PSD2 Richtlinie – die Möglichkeiten für Unternehmen

Wir zeigen Ihnen, was hinter der PSD2 Richtlinie steckt und was die Richtlinie für Sie bedeutet.

Payment Services Directive 2

Die PSD2 Richtlinie gilt nun EU-weit seit ca. 4 Monaten. Sie verursacht im Bankensektor oft Bauchschmerzen, doch bietet sie auch Chancen. Märkte werden geöffnet. Finanzdienstleister werden gezwungen moderner und innovativer zu sein. Wir zeigen Ihnen, was hinter der PSD2 Richtlinie steckt und was die Richtlinie für Sie bedeutet.

PSD2 Richtlinie – Die Richtlinie für Zahlungsdienstleister in der EU

Die Payment Services Directive 2 (PSD2 Richtlinie) ist die Nachfolgerichtlinie der PSD1 Richtlinie. Mit diesen Richtlinien hat sich die Europäische Union (EU) das Ziel gesetzt, den Markt der Zahlungsdienstleistungen zu öffnen. Bislang hatten nur Banken die Option, innerhalb der EU Zahlungsdienstleistungen anzubieten. Die PSD1 Richtlinie war der Grundstein für FinTechs. Dies sind junge Unternehmen aus der Branche der Finanztechnologien.

Die PSD2 Richtlinie verfolgt das Ziel, die gelernten Lektionen auszuwerten und anzuwenden. Drittanbieter, welche bisher nicht reguliert wurden, sollen nunmehr mitberücksichtigt werden. Zudem soll natürlich auch die Sicherheit der Nutzer im Vordergrund stehen. Eine sichere Authentifizierung soll Betrugsfälle vermeiden. Bereits im Januar 2016 wurde die PSD2 Richtlinie von der EU verabschiedet. Bis Januar 2018 wurde die Richtlinie dann in den EU-Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt. Alle betroffenen Finanzdienstleister (Banken wie FinTechs) müssen zu diesem Zeitpunkt auch bereits die Compliance Konformität sicherstellen. Bis September 2019 mussten die regulatorischen technischen Standards (RTS) in Bezug auf die Sicherheit und Authentifizierung der Nutzer sichergestellt sein.

Die Schlüsselkomponenten zur weiteren Öffnung des Bankensektors

Nichtregulierte Drittanbieter können durch die PSD2 Richtlinie in Form von innovativen Geschäftsmodellen an den Markt strömen. Damit sie am Markt teilnehmen können, sind sie genau wie alle anderen Finanzdienstleister dazu angehalten, die Regulierungen der Richtlinie zu erfüllen. Folgende Schlüsselkomponenten beschreiben die PSD2:

  • Der Geltungsbereich wird sowohl von der Art der Dienstleistungen als auch von der Regionalität erweitert. Neue Arten von Dienstleistungen werden beispielsweise durch die Öffnung der Datenbanken ermöglicht. Die Richtlinie beinhaltet ebenfalls Transaktionen und Regulierungen von Zahlungsdienstleistern innerhalb der EU mit denen außerhalb der EU. Diese Transaktion werden als „One Leg Transaktionen“ bezeichnet.
  • Im Rahmen der PSD2 Richtlinie sind zwei neue Arten von Finanzdienstleistungen ermöglich wordent, die vorher – wenn überhaupt verfügbar – noch im alleinigen Geltungsbereich herkömmlicher Kreditinstitute lagen:
    1. Neue Dienstleister können nun auf Kontoinformationsdienste fokussieren (Account Information Service Provider/ AISP). Informationen zu Konten eines Kunden bei verschiedenen Finanzdienstleistern können in einem Punkt gesammelt und dargestellt werden. Über Standardschnittstellen von Banken erhalten Dienstleister Zugriff in Echtzeit, wenn der Kontoinhaber den Zugriff gewährt.
    2. Die zweite neue Art von Dienstleistungen im Finanzsektor sind die Leistungen sogenannter Zahlungsauslösedienste (Payment Initiation Service Provider/ PISP). Neue Dienstleister können auf eigenen Plattformen Zahlungsdienste auslösen. Der Kunde muss nicht einmal mehr direkt auf die Dienstleistungen der eigenen Hausbank zurückgreifen. Auch diese Dienstleistungen werden über Standardschnittstellen ermöglicht.
  • Durch die PSD2 Richtlinie werden Datenbanken von Finanzdienstleistern geöffnet. Es werden Türen für Drittanbieter erschaffen. Sie erhalten Zugriff auf Kundendaten von Finanzdienstleistern. Dies wiederum erhöht auch die Anforderungen an die Sicherheit der Systeme. Deshalb definiert die Richtlinie ebenfalls striktere Richtlinien in Bezug auf die Datensicherheit. Zusätzlich wird auch ein zentrales Register für Zahlungsdienstleister geschaffen, um vertrauenswürdige Geschäftspartner besser zu identifizieren.

Unter Berücksichtigung dieser Schlüsselkomponenten setzt die PSD2 Richtlinie neue Maßstäbe und Möglichkeiten für den Markt der Finanzdienstleistungen.

Wesentliche Ziele der PSD2 Richtlinie:

  • Eine weitere Erhöhung des Wettbewerbs, damit Kunden nicht an einzelne Anbieter gebunden sind. Wettbewerb soll Sicherheit, Digitalisierung und Innovation vorantreiben.
  • Die Sicherung der Wettbewerbsgleichheit. Einheitliche Standards sollen für eine vergleichbare Sicherheit der Wettbewerber sorgen.
  • Der Verbraucherschutz soll verbessert werden, indem Sicherheitsstandards besser definiert werden.

Mit Hilfe der PSD2 Richtlinie wird der Sektor der Zahlungsdienstleistungen weiter geöffnet. In Expertenkreisen spricht beispielsweise Deloitte von einem „Open Banking“. Finanzdienstleister werden durch die Umsetzung zur Öffnung eigener Plattformen durch standardisierte Schnittstellen bewegt. Auf diese Weise können dann auch nichtregulierte Drittanbieter Zugang zu Kundendaten erhalten. Voraussetzung hierzu: Die Kunde eines Finanzdienstleisters erlaubt dem Drittanbieter die Nutzung seiner Daten. Diese Neuerung ermöglicht neue und innovative Geschäftsmodelle am Markt.

Die PSD2 Richtlinie richtig umgesetzt: Neue Chancen am Markt erkennen

Unter Einhaltung strenger Richtlinien können neue FinTechs den Kunden neue Dienstleistungen bieten. Nicht nur junge Unternehmen, sogar traditionelle Banken erhalten eine Chance, sich selbst neu zu erfinden. Auch sie können sich neue Dienstleistungen selbst zu Nutzen machen. Die DKB beispielsweise ermöglicht seinen Kunden, auch Kontoinformationen bei anderen Kreditinstituten und FinTechs anzuzeigen.

Die PSD2 Richtlinie belebt den Markt. Sie fordert ein höheres Niveau an Sicherheitsmaßnahmen, aber sie fördert auch die Entwicklung neuer Produkte am Markt. Ein Schlüssel der Realisierung neuer und sicherer Dienstleistungen im Finanzsektor ist zudem eine zuverlässige Identifikation und Authentifikation von Kunden. Gepaart mit einer nutzerorientierten und optimierten Nutzererfahrung erhalten alle

Marktteilnehmer die Möglichkeit, sich neue Geschäftserfolge zu erarbeiten. Die wohl größte Herausforderung bei der Umsetzung der neuen Richtlinie stellt für Banken die Bereitstellung sicherer Schnittstellen (APIs) und die Authentifizierung der Kunden dar. Die verbundenen Ängste sind allerdings oft größer als notwendig. Andere Unternehmen haben Lösungen bereits umgesetzt.

In der Tat müssen Finanzdienstleister die Erarbeitung noch nicht einmal selbst vornehmen. Preiswerter können sie auf Lösungen zurückgreifen, die es bereits am Markt gibt. Zahlreiche Dienstleister bieten bereits erprobte und sichere Module, Plattformen und Standards. Über weitergehende Dienstleistungen können diese Anbieter auch bei einer effizienten Implementierung in die eigenen Systeme unterstützen. Mit Hilfe von bereits verfügbaren und getesteten Software-Modulen können Finanzdienstleister die PSD2 Richtlinie umsetzen.

Dies können Sie sich vereinfacht wie ein Baukastenprinzip vorstellen. Sie können Ihr System um bereits fertiggestellte Lösungen ergänzen. Um die Umsetzung der Richtlinie kommt kein Finanzdienstleister herum. Sie sind nicht mehr alleiniger Herr ihrer Kundendaten. Im Rahmen der Richtlinien waren alle Finanzdienstleister dazu angehalten, nachweisen zu können, dass ihre Services PSD2-konform sind. Dies beinhaltet sowohl die Standardschnittstellen als auch die Kundenauthentifizierung. Bereitzustellen waren eine Testumgebung sowie eine Dokumentation der Dienstleistungen unter Berücksichtigung der Umsetzung der PSD2 Richtlinie.

Erfordernisse der Kundenauthentifizierung nach PSD2 Richtlinie im Überblick

Der Authentifizierung der Bankkunden wird in der PSD2 Richtlinie eine besondere Rolle zugeordnet. Schließlich geht es um den Zugang zu den liquiden Geldmitteln von Millionen von Europäern. Wenn der Kunde eines Finanzdienstleisters nicht sicher authentifiziert werden kann, so können möglicherweise Dritte auf die Mittel zugreifen. Dies steht im Gegensatz zu den Zielen der PSD2 Richtlinie. Aus diesem Grund wird für bestimmte Prozesse eine starke Kundenauthentifizierung (Strong Customer Authentification/ SCA) zwingend vorgeschrieben.

Aus den regulatorischen technischen Standards (RTS) der europäischen Bankenaufsichtsbehörde ergibt sich im Rahmen der PSD2 Richtlinie, dass eine starke Authentifikation aus mindestens zwei der folgenden drei Elemente besteht:

  • Besitz, wie der Besitz eines Mobiltelefons mit eindeutiger Rufnummer, an die eine SMS mit PIN Code gesendet werden kann.
  • Inhärenz, wie Elemente, die dem Kunden körperlich oder persönlich zu eigen sind. Ein starkes Element der Authentifizierung ist hierbei der Fingerabdruck.
  • Wissen, wie das Wissen um ein Passwort oder die Antwort auf eine Sicherheitsfrage.

Finanzdienstleister sowie auch die neuen PISP und AISP Dienstleister sind angehalten, diese strengen Regeln der Kundenauthentifizierung für bestimmte Prozesse zu ermöglichen. Zu den Prozessen zählen beispielsweise die Ausführung einer Zahlung oder die Änderung der Kundenstammdaten.

Oft unterschätzte Vorteile für alle Teilnehmer

Finanzdienstleister wie Banken sind dazu angehalten, im Rahmen der PSD2 Richtlinie Standardschnittstellen und Möglichkeiten der sicheren Authentifizierung sicherzustellen. Sie können auf Basis der Änderungen dazu geführt werden, wertvolle Kundendaten abzugeben. Sie sind nicht mehr der alleinstehende Dienstleister für die Konten ihrer Kunden. In der Regel verringern sich hieraus ebenfalls die möglichen Gewinnmargen. Sie teilen sich Umsätze und Gewinne mit neuen Marktteilnehmern. Datenschützer deuten auf die Herausforderungen und Risiken im Datenschutz hin. Am Markt wird die PSD2 Richtlinie oft kritisch betrachtet. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass sie auch Chancen für alle Marktteilnehmer bietet:

  • Den Kunden wird ein schnelles, sicheres, preiswertes und sogar komplett mobil einfaches Versenden von Geld ermöglicht. Gerade für Geldtransfers innerhalb des SEPA-Raumes kommen diese Vorteile besonders zur Geltung. Oft gilt dies auch für Transfers über die Eurogrenzen hinweg.
  • Einheitliche Schnittstellen schaffen die Möglichkeit von Kooperation auch mit anderen Finanzdienstleistern. Selbst herkömmliche Banken können sich neue Dienstleistungen selbst zu eigen machen.
  • Für Kunden wird über die APIs zudem beispielsweise auch der Import von Zahlungen in die Buchhaltungssysteme vereinfacht.
  • Die Türen stehen allgemein für neue Modelle der Zahlung und Abrechnung offen. Plastik-Karten und Bargeld verlieren an Bedeutung. Langfristig wird das E-Geld immer bedeutender. Dies vereinfacht die Prozesse für alle Beteiligten.
  • Über die starke Authentifizierung geht die Sichtweise der Finanzdienstleister weg von einer reinen Kontensicht und hin zu einer Kundensicht. Kunden werden sicherer identifiziert.
  • Finanzdienstleister erhalten die Chance, die Kundenerfahrungen für jeden Kunden spezifisch zu optimieren. Dies können zum Beispiel die Zahlungsfreigabe, aber auch die Bereitstellung dienstleisterübergreifender Dashboards.
  • Historisch gewachsene IT-Strukturen und Prozesse werden im Haus der Finanzdienstleister sukzessive optimiert und durch die neue PSD2 Richtlinie weiter modernisiert.

Dies ist eine Auswahl der wichtigsten Vorteile, die durch die Realisierung der PSD2 Richtlinie entstehen. Verweigern kann sich ihr keiner. Chancen sind zu nutzen.

Implementierung der PSD2 Richtlinie in Ihrem Unternehmen

Dem zusätzlichen Aufwand stehen Optionen der Weiterentwicklung sowie starke Chancen der Optimierung gegenüber. Finanzdienstleister können sich diese zu Nutze machen. Auch andere Unternehmen können die Vorteile der PSD2 Richtlinie der EU und dessen Implementierung in nationale Normen nutzen. Unternehmen, die nicht im Bereich der Finanzdienstleistungen aktiv sind, können sich als Kunden von Finanzdienstleistern die Vorteile, die sich daraus ergeben, genießen.

Über einen zentralen Dienstleister können Sie alle Kontoinformationen zur Verwaltung des eigenen Unternehmens an einem Ort finden. Möglicherweise bietet Ihnen der Dienstleister sogar die Möglichkeit einer integrierten Cash Planung und Budgetzuordnung. Verantwortlichen der Bereiche Ihres Unternehmens können sie monatlich Geld zur Nutzung zuordnen. Diese erhalten somit einen Echtzeit Überblick über die bereits getätigten Ausgaben und können Prozesse besser planen. Zur Kontrolle können Sie beispielsweise einer Führungs- oder Fachkraft im Bereich der Finanzen die zweite Freigabe einer Zahlung zuordnen. Dieser prüft de Zahlung und gibt im Hinblick auf die Budgetplanung frei.

Die Vorteile und Sicherheiten des Vier Augen Prinzips bleiben bestehen. Möglicherweise erhalten Unternehmensbereiche lediglich Informationen zu verfügbaren Geldmitteln und der Geldtransfer bleibt im der Abteilung der Finanzen. Ein weiterer Nutzen kann auch die Implementierung einer direkten Verbindung der Buchhaltungssoftware mit den Zahlungskonten sein. Kontoauszüge werden direkt vom Bankkonto importiert. Ihre Buchhalter oder Steuerberater können diese effizienter verbuchen. Sich wiederholende Überweisungen ergeben Buchungsempfehlungen. Gebuchte Rechnungen können zur Zahlung direkt in das Onlinebanking hochgeladen werden. Auch wenn es um Ihre Unternehmensfinanzierung geht, kann die PSD2 Richtline neue Möglichkeiten auftun. Hierzu gehört beispielsweise die Darstellung aller Ihrer Finanzierungsmöglichkeiten verschiedener Plattformen auf einer zentralen und von einzelnen Finanzdienstleistern unabhängige Plattform. Standardschnittstellen ermöglichen eine unmittelbare Kooperation der Systeme. Die starke Authentifizierung gibt Sicherheit beim Zugriff auf Daten und die Ausführung von Zahlungen. Zudem können auch andere bereits vorhandene und künftige Lösungen für neue Vorteile und Lösungen sorgen.

Erhebliche Auswirkungen bzw. Einschränkungen auf HBCI PIN/TAN-Verfahren

Die neue PSD2-Richtlinie wirkt sich erheblich auf das HBCI PIN/TAN-Verfahren aus. HBCI ist die Abkürzung für Homebanking Computer Interface. Es ist ein offener Standard für das elektronische Banking. Beim HBCI-Verfahren erfolgt die Kommunikation zwischen Bank und Kunden durch eine starke Verschlüsselung über eine Schnittstelle. Der Kunde benötigt dafür einen Chipkartenleser, der an den PC angeschlossen ist. Das HBCI-Verfahren wurde inzwischen verbessert und durch das PIN/TAN-Verfahren ergänzt. Beim PIN/TAN-Verfahren muss sich der Kunde auf einer verschlüsselten Webseite mit seiner PIN registrieren. Er bekommt Zugang zu seinem Konto und kann die Transaktion, beispielsweise eine Zahlung, durchführen. Um die Transaktion abzuschließen, muss er eine Transaktionsnummer, die TAN, angeben. Es handelt sich dabei um ein Einmalpasswort, das nur einmal genutzt werden kann. Bei digitalen Geschäften ersetzt die TAN die Unterschrift.

Wird HBCI mit dem PIN/TAN-Verfahren kombiniert, kann der Kunde unterwegs in dringenden Fällen von seinem mobilen Gerät auf sein Konto zugreifen. Um die Transaktion auszuführen, muss er jedoch zusätzlich die Chipkarte und das Kartenlesegerät an seinem PC nutzen.

Bei der Einführung der PSD2-Richtlinie wurden die neuen Schnittstellen unterschätzt, die von den Banken aufgebaut werden müssen. Einige Banken arbeiten immer noch am Aufbau neuer Schnittstellen. Das kann sich auf Ihre Buchhaltung auswirken, da es immer wieder zu Störungen oder Fehlern kommen kann. Von der PSD2-Richtlinie sind Unternehmen betroffen, die elektronische Kontoauszüge verarbeiten oder ihrem Steuerberater zur Verfügung stellen. Spätestens alle drei Monate oder häufiger muss nun eine starke Authentifizierung mit TAN-Eingabe oder Fingerabdruck erfolgen. Schwierig wird das, wenn Ihre Bank noch keine fertige Lösung dazu anbietet. Wie häufig Sie die Authentifizierung vornehmen müssen, ist abhängig von Ihrer Bank. Bei einigen Banken muss bei jeder Konten- oder Umsatzabfrage eine TAN angegeben werden. In jedem Fall ist das HBCIPIN/TAN-Verfahren nach der neuen Richtlinie mit einem höheren Aufwand verbunden.

Die Richtlinie wirkt sich auch auf DATEV aus, das von Steuerberatern genutzt wird. Mit dem bisherigen HBCI PIN/TAN-Verfahren können keine Zahlungen mehr gesendet und keine Kontoumsätze mehr abgerufen werden. Dafür ist eine Umstellung auf finAPI oder ein alternatives Übermittlungsverfahren erforderlich.

Bankenunabhängige Einschränkungen bei DATEV

Einige Auswirkungen der neuen Richtlinie auf das PIN/TAN-Verfahren bei DATEV sind bankenunabhängig:

  • Kein automatisierter Abruf von Kontoauszügen mehr möglich.
  • Tagesaktuelle Zuordnung von digitalen Belegen zu den Kontoumsatzpositionen ist nicht möglich. Die Zuordnung kann erst am Folgetag erfolgen.
  • Tagesaktuelle Belegbuchungen im Rechnungswesen sind nicht mehr möglich. Die Buchung von Kontoumsätzen kann bis zum Vortag erfolgen.
  • Keine Auslandszahlungen außerhalb des SEPA-Raums mehr möglich.

Vergleich Schnittstellen durch Drittanbieter vs. altbewährtes EBICS-Verfahren – das sind die Vorteile für Ihre Buchhaltung

Möchten Sie Ihre Buchhaltung fit für die neuen Anforderungen der PSD2-Richtlinie machen und Zahlungen effizient ausführen, stehen Sie vor der Entscheidung, ob Sie einen Schnittstellenanbieter oder das bewährte EBICS-Verfahren nutzen sollen. Beide Möglichkeiten sind zuverlässig und sicher. Mit den Schnittstellenanbietern können Sie unternehmensspezifische Lösungen erhalten. Die Schnittstellenanbieter decken die meisten Banken und Finanzdienstleister in Deutschland ab. Sie können sicher sein, dass die Datenübermittlung auf sichere Weise erfolgt und die Regelungen der neuen Richtlinie eingehalten werden. Vorteilhaft ist jedoch auch EBICS, da Sie Kosten sparen und keine Umstellung vornehmen müssen. EBICS ist nicht von der neuen Richtlinie betroffen, da es damit bereits konform ist.

Vorteile der Schnittstellenanbieter

Nehmen Sie die Dienste von Schnittstellenanbietern in Anspruch, hat das durchaus eine Reihe von Vorteilen. Die Auswahl an Schnittstellenanbietern ist vergleichsweise groß. Die Zahlungsdienstleister müssen aufgrund der PSD2-Richtlinie noch höhere Sicherheitsstandards einhalten. Bei den Schnittstellenanbietern werden diese hohen Sicherheitsstandards bereits berücksichtigt. Die Banken sind verpflichtet, sich gegenüber diesen Drittanbietern von Schnittstellen zu öffnen. Die Schnittstellenanbieter beinhalten vielfältige Möglichkeiten, Ihre Online-Zahlungen zu vereinfachen und sicher abzuwickeln, Kontoauszüge abzurufen, Zahlungsströme zu analysieren und zu prognostizieren oder Kredite digital zu beantragen. Mit den Schnittstellenanbietern können Sie Ihre Buchhaltung schneller machen.

Da es verschiedene Drittanbieter von Schnittstellen gibt, können Sie den Anbieter auswählen, der am besten zu Ihrem Unternehmen passt und der Ihnen unternehmensspezifische Lösungen bietet. Mit Software as a Service (SaaS) kann die Software ständig an die Bedürfnisse Ihres Unternehmens angepasst und erweitert werden.

Sicherheit stärkt Vertrauen der Kunden

Die Schnittstellenanbieter können Ihnen eine Vielzahl von Aufgaben abnehmen. Sie erleichtern nicht nur den Datenaustausch mit den Banken, sondern sie unterstützen häufig auch DATEV. So ist der Datenaustausch mit dem Steuerberater möglich. Auch die Rechnungsstellung und die Überwachung der Zahlungseingänge Ihrer Kunden werden mit den Schnittstellenanbietern erleichtert.

Sie stärken mit den Schnittstellenanbietern das Vertrauen Ihrer Kunden und können neue Kunden gewinnen. Fragen Kunden nach der Einhaltung des Datenschutzes und nach der Sicherheit der Datenübertragung, können Sie darauf hinweisen, dass Sie mit einem namhaften Schnittstellenanbieter zusammenarbeiten.

Das PIN/TAN-Verfahren ist nur eingeschränkt mit ERP-Anwendungen nutzbar. Die ERP-Anwendungen (Enterprise ResourcePlanning) kommen in zahlreichen Bereichen eines Unternehmens zum Einsatz, um die Ressourcen zu planen und das Budget zu kontrollieren. Die Nutzung eines Schnittstellenanbieters ist sinnvoll, da auch Anwendungen möglich sind, bei denen das PIN/TAN-Verfahren nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden kann.

Die Schnittstellenanbieter haben jedoch nicht nur Vorteile. Es handelt sich um kostenpflichtige Lösungen. Für eine effiziente Nutzung ist eine gewisse Einarbeitung erforderlich. Die Banken müssen häufig erst eine Umstellung gemäß der PSD2-Richtlinie vornehmen.

EBICS-Verfahren als alternative Übermittlungsverfahren

Als alternatives Übermittlungsverfahren bietet Ihnen auch das EBICS-Verfahren eine Reihe von Vorteilen. Es eignet sich für elektronische Kontoumsätze in der Buchhaltung. EBICS erfolgt mit elektronischer Unterschrift und ist mit der neuen PSD2-Richtlinie konform. Mit Hilfe einer Software sind alle Kreditinstitute erreichbar. Sie müssen nicht darauf warten, dass die Banken eine Umstellung ihrer Schnittstellen vornehmen. Der Datenverkehr erfolgt in verschlüsselter Form. Da moderne Verschlüsselungsverfahren angewendet werden, ist eine höhere Sicherheit gewährleistet. Eine schnellere Datenübermittlung ist möglich, da die Geschwindigkeitsbegrenzung durch ISDN entfällt. Zumeist ist das bewährte EBICS-Verfahren kostengünstiger als die Nutzung eines Drittanbieters.

EBICS ist für solche Unternehmen geeignet, die tagtäglich große Datenmengen übertragen müssen und bei denen Zuverlässigkeit, Sicherheit und Schnelligkeit im Vordergrund stehen. EBICS verfügt über offene Formate und ein europaweit einheitliches Übertragungsprotokoll. Mit allen deutschen Kreditinstituten können Zahlungen schnell und flexibel nach der PDS2-Richtlinie abgewickelt werden. Aufgrund der offenen Formate kann Standardsoftware ebenso wie individuelle Software für die Kommunikation zwischen Unternehmen und Bank genutzt werden. E-Banking-Software kann in die vorhandene Unternehmensinfrastruktur integriert werden. Transaktionen können durch digitale, zeitlich verteilte Unterschriften standortunabhängig freigegeben werden. Überweisungen können auf diese Weise von der Buchhaltung an das Kreditinstitut geschickt werden. Über einen beliebigen Computer kann die Freigabe online von der Geschäftsführung erfolgen. Da Aufträge schnell und flexibel autorisiert werden können, eignet sich EBICS auch für Unternehmen, die international tätig sind.

Neben Daten des Zahlungsverkehrs wie Lastschriften und Überweisungen können auch Wertpapierordner und Kontoauszüge mit EBICS übermittelt werden. Da die Datenmengen nicht reduziert werden, lassen sich größere Mengen an Daten übertragen. Wichtig für Unternehmen ist, dass mit EBICS keine PSD2-Umstellung mehr notwendig ist. Abhängig von der Bank sind die Kosten unterschiedlich, doch ist eine Einsparung gegenüber einem Schnittstellenanbieter denkbar.

Zukunftsausblick: Wie verändert sich die Finanzwelt durch die PSD2 Richtlinie?

Auch künftig wird der Fortschritt von Technologien und Globalisierung die weitere Öffnung der Märkte vorantreiben. Der Einsatz einer künstlichen Intelligenz kann die Kundenerfahrungen bei Finanzdienstleistern verbessern. Dashboards werden individuell von und für den Kunden entwickelt. Die Blockchain-Technologie ermöglicht Sicherheit auch beim Datentransfer. Daten werden weiter und sicherer verschlüsselt werden. Der komplette Sektor der Finanzdienstleistungen wird sich in Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit weiter öffnen. Egal ob es um die Durchführung von Zahlungen oder die Finanzierung von Unternehmen geht, die Verwaltung der Kunden könnte demnächst anstelle von vielen Anbietern bei zentralen Dienstleistern erfolgen. Der Markt wird noch weiter geöffnet. Unternehmen der Finanzdienstleistungen müssen sich selbst Innovationen stellen, sich ihnen öffnen. Die PSD2 Richtlinie ermöglicht Fortschritte in einer Industrie die lange still stand. Prozesse in der Finanzindustrie werden sich beschleunigen. Der starke Wettbewerb wird das Preisniveau immer weiter senken.

Im Rahmen der neuen Richtlinie mussten Banken in den letzten Monaten ihre eigenen Optionen zur Authentifizierung von Kunden umstellen. Damit kann teilweise sogar der Fingerabdruck zur Identifizierung genutzt werden. Weiter in der Zukunft ist auch ein Iris-Scan denkbar. Anstelle langer TAN-Listen auf Papier werden Freigabecodes mobil auf dem Handy in Echtzeit bereitgestellt. Zahlungsdienstleistungen können effizienter und sicherer, personenbezogen genutzt werden. Zahlungen werden schneller ausgeführt. Die Verwendung einer künstlichen Intelligenz kann die Buchhaltung und Verwaltung von Unternehmen stark vereinfachen. Wenn andere Staaten ähnliche Richtlinien einführen, sind sogar globale Kooperationen denkbar. Die Verwaltung der Finanzen eines globalen Konzerns wird optimiert. Des Weiteren könnten das Bargeld und die Nutzung der Kartenzahlung immer weiter in den Hintergrund geraten. Das E-Geld wird immer sicherer und einfacher verwendbar. Mit zunehmender Zeit wird immer mehr mit mobilen Anwendungen gezahlt werden.