Negativzinsen – Was bedeutet das für mein Unternehmen?

Minuszinsen

In den Medien ist immer wieder die Rede von Negativzinsen oder auch Minuszinsen. Selbst in den Produktbeschreibungen der ersten Banken tauchen sie auf. Im folgenden Artikel erklären wir Ihnen die Ursache und Folgen von Negativzinsen für Ihr Unternehmen.

Was sind Negativzinsen?

In der von uns allen so wahrgenommenen Realität zahlen Unternehmen für den Erhalt von Krediten mit einem Zins. Der Zins ist der Preis des Geldes. Optimalerweise würde Ihr Unternehmen für ein Bankguthaben einen Guthabens-Zins erhalten. In diesem Fall wird üblicherweise von Zinsen gesprochen, auch Positivzinsen genannt. Anders herum wären sie negativ, Negativzinsen. Von Negativzinsen oder auch Minuszinsen wird demnach gesprochen, wenn der Zinssatz unserer wahrgenommenen Realität mathematisch negativ wird. Bei einem negativen Zinssatz auf Ihrem Girokonto müssten Sie also für Ihr Guthaben Zinsen zahlen. Bei einem negativen Überziehungskredit müssten Sie demzufolge sogar Geld zurückerhalten. Buchhalterisch würden Sie entsprechend Zinserträge für das Aufnehmen von Krediten erhalten. Für Guthaben wären hingegen Zinsaufwendungen zu buchen und zahlen. Das klingt auch für Sie merkwürdig? Dennoch wird in den Medien in den letzten Wochen und Monaten immer wieder über Negativzinsen berichtet.

Fakt ist, wenn Minuszinsen Realität wären oder Realität werden würden, dann würde nicht nur die Inflation, sondern selbst eine (negative) Guthabens-Verzinsung gegen das Sparen sprechen. Alle Logik würde in Richtung Investition deuten. Wer spart wäre selber schuld, oder zahlt zumindest dafür. Wer hingegen weise investiert, der könnte seine Ziele theoretisch leichter verwirklichen. Zumindest könnten Sie einfacher auf liquide Mittel zugreifen und würden für die Aufnahme von Krediten sogar bezahlt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) bietet den Banken in Europa aktuell eine Null Prozent Zinspolitik für das Ausleihen von Geld. Für das Parken von liquiden Mitteln bei der EZB über Nacht muss sogar ein Strafzins von 0,4% pro Jahr gezahlt werden. Diese Politik wird bereits seit mehreren Jahren so umgesetzt. Kredite sind so günstig wie nie zu erhalten. Einige Banken fangen inzwischen sogar an, den Strafzins an Unternehmen sowie Privatkunden weiterzugeben. Ist dies überhaupt möglich? Und wie kann es überhaupt zu Negativzinsen kommen?

Ursachen eines möglichen Negativzinses

Bevor wir uns mit den Auswirkungen für Ihr Unternehmen im Detail auseinandersetzen, lassen Sie uns noch kurz anschauen, wieso es überhaupt zu der Option Negativzinsen kommt oder kommen könnte.

Hilfsmittel zur Stützung der Konjunktur

Die Wirtschaft durchläuft Höhen und Tiefen. Es gibt Zeiten mit stärkerem und schwächerem Wirtschaftswachstum. Es sind regelmäßige Zyklen ausgemacht, die sich wiederholen. Diese Zyklen gehen von der Phase des Aufschwungs (Expansion), über die Hochkonjunktur (Boom) und der Abschwung Phase (Rezession) bis hin zur Tiefphase (Depression). Das Zusammenspiel wird auch als Konjunktur bezeichnet.

Negativzinsen-Konjunktur

Um Abschwung und Depression entgegen zu wirken, haben Staaten und Zentralbanken entsprechende Instrumente entwickelt. Diese sollen antizyklisch eingesetzt werden.

Während Abschwung und Depression soll investiert werden. In Zeiten des Aufschwungs und Booms hingegen sollte gespart werden. Jede Wirtschaftszone oder gar Region kann seinem eigenen allgemeinwirtschaftlichem Zyklus folgen. Die Kunst von Zentralbank und Regierung liegt in einer optimalen Koordination relevanter Instrumente. Eines der Instrumente der EZB ist der Leitzins. Dies ist der zentrale Zinssatz, zudem Banken im Euro-Währungsraum Geld von der Zentralbank ausleihen können. Wenn die Wirtschaft gestärkt werden muss sinkt dieser. In Boomphasen wird er üblicherweise wieder erhöht. Ziel ist es, die Geldmenge zu kontrollieren und gleichzeitig die Wirtschaft zu unterstützen.

Aktuelle Entwicklungen beim Leitzins

Mit dem Zusammenwachsen der Europäischen Union (EU) und dem gemeinsamen Währungsraum, ergibt sich für die EZB eine besondere Herausforderung. Während es Deutschland seit einer gefühlten Ewigkeit wirtschaftlich gut geht, sieht es in vielen südeuropäischen Ländern anders aus. In Spanien, Griechenland und Italien kriselt es beispielsweise.

Um diese Wirtschaftszonen zu unterstützen und auch der Finanzkrise von 2009 entgegen zu wirken, hat die EZB den Leitzins immer weiter gesenkt. Aktuell liegt dieser seit Jahren bei Null Prozent. Das Lagern von Geld bei der EZB über Nacht wird aktuell sogar bereits mit Negativzinsen belastet. Eigentlich müsste der Leitzins in den nächsten Monaten wieder angehoben werden. Prognosen gehen von der zweiten Jahreshälfte aus. Was aber, wenn uns unerwartet wieder eine Wirtschaftskrise droht?

EZB-negativzins

Dies könnte auf dem Finanzmarkt, im Immobiliengewerbe oder den Internet-Unternehmen durchaus passieren. Der Internationale Währungsfonds (IWF) Sieht in diesem Fall nur noch eine Lösung: Negativzinsen, aber ob es für den Euroraum wirklich kommen würde, kann noch niemand voraussehen. In Dänemark, Schweden und Japan sind Negativzinsen bereits Realität.

Auswirkungen von Negativzinsen auf Ihr Unternehmen

Im Grunde genommen liegen die direkten Berührungspunkte von Minuszinsen in den Bereichen der Unternehmensfinanzierung und bei Ihrem Bankguthaben. Beim Bankguthaben müssten Sie dafür Geld bezahlen, wenn Sie über Bankguthaben verfügen. Sie bezahlen quasi extra für die Verwahrung Ihrer liquiden Mittel. Praktisch ist dies sogar bereits Realität. Erste Banken haben Negativzinsen auf Guthaben eingeführt. Zu diesen Banken gehören unter anderem Filialen der Sparkasse sowie der Volks- und Raiffeisenbanken. Betroffen sind Privat- sowie auch Firmenkunden.

Für Firmenkunden gelten Negativzinsen dann teilweise bereits ab einem Bankguthaben von 250.000 Euro. Der entsprechende Zinssatz liegt aktuell bei entsprechenden Kreditinstituten zwischen minus 0,2 und minus 0,4 Prozent pro Jahr. Bei einem Guthaben von 250.000 Euro wären dies bereits zusätzliche Zinsaufwendungen zwischen 500 und 1.000 Euro pro Jahr. Vergleichen Sie dies doch mal mit Ihren Kontoführungsgebühren.

Wenn Sie hiervon betroffen sind, dann ist auch zu erwähnen, dass erste Gerichtsurteile bereits versuchen, den Negativzins zu kippen. Ein Urteil des Landgerichts in Tübingen (Aktenzeichen 4 O 187/17) besagt beispielsweise, dass nachträglich keine Zinsen auf Bankguthaben von bestehenden Bankkonten eingeführt werden darf. Banken bleiben aktuell dennoch standhaft. So lange sich an der zinspolitischen Richtung der EZB nichts ändert, wollen sie auf Negativzinsen verharren.

Wie extrem die Auswirkungen für Ihr Unternehmen in Bezug auf Ihr Bankguthaben sind, hängt also unter anderem von den Konditionen Ihres Geschäftskontos ab. Sie könnten bereits von Negativzinsen betroffen sein. Um Ihr größeres Bankguthaben vor Negativzinsen zu schützen, könnten Sie sich die Konditionen anderer Banken anschauen und vergleichen. Viele Banken, gerade auch FinTechs und Direktbanken verlangen aktuell keinen Strafzins auf Bankguthaben, egal über wie viel Guthaben Sie verfügen. Sie können Anteile Ihrer liquiden Mittel auf ein anderes Bankkonto transferieren. Ihr geschätztes Geschäftskonto müssen Sie trotzdem nicht komplett aufgeben.

Unternehmenskredit mit Negativzinsen – Ist das möglich?

Anders als beim Bankguthaben sehen die Auswirkungen von Negativzinsen beim Firmenkredit aus. Anstatt Zinsen zu zahlen, müssten Sie folglich nicht die komplette Kreditsumme zurückzahlen. Bei einem Unternehmenskredit in Höhe von 100.000 Euro und einem negativen Zinssatz von 1 Prozent pro Jahr müssten Sie bei einer Rückzahlung in einer Summe nach einem Jahr nur 99.000 Euro an die Bank zurücküberweisen. Solche Angebote gibt es für Unternehmen in Deutschland aktuell nicht. Lediglich für Privatkunden locken smava und das Vergleichsportal check24 seit einigen Monaten mit Negativzinsen auf einen kleineren Kredit. Um diesen auch gewilligt zu bekommen muss auch die Bonität als ausgezeichnet bewertet werden.

Die praktische Realisierung von Negativzinsen für Firmenkunden von Banken ist zum derzeitigen Zeitpunkt äußerst unwahrscheinlich. So auch die Aussage der KfW Bank. Schließlich müssen sich auch Banken refinanzieren. Sie müssen Gehälter zahlen, Miete sowie auch andere Ausgaben tätigen. Der Zins für Kredite ist ein wesentliches Instrument der Finanzierung von Banken.

Unwahrscheinlich, aber in der Theorie möglich

Auch wenn dies im Euro-Raum aktuell unwahrscheinlich ist, so könnte es in der Theorie dennoch wahr werden. Wenn zum aktuellen Zeitpunkt die europäische Wirtschaft in eine Krise trudeln würde, dann könnte die EZB entscheiden, den europäischen Leitzins weiter zu senken. Anstelle eines Strafzinses nur auf Guthaben, könnte die EZB Darlehen mit negativem Zinssatz an Banken vergeben.

Die Refinanzierung der Banken können dann über die Aufnahme von Krediten erfolgen. Zu viel Kapital sollten sie dabei nicht aufnehmen. Auf Guthaben zahlen sie höhere Zinsen. Wenn die Negativzinsen auf Kredite hoch genug sind, können irgendwann auch Firmendarlehen hiervon profitieren. Die EZB würde mehr Geld in den Umlauf bringen. Dies birgt aber auch die Gefahr hoher Inflation und ist deshalb auf lange Sicht sehr unwahrscheinlich und gefährlich.

Nicht zu vergessen sind auch die Einflussfaktoren auf den Zinssatz von Unternehmensdarlehen. Selbst wenn es erste Angebote mit negativem Zinssatz für Firmenkredite gebe, so müsste Ihre Bonität für die Erreichung dieser Vorteile entsprechend gut oder sogar ausgezeichnet sein. Banken können sich nicht refinanzieren, wenn Sie den Kredit nicht begleichen können.

Konsequenzen von Negativzinsen für andere Formen der Fremdfinanzierung

Stellen Sie sich eine Welt vor, in der Sie mit guter Kreditwürdigkeit Ihres Unternehmens ein Kredit mit Minuszinsen erhalten. Anstatt für einen Kredit zu zahlen, zahlen Sie weniger zurück. Auf Ihr Guthaben zahlen Sie allerdings Zinsen. Ihr Ziel wäre sicherlich ganz klar: Kluge Investition. Die Investitionen in die Wirtschaft würden steigen. Folglich wird die Wirtschaft wachsen. Was aber würde dies für alternative Finanzierungsangebote der Fremdfinanzierung bedeuten? Eines ist klar: Einfacher wird es nicht.

Zwar könnten sich auch Fremd-Finanzierer zu einem gewissen Teil über Unternehmenskredite finanzieren, aber würde allgemein auch die Nachfrage für die Finanzierer zurückgehen. Negativzinsen wirken sich auf die Verfügbarkeit und das Angebot alternativer Finanzierungsformen für Ihre Unternehmensfinanzierung aus. Je nach Höhe oder besser Tiefe des Leitzinses und somit der Rahmenbedingungen für Kredite sind die Auswirkungen mehr oder weniger hart. Je attraktiver die Verzinsung für Firmenkredite ist, desto größer wird auch der Druck auf Leasinggesellschaften, Einkaufs-Finanzierer, Factoring-Gesellschaften und andere Fremdkapital Finanzierer.

Weniger Nachfrage führt bei gleichbleibendem Angebot volkswirtschaftlich gesehen zu sinkenden Gleichgewichtspreisen. Alternative Angebote der Fremdfinanzierung müssen folglich auch attraktiver gestaltet werden. Der Wettbewerbsdruck steigt. Je nach Ausprägung betriebswirtschaftlicher Rahmenfaktoren einzelner Anbieter ist dies möglich, oder auch nicht. Ebenso beeinflusst auch die Dauer des Angebots der Negativzinsen mögliche Folgen. Unter Umständen müssten sich einige Fremd-Finanzierer umorientieren, Prozesse optimieren und automatisieren oder ihr Geschäft sogar komplett abgeben. Je länger Minuszinsen verfügbar sind, desto härter wird es für alternative Finanzierungsanbieter.

Sie als Unternehmen würden sich über bessere Angebote freuen. Selbst bei schwacher Bonität könnte Ihnen zu Zeiten von Negativzinsen ein gutes Angebot der Fremdfinanzierung gelingen. Der steigende Wettbewerb zwischen den Finanzierern macht das Angebot des Leasings, des Finetrading, des Factorings, der Lagerfinanzierung, etc. für Sie interessanter. Es bietet Ihnen Chancen solange Sie investieren. Nicht zu vergessen, Ihr Guthaben würde auch negativ verzinst werden.

Bedeutung von Negativzinsen für die Eigenkapitalfinanzierung

Wenn bei Negativzinsen am Kapitalmarkt der Investitionsdruck steigt, welche Bedeutung und Konsequenzen hat dies für die Eigenkapitalfinanzierung?

Eigenkapital steht Unternehmen ohne feste Verzinsung zur Verfügung. Stattdessen wird ein Teil des Unternehmens an Dritte übertragen. Verantwortung und Einfluss werden abgegeben. Eigenkapitalgeber wollen oft mitreden im Geschäft. Dies kann durchaus auch positiv sein, wenn Investoren beispielsweise über Marktkenntnisse auch einen Mehrwert in das Unternehmen bringen. Gerade junge Unternehmen, die allein für sich kaum eine ausreichende Finanzierung aus Fremdkapital erhalten würden, nutzen dies. Sie erhalten die Chance, etwas Großes aufzubauen, zu wachsen und expandieren. Entsprechend findet eine Eigenkapitalfinanzierung oft im Bereich des Risikokapitals statt.

Im Falle von Negativzinsen von Guthaben am Markt, werden Eigenkapitalinvestoren gewillter sein, zu investieren. Sie wollen für Ihr Guthaben keinen Zins zahlen, sondern es vermehren. Wenn sie an ein Projekt glauben, einen Erfolg sehen, dann werden sie auch etwas mehr Risiko eingehen. Zugleich steht Fremdkapital aber auch zu unglaublichen Konditionen zur Verfügung. Neue Investoren mit guter Kreditwürdigkeit könnten Darlehen aufnehmen, um es als Stammkapital, Kapitalrücklage oder Gesellschafterdarlehen (mit Rangrücktritt) in ein Unternehmen zu investieren.

Dennoch sinkt entsprechend zugleich auch die Attraktivität, neue Gesellschafter in das Unternehmen zu holen. Zu viel Liquidität auf den Bankkonten ist nicht gewünscht und Sie als Unternehmen könnten sich zugleich auch Fremdkapital zu guten Konditionen sichern. Investoren von Eigenkapital müssten entsprechend auch anders punkten können. Sie müssten dem Unternehmen ein zusätzliches Nutzen bieten. Dies können Kontakte oder Marktkenntnisse, sowie technisches Know-how sein.

Ebenso können auch Gesellschafterdarlehen (mit Rangrücktritt) zu marktüblichen Konditionen mit Negativzinsen vergeben werden. Nicht nur der Markt der Fremdfinanzierung, auch der Markt der Eigenfinanzierung für kleine und mittelständige Unternehmen würde durch Minuszinsen unter Druck gesetzt werden. Sie als Unternehmen können hiervon profitieren. Es könnte sich aber negativ auf den Geldwert – Stichwort die Inflation – auswirken.

Ausblick zu Negativzinsen – Ein Gedankenspiel des IWF

Auch der IWF hat sich über Negativzinsen bereits Gedanken gemacht. Wenn es bei den aktuellen Marktkonditionen zu einem wirtschaftlichen Abschwung kommt, könnten Negativzinsen jeden treffen. Das Ziel ist es, Investitionen weiter anzutreiben, um die Wirtschaft zu stützen. Der IWF sieht dies als einziges Instrument der EZB, falls es denn soweit kommen würde. Dass dies für Banken nicht unbedingt problematisch wird, zeigen Fälle in Schweden und Dänemark, bei denen es bereits seit längerer Zeit einen geringen negativen Leitzins gibt. Banken lernen, damit zu leben und sind aktuell sogar profitabler und effizienter als zuvor.

Einige Unternehmen könnten sich überlegen, in mehr Sicherheit und einen großen Tresor für Liquide Mittel zu investieren, um Zinszahlungen zu entgehen. Hiergegen sieht der IWF allerdings die Umsetzung der Behandlung von Bargeld und E-Geld wie unterschiedliche Währungen. Für die Auszahlung von E-Geld in Bargeld seien dann Wechselgebühren fällig. Im Gedankenspiel für den Fall einer Phase von Negativzinsen sei dies zur Stützung oder gar Rettung der Wirtschaft und Währung notwendig. Sparen würde der Wirtschaft Potenzial und Kraft rauben. Arbeitsplätze stünden in Gefahr.

Glücklicherweise sind all dies nur Gedankenspiele und allen Prognosen und Erwartungen zu Folge, wird der Leitzins in der zweiten Jahreshälfte 2019 wieder etwas angehoben. Über kurz oder lang werden dann auch die Negativzinsen auf größere Summen von Bankguthaben wieder verschwinden.