Market-Timing-Strategien – der perfekte Investitionszeitpunkt

Der perfekte Investitionszeitpunkt

Einen perfekten Zeitpunkt für Investitionen bei den über Market-Timing funktionierenden Anlagen gibt es. Allerdings existiert er nur in der Theorie, denn in der Praxis spielen viel zu viele Faktoren mit. Sie alle in Echtzeit zu erfassen und auszuwerten sowie darauf zu reagieren, ist praktisch unmöglich. Hinzu kommt, dass dabei die mühsam erzielten Gewinne durch hohe Kosten erheblich geschmälert werden. Eine weitere Frage ist, ob sich die Zeit am Ende rechnet, die für die Suche nach dem perfekten Market-Timing erforderlich ist. In der Mehrheit der Fälle ist das leider nicht so.

Auf saisonale Schwankungen beim Market-Timing besser nicht verlassen!

Viele Interessenten für optimale Market-Timing-Strategien verlassen sich auf die pure Logik. Sie besagt, dass es beispielsweise bei den Erdölpreisen aufgrund der saisonal schwankenden Heilölnachfrage einen typischen Rhythmus der Kurse geben müsste. Doch ist das tatsächlich so? Ein Blick auf die Charts der Frankfurter Börse bestätigt diese Hypothese nicht.

Vor allem der Blick auf die Erdölpreise in den Sommermonaten 2018 belegt eher das Gegenteil. Durch den früh einsetzenden und sehr heißen Sommer hätten die Erdölpreise massiv fallen müssen, doch das haben sie nicht getan. Was war für die überdurchschnittlich hohen Erdölpreise verantwortlich? Die Ursachen waren ganz eindeutig die gute Konjunkturlage, die Entscheidungen der OPEC und die Sanktionen, die Donald Trump gegen den Iran verhängt hatte. Wer über Market-Timing auf niedrigere Erdölpreise im Sommer 2019 spekuliert hatte, war dadurch auf der Verliererseite.

Entwicklung der Ölpreise in Dollar

Das Market-Timing bei Investitionen in Aktien ist genauso schwierig

Ein sehr gutes Beispiel aus der jüngsten Zeit ist das chinesische Unternehmen Huawei. Der Technologiekonzern zeigte eine positive Entwicklung und wäre deshalb bei den Market-Timing-Strategien im Frühjahr 2019 noch eine gute Wahl gewesen. Doch die Situation änderte sich schlagartig, als US-Präsident Donald Trump für amerikanische Unternehmen ein Kooperationsverbot verhängte. Mitte Juni 2019 kündigte Huawei offiziell an, dass daraus ein Umsatzeinbruch von etwa 30 Prozent im Vergleich zum Jahr 2018 resultiert. Binnen weniger Stunden brach der Wert der Aktien des Unternehmens signifikant ein.

Anleger, die Profit aus dem Market-Timing ziehen wollten und nicht schnell genug reagierten, sahen sich massiven Verlusten gegenüber. Allein dieses Beispiel zeigt, wie riskant Market-Timing-Strategien sind. Eine einzige politische Entscheidung kann gravierende Veränderungen nach sich ziehen.

Unvorhersehbare Ereignisse machen das optimale Market-Timing unmöglich

Der ideale Zeitpunkt für Investitionen in den Aktienmarkt wird in der Regel über eine technische Chartanalyse bestimmt. Aus der Entwicklung der Vergangenheit leiten die Investoren die wahrscheinlichsten Trends für den weiteren Verlauf der Kurswerte ab. Doch solche Trends können sich binnen weniger Sekunden ändern, ohne dass es dafür irgendwelche Vorzeichen gibt. Das macht die Bestimmung des idealen Zeitpunkts des Einstiegs und Ausstiegs bei den auf Market-Timing basierenden Anlagestrategien so schwierig.

Auch das belegt ein Beispiel aus der Vergangenheit sehr eindrucksvoll. Nach den Anschlägen in New York am 11. September 2001 gab es bei den Aktienkursen und Devisenkursen an den Börsen „Achterbahnfahrten“, weshalb der Handel sogar kurzzeitig komplett ausgesetzt wurde. Wer zu diesem Zeitpunkt US-Dollar in seinem Depot hielt, musste kräftige Wertverluste hinnehmen. Auch der ohnehin im Sinkflug befindliche DAX musste herbe Verluste hinnehmen, erholte sich aber sehr schnell wieder.

Allein in den ersten Stunden nach den Anschlägen sorgte der DAX-Einbruch für einen Verlust bei der Marktkapitalisierung in Höhe von rund 65 Milliarden Euro. Wer seine DAX-Papiere in den Stunden und Tagen nach den Terroranschlägen verkauft hat, dürfte sich später massiv geärgert haben. Im Spätherbst 2001 erreichte der DAX wieder nahezu den Wert, den er vor den Anschlägen in New York hatte. Hier wäre das Festhalten an der „Buy and Hold“-Strategie die deutlich bessere Entscheidung gewesen.

Market-Timing-Strategien erfordern einen immensen Zeitaufwand

Die Palette der Einflussfaktoren auf die Entwicklung von Aktienwerten und Devisenkursen reicht wesentlich weiter. Das ist der Hauptgrund, warum Gewinne aus dem Market-Timing mit einem immensen Zeitaufwand verbunden sind. In der Zeit, die für die Beobachtung und Auswertung aller Daten zu den Einflussfaktoren notwendig ist, können Unternehmer ihrer eigentlichen Geschäftstätigkeit nicht nachgehen. Das zieht Umsatzverluste und Gewinnverluste im eigenen Unternehmen nach sich. Sie übertreffen häufig die Gewinne, die mit Market-Timing-Anlagestrategien erzielbar sind. Deshalb sind sie vor allem für Kleininvestoren in der Regel nicht lohnenswert. Hinzu kommt, dass für jede Transaktion Gebühren fällig sind, auch wenn es inzwischen Depotkonten mit einem Pauschalpreis für eine bestimmte Anzahl von Trades gibt.

Welche Einflussfaktoren der Politik wirken auf das Market-Timing?

Viele Arten politischer Entscheidungen sorgen dafür, dass ein durchgängig perfektes Market-Timing praktisch unmöglich ist. Eine Unterart der Einflussfaktoren stellen die Abschlüsse und Aufkündigungen von Handelsabkommen dar. Viele in Deutschland ansässigen Unternehmen litten beispielsweise unter den Strafzöllen, die Donald Trump für Importe verhängte, um den amerikanischen Binnenmarkt zu stützen. In Europa zeigten außerdem die endlosen Diskussionen um den Brexit für massive Verunsicherung auf dem Aktienmarkt. Hinzu kommen Gesetzesänderungen wie beispielsweise die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns in einzelnen Branchen.

Wer Market-Timing-Strategien verfolgt, muss auch Gewerkschaften beobachten

Die für Anlagestrategien mit Market-Timing notwendigen Analysen sind sehr komplex. Das zeigt ein Blick auf die Tatsache, dass sich auch Streiks und Tarifabschlüsse der Gewerkschaften auf die Aktienkurse auswirken. Streiks bedeuten für die Unternehmen Produktionsausfälle und in der Folge Umsatz- und Gewinnminderungen. Neue Tarifabschlüsse ziehen höhere Lohnkosten und Lohnnebenkosten nach sich. Sie beeinflussen die Spanne zwischen den Gewinnprognosen und den tatsächlich erzielbaren Gewinnen oft erheblich. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Lohnerhöhungen aus Wettbewerbsgründen nicht in vollem Umfang auf die Produkt- und Dienstleistungspreise umgelegt werden können.

Optimales Market-Timing erfordert Analyse der gesamten Branche

Als ob das alles nicht schon reicht, müssen Anleger, die auf Market-Timing setzen, die Entwicklung der Wettbewerbssituation im Auge behalten. Das gilt nicht nur für die mögliche Etablierung neuer Mitbewerber auf dem Markt, sondern auch die Entscheidungen des Managements der bereits am Markt aktiven Konkurrenten. Unternehmenskäufe und Fusionen haben signifikante Auswirkungen auf die Aktienkurse. Sie unterbrechen vorhandene Trends bei der Wertentwicklung, weil sie einerseits Investitionen erfordern, aber andererseits neue Marktchancen eröffnen. Dort hat ergänzend die Wettbewerbskommission ein entscheidendes Wörtchen mitzureden.

In jüngster Zeit gesellt sich dazu außerdem noch die Verfügbarkeit von Fachkräften. Ein guter Fachkräftebestand ist wichtig für das gesunde Wachstum eines Unternehmens. Deshalb ist auch die Frage, ob und wann ein Unternehmen in die Ausbildung eigener Nachwuchskräfte investiert, inzwischen bei Market-Timing-Strategien von Bedeutung.

Bei Market-Timing-Anlagen Entscheidungen der Gerichte im Auge behalten!

Inzwischen sind es nicht nur die patentrechtlichen Entscheidungen, die Auswirkungen auf die Aktienkurse und damit auch auf die Market-Timing-Strategien haben. Das zeigt ein Blick auf die Konsequenzen des Dieselskandals in Deutschland. Mehrere Autobauer haben Urteile kassiert, nach denen sie die Kunden in einem erheblichen Umfang entschädigen müssen. Auch die Software-Updates und die Rückrufe zur technischen Nachrüstung schlugen mit hohen Kosten zu Buche. All diese Faktoren schmälern die Rendite, welche die Aktionäre erwarten dürfen. Die Börse reagierte auf die Urteile mit kräftigen Einbußen bei den Handelswerten der von diesen Urteilen betroffenen Autobauer. Dazu trugen außerdem die mittlerweile in vielen Städten verhängten Dieselfahrverbote bei. Das heißt, wer mit Marketing-Timing-Anlagen Gewinne machen möchte, ist letztlich sogar dazu gezwungen, die Regionalpolitik zu analysieren.

Rückkopplungseffekte machen das Market-Timing noch schwieriger

Auch an dieser Stelle kann der im späten Frühjahr 2019 verhängte Huawei-Bann von Donald Trump als gutes Beispiel dienen. Der Bann wirkte sogar zurück auf US-Unternehmen, die sich nicht mit der Herstellung von Chips oder Prozessoren für Smartphones beschäftigen. Zu dem Betroffenen gehörten beispielsweise Kommunikationsdienstleister, die beim Ausbau der 5G-Netze auf Technik des chinesischen Herstellers angewiesen sind. Auch Google (Ausfall der Lizenzgebühren für das Betriebssystem Android) und Microsoft (Bann umfasst die Nutzung der Suchmaschine Bing) sahen sich plötzlich mit massiven Gewinneinbrüchen konfrontiert. China rächte sich zusätzlich mit einem inoffiziellen Bann der in Hollywood produzierten Blockbuster. Das heißt, der Handelskrieg wirkte sich auf die Market-Timing-Strategien in Branchen aus, die auf den ersten Blick nicht in Fokus der Aufmerksamkeit standen. Die Konsequenz ist, dass die Anleger quasi „um die Ecke denken“ müssen. Das ist für den Laien nicht machbar.

Gibt es den optimalen Zeitpunkt für Market-Timing-Investitionen?

All die genannten Beispiele belegen bereits eindeutig, dass es einen idealen Zeitpunkt für Käufe und Verkäufe bei Market-Timing-Strategien in der Praxis nicht gibt. Anleger müssen bedenken, dass unsere kleine Vorstellung nicht alle wirksamen Einflussfaktoren enthält.

Auch „Mutter Natur“ hat bei der Entwicklung der Aktienkurse und Indizes ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Beispiele dafür sind die Aktien großer Reiseveranstalter. Sie erleben einen gewaltigen Kursrutsch, wenn komplette Zielregionen durch Tsunamis, Erdbeben oder andere Katastrophen zerstört werden. Die daraus resultierenden Folgen mindern außerdem die von Versicherern erzielbaren Gewinne. Handwerksunternehmen ziehen daraus dagegen erhebliche Vorteile. Wer die börslichen Nachwirkungen solcher Ereignisse ausnutzen will, muss sehr schnell handeln. Das erfordert eine Beobachtung der Nachrichten rund um die Uhr. Das können Privatanleger, Kleinfirmen und die meisten mittelständischen Unternehmen nicht leisten.

Studien beweisen: „Buy and Hold“- Strategien sind besser

Ein auf börsengehandelte Fondsanteile spezialisierter US-Finanzdienstleister hat sehr interessante Zahlen zum Vergleich der „Buy and Hold“-Strategie und der Market-Timing-Strategie veröffentlicht. Die dortigen Experten betrachteten die Entwicklung der Anlagenrendite über einen Zeitraum von mehr als drei Jahrzehnten. Die „Buy and Hold“-Strategie brachte danach mit einer durchschnittlichen Rendite von 5,9 % pro Jahr eine deutlich bessere Rendite als die Market-Timing-Strategie (knapp 4,8 % pro Jahr). Bei diesem Vergleich blieb der notwendige Zeitaufwand für die Sammlung und Auswertung der Einflussfaktoren komplett außen vor. Das heißt, in der Praxis ist die Differenz sogar noch deutlich größer.

Was kennzeichnet die „Buy and Hold“-Strategie?

Bei der „Buy and Hold“-Strategie ist langfristiges Denken bei den Geldanlagen angesagt. Dabei setzen die Investoren darauf, dass die Kurse trotz kurzfristiger Schwankungen über einen Zeitraum von fünf oder mehr Jahren steigen. Ein Blick auf die Entwicklung des DAX 30 Charts (Quelle: Börse Frankfurt) liefert den Beweis.

Wer 2009 in einen Fonds mit den DAX 30-Unternehmen investierte und seine Anteile 2019 verkaufte, durfte sich über eine Wertsteigerung um mehr als 200 Prozent freuen. Allerdings bringen viele Anleger die dafür notwendige Geduld nicht mit. Sie lassen sich durch kurzfristige Einbrüche verunsichern. Dass die „Buy and Hold“-Strategie besser als die Market-Timing-Strategie funktioniert, machen sich beispielsweise die Anbieter von fondsgebunden Lebensversicherungen und Rentenversicherungen zunutze. Eigens dafür fügen sie in die Vertragsklauseln das sogenannte „ablauforientierte Anlagemanagement“ ein.

Entwicklung des DAX 30 MAX

Diese Klausel verschafft ihnen die Möglichkeit, hohe Kurswerte in den letzten fünf Jahren der Laufzeit für die Verkäufe von Fondsanteilen zu nutzen. Die Versicherungen praktizieren das auch heute noch. Allein schon das ist ein Beweis, dass die „Buy and Hold“-Strategie funktionieren muss, denn ansonsten hätten die Versicherung diese Anlagestrategie schon längst aufgegeben.

Warum brauchen Unternehmen gute Anlagestrategien?

Finanzielle Reserven sind für jedes Unternehmen ein unverzichtbares Muss. Sie sind zum Abfangen von Umsatz- und Gewinnschwankungen genauso notwendig wie für die Vorbereitung größerer Investitionen. Dafür gibt es die sogenannten Rückstellungen, die mit steuerlichen Vorteilen verbunden sind. Warum sollten diese Gelder auf einem Girokonto liegen, wenn die Unternehmen damit eine Rendite erzielen können?

Ein wichtiger Anspruch ist allerdings eine gewisse Sicherheit bei der Bildung finanzieller Reserven. Allein schon deshalb empfehlen sich Anlageformen mit einem hohen spekulativen Risiko nicht. Genau darum handelt es sich aber bei den Market-Timing-Strategien. Das gilt insbesondere für die Investition in die Aktien einzelner Unternehmen. Mit der Investition in Fonds oder die Entwicklung von Indizes sinkt das Verlustrisiko, während gleichzeitig auch die möglichen Gewinne etwas niedriger ausfallen. Aber sie übertreffen üblicherweise die Rendite, die mit einer Anlage als Tagesgeld oder Festgeld erzielbar sind. Hinzu kommt, dass nicht jede Bank die Tagesgeldkonten und Festgeldkonten auch gewerblichen Kunden zugänglich macht.

Langfristige Sparpläne sind immer eine Überlegung wert

Bei der Market-Timing-Strategie muss das Geld auf Abruf zur Verfügung stehen. Anders lassen sich gute Zeitpunkte für Investitionen nicht nutzen. Bei der „Buy and Hold“-Strategie sind die Mittel, die in Geldanlagen fließen sollen, längerfristig für die Zukunft planbar. Ein guter Weg sind Sparpläne mit einer fixen Investitionssumme pro Zeitraum. Als ideale Lösung gelten völlig zutreffen Sparpläne, die zusätzlich jederzeit oder zu bestimmten Zeitpunkten einmalige Einlagen in beliebiger Höhe ermöglichen. Damit bekommen die Unternehmen die Möglichkeit, eine anvisierte Menge Kapital zu einem vorgegebenen Zeitpunkt zu erreichen. Die einmaligen Zahlungen und die Rendite sorgen für zusätzlichen finanziellen Spielraum, der für operative Reaktionen auf die allgemeine Marktlage und die Nachfrageentwicklung verwendet werden kann.

Fazit: „Buy and Hold“-Strategien versus Market-Timing-Strategien

Investitionen in Market-Timing-Strategien bergen ein hohes spekulatives Risiko und erfordern noch dazu einen erheblichen Zeitaufwand. Die damit erzielbare Rendite übertrifft langfristige „Buy and Hold“-Strategien nicht, sondern ist deutlich niedriger. Bei Market-Timing-Anlagestrategien wirkt eine Vielzahl von Einflussfaktoren, die ein Laie in Echtzeit gar nicht erfassen und auswerten kann. Die Auswirkungen dieser Einflussfaktoren relativieren sich bei „Buy and Hold“-Strategien und ziehen ein geringeres spekulatives Risiko nach sich. Market-Timing-Strategien bieten im Gegensatz zu den „Buy and Hold“-Strategien keine langfristige Planbarkeit der dafür notwendigen Mittel. Kurz gesagt: Längerfristige Anlagen sind in jeder Hinsicht die bessere Wahl.