Als Reaktion auf die Corona-Krise beschließt die Regierung milliardenschwere Rettungsprogramme für Unternehmen. Zugleich ist die Nachfrage nach bestimmten Waren um ein Vielfaches gestiegen. Vor diesem Hintergrund befürchten viele die große Inflation. Aktuell ist jedoch das Gegenteil der Fall. Die Inflationsrate in Deutschland sinkt im März auf 1,4 Prozent. Setzt sich der Trend fort, kann das folgenschwere Auswirkungen auf unsere Wirtschaft haben.

Warum sinkt die Inflationsrate?

Entscheidend für die Inflationsrate ist der Verbraucherpreisindex, die Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte zu Konsumzwecken kaufen. Vereinfacht gesagt gilt: Fallen die Preise, sinkt die Inflationsrate. Die meisten Warengruppen zeigen im März jedoch sogar eine Tendenz nach oben. Laut Statistischem Bundesamt hat die Teuerungsrate bei Wohnungsmieten von 1,4 Prozent auf 1,5 Prozent zugelegt. Nahrungsmittel steigern sich von 2,2 Prozent auf 3,7 Prozent. Aufgehoben wird diese positive Tendenz durch die Energiepreise: Hier sinkt der Preisindex von 2,0 im Februar auf -0,9 im März.

Die Ölkrise als entscheidender Faktor

Auslöser für sinkende Inflationsrate und den Preissturz ist ein Preiskrieg zwischen Russland und Saudi-Arabien. Die OPEC-Mitglieder hatten sich am 6. März getroffen, um die Fördermenge zu verknappen und den Markt zu stabilisieren. Die Verhandlungen scheiterten, die Staaten gingen ohne gemeinsamen Beschluss auseinander. Bereits am folgenden Handelstag stürzte der Ölpreis von 42 auf knapp 30 Dollar. Saudi-Arabien drohte die Produktion weiter zu erhöhen. Russland reagierte mit Lockerungen der Auflagen. Die Verhandlungen laufen.

Aktuell übersteigt das Angebot die Nachfrage um ein Vielfaches. Jim Burkhard von der Analysefirma IHS Markit spricht gegenüber Bloomberg von einem Überangebot von 800 Millionen bis 1,3 Milliarden Fass. Das würde den bisherigen Rekord von 300 Millionen Fass über einen Zeitraum von einem halben Jahr weit übertreffen.

Der Einfluss der Corona-Krise

Verstärkt wird der negative Effekt des Preiskriegs durch die Corona-Krise. Die Weltwirtschaft steht still – und braucht wesentlich weniger Öl als erwartet. Weil fast alle Industrieländer dazu aufrufen, Fahrten und Reisen auf ein Minimum zu reduzieren. Oder weil nicht produzierende Fabriken keine Energie verbrauchen und weniger Waren entstehen, die transportiert werden müssen. Dadurch ergibt sich ein Dominoeffekt, der die gesamte Wirtschaft durchzieht.

Neben dem Ölpreis wirkt die Zwangspause der Wirtschaft negativ auf Umsätze und damit Löhne. Mehr als 2500 Anträge auf Hilfskredite mit einem Volumen von größer 10,6 Milliarden Euro liegen der KfW vor. Über eine halbe Million Unternehmen haben bereits einen Antrag auf Kurzarbeit für ihre Mitarbeiter gestellt. Aber wer nicht verdient, konsumiert auch nicht. So liegt aufgrund der Kontaktbeschränkungen nicht nur die Produktion, sondern auch der Konsum brach. Der Preisdruck steigt, was eine weiter sinkende Inflationsrate begünstigt.

Was ist so schlimm an einer sinkenden Inflationsrate?

Die aktuelle Inflationsrate von 1,4 Prozent ist kein neuer Tiefpunkt. Sie entspricht vielmehr dem Durchschnitt von 2019. Bereits im Oktober und November letzten Jahres hatte der Anstieg der Verbraucherpreise seinen niedrigsten Wert erreicht und lag bei 1,1 Prozent. Verantwortlich waren auch hier die gesunkenen Energiepreise, die sich um durchschnittlich 21,1 Prozent verbilligt hatten. Nach Ansicht mancher Ökonomen waren diese wiederum auch der Grund für die positive Tendenz im Dezember: Die Inflationsrate stieg auf 1,5 Prozent. Dieser Aufwärtstrend setzte sich zu Beginn von 2020 fort, als die Teuerungsrate im Januar und Februar weiter auf 1,7 Prozent kletterte.

Warum die optimale Inflationsrate nicht bei null liegt

Aus Verbrauchersicht ist eine möglichst geringe Inflation sehr vorteilhaft. In den Augen der Europäischen Zentralbank (EZB) liegt der optimale Wert für den Euro-Raum jedoch bei knapp weniger als 2,0 Prozent: unter einer nachteiligen zu hohen Inflation und weit genug entfernt von einer Deflation, dem anhaltenden signifikanten Rückgang des Preisniveaus.

Im verkleinerten Puffer zur gefährlichen Null sehen Ökonomen auch die große Gefahr einer dauerhaft zu niedriger Inflationsrate. Schon ein verhältnismäßig geringer Schock kann die Wirtschaft abrutschen lassen. Die Folge einer Deflation ist eine verheerende Abwärtsspirale, die das Wirtschaftswachstum bremst: Die Hoffnung auf weiter sinkende Preise verleitet dazu, Investitionen und Käufe aufzuschieben. Dadurch sinken die Umsätze und Gewinne. Die Unternehmen können selbst weniger investieren und müssen gegebenenfalls Mitarbeiter entlassen. Ist durch eine hohe Arbeitslosigkeit weniger Geld im Umlauf, sinkt die Nachfrage weiter und drückt die Preise. Die Konjunktur wird geschwächt, die Steuereinnahmen sinken während Belastungen durch Schulden und Sozialleistungen zunehmen.

Japan als Beispiel für die Folgen einer Deflation

Ein abschreckendes Beispiel für diesen Teufelskreis ausfallenden Preisen und sinkenden Investitionen ist Japan. Durch das Platzen einer spekulativen Finanz- und Immobilienblase rutschte das Land in den 1990er Jahren in eine Deflation, von der es sich noch immer erholt: Nachdem der Nikkei-Index rasant gefallen war, begannen die Konsumenten zu sparen. Durch den ausbleibenden Konsum waren die Produktionskapazitäten nicht ausgelastet. Die Unternehmen verzeichneten geringere Gewinne. Die Arbeitslosigkeit stieg sprunghaft an genauso wie die Verschuldung des Staates und. Die Wachstumskräfte des Landes sind bis heute gehemmt.

Wie wirkt sich die absinkende Inflationsrate auf Unternehmen aus?

Die Folgen für Unternehmen liegen auf der Hand: Je tiefer die Inflationsrate sinkt, desto eher verzichten Konsumenten in der Hoffnung weiter zurückgehender Preise auf den Kauf von Gütern und Dienstleistungen. Mit der Nachfrage sinken die Gewinne. Darüber hinaus entsteht ein Preisdruck, der den Umsatz noch weiter nach unten treibt. Natürlich erwarten Kapitalgeber auch weiterhin steigende Renditen – egal ob Sie selbst diese Rolle einnehmen oder finanziert werden. Weder eine Steigerung des Preises noch der Menge sind in dieser Situation ein Ausweg. Der Druck die Kosten zu reduzieren steigt. Viele Fixkosten lassen sich jedoch nicht weiter reduzieren und werden zum Problem. Zugleich halten neben den Konsumenten auch viele Kapitalgeber ihr Geld zurück.

Muss man vor der derzeitige Inflationsrate Angst haben?

Natürlich wäre eine höhere Inflationsrate wünschenswert. Beängstigend ist jedoch weniger die aktuelle Teuerungsrate von 1,4 Prozent. Mit dieser waren die deutschen Unternehmen bereits im Vorjahr konfrontiert. Trotz der nicht ganz optimalen Lage meldeten die Amtsgerichte 2019 2,9 Prozent weniger Insolvenzen. Zugleich setzen die Regierungen weltweit der Panik auf den Märkten durch die Corona-Krise laufend neue Hilfe entgegen. Entscheidend für die Frage, wie beruhigend diese Maßnahmen sein können und ob sich die Inflationsrate noch negativer entwickelt, ist vielmehr der Faktor Zeit. Wie lange wird das Corona-Virus die Wirtschaft zum Stillstand zwingen?

Inflationsprognose 2020

Aufgrund der unsicheren Lage sind sich Ökonomen nur in ihrer Prognose für die nächste Zeit verhältnismäßig einig. Kurzfristig gehen die Europäische Zentralbank (EZB) und Experten wie Commerzbank-Volkswirt Dr. Ralph Solveen laut Handelsblatt davon aus, dass die Inflationsrate weiter sinkt. Vorstellbar ist, dass sie gegen null geht. Ausschlaggebend ist der Ölpreis. So lange dieser auf dem aktuell niedrigen Niveau bleibt, sehen Experten keinen Anstieg der Inflation.

Mittel- und langfristige Prognosen sind hingegen schwieriger. So äußerte EZB-Präsidentin Christine Lagarde in einer Pressekonferenz: „Der Effekt der Corona Krise ist mit größter Unsicherheit behaftet.“ Denn es gibt sowohl Indizien, die für einen weiteren Rückgang sprechen, als auch Gründe für eine verstärkte Inflation. Auf der einen Seite dämpft die schwächere Nachfrage aufgrund der Krise die Preisentwicklung. Auf der anderen Seite können Versorgungsstörungen und ein weniger globales Warenangebot die Preise nach oben treiben. Die hohen Ausgaben von Regierungen unterstützen den Trend. Entscheidend ist auch die Dauer des Stillstandes. Können Fabriken schnell wieder produzieren, holen sie den Rückstand leichter auf und eine starke Inflation ist unwahrscheinlich. Dauert die Pause noch Monate und gleichen die Regierungen die Ausfälle kontinuierlich aus, ist die Inflationsgefahr hoch.

Das können Unternehmer tun, um sich zu schützen

Während die Corona-Krise die Wirtschaft auf Stillstand schaltet, lohnt es sich, aktiv zu werden. So können Sie als Unternehmer die Auswirkungen der Krise reduzieren.

Hilfe digital beantragen

Schnell verfügbare Liquidität ist in Krisen eines der wichtigsten Instrumente. Der beschlossene Rettungsschirm bietet Sonderprogramme der bundesweiten Förderbank KfW und landesweiter Förderbanken. Vergleichen Sie die Konditionen online und stellen Sie den Antrag digital. So kommen Sie schneller an die Hilfen. Gerne unterstützen wir Sie dabei.

Flexibel bleiben

Nicht alle Branchen sind von den negativen Auswirkungen der Krise betroffen. In manchen ist die Nachfrage besonders hoch. Viele Unternehmen reagieren kreativ und passen Ihr Angebot den aktuellen Anforderungen an. Suchen Sie bewusst nach alternativen Möglichkeiten.

In geringere Kosten investieren

Auch durch das Senken der Kosten lässt sich der Gewinn steigern. Betrachten Sie Ihre Kosten daher kritisch: Gibt es beispielsweise Prozesse, die sich optimieren lassen? Auch eine Investition in eine Neuerung kann hier durchaus sinnvoll sein. Bei der Finanzierung helfen wir Ihnen bei FinCompare gerne weiter.

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Die Alleinstellung stärken

Der hohe Preisdruck trifft vor allem Unternehmen stark, die ihre Produkte über ihren Preis positionieren. Natürlich kann aber beispielsweise auch eine besondere Qualität oder ein einzigartiges Feature einen Kaufanreiz schaffen. Betrachten Sie Ihr Angebot daher kritisch, entwickeln sie ihre Stärken weiter oder betonen Sie diese deutlicher.