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Ausblick für KMU: 2023 wird herausfordernd, aber es gibt Anlass für Hoffnung

In ihrem Herbstgutachten waren sich die führenden Forschungsinstitutionen Ende September einig: Drei Quartale hintereinander werde die deutsche Wirtschaft schrumpfen. Und zwar im zu Ende gehenden Sommerquartal, im Herbst und Anfang 2023, prognostizierten Ifo, RWI, IfW und IWH.

Überraschenderweise zeigt sich die deutsche Wirtschaft allerdings resilienter als angenommen: Denn im 3. Quartal war statt einer Schrumpfung ein leichtes Wachstum (+0,4 % gegenüber Vorquartal) zu verzeichnen. Im laufenden Schlussquartal wiederum hellte sich die Stimmung unter den Unternehmer:innen wieder deutlich auf (ifo-Geschäftsklimaindex plus 1,8 % auf 86,3 % im November). Maßgeblich dafür verantwortlich ist der milde Herbst und die vollen Gasspeicher, die keine Mangellage bei der Energie erkennen lassen. Hinzu kommt die Hoffnung, dass sich die weltweite Lieferkettenkrise 2023 etwas entspannt. Zuletzt waren beispielsweise Container-Frachtraten stark gesunken: So berichtete das Handelsblatt kürzlich, dass eine 20-Fuß-Stahlbox (TEU) von Shanghai nach Nordeuropa aktuell im Schnitt 1.479 US-Dollar kostet. Anfang des Jahres wurden dafür noch 8.000 US-Dollar fällig.

Eine Rezession wird wahrscheinlich kommen  aber wie stark fällt sie aus?

Nach wie vor sprechen viele Indizien für eine Rezession, also technisch gesehen mindestens zwei Quartale in Folge mit negativem Wirtschaftswachstum. Dennoch ist laut Prognose von Experten eher eine moderate Rezession zu erwarten, die keinesfalls vergleichbar mit einem Konjunktureinbruch wie zu Beginn der Corona-Krise oder zu Zeiten der Finanzkrise 2008/ 2009 ist. Die Deutsche Bank etwa rechnet für das kommende Jahr mit einem Minus von 1 % in der Eurozone, die DZ Bank 2023 mit minus 1,9 % BIP-Wachstum gegenüber dem Vorjahr. “Wir können uns vorstellen, dass sich die Situation im zweiten Halbjahr 2023 wieder verbessern könnte. Viel hängt von der Entwicklung der Energiepreise ab, vor allem bei Strom gibt es noch sehr viele Unsicherheiten. Der weitere Verlauf des Ukraine-Krieges wird ebenfalls einen Einfluss auf die wirtschaftliche Gesamtentwicklung haben. Grundsätzlich sehen wir aber eine wetterfeste KMU-Landschaft, die sich aktuell sehr robust zeigt. Das macht uns verhalten optimistisch für das kommende Jahr”, erklärt Nicolay Ofner, Mitgründer von FinCompare und Head of Placement bei der KMU-Finanzierungsplattform.

Zinsen könnten weiter steigen – aber mit weniger Dynamik

Die Energiepreise bleiben eine große Herausforderung, denn die Zeit der “günstigen” Energie der vergangenen Jahre ist vorbei und wird aller Voraussicht nach auch nicht wieder kommen. Darauf stellen sich aktuell viele Mittelständler ein. Ebenso wird die Inflation auch 2023 ein Thema sein. Die Kaufzurückhaltung könnte sich verstärken und das werden viele Unternehmen im kommenden Jahr spüren. Der hohe Kaufkraftverlust hat im laufenden Jahr die Geldpolitiker diesseits (etwas später) und jenseits (etwas früher) des Atlantiks auf den Plan gerufen. Sowohl die “Fed” in den USA als auch die EZB im Euroraum haben kräftig an der Zinsschraube gedreht, um der Inflation Herr zu werden. Da das Ziel von einer Inflation von etwa 2 % noch weit entfernt ist, ist auch im kommenden Jahr mit weiteren Zinsschritten zu rechnen. Immerhin gibt es zumindest aus den USA Signale, dass die Dynamik der Zinserhöhungen nach der jüngsten Zinsanhebung etwas nachlassen könnte. Spannend wird sein, wie die EZB im kommenden Jahr reagiert: Die Zentralbank befindet sich in einem Spannungsfeld, dass sie die Inflation mit Zinserhöhungen eindämmen muss und gleichzeitig Stützungskäufe im Rahmen des neuen Anleihenkaufprogramms TPI (Transmission Protection Instrument) tätigt, um die Refinanzierungskosten von Euro-Ländern wie beispielsweise Italien zu stabilisieren.

Research-Experten vieler Banken gehen davon aus, dass es noch weitere Zinsschritte der EZB geben wird, denn die Dynamik in der Teuerung ist noch nicht eingefangen: “Wir gehen davon aus, dass die EZB den Leitzins weiter anheben wird. Möglicherweise folgt dann eine Phase, in der das Niveau dann mal eine gewisse Zeit ohne weitere Anhebungen bestehen bleibt. Aktuell sind wir der gleichen Meinung vieler Experten, die den Höhepunkt der Inflation in der Eurozone erst im Jahr 2023 sehen. Dafür sprechen auch die nach wie vor hohen Erzeugerpreise, die ein vorgelagerter Indikator der Inflation sind”, so Ofner.

2023 könnte es weniger Unternehmenskredite für KMU geben

Die unsichere Wirtschaftslage und die steigenden Zinsen bleiben in jedem Fall eine Herausforderung für die KMU. Vor allem mit Blick auf die Unternehmenskredite. Dies zeigt die aktuelle Umfrage zur KfW-ifo-Kredithürde (3. Quartal 2022). So stufen 27,9 % der befragten Mittelständler, die sich in Kreditverhandlungen befinden oder befanden, das Verhalten der Banken als restriktiv ein. Das sind 7,1 Prozentpunkte mehr als im Vorquartal und entspricht einer mehr als Verdreifachung der durchschnittlichen Quartalsveränderung. Die Mittelstands-Kredithürde markiert damit zugleich einen neuen Höchststand seit Einführung der aktuellen Befragungsmethodik (2017).

Etwas mehr Vorsicht bei Banken war aufgrund der aktuellen Großwetterlage zu erwarten. In einer möglichen Rezession ist schließlich mit einer deutlichen Zunahme von Unternehmensinsolvenzen und damit von Kreditausfällen auf Seiten der Banken zu rechnen. Allerdings überrascht ein anderer Fakt aus der aktuellen KfW-ifo-Kredithürde: Denn bei den Großunternehmen entspannte sich die Situation in Sachen Kredithürde zum zweiten Mal in Folge. Damit vergrößerte sich der traditionelle Vorteil der Großunternehmen beim Zugang zu Finanzierungen weiter. “Wenn der Zugang von KMU zu Bankkrediten erschwert wird, kommt es umso mehr auf alternative Finanzierungsmöglichkeiten an. Wir rechnen daher 2023 mit einer höheren Nachfrage nach Finanzierungsinstrumenten wie Leasing, Factoring, Sale-and-Lease-Back oder Lager- und Einkaufsfinanzierungen”, sagt Ofner.

2023 treten wichtige Änderungen und Gesetze für KMU in Kraft

Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen wartet das Jahr 2023 auch mit einer Reihe von Gesetzesänderungen beziehungsweise neuen Gesetzen, die in Kraft treten, auf. Da ist zum einen die Strom- und Gaspreisbremse, die ab 1. März 2023 bis mindestens zum 30. April 2024 gilt. Die Gaspreisbremse sieht für eine Grundmenge (80 % des Verbrauchs, der der Abschlagszahlung für September 2022 zugrunde lag) einen staatlich garantierten Bruttopreis (inklusive Steuern, Abgaben, Umlagen etc.) von zwölf Cent pro Kilowattstunde vor. Der Strompreis (ebenfalls für eine Grundmenge von 80 %) für private Verbraucher sowie für KMU (mit einem Stromverbrauch von bis zu 30.000 Kilowattstunden pro Jahr) wird auf 40 Cent pro Kilowattstunde brutto – also inklusive aller Steuern, Abgaben, Umlagen und Netzentgelte – gedeckelt.

Ab 1. Januar 2023 gilt das Lieferkettengesetz, das sich an Unternehmen mit Sitz in Deutschland mit zunächst mindestens 3.000 Arbeitnehmer:innen richtet. Ab dem 1. Januar 2024 gilt das Gesetz dann auch für Unternehmen mit mindestens 1.000 Arbeitnehmer:innen. Mittelbar sind davon auch KMU betroffen. Denn der Gesetzgeber verlangt von Großunternehmen eine Risikoanalyse und daraus resultierend eventuelle Präventionsmaßnahmen gegenüber Lieferanten. Das Lieferkettengesetz macht beispielsweise ausdrücklich klar, dass Unternehmen bei der Auswahl ihrer Zulieferer berücksichtigen sollen, ob „menschenrechtsbezogene Erwartungen“ erfüllt werden.

Die LKW-Maut wird zum 1. Januar 2023 moderat erhöht. Zum 1. Januar 2024 soll es dann eine große Mautreform geben, die eine Ausdehnung auf Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen und eine CO₂-Differenzierung vorsieht. Die Mauteinnahmen sollen ab 2024 dann nicht nur für den Straßenbau, sondern auch für den Ausbau von Schienen- und Wasserwegen verwendet werden.

Die Förderung der E-Autos – auch bekannt als sogenannter Umweltbonus – wird ab 1. Januar 2023 eingeschränkt und reduziert. Künftig sind nur noch batterie- und brennstoffzellenbetriebene Fahrzeuge förderfähig, die Förderung der Plugin-Hybrid-Fahrzeuge läuft Ende 2022 aus. Der Kauf von reinen Elektroautos wird ab 2023 je nach Kaufpreis, mit 3.000 (Nettolistenpreis zwischen 40.000 bis 65.000 Euro, bisherige Förderung: 5.000 Euro) bis 4.500 Euro (Nettolistenpreis bis 40.000 Euro, bisherige Förderung: 6.000 Euro) bezuschusst. Ab dem 1. September 2023 wird der Kreis der Antragsberechtigten dann auf Privatpersonen begrenzt. Für gewerbliche Fahrzeuge gibt es dann keinen Umweltbonus mehr.

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