem Zinsswap besteht jedoch nur einer der Cashflows aus (zumeist variablen) Zinszahlungen wie zum Beispiel dem Euribor. Bei dem anderen Cashflow handelt es sich um die Wertentwicklung einer einzelnen Aktie oder (häufiger) eines Aktienkorbes oder eines Aktienindexes. Im Unterschied zu Zins- und Währungsswaps kann die prozentuale Veränderung in der Equity Position sowohl positiv als auch negativ ausfallen.

Ein klassisches Anwendungsbeispiel für Equity Swaps sind börsengehandelte Indexfonds (ETFs) mit synthetischer Replikation. Ein solcher ETF kann zum Beispiel einen Aktienindex wie den EuroStoxx50 nachbilden. Tatsächlich befinden sich im Portfolio aber Geldmarktinstrumente, Anleihen und/oder gänzlich anders zusammengesetzte Aktien. Die Differenz zwischen dem tatsächlichen Portfolio und der den Anteilseignern geschuldeten Wertentwicklung des EuroStoxx50 wird durch einen Equity Swap ausgeglichen.

Swaps als OTC-Geschäfte

Swaps sind sogenannte OTC-Geschäfte. OTC bedeutet „over the counter“ und meint außerbörslichen Handel. Das bedeutet, dass keine zentrale Instanz das Zustandekommen von Geschäften überwacht. Es gibt zudem keine zentrale Clearingstelle. OTC-Geschäfte bieten allen Teilnehmern bestimmte Vorteile, sind jedoch auch mit Nachteilen verbunden.

Vor- und Nachteile von Swaps als OTC-Geschäften

Ein wesentlicher Vorteil von außerbörslichen Geschäften besteht in den niedrigeren Kosten. Es fallen keine Börsengebühren und keine Kosten für Clearing an. Gehandelt wird direkt zwischen zwei Vertragspartnern, die dadurch auch individuelle Vereinbarungen treffen können. Dies ist ein Unterschied zum standardisierten Terminhandel. Dort sind Losgrößen, Fristen etc. durch Institutionen wie zum Beispiel die Terminbörse vorgegeben. Außerbörslicher Handel ist dadurch sehr offen für Produktinnovationen. Zu diesen zählen zum Beispiel Swaptions, also Optionen auf ein Swapgeschäft.

Die im börslichen Handel üblichen Regulative und Kontrollen entfallen im OTC-Handel. Dies ist auch mit Nachteilen verbunden. Deutlich wird dies im Hinblick auf das Clearing. Da es keine zentrale Clearingstelle gibt, müssen sich beide Vertragsparteien auf die Zahlungsfähigkeit des Vertragspartners verlassen. Kann ein Vertragspartner seine Verpflichtungen nicht erfüllen, treten Verluste auf. Dieses Risiko wird auch als Kontrahentenrisiko bezeichnet.

Das Kontrahentenrisiko ist in der Regel jedoch begrenzt. Schließlich werden bei Swapgeschäften lediglich Differenzbeträge getauscht. Zudem gibt es mit der International Swaps And Derivatives Association (ISDA) eine grenzüberschreitende Organisation für den Handel von OTC-Derivaten. Die ISDA zählt derzeit ca. 800 Mitglieder aus 60 Ländern. Die Organisation hat unter anderem die ISDA Master Agreements entwickelt. Dabei handelt es sich um Rahmenverträge für den Handel mit spezifischen OTC-Produkten. In diesen Rahmenverträgen sind diverse vertragliche Verpflichtungen zwischen den Vertragspartnern definiert.

Swap Geschäfte für Unternehmen

Wann und warum setzen Unternehmen Swap Geschäfte ein? Typische Beispiele für solche Transaktionen betreffen Zinsänderungsrisiken, Auslandsgeschäfte und eine schlechte Eigenkapitalposition.

Zinsswaps zur Risikoreduktion

Zinsswaps werden primär genutzt, um komparative Zinsvorteile zu nutzen. Dies ist relevant, wenn sich die beiden Partner des Swapgeschäfts zu unterschiedlichen Zinssätzen am Markt Geld leihen können. Darüber hinaus können Zinsswaps zur Absicherung gegen Zinsänderungsrisiken eingesetzt werden. Solche Zinsänderungsrisiken sind für Unternehmen relevant, die sich zu einem variablen Zinssatz verschuldet haben.

Wo Absicherung möglich ist, gibt es auch Spekulation. Während ein Vertragspartner des Zinsswaps Zinssteigerungen ausschließen möchte, könnte der andere Partner an genau solchen Steigerungen partizipieren wollen.

Währungsswaps bei Auslandsgeschäften

Operiert ein Unternehmen in fremden Währungsräumen, setzt es sich einem Wechselkursrisiko aus. Dies gilt insbesondere, wenn das operative Geschäft in fremden Währungsräumen nicht für den Kapitaldienst ausreicht, der in fremder Währung zu leisten ist. Dann müssen Mittel aus dem heimischen Währungsraum in einen fremden Währungsräumen transferiert werden.

Verändert sich der Wechselkurs zuungunsten des Unternehmens, führt dies zu einer Aufwertung und damit Erhöhung der Verbindlichkeiten. Mit einem Währungsswap können Unternehmen solche Wechselkursrisiken ausschalten und sich dabei dennoch im heimischen Währungsraum Geld beschaffen.

Debt Equity Swaps für bessere Eigenkapitalposition

Bei einem Debt Equity Swap wird Fremdkapital gegen Eigenkapital getauscht. Eine solche auch als Schuldenbeteiligungstausch bezeichnete Transaktion kommt häufig bei bonitätsschwachen Schuldnern zum Einsatz. Ein Beispiel: Ein Gläubiger besitzt eine Forderung in Höhe von 10 Million EUR gegen ein Unternehmen. Diese Forderung wird bei dem Unternehmen als Fremdkapital bilanziert. Das Unternehmen und der Gläubiger können vereinbaren, dass die Forderung erlischt. Im Gegenzug erhält der Gläubiger eine Beteiligung am Unternehmen.

Hier gilt: Je angeschlagener die Bonität eines Schuldners, desto ungünstiger wird die Umtauschquote zwischen Nominalwert der Forderung und späterer Beteiligung des früheren Gläubigers ausfallen.