Maschinenbau-Branche von Handelskriegen und Embargopolitik betroffen

handelskriege und embargopolitik - warum die maschinenbau-branche leidet

Handelskriege und Embargos werden zur Gefahr für die Weltwirtschaft. Dies trifft ganz besonders die Maschinenbau-Branche, die besonders viel ins Ausland exportieren. Dieser Beitrag zeigt, wie sich welche Handelskonflikte auf die Maschinenbau-Branche auswirken, welche weiteren Risiken es für die Branche gibt und welche Auswege und Handlungsoptionen zur Verfügung stehen.

Handelskriege und politische Krisen

Viele nennen es einen Rückschlag für die Globalisierung: Die Zahl und Intensität der weltweiten Handelskonflikte wachsen. Insbesondere seit der Amtsübernahme durch US Präsident Donald Trump wächst das Bewusstsein dafür, dass freier Welthandel keine Selbstverständlichkeit darstellt.

Medial besonders präsent sind die Streitigkeiten zwischen den USA und China. US Präsident Donald Trump argwöhnt, China übervorteilten die USA im Handel. Er hat deshalb Zölle in Höhe von 25 % auf chinesische Importe im Wert von 250 Milliarden USD verhängt. China antwortete prompt und verhängte seinerseits Schutzzölle auf Importe aus den USA.

Wie der Handelsstreit zwischen China und den USA ausgeht, ist derzeit vollkommen ungewiss. Beide Seiten liefern sich ein zähes Ringen. Die Auswirkungen sind vielfältig. Steigen in den USA die Zölle auf Einfuhren aus China, steigen die Preise für US Konsumenten. Gleichzeitig sinkt das Exportvolumen chinesischer Unternehmen.

Der Handelskonflikt zwischen dem Reich der Mitte und den USA ist nicht der einzige Konflikt im Welthandel. Auch zwischen den USA und der EU gibt es Spannungen. US Präsident Trump hat bereits mehrfach mit höheren Zöllen auf deutsche Autos gedroht. Die meisten Beobachter sind sich jedoch sicher, dass Trump die EU erst stärker ins Visier nehmen wird, wenn der Handelsstreit mit China zu einem wie auch immer gearteten Ende gefunden hat.

US Sanktionen auf den Iran

Ein weiteres Risiko für den Welthandel betrifft den Iran. Die USA haben das Land mit strengen Sanktionen belegt. Der Hintergrund: Die USA waren aus dem Atomabkommen ausgetreten. Seither verlangen die Vereinigten Staaten vom Iran weitgehende Zugeständnisse im Hinblick auf das Atomprogramm. Der Iran selbst und auch alle Länder, die mit dem Iran Handel treiben, werden mit Sanktionen belegt. Die EU versucht diese durch eine zwischengeschaltete Plattform zu umgehen. Gleichwohl dürfte für die meisten Firmen in Deutschland das Geschäft mit dem Iran nicht infrage kommen. Zu groß das Risiko, dass es seitens der USA Sanktionen gegen einzelne Unternehmen gibt. Dass solche Sanktionen möglich sind, zeigt das Beispiel des chinesischen Konzerns Huawei. Dieser war – wenn auch aus einem ganz anderen Kontext heraus – durch die USA mit Sanktionen belegt worden.

Maschinenbau-Branche kritisiert Russland Sanktionen

Sehr viel größer als der iranische Markt ist der russische Markt. Auch für Exporte nach Russland gelten jedoch seit Jahren Sanktionen. Hintergrund ist die Auseinandersetzung um die Ostukraine und die Krim. Die EU verlangt von Russland, das sogenannte Minsker Abkommen zu befolgen. Russland macht keine Anstalten, dieser Aufforderung zu folgen. Dabei böte der russische Markt der deutschen Maschinenbau-Branche ein enormes Potenzial.

Die Maschinenbaubranche kritisiert die Russland Sanktionen. Carl Martin Welcker, Präsident des Maschinenbauverbandes, äußerte sich dazu in der Augsburger Allgemeinen. Sein Vorwurf: Die Branche werde „zunehmend in Haftung genommen, um politische Ziele durchzusetzen“. Seiner Ansicht nach sind die Sanktionen gegen Russland und den Iran politisch wirkungslos, wirtschaftlich dagegen schädlich: „Die politischen Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland tendieren gegen null, andererseits sind die Auswirkungen auf das Russlandgeschäft von deutschen Firmen immens“.

Welcker forderte, dass die Sanktionen nach nunmehr fünf Jahren überprüft werden müssten. Die Stellung der deutschen Wirtschaft in Russland sei durch die Sanktionen geschwächt. Andere Länder hätten den Platz deutscher Unternehmen dort eingenommen. Für die Politik von US Präsident Donald Trump hatte Wecker Kritik, aber auch ein Lob übrig. Auf der einen Seite belaste der Handelskrieg zwischen den USA und China die deutsche Maschinenbau-Branche spürbar. Andererseits habe die Regulierungs- und Steuersenkungspolitik des US Präsidenten zu einer größeren Nachfrage nach Maschinen aus Deutschland geführt.

Brexit verursacht Unsicherheiten aus Großbritannien

Weitere Unsicherheiten kommen aus Großbritannien. Noch immer ist nicht klar, unter welchen Rahmenbedingungen das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union aussteigen wird. Stand Ende Juni 2019 ist ein sogenannter Hard Brexit, also ein Ausstieg ohne Abkommen mit der EU, denkbar. Bislang ist das Land Vollmitglied der EU. Die Auswirkungen auf den Handel sind deshalb noch überschaubar. In den ersten neun Monaten des Jahres 2018 beliefen sich die Maschinenbauexporte auf die Insel auf 5,79 Milliarden EUR. Dies bedeutete ein Plus in Höhe von 4,5 % im Vergleich zum Vorjahr.

Auswirkungen auf den Maschinenbau

Die deutsche Maschinenbaubranche ist ein wesentliches Standbein der deutschen Wirtschaft. Im Jahr 2017 erzielte der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland einen Jahresumsatz in Höhe von 226 Milliarden EUR. Dies markiert ein Rekordergebnis. Die preisbereinigte Produktion stieg im Jahr 2017 und 3,9 %. Laut dem Branchenverband VDMA gab es 2017 insgesamt 6.450 Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten. Die Zahl der beschäftigten Mitarbeiter wuchs in einem Jahr um 24.000.

Nach dem guten Jahr 2017 trübte sich die Lage jedoch sukzessive ein. Im ersten Quartal 2019 sank die Produktion nach Angaben des VDMA um 0,5 %. Für das Gesamtjahr geht der VDMA von einem Produktionszuwachs in Höhe von 1,0 % aus. Besonders besorgniserregend: Der April 2019 war der fünfte Monat in Folge, in dem das Volumen der Auftragseingänge sank. Im Vergleich zum Vorjahr sanken die Bestellungen preisbereinigt um 11 %.

Es gibt neue Freihandelsabkommen

Es gibt im Hinblick auf die weltweite Handelspolitik allerdings auch gute Nachrichten. Parallel zu neu eingeführten Zöllen und Embargos gibt es auch neu abgeschlossene bzw. fertig ausgehandelte Freihandelsabkommen. So hat die EU im laufenden Jahr bereits Freihandelsabkommen mit Japan, Vietnam und den Mercosur-Staaten zu einem Ende gebracht. Dies bedeutet einen erleichterten Marktzugang zu Märkten mit mehr als 450 Millionen Einwohnern.

Gefahr für die deutsche Maschinenbau-Branche durch chinesische Wettbewerber

China ist für die deutsche Maschinenbaubranche ein enorm wichtiger Markt. Dies belegen Zahlen aus dem Jahr 2018. Gleichzeitig wird China in manchen Punkten auch zum Risiko für die Branche.

Zunächst ein Blick auf das Exportgeschäft der deutschen Maschinenbaubranche in China. In den ersten neun Monaten des Jahres 2018 belief sich die Summe der Ausfuhren im Maschinenbau nach Angaben des statistischen Bundesamtes auf 131,9 Milliarden EUR. China war dabei der wichtigste Exportmarkt. 14,23 Milliarden EUR exportierte die deutsche Maschinenbau-Branche in das Reich der Mitte. Der Anteil Chinas am deutschen Exportgeschäft belief sich damit auf 10,8 %. Auf Platz zwei folgten die USA mit 14,16 Milliarden und  10,7 % Anteil. Auf den Plätzen dahinter folgten Frankreich, Italien und das Vereinigte Königreich.

VDMA Studie zu Produktpiraterie in China

So wichtig China für die deutsche Maschinenbau-Branche ist, so sehr entwickelt es sich auch zu einem unangenehmen Konkurrenten. Ein Problem dabei betrifft Produktpiraterie. Eine VDMA Studie zu dem Thema kam zu dem Schluss, dass die Maschinenbau-Branche dadurch ein jährlicher Schaden in Höhe von 7,3 Milliarden EUR entsteht. Umgerechnet in Arbeitsplätzen entspräche dies 33.000 Stellen. Ein erheblicher Teil davon entfällt auf Plagiate aus China. Der Verband rügt, dass sich dort in den vergangenen Jahren trotz vieler Ankündigungen nicht wirklich etwas verbessert habe.

71 % der Maschinen- und Anlagenbauer in Deutschland sehen sich der Studie zufolge von Produkt- und Markenpiraterie betroffen. Die daraus resultierenden Probleme sind vielfältig. Neben relativ leicht zu messenden Konsequenzen wie Verlusten bei Umsätzen und Arbeitsplätzen gibt es auch weniger einfach greifbare Folgen. Dazu zählen nach Angaben des VDMA zum Beispiel Imageverlust, ungerechtfertigte Regressanforderungen oder ein Verlust des Marktvorsprungs.

Neben rein technischen Nachbauten gibt es auch Imitationen des äußeren Erscheinungsbildes von Produkten. Unternehmen befürchten dabei Gefahren für Anwender und die Umwelt. Ebenfalls werden Plagiate werden der Studie zufolge auch verstärkt über B2B Plattformen verkauft.

Die chinesische Maschinenbau-Branche holt auf

Chinesische Konkurrenz wird nicht nur durch Plagiate, sondern auch durch eigene Entwicklung zum Problem für die deutsche Maschinenbau-Branche. Das Land hat in den vergangenen Jahren erheblich aufgeholt. In China hat sich mittlerweile ein erhebliches Selbstbewusstsein bezüglich der eigenen Produkte herausgebildet. China verfolgt zudem eine „Made in China“ Strategie. Experten gehen davon aus, dass es zwar noch einen signifikanten Qualitätsunterschied gibt. So seien chinesische Maschinen weniger effizient und nicht so robust wie ihre deutschen Pendants. Gleichwohl seien die Maschinen aus dem Reich der Mitte durchaus konkurrenzfähig.

Die chinesische Regierung verfolgt ihre Wachstumsziele kompromisslos. Noch immer ist der Schutz geistigen Eigentums ein Problem. Zudem sind die Chinesen bestrebt, über Finanzinvestoren Beteiligungen an westlichen Unternehmen zu erwerben. Diese Beteiligungen dienen nach Ansicht vieler ganz klar auch dem Technologietransfer. Die Sorge: Chinesische Firmen könnten eines Tages den technischen Vorsprung der deutschen Maschinenbau-Branche aufholen und gleichwertige Produkte zu deutlich geringeren Preisen anbieten.

Dabei sieht sich die Maschinenbau-Branche genau wie andere Branchen einem Zwiespalt ausgesetzt. Kurzfristig bieten die Modernisierungsbemühungen in Chinas Industrie hervorragende Umsatzperspektiven. Langfristig jedoch könnten die Unternehmen durch ihr Engagement in China dazu beitragen, sich ihr eigenes Geschäft zu zerstören. Schließlich sieht die Strategie „Made in China 2025“ vor, in zehn Schlüsselindustrien Innovationen zu entwickeln und hochwertige, marktführende Produkte auf den Markt zu bringen.

Neben dem Maschinenbau gehören zu den Schlüsselindustrien unter anderem auch der Automobilbau, die Luft- und Raumfahrtindustrie und weitere wichtige Branchen. Die chinesische Regierung will mittel- bis langfristig ausländische Technologien vom heimischen Markt verdrängen und durch eigene Technologien ersetzen.

Chancen und Herausforderungen für KMUs im Maschinenbau

Der Maschinenbau ist eine globalisierte Branche. Entsprechend dynamisch sind Veränderungen des Marktumfelds. Die Unternehmen müssen in den kommenden Jahren verschiedene Aufgaben und Herausforderungen bewerkstelligen. Es geht darum, neue Geschäftsfelder und neue Märkte zu erschließen, Risiken durch ungewollten Technologietransfer zu minimieren und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und auszubauen.

Medizintechnologie: Ein neues Geschäftsfeld?

Bei der Suche nach neuen Geschäftsfeldern bietet sich ein Blick auf die Medizintechnik an. Hier ist der Vorsprung gegenüber Konkurrenten wie China sehr groß. Die Medizintechnikbranche ist dabei eine klassische KMU Branche. Insgesamt sind in Deutschland mehr als 200.000 Beschäftigte in der Medizintechnik beschäftigt. Dabei wurden allein in den letzten fünf Jahren 12.000 zusätzliche Stellen geschaffen. Nach Angaben von Branchenverbänden sichert jeder Arbeitsplatz in

der Medizintechnik 0,75 Arbeitsplätze in anderen Branchen. Im Jahr 2017 erreichte die Branche einen Gesamtumsatz in Höhe von 49,9 Milliarden EUR. Die Exportquote liegt mit 64 % sehr hoch.

Die Medizintechnikbranche weist eine klar mittelständische Prägung auf. Laut dem Jahresbericht des Bundesverbands Medizintechnologie beschäftigen 93 % der Unternehmen weniger als 150 Mitarbeiter. Demnach gibt es 11.300 Kleinstunternehmen mit insgesamt knapp 70.000 Beschäftigten. Gerade einmal 84 Medizintechnikunternehmen aus Deutschland beschäftigen mehr als 250 Mitarbeiter.

Die Medizintechnikbranche ist eine Innovationsbranche mit kurzen Produktzyklen. Dies kommt innovativen Mittelständlern, die beweglich sind und ihre Marktforschung behaupten müssen, entgegen. Ein Beleg dafür laut Branchenverband: Rund ein Drittel des Umsatzes erzielen deutsche Medizintechnikhersteller mit maximal drei Jahre alten Produkten. 9 % des Umsatzes investieren die Unternehmen in Forschung und Entwicklung.

Dementsprechent könnte es sich für die Maschinenbau-Branche also lohnen, Know-how im Bereich der Medizintechnologie aufzubauen. Dies ist etwa über Kooperationen mit Startups möglich.

Forschung und Entwicklung sichert Wettbewerbsfähigkeit

Wettbewerbsfähigkeit wird durch Forschung und Entwicklung sichergestellt. KMUs sollten angesichts der dynamischen Entwicklung der Weltmärkte darauf bedacht sein, viel in neue Technologien zu investieren. Ein wesentlicher Baustein kann hier die Industrie 4.0 darstellen. Neue Fertigungsprozesse ermöglichen es, die Wertschöpfungstiefe im Unternehmen zu erhöhen und die Produktionskosten zu senken. Dies ist ein wesentlicher strategischer Vorteil im Konkurrenzkampf mit der chinesischen Maschinenbau-Branche. Durch Kooperationen mit Startups können KMUs gezielt spezifisches Know-how integrieren.

Neue Märkte erschließen

In Washington und Peking mag man es vielleicht nicht gern hören: Die Welt besteht nicht nur aus China und den USA. Es gibt eine Reihe anderer, sehr interessanter Märkte. Durch neue Freihandelsabkommen zwischen der EU und diesen Märkten eröffnen sich auch für die Maschinenbau-Branche neue Möglichkeiten.

Dies gilt insbesondere für Südamerika. Hier wurden im Juni 2019 die seit fast 20 Jahren laufenden Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten beendet. Die vier Mercosur-Staaten sind Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay. In den vier Ländern zusammen leben mehr als 250 Millionen Menschen. Während Europa in Zukunft mehr landwirtschaftliche Produkte aus Südamerika importieren dürfte, ist der Bedarf nach Maschinen und Anlagen in Südamerika weiterhin groß. Deutsche Produkte genießen hier einen guten Ruf.

Auch in Asien gibt es nicht nur China. Es gibt eine Reihe aufstrebender Länder, die hohe Wachstumsraten und einen steigenden Bedarf an hochwertigen Maschinen und Anlagen verzeichnen. Dazu gehört zum Beispiel Vietnam, mit dem die EU ebenfalls ein Freihandelsabkommen ausgehandelt hat.

Fazit

Zölle und Handelsembargos scheinen derzeit ein wesentlicher Trend in der Weltwirtschaft zu sein. Jedoch gibt es auch gegenläufige Trends. So wurden im Jahr 2019 wichtige Freihandelsabkommen vorangebracht. Für die Maschinenbau-Branche könnte es sich lohnen, einen Blick auf Südamerika und Asien ex China zu werfen. Gerade im Hinblick auf China könnten Engagements im Bereich Medizintechnik für die mittelständische Maschinenbau-Branche attraktiv sein. Hier ist der Vorsprung gegenüber der großkalibrigen chinesischen Konkurrenz noch erheblich. Generell sieht sich die Branche einem wachsenden Konkurrenzdruck ausgesetzt. Probate Gegenmittel sind ambitionierte Anstrengungen im Bereich Forschung und Entwicklung.