Green Bonds: Wie grün sind sie wirklich?

Grüne Anleihen

Das Segment der Green Bonds hat in den vergangenen Jahren eine beachtliche Dynamik erlebt. Mit Green Bonds investieren Anleger ihr Geld in Projekte, die bestimmte ethisch-ökologische Aspekte beachten. Dieser Beitrag erklärt, was Green Bonds sind, welche Definitionen es für die Verwendung der Mittel gibt, wo der Unterschied zu anderen Nachhaltigkeitssegmenten des Finanzmarkts liegt und wie sich Green Bonds in Zukunft entwickeln könnten.

Was sind Green Bonds?

Green Bonds, zu Deutsch Grüne Anleihen, versprechen Anlegern, dass das gesamte eingenommene Geld in klimafreundliche Projekte fließt. Das Segment ist in den vergangenen Jahren recht deutlich gewachsen. Ca. 170 Milliarden USD soll das Volumen des Marktes verschiedenen Schätzungen zufolge umfassen. Im Jahr 2016 wurden neue Green Bonds im Wert von 81 Milliarden USD emittiert. 2013 waren es noch 11 Milliarden USD.

Gemessen am Gesamtvolumen des Anleihemarktes beträgt das Marktvolumen der grünen Investitionen jedoch lediglich 2 %. Dennoch ist der Markt groß genug für Anleger mit entsprechenden Präferenzen.

Es gibt keine ganz einheitliche Definition über die Beschaffenheit von Green Bonds. Im Kern werden die mit diesen Anleihen erhaltenen Mittel in Projekte investiert, die Ökologie- und Klimaschutzziele verfolgen. Sehr häufig werden Mittel zum Beispiel in erneuerbare Energien wie Fotovoltaik und Windkraft investiert.

Emittenten von Green Bonds sind zum Beispiel öffentliche Förderbanken, Geschäftsbanken, Einzelunternehmen, Staaten oder internationale Organisationen wie IWF oder Weltbank.

Seit wann gibt es die grünen Anleihen?

Die Historie der grünen Anleihen reicht bis ins Jahr 2001 zurück und beginnt in San Francisco. Dort wurden sogenannte Solar Bonds aufgelegt. Diese sollten zur Finanzierung erneuerbarer Energien und zu Energieeinsparungen bei Geschäftsimmobilien, Privathäusern und Regierungsgebäuden dienen.

Im Jahr 2007 emittierte die Europäische Investitionsbank (EIB) eine mit einem Aktienindex verbundene Anleihe.

Der sogenannte Climate Awareness Bond sollte zur Finanzierung erneuerbarer Energien und Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz dienen. Im Jahr 2008 folgt die Weltbank mit dem ersten so bezeichneten Green Bond. In den Folgejahren kam es zu erheblichem Wachstum des Segments.

Wie groß ist der Markt?

Da keine einheitliche Definition existiert, gibt es auch Statistiken mit unterschiedlichen Aussagen zur Größe des Gesamtmarktes. Die Ratingagentur Moody´s erwartet für das Jahr 2019 ein Gesamtemissionsvolumen im Bereich von 250 Milliarden USD. Die Climate Bonds Initiative veröffentlichte für das erste Quartal 2019 eine eigene Statistik. Demnach wurden im ersten Quartal des Jahres Anleihen im Volumen von 47,9 Milliarden USD begeben. Dies stellt einen Zuwachs in Höhe von 42 % gegenüber dem ersten Quartal 2018 dar. Demnach wurden 285 Green Bonds durch 122 Emittenten begeben. 23 % des Volumens entfielen dabei auf erstmalige Emittenten in diesem Bereich. Der größte einzelne Green Bond wurde demnach durch die Societe du Grand Paris begeben. Das Papier wies ein Volumen in Höhe von 2,3 Milliarden USD auf. Frankreich, Indonesien und Polen begaben als Länder wiederholt Green Bonds.

Unterschied zu Nachhaltigkeitsanlagen

Nachhaltigkeit ist an den Finanzmärkten bereits seit vielen Jahren ein Thema. Es gilt zum Beispiel diverse Sustainability Indices, die ausschließlich in Aktien oder Anleihen von Emittenten investieren, die bestimmte Kriterien erfüllen. Nachhaltigkeitskriterien sind allerdings weitaus breiter gefasst als die Ziele von Green Bonds. Ein Unternehmen kann zum Beispiel bereits als nachhaltig gelten, wenn es nicht in der Rüstungsindustrie aktiv ist, nicht in Glücksspiel investiert oder Kinderarbeit zuverlässig ausschließt. Prinzipiell kann eine Nachhaltigkeitsanleihe von Unternehmen fast jeder Branche begeben werden. Die Erlöse aus diesen Anleihen können auch zu beliebigen Zwecken verwendet werden. Die Verwendung der Mittel von Green Bonds ist damit weitaus enger gefasst.

Verschiedene Definitionen für Green Bonds

In der offiziellen Regulierung spielen die grünen Anleihen bislang keine Rolle. Finanzaufsichtsbehörden wie die BaFin prüfen so zum Beispiel nicht, ob bestimmte Kriterien erfüllt werden oder nicht. Dies gilt allerdings auch für die meisten Nachhaltigkeitsprodukte am Finanzmarkt. Theoretisch könnte jeder Emittent eine Anleihe als Green Bond bezeichnen. Stattdessen gibt es verschiedene Rahmenwerke unterschiedlicher Organisationen.

Wie problematisch die Abgrenzung mitunter ist, zeigt etwa der Solactive Green Bond EUR USD IG Index. Dieser enthält mehr als 100 sogenannte Green Bonds. Viele dieser Anleihen wurden allerdings von Unternehmen emittiert, die nicht ins Raster grün orientierter Anleger passen dürften. Auf der Liste finden sich zum Beispiel konventionelle Energieversorger, Banken mit starkem Bezug zur Finanzierung von Kohleenergie und andere, dem Image nach nicht grüne Unternehmen.

Green Bond Principles

Die Green Bond Principles (GBP) sind ein freiwilliger Standard für Emittenten von Green Bonds. Die GBP listen Empfehlungen für die Verwendung der mit den Anleihen erlösten Geldern auf. Diese sollen demnach in erneuerbare Energien, sauberen Transport, energieeffiziente Gebäude oder die Anpassung an den Klimawandel investiert werden. Die GBP werden häufig kritisiert. Kritikern fehlt es an konkreten, eindeutigen Formulierungen und an einer Offenlegungspflicht. Emittenten von Green Bonds sollen den Empfehlungen zufolge einmal pro Jahr Auskunft über die Mittelverwendung geben. Dazu besteht jedoch keine Verpflichtung.

Climate Bond Initiative

Das Kürzel CBI steht für Climate Bonds Initiative und wird durch die gleichnamige, gemeinnützige Ordination vergeben. Das Zertifizierungsschema orientiert sich an den Fairtrade Siegeln im Lebensmitteleinzelhandel. Die  CBI definiert etwas genauer, was sie unter grünen Anleihen versteht. Die Mittel sollen auch hier für regenerative Energien, klimafreundlichen Transport und Projekte zur Anpassung an den Klimawandel verwendet werden. Das Rahmenwerk beinhaltet einige weitere technische Kriterien, die die Definitionen präziser machen sollen. Genauso wie die GBP berücksichtigt jedoch auch die CBI nicht die sozialen Auswirkungen der mit den Anleihen finanzierten Investitionen. Zudem spielt es für die Beurteilung einer Anleihe keine Rolle, wer Emittent ist. So könnte ein in der Kohlefinanzierung stark vertretenes Unternehmen einen CBI zertifizierten Green Bond auflegen, wenn es gleichzeitig peripher in Windkraftanlagen investiert.

Second Party Opinions

Wie auch bei jeder anderen Anleiheemission steht es Anlegern frei, vor dem Kauf die Meinung Dritter einzuholen. Bei diesen Dritten kann es sich zum Beispiel um Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Ratinginstitute mit Fokus auf Nachhaltigkeit, Umweltinstitute etc. handeln. Diese können eine Einschätzung darüber abgeben, ob der Green Bond tatsächlich die gewünschten Kriterien erfüllt. Allerdings gibt es hier keine festgelegten, einheitlichen Kriterien.

Green Bond ETFs

Anleger haben verschiedene Möglichkeiten zur Investition in die grünen Anleihen. Eine dieser Möglichkeiten sind börsengehandelte Indexfonds (ETFs). Deren Vorteil liegt in der breiteren Diversifikation im Vergleich zu einem Einzelinvestment. Es gibt zwei relativ bekannte Green Bond Indices, auf die sich ETFs beziehen. Einer davon ist der BBG Barclays Global Green Bond Index. Der zweite ist der Solactive Green Bond EUR USD IG Index.

BBG Barclays Global Green Bond Index

Im BBG Barclays Global Green Bond Index sind mehr als 360 verschiedene Wertpapiere vertreten. Auf den Index gibt es einzelne ETFs – zum Beispiel von der Fondsgesellschaft iShares. Die größte Position mit einem Anteil von 8,12 % am Index ist eine Anleihe der Republik Frankreich. Die Anleihe weist eine Laufzeit bis 2039 und einen jährlichen Zinskupon in Höhe von 1,75 % auf. Weitere große Positionen sind Anleihen der Staaten Belgien und Niederlande sowie Papiere der Europäischen Investitionsbank, der Irischen Republik und der Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Solactive Green Bond EUR USD IG

Ein weiterer Green Bond Index ist der Solactive Green Bond EUR USD IG. Auch auf diesen Index gibt es bereits ETFs, etwa von der Fondsgesellschaft Lyxor. Der Index beinhaltet Green Bonds mit Investment Grade Rating. Diese werden durch Staaten, internationale Unternehmen und Entwicklungsorganisationen emittiert und lauten auf Euro oder US-Dollar. Die Erlöse der Bonds sollen ausschließlich in umweltfreundliche Projekte fließen. Maßgeblich sind dabei die Standards der CBI.

Es gibt erhebliche Überschneidungen zum BBG Barc Global Green Bond Index. Den größten Anteil am Fonds macht eine französische Anleihe (FRTR 1 3/4 06/25/39) aus. 10,36 % des Portfolios entfallen auf diese Anleihe. Es handelt sich um dieselbe Anleihe, die auch in dem anderen Index die größte Position darstellt.

Green Bonds an der Frankfurter Börse

An der Frankfurter Börse gibt es seit dem Jahr 2018 ein eigenes Segment für Green Bonds. Maßgeblich für die Zuordnung einer Anleihe zu diesem Segment sind für die Frankfurter Börse die Green Bond Principles der International Capital Markets Association. Etwa 150 Anleihen an der Börse Frankfurt fallen in das Segment.

Auf der Liste der Emittenten finden sich zum Beispiel die KfW, die europäische Investitionsbank (EIB), die Japanische Entwicklungsbank, die Bank of China und der Staat Polen. Es gibt in dem Segment Anleihen mit sehr unterschiedlichen Laufzeiten.

Spezifische Risiken in Investments in Green Bonds

Es gibt verschiedene spezifische Risiken von Investments in die grünen Anleihen. Ein Risiko besteht darin, dass das Segment derzeit im Trend liegt und sich viele Anleger dafür interessieren. In Kombination mit den oft schwammigen Definitionen darüber, was ein Green Bond leisten muss, ergibt sich daraus das Risiko einer Falschdeklarierung. Ein Emittent könnte eine Anleihe ganz legal als grün deklarieren, obwohl die Mittel gar nicht im Sinne von Umwelt und Klimaschutz verwendet werden. Anleger würden dann eines ihrer Anlageziele, nämlich die Beteiligung an diesen Projekten, verfehlen.

Dasselbe gilt auch für Staaten. Der erste Staat, der eine grüne Anleihe emittierte, war Polen. Das Land ist bei Klimaschützern gleichzeitig als großer Emittent von CO2 bekannt, da ein Großteil der Energieversorgung auf Kohle basiert.

Viele Anleger möchten darüber hinaus ihr Geld keinesfalls Unternehmen zur Verfügung stellen, die in bestimmten Bereichen wie zum Beispiel Kohle und Atomenergie aktiv sind. Unternehmen, die in diesem Bereich aktiv sind, können jedoch durchaus Green Bonds emittieren. Dies gilt etwa für Energieversorger, die neben Kohlekraftwerken auch Windparks betreiben und diese mit einer grünen Anleihe finanzieren.

Diversifiziertes Portfolio

Anleger sollten generell den Diversifikationsgedanken beachten. Es verbietet sich, einen zu großen Anteil des Portfolios in ein einzelnes Segment zu investieren. Wer ausschließlich in Anleihen von Energieversorgern, Windparkbetreibern etc. investiert, trägt ein erhebliches Clusterrisiko.

Wer ausschließlich nach dem Kriterium die grünen Anleihen auswählt, stößt möglicherweise auf welche mit kleinerem Volumen und geringer Liquidität. Bei diesen Anleihen bestehen zusätzlich Liquiditätsrisiken. Eine solche Anleihe kann womöglich nicht zu einem angemessenen Preis verkauft werden, weil sich kein Käufer findet.

Allgemeine Risiken bei Anleihen

Zusätzlich zu den spezifischen Risiken gibt es die allgemeinen Risiken von Investitionen in Anleihen. Anleihen sind während der Laufzeit einem Kursrisiko ausgesetzt. Sinkt zum Beispiel das allgemeine Zinsniveau am Markt während der Laufzeit deutlich, führt dies zu zwischenzeitlichen Kursverlusten eine Anleihe. Bei Anleihen in Fremdwährung besteht darüber hinaus ein Wechselkursrisiko. Investieren Anleger zum Beispiel in eine in USD denominierte Anleihe und sinkt der Wechselkurs des USD gegenüber dem Euro, fällt allein dadurch ein Verlust an. Der Kurs einer Anleihe kann während der Laufzeit darüber hinaus schwanken, wenn Zweifel an der Bonität des Emittenten aufkommen.

Keine Einlagesicherung

Darüber hinaus besteht das Risiko, dass ein Emittent seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann und die Anleihe ganz oder teilweise ausfällt. Im Fall einer Insolvenz des Emittenten fließen die Ansprüche der Anleihegläubiger in die allgemeine Insolvenzmasse ein. Eine Einlagensicherung besteht nicht. Vor allem bei nachrangigen Anleihen ist nicht mit einer nennenswerten Bedienung aus der Insolvenzmasse zu rechnen.

So sieht die Zukunft der Green Bonds aus

Prognosen sind schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen. Dennoch lassen sich einige grundsätzliche Trends in diesem Bereich erkennen. Das Marktvolumen steigt. Das Interesse der Anleger wächst. Dabei interessieren sich sowohl private als auch institutionelle Anleger für das Segment. Deshalb ist mit einem weiteren Gewinn von Marktanteilen für Green Bonds am gesamten Anleihemarkt zu rechnen.

Die Bäume wachsen allerdings nicht in den Himmel. Die grünen Anleihen sind noch relativ junge Produkte mit entsprechend vielen Kinderkrankheiten. Ein Schwachpunkt ist insbesondere der Mangel an eindeutigen Zertifizierungen. Dieser Mangel erschwert auch die Zuordnung von Anleihen in das Segment. Viele begebene Anleihen dürften aus Sicht engagierter Investoren gar nicht zur Kategorie gehören. Dies gilt etwa für Green Bonds von Energieversorgern, die auch konventionelle Energie mit Kohle, Gas und Co. erzeugen.

Für die Zukunft dürfte entscheidend sein, ob es gelingt, ein entsprechendes Segment thematisch eindeutig abzugrenzen. Gelingt dies und stehen Anlegern irgendwann einfache Produkte mit breiter Diversifikation und geringem Risiko zur Verfügung, sollte das Segment weiteren Auftrieb erhalten.

Fazit: Green Bonds gehört ein kleines Stück der Zukunft

Es handelt sich um Anleihen, deren Erlöse für Investitionen in klimafreundliche und ökologische Projekte verwendet werden. Anleger erhalten zusätzlich zur Verzinsung somit einen Zusatznutzen in Form eines guten Gewissens. Das Green Bond Segment konnte in den vergangenen Jahren deutliches Wachstum verzeichnen. Mittlerweile gibt es an der Frankfurter Börse ein eigenes Segment. Auch ETFs auf große Green Bond Indices sind dabei verfügbar. Ein Schwachpunkt des Segments ist der Mangel an klaren Leitlinien für die Klassifikation eine Anleihe als Green Bond. Bislang gibt es eher schwammige Empfehlungen, die zum Beispiel Betreiber von Kohlekraftwerken nicht als Emittenten ausschließen.