Standortanalyse: Stadt-Land-Gefälle bei Fachkräftemangel

Geheimtipp Kleinstadt?

Standortanalyse

Schon seit Jahren wird der zunehmende Fachkräftemangel in Deutschland von vielen Experten prophezeit. Eine Entwicklung, die vor allem kleine und mittlere Unternehmen trifft. Nach einer Analyse der KfW befürchten daher auch zwei Drittel der KMUs Probleme bei der Fachkräftesuche. Den Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter entscheiden Arbeitgeber im Großraum der Metropolen dabei eindeutig für sich. Den ländlichen Unternehmen haften bei der Standortanalyse ungünstige Standortfaktoren mit dem Geruch von Vergangenheit und Einfachheit an. Dabei könnten diese Unternehmen Stärken ausspielen, die Arbeitgeber in der City meist nicht haben.

Was dazu gehört und wie der ländliche Raum für Fachkräfte aufgewertet werden kann, stellen wir im Folgenden vor.

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Zusätzliche Information

Entwicklung und Standortanalyse

Noch vor wenigen Jahren stapelten sich die Fachkräftebewerbungen bei potenziellen Arbeitgebern. Gut ausgebildete Akademiker waren für jeden Aushilfsjob auf dem Markt dankbar, um sich irgendwie über Wasser zu halten. Wer eine Stelle angeboten bekam, musste Abstriche in monetären und personellen Aspekten hinnehmen.

Kaum jemand hätte angenommen, dass sich das Kräfteverhältnis drehen könnte. Heute können Fachkräfte Anforderungen stellen und sich ihr Unternehmen aussuchen. Denn nach aktuellen Studien werden bis 2030 ca. 3.000 Fachkräfte in Deutschland fehlen. Weniger kritisch sehen Unternehmen im städtischen Raum die Prognose. Rund 54 % der KMU mit Sitz in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern rechnen mit einem schwierigen Bewerbermarkt. Auf dem Land erwarten sogar 70 % der Unternehmen, dass Sie keinen ausreichenden Bewerbermarkt vorfinden oder rekrutierte Mitarbeiter nicht lange halten können.

Attraktive Standortfaktoren

Die attraktiven Standortfaktoren der Städte, die bei der Standortanalyse zu erkennen sind, ziehen nicht nur mehr Bewerber aus der näheren Umgebung, sondern auch überregional und sogar international an:

  • 44 % der KMU in Städten ab 100.000 Einwohnern haben daher auch Pendler mit einem mindestens halbstündigen Arbeitsweg in ihrer Belegschaft.

  • 19 % haben sogar Mitarbeiter, die für den neuen Arbeitsplatz einen Umzug in Kauf genommen haben.

  • In ländlichen Regionen haben diesen Aufwand nur 10 % betrieben.

  • Es pendeln dort immerhin 26 % der Mitarbeiter.

Woran liegt dieses Stadt-Land-Gefälle bei der Standortanalyse? Offenbar tun sich Unternehmen im städtischen Bereich leichter damit, sich als attraktiv und interessant dazustellen. Dabei sind sie auch wesentlich engagierter und enger am Markt. Mehr als ein Drittel, nämlich 37 % der städtischen Arbeitgeber, suchen aktiv in der Region und überregional. Dagegen engagiert sich nur ein Fünftel der ländlichen KMU beim Recruiting in anderen Regionen. Die Quote wird umso dürftiger, je weiter entfernt die Fachkraft gesucht werden müsste. Denn städtische Arbeitgeber suchen doppelt so oft deutschlandweit und drei Mal so häufig im Ausland wie ihre Mitbewerber im Grünen. Schon im Umkreis suchen ländliche Unternehmen um 50 % seltener.

Gründe und Hintergründe bei der Standortanalyse

Bereits die demografische Entwicklung stellt ein großes Hindernis dar. Denn im Jahr 2030 werden laut dem Statistischen Bundesamt weitere 3 Millionen Menschen über 80 Jahre alt sein, voraussichtlich also 6,3 Millionen. In 2040 werden 21,4 Millionen Menschen im Rentenalter, also mindestens 67 Jahre alt sein. Den Arbeitsmarkt teilen sich dann 45,8 Millionen Deutsche im Alter zwischen 20 und 66 Jahren.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass KMUs sich im ländlichen Bereich häufig zu wenig als moderne und kompetente Arbeitgeber darstellen. Dazu gehören diese Punkte:

  • Gibt es eine Website auf dem neusten Stand?

  • Beteiligt sich das Unternehmen an Messen und Ausbildungsveranstaltungen, Speeddating für Bewerber oder Tag der offenen Tür am Standort?

  • Zeichnet es sich durch positive Pressebereichte mit engagierten Aktivitäten im Produkt- und Dienstleistungsbereich sowie im sozialen Sektor aus?

  • Ist die Belegschaft zusammengesetzt aus mehreren Nationen, unterschiedlicher Altersstruktur und Qualifikationen?

  • Gibt es interessante Qualifizierungsmöglichkeiten und Karrierechancen?

  • Verfügt das Unternehmen im IT- und Bürobereich, aber auch in den Besprechungsräumen über eine aktuelle technische und ergonomische Ausstattung?

Es fehlt zudem oft das Alleinstellungsmerkmal. Interessenten sollten ebenso wie Kunden wissen, was Sie von einem Unternehmen zu erwarten haben:

  • Wofür steht ein Unternehmen? Mit welchen Produkten oder Dienstleistungen hat es sich in der Vergangenheit im Vergleich zum Markt einen Namen gemacht?

  • Was sind seine Stärken und was seine Schwächen?

  • Welche Ziele hat es und wie will es diese erreichen?

  • Womit ist es negativ aufgefallen? Zeichnet es sich durch häufige Schwierigkeiten mit Mitarbeitern oder mit seiner finanziellen Lage aus?

  • Welches Image hat das Unternehmen in der Branche und in der Region?

  • Gibt es hochwertige Ausbildungsgänge und Einarbeitungspläne?

  • Glänzt der potenzielle Arbeitgeber durch alternative Arbeitszeitmodelle und attraktive Lohn- und Gehaltssysteme?

Was erwarten Mitarbeiter vom Arbeitgeber?

Unter den Fachkräften auf dem Markt finden sich Jungakademiker, die gerade von der Uni kommen, ebenso wie erfahrene Fachkräfte mit vielen Jahren Berufserfahrung. Beide Gruppen haben schon aufgrund ihrer unterschiedlichen Altersstrukturen unterschiedliche Erwartungen. Doch die Generation Y, die heute als ausgebildete Jung-Fachkräfte infrage kommt, unterscheidet sich stärker von den letzten Generationen.

Man könnte sie auch als Alles-oder-nichts-Generation bezeichnen, denn sie erwartet in ihrem Beruf verantwortungsvolle Aufgaben, die Zeit für Privatleben lassen, alternative Arbeitszeitmodelle, persönliche Entfaltungsmöglichkeiten, engagierte Arbeitgeber, qualifizierte Weiterentwicklung, Möglichkeiten zur Auslandserfahrung, interessante Arbeitsmethoden, ein gutes Arbeitsklima, angemessene Bezahlung und wertschätzender Umgang.

Ein Anforderungspaket, mit dem sich viele Unternehmen schwertun. Was liegt da näher, als bereits erfahrene Fachkräfte einzustellen. Sie haben ein ganz anderes Erwartungsprofil: Ältere Mitarbeiter wünschen sich mehr Zeit, zur Einarbeitung und Qualifizierung, sie möchten in ihrer Kompetenz ernst genommen werden, passende Aufgaben bekommen und sich aktiv einbringen. Zudem erwarten sie eine ihrer Erfahrung entsprechenden Bezahlung. Mögliche Schwächen sollte der Arbeitgeber mithilfe von Coaches und Einarbeitungsprogrammen beheben.

Standortanalyse: Welche Branchen betrifft der Fachkräftemangel?

Dennoch erwartet Fachkräfte im fortgeschrittenen Alter jenseits der 40 eine lange Durststrecke am Markt. Junge Fachkräfte werden meist bevorzugt, was diese in eine ausgezeichnete Verhandlungsposition manövriert. Die Konkurrenz unter den Unternehmen ist groß und die Vakanzzeit nach einer Auswertung der Arbeitsagentur Aschaffenburg in 2018 je nach Branche unterschiedlich lang:

  • 171 Tage bei Bau- und Ausbauberufen

  • 155 Tage bei medizinischen und nicht-medizinischen Gesundheitsberufen

  • 159 Tage bei Fertigungsberufen

  • 163 Tage bei fertigungstechnischen Berufen

  • 138 Tage bei Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen

Die Erwartungen sind nicht nur aufseiten der Bewerber hoch. Auch Unternehmen fordern eine entsprechende Gegenleistung. Vor allem die auch bei den kleinen und mittleren Unternehmen inzwischen weitgehend eingeführten Methoden zur Digitalisierung fordert die Mitarbeiter.

Auch zunehmende Globalisierung bringt Erwartungen mit sich, denn Mitarbeiter sollen sprachlich fit und geografisch flexibel sein. Qualifizierungsmaßnahmen gehören zum Alltag, auch bei Jungakademikern oder erfahrenen Mitarbeitern. Lebenslanges Lernen ist angesagt.

Standortanalyse zwischen Stadt und Land: Was wollen die Fachkräfte?

KMUs in ländlichen Regionen sind oft gegenüber den vermeintlich attraktiveren Standortfaktoren der City-Konkurrenz im Nachteil. Das hat nicht nur sachliche Gründe. „Land“ steht in der Jobsuche für ein reduziertes Gehalt und wenig entwickelte Unternehmen. Rein subjektive Einschätzungen, denn gerade Top-Unternehmen haben ihren Standort häufig im Grünen, obwohl sie innerhalb ihrer Branche Marktführer sind, Innovationen entwickeln und global sehr erfolgreich agieren.

Zudem verfügen ländliche Arbeitgeber über Vorteile, die ein städtisches Unternehmen meist nicht bieten kann, beispielsweise Parkplätze, Kinderbetreuung um die Ecke und günstige Mieten oder Kaufpreise von Wohnungen und Häusern. Nicht zuletzt ist die grüne Lage mit frischer Luft ein starkes Argument.

Das haben bereits viele Unternehmen verstanden und setzen Angebote an Arbeitnehmer ein, die den Arbeitsplatz sofort attraktiver machen. Und das unabhängig von der Standortanalyse, beispielsweise.

  • Fast jeder zweite Arbeitgeber lockt mit flexiblen Arbeitszeiten, mobiler Ausstattung und Heimarbeit bzw. Arbeitsplätzen in nahe gelegenen Niederlassungen.

  • Jedes fünfte Unternehmen am Markt bietet Zuschüsse oder Übernahme von Wohn- und Fahrtkosten an.

  • Jedes dritte Unternehmen übernimmt Umzugskosten, wobei nur jedes Vierte auch bei der Suche nach Wohnraum und Kinderbetreuung am Standort unterstützt.

  • Auch bei der Suche nach Arbeitsplätzen für Familienangehörige hilft jeder vierte Arbeitgeber. Da Wohnraumknappheit und Mietpreise in städtischen Lagen große Probleme darstellen, bieten Arbeitgeber dort häufiger Unterstützung an.

Gerade Arbeitgeber auf dem Land sollten sich nicht nur fachlich und technisch mit der Stadtkonkurrenz messen, sondern ihre Stärken ausspielen.

Bewerber bei der Standortanalyse überzeugen: Mit diesen 14 Tipps!

Publicity

Viele kleine und mittlere Unternehmen stehen für Innovationen und sind national und international erfolgreich mit ihren Produkten und Dienstleistungen. Um ihre Methoden stärker zu publizieren, können Experten eingeladen werden, die Vorträge halten und Projekte leiten. Spätestens wenn die Pressenachrichten dazu veröffentlicht wurden, wird auch ein KMU auf dem Land interessant. Somit bildet es einen interessanten Faktor für die Standortanalyse.

Kinder und Hunde

Eine der größten Herausforderungen neben der Suche nach Wohnraum ist die Unterbringung der Kinder während der Arbeitszeit. Selbst wenn man einen Kindergartenplatz hat, müssen die Kosten dafür aufgebracht werden. Spätestens bei mehreren Kindern kann das die eigenen Möglichkeiten übersteigen. Hier tut etwas Hilfe durch den Arbeitgeber not. Wenn dazu noch ein Ferienprogramm für die Kinder der Mitarbeiter kommt, wäre das ein großer Pluspunkt bei der Standortanalyse.

Auch einen Hund mehrere Stunden täglich unterzubringen, kann eine Sisyphusaufgabe sein. Immer mehr Arbeitgeber ermöglichen daher Job mit Hund. Dies ist selbstverständlich nicht im Groß- und Einzelhandel möglich, wenn beispielsweise mit Nahrungsmitteln oder pharmazeutischen Produkten gearbeitet wird.

Job-Ticket, Fahrkostenzuschuss

Gerade im ländlichen Bereich sind die Anfahrtswege zum Standort häufig länger als in der Stadt. Bei den gestiegenen Energiekosten entsteht dabei eine Belastung der Mitarbeiter, die durch die Werbungskosten im Rahmen der Steuererklärung kaum aufgefangen werden. Das Angebot von Jobticket oder Fahrtkostenzuschuss gehört heute bereits zum Standard. Leidet ein Unternehmen unter sehr ungünstigen Standortfaktoren ohne öffentlichen Nahverkehr, bietet sich der Einsatz eines Shuttle-Busses an.

Unterstützung bei Wohnraumsuche und Kostenübernahme

Die Miet- und Kaufpreise für Immobilien sind nicht nur in den Städten explodiert, auch kleine Ortschaften spüren die Preissteigerungen. Dennoch ist bezahlbarer Wohnraum auf dem Land einer der größten Vorteile gegenüber den Mitbewerbern in der Stadt. Unterstützt ein Unternehmen seine Mitarbeiter, geeignete Unterkünfte zu finden, die womöglich auch für die Familie geeignet sind, ist das ein unschätzbarer Vorteil.

Qualifizierungsmaßnahmen

Mitarbeiter möchten sich weiter qualifizieren, in neue Themen einarbeiten und Erfahrungen im Ausland oder in anderen Bereichen sammeln. Unternehmen, die hierzu keine strukturierten Methoden haben, sondern die Teilnahme von der individuellen Entwicklung des Mitarbeiters abhängig machen, wirken konzeptlos. Durchdachte Qualifizierungsmaßnahmen, die wie eine Kaskade aufeinander aufbauen, und sogar international sein können, spornen an. Dazu sollte bei einem gut aufgestellten Unternehmen E-Learning gehören. So haben Mitarbeiter die Möglichkeit, sich am PC in ihrem eigenen Rhythmus und ohne aufwendige Seminare außer Haus weiterzubilden. Dies setzt ihre Freistellung in Lernphasen voraus.

Website mit aktuellen Informationen

Es erstaunt immer wieder, wie viele Unternehmen keine oder keine aktuelle Website haben. In Zeiten, in denen das Internet zum täglichen Leben von Mitarbeitern und Kunden gehört, ist die Wirkung einer fehlenden oder veralteten Website fatal. Wer noch die Informationen zum Seminar von vor 5 Jahren unter „Aktuelles“ anbietet, muss sich über mangelnde Bewerbungen nicht wundern.Zumal die Erstellung einer eigenen Seite im Baukastensystem kein Hexenwerk ist. Es zeigt, ob ein Unternehmen an seiner Selbstdarstellung interessiert und State of the Art ist. Vor allem im Einzelhandel gibt es reichlich Belege dafür, wie man mit geringen Mitteln die Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann.

Flexible geregelte Arbeitszeiten, Auslandsaufenthalte und Sabbaticals

Aktuellen Generationen ist es wichtig, dass sie ihr Privatleben und ihr berufliches Engagement unter einen Hut bekommen. Dazu gehören flexible und zugleich geregelte Arbeitszeiten ebenso wie Angebote für Sabbaticals. Längere Auszeiten und Sabbaticals gehören zur Standortanalyse und werden immer häufiger nachgefragt. Aber auch Zeit für Auslandserfahrungen im Job wünschen sich viele Fachkräfte, vor allem im Zuge zunehmender Globalisierung.

Parkplätze, Kantine, Terrasse, Freizeitmöglichkeiten

Ein großes Plus für Arbeitgeber auf dem Land stellt das meist größere Areal und großzügigere Umfeld dar. Meist können Parkmöglichkeiten angeboten werden, von denen Mitarbeiter in der Stadt nur träumen können. Aber auch Einrichtungen wie eine Kantine mit Terrasse und Freizeitangebote sind aus dem Stoff, aus dem zufriedene Mitarbeiter sind. Dazu können beispielsweise eine Tischtennisplatte und Liegen für die Mittagspause gehören. Manche Unternehmen machen auch gerne Meetings an der frischen Luft. Dazu können Gesundheitskurse, wie Nordic Walking oder Bogenschießen angeboten werden.

Firmenautos und -fahrräder

Einen großen Anreiz bieten Firmenfahrzeuge, die Mitarbeiter stundenweise oder komplett zur freien Verfügung erhalten. Immer häufiger bieten Arbeitgeber statt Autos Firmenfahrräder bzw. E-Bikes an. Gerade die motorunterstützten Fahrräder erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Mit ihnen lassen sich auch längere Strecken für Menschen jeden Alters bezwingen. So können Arbeitnehmer ihren Arbeitsweg sportlich zurücklegen und sind in der Freizeit ebenfalls gut motorisiert.

Smartphone, Laptop und Heimarbeitsplätze

Gut ausgebildete Fachkräfte können den Erwartungen des Unternehmens nur gerecht werden, wenn sie gut ausgestattet sind. Dazu gehören Smartphones und Laptops, die zugleich an einem Heimarbeitsplatz optimal genutzt werden können. Heimarbeitsplätze ersetzen für Mitarbeiter zumindest tageweise den Arbeitsweg, sparen Zeit und bieten die Möglichkeit, für Kinder zuhause da zu sein.

Kreative Zahlungssysteme und Nettolohnoptimierung

Auch bei Lohn- und Gehalt kann ein ländliches Unternehmen sich im Vergleich zum Markt positiv in Szene setzen. Gehaltsbestandteile können leistungsbezogen variabel sein. Auch aus den Leistungen über das Gehalt hinaus, wie Betriebliche Altersversorgung, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Mitarbeiteraktien, Boni, Tantiemen können für Fachkräfte und Unternehmen stimmige Konzepte entstehen. Vor allem die Nettolohnoptimierung steht dabei im Fokus des Interesses. Gründer sollten im Rahmen eines Businessplans bereits höhere Kosten für Fachkräfte und deren Qualifizierung einplanen. Jedoch darf dem Gehalt nicht zu viel Wert beigemessen werden. Zeitgemäße Kombinationen aus Entlohnung, Arbeitszeit und Aufstiegsmöglichkeiten machen den Reiz für Mitarbeiter aus.

Interessenten zum Schnuppertag einladen

Um Interessenten einen realistischen Einblick zu ermöglichen, können Unternehmen Schnuppertage mit der Familie ermöglichen. Auch Probearbeitstage sollten Standard sein. So erhält der Interessent einen direkten Eindruck von Arbeitsweise, Prozessen und Klima des potenziellen Arbeitgebers.

Begleitetes Einarbeitungsprogramm

Für das erste Jahr sollte es ein gut strukturiertes und durch Coaches begleitetes Einarbeitungs- und Qualifizierungsprogramm geben. Fachkräfte möchten Ziele kennen und wissen, worauf sie hinarbeiten. Zur schnellen Integration dienen gemeinsame Veranstaltungen, wie Betriebsfeiern, Wanderungen, Radtouren oder gemischte Projekte, für die je nach Branche das ländliche Umfeld genutzt werden kann.

Programme für Migranten und Langzeitarbeitslose

Kein Zweifel, der Fachkräftemangel am Markt erhöht den Einsatz von Arbeitgebern. Gerade die ländlichen Mittelstandsunternehmen sollten dabei das Potenzial, das der Flüchtlingsstrom uns gebracht hat, nicht unterschätzen. Viele Migranten haben eine sehr gute Ausbildung, die oft nicht konform mit unseren beruflichen Maßstäben geht und daher nicht anerkannt wird. Auch unter Langzeitarbeitslosen gibt es viele Potenziale, die aufgrund ihres Alters oder fehlender Kompetenzen nicht vermittelt werden können. Mit häufig geringem Aufwand lassen sich Abschlüsse oder fehlende Qualifikationen nachholen. Dazu bieten die Arbeitsagenturen subventionierte Qualifizierungslehrgänge an.

Selbstdarstellung oder die Kunst, soziale Medien zu nutzen

Marketing auf Neudeutsch bedeutet für einen Arbeitgeber, die sozialen Medien mit Gewohntem zielgruppengerecht zu verknüpfen. Das pusht die Wirkung eines Unternehmens, auch bei der Standortanalyse durch Arbeitnehmer, und verdrängt die angestaubte ländliche Aura. So können auch zukünftige Mitarbeiter angeworben werden, die heute noch in Universitäten, Fachhochschulen, Schulen oder Berufsakademien sitzen.

Möglichkeiten, sie zu erreichen, gibt es viele, oft kostengünstig und mit wenig Aufwand verbunden. Dabei kann das Personalrecruiting mit dem Aufbau eines Talentpools verknüpft werden oder mit Maßnahmen zur Markenstärkung. Facebook, Twitter & Co. gehören zum Standardwerkzeug eines modernen Unternehmens und sind dennoch ganz eigenen Regeln unterworfen. Sich in den sozialen Medien zu präsentieren, bedeutet, die Regeln am Markt zu beherzigen und täglich präsent zu sein. Antworten auf Kommentare können nicht Tage später kommen. Voreilige Bemerkungen hinterlassen schnell einen Shitstorm. Veraltete Infos kippen das Image. Doch wer aktuelle Informationen spannend aufbereitet liefert, erreicht ein großes Publikum mit viel Potenzial.

Testen Sie unsere Tipps:

  • Selfies und Videos

Lange Texte locken heute niemanden mehr aus der Reserve. Stattdessen sind vor allem Videos, aber auch Fotos das Mittel der Generationen Y und Z, die Geburtsjahre seit 1990. Mit geringem Aufwand kann sich ein Arbeitgeber so in Bild und Ton oder mittels geeigneter Software in Comic-Manier gezeichnet darstellen. YouTube, Facebook und Instagram sind dafür dankbare Verbreitungsportale. Auch die Website, der unternehmenseigene Blog und Medienportale in Hochschulen oder Berufsakademien können als effektives Wiedergabemedium dienen. Übrigens eignen sich hierzu auch die oben schon erwähnten Expertenvorträge bestens, die zudem als Webinarinhalt dienen können. Sogar Radiowerbung hat neben den sozialen Medien seine Berechtigung behalten. Gerade der Einzelhandel zeigt, wie man über das Radio mit geringen Mitteln große Wirkung erzielen kann.

Tipp: Wer Radiowerbung oder seinen eigenen Blog betreibt, sollte auf Aktualität und das passende Wording achten. Letzteres muss nicht nur zum Unternehmen passen, sondern auch die Zielgruppe ansprechen.

  • Twitter

Der Kurznachrichtendienst wurde lange von Unternehmen gar nicht wahrgenommen. Heute weiß man um die enorme Verbreitungsstärke. Gerade kurze Infos reizen viele Menschen und machen neugierig. Auf Twitter lassen sich News zum Markt, zu Produkten, Dienstleistungen, Veranstaltungen, Materialien, Zukunftsvisionen und aktuellen Themen veröffentlichen. Wichtig ist auch hier, eine schnelle Reaktion auf eingehende Kommentare.

  • Printmedien

Wer jetzt denkt, das sei Oldschool, ist nicht auf dem Laufenden. Denn die Generationen X und Y lesen wieder, online und papierhaft. Universitätszeitungen, regionale Medien, Plakate, Flyer oder Anzeigen in Studentenmagazinen finden rasch Aufmerksamkeit und können helfen als Unternehmen bei der Standortanalyse besser dazustehen.

  • XING, LinkedIn und Jobportale

Businessportale bieten direkte Kontaktmöglichkeiten mit möglichen Fachkräften. Diese stellen häufig ihre Profile ein, um kontaktiert zu werden. Auch Texte zu aktuellen Themen finden in den Magazinen der Businessportale große Aufmerksamkeit. Interessant sind zudem Lebenslauf-Portale, in denen die aktuelle Vita einer Fachkraft abgerufen werden kann.

Auch Jobportale wie Stepstone und Monster gehören zur Pflichtübung rekrutierender Arbeitgeber. Bei den meisten Anbietern können neben den Stellenanzeigen interessante Texte in deren Magazinen online veröffentlicht werden.

  • Jobmessen, Branchenveranstaltungen

Selbstbewusst auftreten sollte ein Unternehmen vor allem mit einem Messestand, an dem nicht nur die Produkte und Dienstleistungen vorgestellt werden. Vielmehr lassen sich persönliche Kontakte knüpfen. Auch der Einzelhandel besticht bei solchen Gelegenheiten mit kompetenter Beratung. Die interessierte Fachkraft kann Fragen stellen, der potenzielle Arbeitgeber dagegen erfährt, ob er auf dem richtigen Recruiting-Weg ist oder am Markt vorbei handelt.

Fazit Standortanalyse: Starke Unternehmen brauchen starke Auftritte

Zu behaupten, Arbeitgeber auf dem Land hätten per se schlechte Chancen, dem Fachkräftemangel zu begegnen, ist zu einfach. Vielmehr müssen auch ländliche Arbeitgeber lernen, sich nach heutigen Regeln zu präsentieren. Der Aushang am Schwarzen Brett kann dabei immer noch zum Erfolg führen. Die Wahrscheinlichkeit, dass gerade die gesuchte Führungskraft an diesem Brett vorbeiläuft, ist jedoch gering.

Unternehmen sollten ihre Stärken erkennen und mit ihren Alleinstellungsmerkmalen, z. B. im Einzelhandel, werben. Diese machen sie einmalig und spannend. Das betrifft auch Start-ups, die ein ausreichendes Budget für Werbemaßnahmen in ihrem Businessplan aufnehmen sollten. Eine Standortanalyse zeigt zudem Vor- und Nachteile auf. Wenn dann die Leistungen für den Arbeitnehmer noch passen, kommt das Runde auch ins Eckige.

Aber Vorsicht: Mitbewerber sollten sich am Markt nicht gegenseitig übertrumpfen. Besser ist es, mit gemeinsamen Messeauftritten und Sponsoring die Last zu verteilen. So zeigt die Branche Ernsthaftigkeit und weckt Interesse bei den dringend benötigten Fachkräften.