Chinas Neue Seidenstraße schafft Chancen für den Mittelstand

Belt and Road Initiative

Mit einem gigantischen zweistufigen Programm will China neue Handelswege erschließen und zugleich seinen Einfluss auf die Weltwirtschaft vergrößern. In der ersten Stufe handelt es sich um ein monumentales Bau- und Infrastrukturprogramm. Nach der Fertigstellung könnten bis zu 100 Länder von einem nahezu weltweiten Netz an Handelswegen und Transportmöglichkeiten profitieren. Auch Europa und insbesondere Deutschland gehören dazu, denn schon heute ist China einer unserer wichtigsten Handelspartner.

Mit der „Neuen Seidenstraße“ könnten Infrastrukturprojekte zwischen Europa, Asien und Afrika auch für Aufschwung hierzulande sorgen. Skepsis vor Protektionismus und Überschuldung der weniger solventen Kooperationspartner bleibt jedoch. Welche Chancen Mittelstandsunternehmen in der Belt and Road Initiative nutzen können und wie sie sich bei Interesse verhalten sollten, erfahren Sie hier.

Neue Seidenstraße – Handelsbrücke zwischen China und der Welt

Was haben Pakistan, Italien, Kirgisien, Ungarn, Sri Lanka und Kasachstan gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Doch nach Angaben des chinesischen Ministeriums sind sie bereits Partner im Projekt „Neue Seidenstraße“. Über 100 Länder sollen sich diesem weltumspannenden Vorhaben bereits angeschlossen haben. Überwiegend Länder aus anderen Kontinenten oder Osteuropa. Die westeuropäischen Länder zögern überwiegend noch.

Die nach antikem Vorbild benannte „Neue Seidenstraße“, eigentlich Belt and Road Initiative (BRI), ist ein geo- und wirtschaftspolitisches Projekt ungeahnten Ausmaßes. Zwischen Asien, Afrika und Europa soll nach dem Vorbild der antiken Seidenstraße ein Handelsnetz geschaffen werden, das schnellere und günstigere Transporte ermöglicht. Davon sollen auch Länder profitieren, die ansonsten solche Chancen mangels ausreichendem Schienennetz, fehlendem Zugang zum Meer oder schlicht wegen leerer Kassen nicht hätten. Dazu bedarf es neuer und belastbarer Zugstrecken für Hochgeschwindigkeitszüge und Güterzüge, die oft mit Überlänge fahren. Neue Häfen und Flughäfen, die eine zügige und hoch technisierte Be- und Entladung ermöglichen sowie Straßen, die Transporte ohne große Verzögerungen zulassen. Auch Kraftwerke und Pipelines für die Energiezufuhr aller angeschlossenen Länder sind geplant.

China denkt groß: Neue Seidenstraße als weltumspannendes Handelsnetz

Ein Mega-Projekt, das nach chinesischen Aussagen entlang antiker Handelswege auch Ländern zu Fortschritt und Arbeitsplätzen verhelfen soll, die bisher von solchen Überlegungen eher ausgeschlossen blieben. Denn selbst wenn der Wille da war, fehlte oft das Geld. In der Neuen Seidenstraße finanziert meist die chinesische Staatsbank die Maßnahmen in Form von Krediten an die teilnehmenden Länder vor. Bereits seit 2013 sammelt die Volksrepublik China kontinuierlich und entgegen aller Kritik Länder ein, die sich an ihrem Megaprojekt beteiligen möchten. Vorbild ist dabei das Handelswegenetz, das schon Marco Polo nutzte und das einst China mit dem Westen verband. So umfasst das Netz die nördlichen Bereiche Silk Road Economic Belt und die südlichen Bereiche Maritime Silk Road.

  • Zum Silk Road Economic Belt, dem Seidenstraßen-Wirtschaftsgürtel, gehören z. B.: Bangladesch, Indien, Myanmar, die Indonesische Halbinsel, Mongolei, Russland, Pakistan, Zentralasien, Westasien und Europa.
  • Die Maritime Silk Road, Maritime Seidenstraße, umfasst die heute schon stark genutzten Seestrecken von der chinesischen Südküste über Hanoi nach Jakarta, weiter nach Singapur, Kuala Lumpur, durch die Strasse von Malakka, die Malediven, nach Ostafrika, Mombasa und Dschibuti, durch das Rote Meer und den Suezkanal ins Mittelmeer, nach Haifa, Istanbul und Athen bis zum oberitalienischen Triest. Der Knotenpunkt Triest ermöglicht dann Zugverbindungen nach Zentraleuropa und die Nordsee.

Hohes Umsatzpotential über den Seeweg

An der Seeroute der Seidenstraße liegen die umschlagsstärksten Containerhäfen der Welt, die, wie der Hafen Shanghai, bis zu 40 mio TEU (Twenty-foot Equivalent Unit) umschlagen. Im Vergleich dazu: Hamburg schafft 9 mio TEU. Sieht man sich die Routen und Kapazitäten an, lässt sich voraussehen, dass das Gros des Welthandels über den Seeweg transportiert werden wird. Schon allein wegen der Transportkosten bietet sich dieser Weg an. Zudem liegen auf der Seeroute viel mehr zahlungskräftige und bevölkerungsreichere Länder, als auf der teils dünn besiedelten Landroute. Wenn alles klappt wie geplant, kooperiert China nach Ausbau der Land- und Seewege mit Ländern, in denen 65 % der Weltbevölkerung leben. Rund 4,4 Milliarden Menschen sollen dann von den Vorteilen dieses Megaplans profitieren.

Deutscher Mittelstand – rasante Entwicklungsmöglichkeiten durch die neue Seidenstraße

Ohne Frage eröffnet die Belt and Road Initiative, wie das Projekt offiziell heißt, reichlich Chancen. Neue Handelskorridore ermöglichen den Zugang zu Märkten, die bislang verschlossen blieben oder gar nicht in Erscheinung traten. Dazu verhelfen z.B. auch reduzierte Transportkosten. Denn durch die verbesserte Infrastruktur verringern sich nicht nur die Transportkosten im Handel mit China selbst, sondern auch mit allen an den Routen oder in deren Nähe liegenden Ländern. Damit tun sich gerade für Deutschland interessante Märkte auf. Die Ukraine, Kasachstan, die Mongolei und Weißrussland können bisher nur mit viel Aufwand beliefert werden. Maschinen, Medikamente, Fahrzeuge und Fahrzeugteile sind ihre Exportschlager Deutschlands. Umgekehrt könnten vermehrt Öl- und Erdgas aus Kasachstan und Aserbaidschan importiert werden. Aus der Ukraine lassen sich Kraftwagenteile beziehen. Aus Weissrußland und Armenien kommen Metalle dazu und aus Usbekistan und Kirgisistan Gold. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Schon heute sind China und Deutschland wirtschaftlich in vielerlei Hinsicht verbunden. Denn eine eurasische Kontinentalbrücke mit 11.000 km Länge verbindet China über die ehemalige Sowjetunion und Osteuropa mit Deutschland und den Niederlanden. Auch das Jangtze-Delta im Raum Shanghai ist bereits Heimat vieler mittelständischer deutscher Unternehmen. Denn während Großkonzerne sich gerne direkt in Shanghai ansiedeln, reichen Mittelstandsunternehmen die Standorte im Umland. Eine ausgezeichnete Verkehrsstruktur mit Strassen, Hochgeschwindigkeitszügen, Flughäfen sowie eine ebenso gute elektronische Infrastruktur bieten etablierten KMUs ebenso wie Start-ups beste Voraussetzungen. Vor allem Maschinenbau, die Kraftfahrzeugbranche und Chemieunternehmen fühlen sich hier wohl.

Das Vorhaben „Neue Seidenstraße“ ermöglicht noch viel größere Chancen für den deutschen Mittelstand. Denn der geplante Ausbau eines überall erreichbaren Verkehrsnetzes kann für deutsche Unternehmen die Chance sein. Auch die notwendige Energieversorgung ruft KMUs auf den Plan.

Neue Seidenstraße – Wirtschaftsräume rücken zusammen

Schon heute kommen pro Woche bereits mehrere 800 m lange Güterzüge in Duisburg an. 10.800 km in 14 Tagen, das ist im Moment der Maßstab für die Strecke von Chongqing nach Deutschland. Damit sind die Züge mehr als doppelt so schnell wie eine Schiffsfracht es wäre. Eine Konkurrenz könnte nur die Luftfracht darstellen, die jedoch das fünffache an Kosten verursacht. Diese Bahnverbindung verschafft Deutschland einen besonderen Stellenwert im Projekt „Neue Seidenstraße“. Denn die Transportroute über Kasachstan, Russland und Osteuropa zeigt schon heute, was möglich ist zwischen den Kontinenten. Nicht nur Duisburg ist bereits Anlaufstelle, weitere Routen sind Zhengzhou nach Hamburg, Wuhan nach Duisburg/Hamburg, Changsha nach Duisburg, Chengdu nach Nürnberg und Shenyang nach Leipzig.

Aufschwung für die Regionen rund um Transportrouten

Nicht nur die Start- und Zielstädte selbst profitieren von den Handelskorridoren, sondern auch deren Umland. So erwägt die Stadt Duisburg beispielsweise die Ansiedlung chinesischer Unternehmen. Im Großraum der deutschen Zielpunkte in Nürnberg, Hof, Regensburg, Bayreuth, Straubing, Dresden und Chemnitz sind Logistikzentren geplant oder bereits im Bau. Zudem lassen reduzierte Transportzeiten die Wirtschaftsräume Deutschlands und Chinas näher zusammenrücken. Nach der Vision Chinas werden irgendwann wenige Stunden ausreichen, um Hochgeschwindigkeitszüge zwischen den Kontinenten verkehren zu lassen. Dann könnte es überflüssig sein, sich im Ausland anzusiedeln. Stattdessen könnten Waren und Materialien taggleich geliefert werden. Insbesondere verderbliche Medikamente oder empfindliche elektronische Geräte müssten dann erst gar nicht im Ausland produziert werden.

Attraktive Chancen durch die neue Seidenstraße für deutsche Häfen und Schiffsbauer

Die Maritime Silk Road ist eine große Chance für die gebeutelte Schiffsbauerbranche in Deutschland. Für Reedereien, die häufig bereits um ihre Existenz kämpfen müssen, wären die vielen Teilprojekte im Rahmen der Schifffahrtsrouten der „Neuen Seidenstraße“ existenzerhaltend. Bereits heute sind die Häfen Hamburg und Wilhelmshaven in der Frachtabwicklung Chinas engagiert. Dabei ist der Jade-Weser-Port sogar der einzige Tiefwasserhafen in Deutschland. Auch die Ostseehäfen Rostock und Mukran hoffen ebenfalls auf chinesische Investitionen oder Aufträge im Rahmen des Megaprojektes.

Globalisierung auf Chinesisch – Risiken und Kritik

Die Seidenstraße alter Prägung ermöglichte es, Gewürze, Edelsteine, Gold und Silber, Stoffe und Saatgut in die auf dem Weg liegenden Länder zu schaffen. Ein Wirtschaftswachstum und Fortschritt in den beteiligten Ländern, von dem wir heute noch zehren. Warum soll also die „Neue Seidenstraße“ diese Tradition nicht erfolgreich fortführen?

Deutschland befürchtet, dass der Fortschritt, der durch das Seidenstraßen-Projekt transportiert wird, zu einseitig chinesisch geprägt sein könnte. Denn dass China seine Kredite an kleine und bisher unbedeutende Länder nicht nur aus der Lust am boomenden Wirtschaftsraum vergibt, lässt sich erahnen. Vielmehr sollen damit Handelsverbindungen gestärkt und Absatzmärkte enger an China gebunden sowie die eigenen Wirtschaftszweige besser ausgelastet werden. Kritiker erwarten eine „Globalisierung auf Chinesisch“ mit wenig Transparenz, Alibi-Ausschreibungen und einem hoch technisierten Überwachungsstaat. Denn sogar im eigenen Land werden Menschenrechte nicht groß geschrieben und die eigenen Bürger überwacht.

Finanzierungshilfe durch China nicht unbedenklich

Eines steht fest: Investitionen und Kredite aus China schaffen Abhängigkeiten. Vor allem finanzschwache und unerfahrene Länder könnten in die Schuldenfalle geraten. Denn wenn die Kredite nicht rechtzeitig vereinbarungsgemäß zurückgezahlt werden können, droht die konsequente Schuldeneintreibung durch den chinesischen Staat. Dieser hat sich attraktive Sicherheiten abtreten lassen, wie strategisch wichtige Häfen. Zudem wird oft von unfairen Ausschreibungen berichtet. Zwar erfolgen Ausschreibungen für inländische und ausländische Unternehmen. Jedoch werden die chinesischen Bewerber angeblich besser über Bedingungen und Erwartungen informiert. Das wird im Megaprojekt Seidenstraße wahrscheinlich gar nicht nötig sein. Hier sollen ohnehin ca. 90 % der beteiligten Unternehmen aus China kommen. Dennoch bleiben bei der Vielzahl an Teilprojekten und Maßnahmen genug Chancen für deutsche Mittelstandsunternehmen.

Das hat auch die deutsche Regierung erkannt. Obwohl China die Forderung der EU nach mehr Marktzugang diplomatisch überhört, ist Deutschland Gründungsmitglied und engagierter Kapitalgeber der 2015 gegründeten Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB). Das Kreditinstitut wird von China geführt und hat seinen Fokus auf dem Vorhaben „Neue Seidenstraße“. Offenbar erwartet sich Deutschland von diesem Investment eine offene Haltung Chinas für weiteres Engagement hierzulande.

So tickt der chinesische Markt 7: Tipps für Mittelstandsunternehmen

Unternehmen aus Deutschland, die ihre Chancen entlang der neuen Handelsrouten wahrnehmen wollen, sollten diese Tipps beherzigen:

Tipp 1: Lassen Sie sich umfassend beraten

Wer glaubt, dass es ausreicht, ein wenig die Sprache (es gibt 7 Hauptsprachen und unzählige Dialekte) und die gängigen Gepflogenheiten zu lernen, wird bald eines Besseren belehrt. Denn die meisten europäisch geprägten Annahmen rund um ein Produkt, sei es das Design, die Technik, die Wirkung etc. werden in China nicht zutreffen. Das gleiche gilt für Fragen des Standorts, Einstellungen, Gehälter und Umgang mit Behörden. Lassen Sie sich daher im Vorfeld umfangreich beraten. Auch steuerliche Fragen der Unternehmensgründung und -führung in China sollten Sie ausführlich planen. Nicht zuletzt stellt sich die Frage, ob Sie chinesische Partner ins Unternehmen einbinden.

Tipp 2: Berücksichtigen Sie die Mentalität

Was auf dem deutschen oder europäischen Markt gut ankommt, kann in China ganz anders verstanden werden. Desinteresse oder gar Ablehnung der Kunden kann die Folge sein. Während Europäer in ihren Geschäften eher Individualismus schätzen, besteht in China ein ausgeprägtes Kollektivdenken, was sich auch in den Marktaktivitäten widerspiegelt. Daher wünschen sich Chinesen bei ihren Produkten und Aktivitäten gerne soziale Kontakte. Chinesische Kunden tauschen sich gerne mit dem Berater eines Unternehmens per Chat aus oder diskutieren mit anderen Kunden über ein Angebot. In China ist es oberste Priorität, Meinungen auszutauschen und gemeinsam zu entscheiden. Wer das als Unternehmer berücksichtigt und die Möglichkeiten dazu bietet, hat schon einen entscheidenden Schritt getan. Diese Kontakte zu nutzen und die Erwartungen zu verarbeiten, ist oberstes Gebot.

Tipp 3: Loten Sie technische Hürden rechtzeitig aus

Dass in China nicht alle technischen Möglichkeiten und Websites frei genutzt werden können, ist mittlerweile bekannt. Dennoch tun sich im Betrieb vor Ort oft zusätzliche Schwierigkeiten auf, die sich bei Tests außerhalb Chinas oder bestimmter chinesischer Regionen nicht bemerkbar machen. Daher ist es wichtig, alle Produkte und Dienstleistungen tatsächlich im Zielland in Praxis zu testen und ggf. technische Probleme dort zu lösen. Klären Sie insbesondere auch, welche Lizenzen Sie für einen Betrieb in China benötigen. Schon ein Internetauftritt benötigt eine Lizenz, die auf eine chinesische Tochterfirma ausgestellt ist. Zudem gibt es Lizenzen, die überhaupt nicht an ausländische Unternehmer ausgestellt werden. Dazu bedarf es eines chinesischen Partners. Informieren Sie sich ausführlich und rechtzeitig, sonst lösen sich ihre Aktivitäten schnell in Stagnation auf.

Tipp 4: Ohne Alibaba und Alipay geht (fast) nichts

Der Fast-alles-Anbieter Alibaba ist mächtig in China. Wie mächtig ist kaum vorstellbar. Zusammen mit WeChat erreicht Alibaba fast 80 % des chinesischen Marktes. Ihre Zahlungsabwickler Alipay und WeChat Pay beherrschen praktisch den kompletten Markt. Schwierig, wenn man vorhat, etwas Eigenständiges aufzuziehen. Selten funktioniert das in Nischen, praktisch unmöglich ist es bei Massenprodukten. Besser ist es, sich mit diesen Megaanbietern zu arrangieren, zumal sie stets daran interessiert sind, deutsche Produkte anbieten zu können. Chinesische Kunden sind an deutscher Qualität nach wie vor sehr interessiert.

Tipp 5: Vorsicht vor asiatischer Nachfrage und Erwartungshaltung

Kein Zweifel, der Markt in China ist riesig. So riesig, dass es unsere Vorstellungen oft übertrifft. Deshalb ist es wichtig, sich auf den Worst Case vorzubereiten und die eigenen Kapazitäten und Geschäftsabläufe perfekt aufzustellen. Denn wer den Nerv des chinesischen Marktes trifft, muss auf Mengen an Bestellungen und Nachfragen gefasst sein. 24 h per Chat erreichbar zu sein, ist ein Muss und schnelle Belieferung ebenso.

Kann ein Unternehmen diese Erwartungen nicht erfüllen, kommt ebenso schnell das negative Feedback zurück. Auch darauf sollten Sie als Unternehmer sofort reagieren. Vogel-Strauß-Politik kommt dagegen gar nicht gut an. Stehen Sie zu Kapazitätsengpässen und Kritik am Produkt.

Tipp 6: Neue Kanäle und Soziale Medien sind TOP!

Kommunikation in China ist Trumpf. Ohne WeChat geht auch für Unternehmen nichts. Schnelle Antworten sind dann absolut Pflicht. Chatten mit Unternehmen und Kunden ist Tagesgeschäft in China. Sogar Unternehmen kommunizieren via WeChat untereinander. Auch hinsichtlich der übrigen in Europa so wichtigen Kommunikationskanäle muss sich der Mittelstandsunternehmer vom Gewohnten verabschieden. Kurznachrichten über Twitter? Keine Chance. Sina Weibo ist angesagt. Google-Werbung? Braucht hier niemand, denn Baidu und Alibaba bieten optimalen Ersatz.

Tipp 7: Vorsicht vor Besonderheiten der chinesischen Finanzwelt

Immer mehr deutsche Unternehmen siedeln sich in China an und beanspruchen dort finanzielle Unterstützung. Die Banken bieten dazu regelmäßig Kredite an, sofern die Regierung das nicht untersagt. Denn es gibt durchaus Verfügungen, dass weniger Kredite vergeben werden sollen. Dann fließt plötzlich kein Geld mehr. Darauf müssen Unternehmer sich einstellen. Denn selbst Notfallüberweisungen der deutschen Muttergesellschaft können dann Monate dauern. Um diese Probleme zu vermeiden, empfiehlt es sich, nur auf Finanzierungen deutscher Banken oder das eigene Unternehmen zurückzugreifen. Das hat auch China schon erkannt. Um solche Fremdmittel aus der Heimat einzugrenzen, legte die Regierung inzwischen den Borrowing Gap fest, also die Quote, die nach Einbringen des Eigenkapitals tatsächlich fremdfinanziert werden darf.

Dabei wird Wert auf Barmittel gelegt. Es dürfen beispielsweise keine Kredite der Konzernmutter als Eigenkapital genutzt werden. Auch auf die Eigenwilligkeit mancher Bank in China sollten Sie gefasst sein. Denn in den Bedingungen gibt es regelmäßig den Zusatz, dass Leistungen direkt an den Rechnungssteller erfolgen dürfen. Dann überweist die Bank die Kreditmittel nicht an das Unternehmen, mit dem der Kreditvertrag geschlossen wurde, sondern direkt an den Lieferanten, der eine Rechnung gestellt hat. Ob die Lieferung beanstandungsfrei war oder noch gar nicht vollständig erfolgt ist, ist dabei irrelevant.

Fazit: Megaprojekt mit Tücken

„Die Nachfrage Chinas nach qualitativ hochwertigen Erzeugnissen Made in Germany steigt rapide“ sagt Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, Unternehmerverband Deutschland (BVMW). Aus diesem Grund und wegen der weltweiten Bedeutung sollten sich deutsche Mittelstandsunternehmen der Belt and Road Initiative nicht verschließen. Stattdessen werden Unternehmen aller Branchen und Größen entlang der neuen Handelskorridore benötigt. Nutzen Sie Ihre Möglichkeiten und Entwicklungschancen. Lassen Sie sich dazu vorher umfassend beraten und während Ihrer Handelsaktivitäten begleiten. Finanzieren Sie Ihre Aktivität im Ausland am besten über eine deutsche Bank oder über die Muttergesellschaft Ihres Unternehmens. So vermeiden Sie Liquiditätsengpässe in China oder den Handelspartnerländern. Bereiten Sie sich zudem auf die Kommunikationsbereitschaft chinesischer Kunden vor. So können auch Sie erfolgreich auf den Spuren Marco Polos agieren.