Im folgenden Artikel stellen wir Ihnen mögliche Zukunftsszenarien vor, die nach der Corona-Krise eintreten könnten. Das Coronavirus setzt seinen Marsch um die Welt fort. Was anfangs wie drakonische Dystopie schien, ist heute vielerorts Realität: Beschränkungen der Personenfreizügigkeit sowie der Dienstleistungs- und Warenverkehrsfreiheit. Die Innenstädte sind leer, die Weltwirtschaft stockt, eine Rezession droht. Womit kann der Mittelstand rechnen, nachdem Corona bezwungen ist?

Mögliche Konjunkturszenarien für die Zeit nach Corona

Gefühlt ist es lange her. Bevor das Coronavirus SARS-CoV-2 die Weltbühne betrat, gab es ein schwaches aber stabiles Wirtschaftswachstum. Die Weltwirtschaft sollte 2020 laut OECD um 2,9 Prozent zulegen, die Bundesregierung sprach von einem erwarteten Plus des BIP von 1,1 Prozent. Dann kam die Schock-Triade: angebots- und nachfrageseitige Effekte und allgemeine Unsicherheit. Deutschland und die Welt stecken mitten im Abschwung. Offen die Frage, wie es weitergeht, wenn das Thema Corona ad acta gelegt wird.

Zum jetzigen Zeitpunkt sind drei Konjunkturszenarien denkbar, wenngleich die wirtschaftliche Entwicklung sich nicht sicher vorhersagen lässt. Dafür gibt es einfach zu viele unklare Faktoren:

  • Das Coronavirus ist noch nicht vollständig erforscht. Es bleibt unklar, wie es sich genau verhält.
  • Die Rolle asymptomatischer Patienten bei der Krankheitsverbreitung ist nicht klar.
  • Die tatsächlichen Infektions- und Immunitätsraten sind ungewiss, insbesondere dann, wenn wenig getestet wird.
  • Die politischen Maßnahmen sind global gesehen heterogen, teils verzögert oder fehlerhaft.
  • Die Reaktionen von Unternehmen und Haushalten sind nicht absehbar.

Trotz dieser großen Unsicherheiten kann ein Ausblick auf die möglichen Konjunkturszenarien erhellend sein.

Szenario #1: V-förmiger Verlauf

Das V-Szenario steht für einen dramatischen Einbruch (linker Teil des V) und einen ebenso raschen Aufschwung (rechter Teil des V). Denkbar ist das V-Szenario, wenn es gelingt Corona zügig den Garaus zu machen. Auf die jährliche Wirtschaftsentwicklung gesehen, würden die Verluste aus der ersten Jahreshälfte nahezu durch die Expansion der zweiten Jahreshälfte aufgefangen. Allerdings könnte trotzdem ein deutlicher Rückgang (ifo: -1,5 Prozent, Institut für Weltwirtschaft: -4,5 Prozent) in Deutschland drohen. Zum Vergleich: Eine gewöhnliche Rezession geht mit einem Rückgang von unter einem Prozent einher. Für das Jahr 2021 wäre aber der Weg für ein stärkeres weltweites Wirtschaftswachstum frei, da sich bis dahin die allgemeinen Unsicherheiten und Störungen der Supply Chain gelegt hätten.

Szenario #2: U-förmiger Verlauf

Beim U-Szenario lässt sich Corona nicht zügig eindämmen. Die Wirtschaft verharrt eine Weile in Stagnation (unterer Teil des U) ehe es wieder aufwärts geht – etwa aufgrund eines längerfristigen Shutdowns. In diesem Szenario ist ein hoher Rückgang beim BIP zu erwarten (ifo: -7,2 bis -20 Prozent, Institut für Weltwirtschaft: -8,7 Prozent). Zum Vergleich: Die Bankenkrise bescherte der Wirtschaft ein Minus von 5,7 Prozent. Wenn es wieder aufwärts geht, dann kräftig – allerdings erst im kommenden Jahr. 2021 könnte das Wachstum in Deutschland aber zweistellig werden. Länder, die früher von der Pandemie betroffen waren (China), würden schneller zur Normalität finden als Länder, die erst im zweiten Quartal 2020 betroffen waren (USA). Insgesamt bräuchte die globale Wirtschaft eine längere Erholungsphase.

Szenario #3: L-förmiger Verlauf

Das L-Szenario steht für einen starken Abschwung und eine längerfristige wirtschaftliche Stagnation (horizontaler Strich). Mögliche Gründe für das Ausbleiben eines Aufschwungs wäre ein Wiederaufkeimen des Virus durch zu schnelles Nachlassen der präventiven Maßnahmen oder aufgrund von Finanzmarktkrisen. Der wirtschaftliche Rückgang wäre mit den beiden vorherigen Szenarien vergleichbar, die Wirtschaft würde allerdings in der Rezession oder gar Depression längere Zeit verharren.

Welches Szenario ist am wahrscheinlichsten?

Was kommt, L, U oder V? Für definitive Aussagen ist es noch zu früh. Allerdings geht die Mehrheit der Konjunkturbeobachter davon aus, dass es beim mildesten Verlauf, dem V-Szenario bleiben wird. Für Deutschland bedeutet das: Lässt sich Corona bis Ende April/Anfang Mai eindämmen, können präventive Maßnahmen gelockert werden und die Wirtschaft kommt in der zweiten Jahreshälfte wieder in Schwung. Sollte es nicht gelingen das Virus hierzulande vor dem Sommer zurückzudrängen, würde das U-Szenario für Deutschland wahrscheinlicher. Für das L-Szenario müssten mehrere Extremrisiken gleichzeitig auftreten – möglich, auch wenn weniger wahrscheinlich. Dass es bei einer tiefen und temporären Rezession bleibt, suggeriert auch die Erfahrung in China.Update – 20.04.2020: In ihrem Monatsbericht geht die Bundesbank zur Zeit nicht davon aus, dass das V-Szenario noch wahrscheinlich ist. Da voraussichtlich signifikante Restriktionen bestehen bleiben müssen, bis ein Impfstoff oder eine Behandlungsmethode für COVID – 19 gefunden wurden, scheint eine zügige Erholung der Wirtschaft nicht realistisch.

Man wird seine Aufmerksamkeit also dem U-Szenario widmen müssen. Die Experten sehen eine Rezession als unvermeidlich an, doch das Ausmaß wird davon abhängen, wann und wie stark die Einschränkungen weiter gelockert werden können. Ausdrücklich nicht zu erwarten ist ein größerer wirtschaftlicher Zusammenbruch in Form einer Abwärtsspirale oder andauernden Stagnation des Wachstums (L-Szenario). Die bereits geleisteten Finanzhilfen von staatlicher Seite sind umfassend genug, um ein Erholen der Wirtschaft zu ermöglichen, sobald die Bedingungen sich bessern.

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Die Bundesregierung nämlich hat schnell und entschieden gehandelt. Auch wenn kleine und mittelständische Betriebe momentan finanzielle Sorgen haben, in den Arbeitsmarktzahlen spiegelt sich das nicht wider. Die bis zum 12. März erhobenen Arbeitslosenzahlen belegen sogar einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Coronabedingte Effekte auf die Arbeitslosigkeit dürften erst in den Bilanzen im April sichtbar werden. Bisher setzen aber viele Betriebe auf die Kurzarbeit. Ob die Maßnahmen der Regierung reichen, hängt zuweilen auch von der Branche ab. Denn Corona trifft vor allem die Gastronomie, den Handel, Tourismus sowie die Industrie und Landwirtschaft härter als andere Branchen.

Auch wenn es zynisch klingen mag, die Corona-Krise wird auch Chancen bringen. Ein Gewinner könnte der Markt für erneuerbare Energien sein. Denn die globale Nachfrageschwäche beim Öl gekoppelt mit geopolitischen Interessen von Russland und Saudi-Arabien, die zu einem höheren Ölangebot geführt haben, haben einen massiven Preisrutsch veranlasst, von dem Ökostrom profitieren könnte.

Vorbild China: Lässt sich aus der chinesischen Erfahrung lernen?

Gerade ist eine Woche vergangen – sieben Tage ohne Neuinfektion in Wuhan, dem ersten Epizentrum der Corona-Pandemie. Bis zum achten April gelten dort noch restriktive Maßnahmen für Unternehmen und Bevölkerung. Landesweit fährt die Wirtschaft schon jetzt hoch.

Chinesische Staatsmedien berichteten, dass sich die Fabrikaktivität im März erholte habe. Der chinesische Einkaufsmanagerindex (EMI), ein Schlüsselmaß für die Produktionstätigkeit, lag demnach bei 52,0. Im Februar lag der Wert noch bei 35,7 – das war der schlechteste Wert, seit China im Jahr 2005 mit der EMI-Erfassung angefangen hat. Ein Wert über 50 deutet auf Wachstum hin.

Bei den Dienstleistungen und beim internationalen Handel gingen die Werte im Januar und Februar um 11,6 Prozent zurück, Importe und Exporte von Tourismusdienstleistungen gingen um 23,1 Prozent zurück.

Die Erholungsphase fängt in China langsam an. Seit 23. Januar waren weite Landesteile im Shutdown. Jetzt blickt die Welt nach China um zu sehen, ob sich das Virus vollständig eindämmen lässt. Bisher sieht es tatsächlich danach aus, denn das Land verzeichnet kaum Neuinfektionen (dafür aber importierte Fälle von heimkehrenden Auslandschinesen und einreisenden Ausländern). Drücken wir die Daumen, für China und für die Welt.

Fazit

Die derzeitige Analyse suggeriert eine tiefe, aber temporäre Rezession für Deutschland. Ob es tatsächlich zu dem mildesten der drei vorgestellten Szenarien kommt, bleibt aber abzuwarten.