Food-Startups auf Wachstumskurs: erfolgreich in Trends investieren

investitionen in die lebensmittelbranche

Die Lebensmittelbranche in Deutschland ist in Bewegung. Zahlreiche Akteure investieren in Food-Startups oder entwickeln selbst neue, innovative Produkte. Das Ziel der Unternehmen ist klar: Mit Innovationen soll endlich neues Wachstum geschaffen werden. Gelingt der Lebensmittelbranche, weist einstmals Dr. Oetker und Co. mit der Tiefkühlpizza gelang? Dieser Beitrag informiert über wichtige Trends bei Food-Start-ups, Gründe für Investitionen in die Unternehmen und Wege, diese Investitionen zu stellen.

Lebensmittelbranche: Die Großen investieren in Food-Startups

Es muss nicht immer gleich bei Beyond Meat sein. Das US-amerikanische Unternehmen stellt fleischfreie Burger her und hat an der Börse einen Kometenstart hingelegt. Doch schon lange vor dem rasanten Zugewinn an Marktkapitalisierung bei Beyond Meat waren viele Augen auf Food-Startups gerichtet. Die Story: Mit einer neuen Technologie, einer neuen Idee oder einer anderen Innovation können im besten Fall Produkte mit hohen Margen an ein internationales Millionenpublikum verkauft werden.

FoodTech ist in. Es gibt zahlreiche Größen aus der Lebensmittelbranche, die in Food-Startups investieren. Ein Beispiel dafür ist der Marmeladenhersteller Zentis. Dieser möchte künftig als Investor auftreten und in innovative Unternehmen investieren. Döhler Ventures ist Zentis schon um Jahre voraus. Die Beteiligungsfirma des gleichnamigen Herstellers von Aromen hat seit dem Jahr 2014 in dutzende Startups investiert. Die Investoren legen dabei bis zu 600.000 EUR für Anteile an jungen Unternehmen auf den Tisch und beteiligen sich mit bis zu 20 %.

Die Liste der bekannten Namen aus der Lebensmittelbranche mit Ambitionen im FoodTech-Bereich ist lang. Oetker Digital startete 2016 eine eigene Digitalsparte. In dieser wurden unter anderem der Getränkelieferservice Durstexpress und der Tiefkühllieferdienst Juit erschaffen. Der Süßwarenhersteller Katjes rief vor einigen Jahren die hauseigene Venture Capital Gesellschaft Katjesgreenfood ins Leben. Weitere Akteure sind zum Beispiel Wiesenhof und Jägermeister.

Die 2 Megatrends der Food-Startups: Neue Produkte + Lieferservices

Bei Food-Startups geht es im Wesentlichen um zwei Trends der Lebensmittelbranche. Der erste Trend bezieht sich auf neue Produkte. Hier stehen häufig Produkte mit Bezug zu Nachhaltigkeit, veganem oder vegetarischem Leben, Klimaschutz etc. im Vordergrund. Der zweite Trend bezieht sich auf die Lieferung der Produkte zum Kunden. Hier geht es darum, den Lebensmittelmarkt ins Internet zu verlagern. Bislang entfällt auf Lebensmittellieferdienste rund ein Prozent des deutschen Lebensmittelmarktes. Alle Akteure der Branche sind sich sicher, dass mittelfristig 10 % möglich sind. Bisherige Versuche verliefen jedoch bescheiden. Tengelmann war in Berlin und München mit der Marke Bringmeister aktiv. Diese Marke gibt es heute immer noch. Eine bundesweite Ausdehnung steht jedoch noch lange nicht auf den Plan. Auch Rewe bietet Lieferservices an.

Viele andere Marken im Bereich Online-Supermarkt punkten eher mit hochpreisigen Produkten und fallen durch hohe Lieferkosten auf. Bislang ist es nicht gelungen, dass deutsche Konzept eines Supermarktes 1:1 auf die Lieferung an die Haustür zu übertragen – jedenfalls nicht flächendeckend. Das niederländische Unternehmen Picnic tritt nun  in einigen Städten auf den deutschen Markt. Das Unternehmen will mit speziellen Lieferfahrzeugen und einer abgestimmten Logistik schnell und kostengünstig liefern. Ob der Versuch Erfolg verspricht, steht noch aus. Ungeachtet dessen zeichnet sich ein Trend ab: In einigen Jahren werden sehr viel mehr Menschen Lebensmittel online bestellen als heute. Der Bedarf ist in ganz unterschiedlichen Zielgruppen vorhanden. Berufstätige sparen durch Lieferung an die Haustür Zeit, weniger mobile Menschen ersparen sich den mühsamen Weg zum Supermarkt.

Die Lebensmittelbranche: Zahlen und Fakten

Die Lebensmittelbranche in Deutschland zählt zu den größten Sektoren der inländischen Volkswirtschaft. Sie zählt 700.000 Betriebe, 170.000 Produkte und 5,8 Millionen Beschäftigte – jedenfalls sind das die aktuellen Zahlen des wichtigsten Branchenverbands. Allerdings bezieht sich diese Angabe auf die gesamte Wertschöpfungskette. Diese beginnt direkt im Anschluss an die Leistungen der Landwirtschaft im Lebensmittelhandwerk. Dieses verarbeitet 84 % der durch die Landwirtschaft geschaffenen pflanzlichen und tierischen Rohstoffe weiter. Über Lebensmittelgroßhandel und Lebensmitteleinzelhandel werden die Produkte an gewerbliche und private Kunden verkauft.

Wie steht es um Food-Startups in Deutschland?

Das Interesse der Branche an Food-Startups ist groß. Ein Beispiel dafür ist der Lebensmittelriese Edeka. Dieser eröffnete im November 2018 den ersten Startup Campus. Dieser wurde speziell für Food-Startups ausgelegt. 130 Arbeitsplätze lässt sich das Unternehmen das Projekt kosten. Auf dem Food Campus gibt es eine offene Küche für Test, Entwicklung und Marketing.

Der deutsche Startup-Verband widmet FoodTechs mittlerweile eine eigene Plattform. Diese zählt mittlerweile mehr als 40 Mitglieder. Plattformsprecherin Jewell Sparks wird auf der Homepage des Verbands zitiert:

Es war dringend geboten die Plattform Food und FoodTech innerhalb des Startup-Verbandes zu gründen, da sich die disruptiven Trends im Hinblick auf die Produktion von neuen CPGs (Consumer Packaged Goods), innovativer Lebensmittelproduktionsverfahren und -techniken und die Nutzung von Biotechnologie zurzeit massiv durchsetzen. Sorgen bezüglich Klimawandel, Lebensmittelproduktion, Lebensmittelverschwendung und Nachhaltigkeit werden immer präsenter. Wir wollen mit dieser neuen Plattform die Lücken zwischen Gründern, Investoren, Regierung und Konzernen schließen, um Markenbildung, Wachstum und Entwicklung für Startups aus dem Food-Bereich zu ermöglichen.“

Es wäre unmöglich, an dieser Stelle eine vollständige Liste der in Deutschland ansässigen Food-Startups zu liefern. Die nachfolgende Liste hebt deshalb keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wurde willkürlich ausgewählt. Sie soll verdeutlichen, wie die Unternehmen arbeiten und was Konsumenten von einem solchen Startup erwarten können.

Auswahl in Deutschland ansässiger Food-Startups:

  • Roots and Fruits

Roots and Fruits ist ein Hersteller sogenannter Supershots. Dabei werden Obst und Gemüse unter Hochdruck kaltgepresst. Dadurch sollen die Vitamine und das Produkt an sich länger haltbar sein.

  • PÄX

PÄX produziert Snacks aus Obst und Gemüse.

  • MyChipsbox

MyChipsbox stellt Snacks aus klassischen Chips und getrockneten Früchten her.

  • Foodist

Bei Foodist gibt es verschiedene Snackboxen. Themen sind zum Beispiel bestimmte Länder. Das Startup arbeitet dabei mit kleinen Manufakturen zusammen und will dadurch den lokalen Handel unterstützen.

  • Hello Fresh

Hello Fresh versendet Obstboxen an Privatkunden und Unternehmen. Die Boxen können für unterschiedliche Intervalle abonniert werden.

  • Froogies Fruchtpulver

Froogies Fruchtpulver stellt mit einem speziellen Verfahren Fruchtpulver her. Dieses wird mit Wasser gemischt und ergibt dann einen Smoothie.

  • Eat Performance

Eat Performance adressiert Anhänger der Paleo Ernährung. Diese finden dort Müsli, Snacks, Suppen und vieles mehr.

  • LYCKA

LYCKA produziert Frozen Joghurt und Powerriegel zu 100 % Bio. Das Besondere am Startup: Mit jedem verkauften Produkt wird eine Schulmahlzeit in Burundi finanziert.

  • Kale & Me

Kale & Me will Verbrauchern Saftkuren erleichtern. Dazu gibt es täglich sechs Säfte und eine Anleitung. Auf jedem Saft ist eine Nummer aufgedruckt. Alle 2 Stunden trinken Anwender einen Saft.

  • KONKRUA

KONKRUA will thailändisches Essen in deutsche Küchen bringen. Angeboten werden fertige Mahlzeiten, die direkt aus Thailand importiert werden. Geworben wird mit dem Verzicht auf Glutamat und Konservierungsstoffe sowie mit Kochtipps echter Thailänder.

In Lebensmittelhersteller- und Händler investieren

Unternehmen aus der Lebensmittelbranche können selbst in andere Unternehmen investieren. Investitionen in Hersteller und Händler können bei gutem Verlauf das Wachstum ankurbeln und die eigene Marktposition verbessern.

Warum lohnt sich eine Investition in diese Branche?

Die Lebensmittelbranche bietet generell attraktive Perspektiven. Zum einen ist die Branche relativ konjunkturunabhängig und damit weniger anfällig für Krisen. Zum anderen gibt es viele Megatrends, die sich unmittelbar auf Lebensmittel auswirken. Einer dieser Megatrends ist das globale Bevölkerungswachstum. Bis zum Jahr 2050 wird die Weltbevölkerung absehbar auf 10 Milliarden Menschen anwachsen. Gleichzeitig ist das Angebot an nutzbarer Agrarfläche begrenzt. Neben anderen Branchen kann auch die Lebensmittelbranche darauf Antworten bieten. So könnten ressourcenschonende und zugleich vom globalen Konsumenten weitreichend akzeptierte Produkte entwickelt werden, die ressourcenintensivere Nahrung substituieren.

Ein weiterer Trend ist generell die Nachhaltigkeit und ein schonender Umgang mit Ressourcen. Hersteller von Lebensmitteln, die hier mit Innovationen Fortschritte erzielen, können beim Konsumenten punkten. Vier Trends aus anderen Bereichen eröffnen der Lebensmittelbranche neue Möglichkeiten. Dies gilt zum Beispiel für den Verkauf von Lebensmitteln über das Internet. Mittlerweile lassen sich auch frische Waren durch schockgefrostete Spezialboxen quer durch die Republik versenden.

Wer erfindet die Tiefkühlpizza 2.0?

Zum Wesen von Food-Startups gehört auch das implizite Rennen um die Tiefkühlpizza 2.0. Die Tiefkühlpizza war vor einigen Jahrzehnten ein riesiger Erfolg und bringt vielen Unternehmen bis heute Milliardenumsätze. Vielleicht gelingt es ein neues, ähnlich beliebtes Produkt zu entwickeln. Wer hier frühzeitig die richtigen Investitionen tätigt, kann enorm davon profitieren.

Die erste Tiefkühlpizza kam 1957 auf den amerikanischen Markt. 1966 wurde das Konzept auch in Frankfurt vorgestellt. Erst 1968 kam jedoch der Durchbruch mit dem Beginn der industriellen Produktion von Tiefkühlpizza durch Romano Freddy. Zu dessen Kunden zählte unter anderem Dr. Oetker. Das Unternehmen brachte die erste Tiefkühlpizza auf den deutschen Markt und ist heute Marktführer in diesem Bereich. Knapp dahinter folgt die Firma Wagner, die zwei Jahre später in den deutschen Markt einstieg.

Das Rennen um die Tiefkühlpizza 2.0

Vorteile und Nachteile der Lebensmittelbranche aus Investorensicht

Investitionen in die Lebensmittelbranche bieten verschiedene Vorteile. Die Produktzyklen sind relativ kurz. Einmal entwickelt, kann ein Produkt bei guter Platzierung sofort einem großen Publikum sichtbar gemacht werden. Bei geeigneten Produkten sind die Margen sehr hoch. Dies gilt insbesondere für alle Lebensmittel, die in den Themen Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung überzeugen. Aus Sicht von Investoren birgt die Lebensmittelbranche allerdings auch Risiken. Die Strukturen auf dem deutschen Markt sind sehr fest. Wer ein neues Produkt entwickelt, muss fast zwangsläufig den Weg über die Regale der Händler gehen. Dadurch entstehen Abhängigkeiten und die Möglichkeit, durch einen nachziehenden Wettbewerber mit besserem Netzwerk überholt zu werden.

Viele Startups setzen sich letztlich nicht durch und scheitern irgendwann. Dies liegt auch daran, dass Investoren relativ schnell die Geduld verlieren, wenn Wachstum ausbleibt. Deshalb ist es umso wichtiger, Investitionen in Food-Trucks gut zu planen und möglichst günstige Konditionen zu nutzen. Eine Möglichkeit dafür können staatliche Förderprogramme sein. Diese ermöglichen zum Teil auch Investitionen in Beteiligungen an FoodTechs.

Investition finanzieren: Diese Möglichkeiten gibt es

Grundsätzlich kann eine Investition aus eigenen Mitteln ebenso finanziert werden wie mit einem Bankkredit. Bei einer Fremdkapitalfinanzierung sollten investierende Unternehmen jedoch berücksichtigen, dass Banken die Anteile an einem Startup nicht als Sicherheit akzeptieren. Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten für die Beteiligung an einem FoodTech-Startup. Die erste Möglichkeit besteht darin, selbstständig ein Startup zu gründen. Diese Möglichkeit bietet sich für Unternehmen an, in denen bereits innovative Ideen und Strukturen für die Produktentwicklung bestehen. Diese Unternehmen können ein eigenes Startup auf die Beine stellen und in den Markt verhelfen.

Die zweite Möglichkeit besteht darin, sich an bestehenden Startups zu beteiligen. Hier begeben sich Unternehmen in die Rolle eines Venture Capital Investors. Es gilt: Je früher der Einstieg, desto günstiger die Konditionen. Das bedeutet, dass mit einer bestimmten Investitionssumme X ein größerer Teil des Startups erworben werden kann. Ein früher Einstieg ist jedoch mit einem besonders großen Risiko verbunden. In einem frühen Stadium lässt sich oft nur vage abschätzen, ob die Gewinnschwelle jemals erreicht wird.

 

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Gibt es staatliche Hilfen?

Wer in ein Food-Startup investieren möchte, kann unter Umständen staatliche Förderprogramme in Anspruch nehmen. In Betracht kommen insbesondere Förderprogramme der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Eine Möglichkeit ist hier das ERP Beteiligungsprogramm (Programm Nummer 100 bzw. 104). Mit dem ERP Beteiligungsprogramm werden kapitalsuchende Unternehmen genauso wie Kapitalbeteiligungsgesellschaften gefördert. Kapitalsuchende Unternehmen können zum Beispiel Betriebe errichten oder erweitern, Existenzgründungen vornehmen, Innovationsprojekte wie die Entwicklung und Vermarktung neuer Produkte finanzieren etc.

Kapitalbeteiligungsgesellschaften erhalten über die KfW günstige Refinanzierungskredite. Hier ist allerdings die Garantie einer Bürgschaftsbank erforderlich. Das ERP Beteiligungsprogramm der KfW richtet sich an Unternehmen mit einem Gruppenumsatz in Höhe von bis zu 50 Millionen EUR pro Jahr sowie an deren Beteiligungsgesellschaften. Mit dem Programm können in der Regel bis 1,25 Million EUR finanziert werden. In Ausnahmefällen sind Beteiligungen bis 2,5 Millionen EUR möglich. Die Laufzeit beträgt in den alten Bundesländern bis zu zehn und in den neuen Bundesländern und Berlin bis zu 13 Jahre. Anträge werden bei durchleitenden Hausbanken gestellt. Mit dem Kredit der KfW ist eine Beteiligung an einem Food-Startup zum Beispiel im Wege einer stillen Beteiligung oder über den Erwerb von Anteilen möglich.

Fazit: Investitionen in die Lebensmittelbranche können sich lohnen

Investitionen in die Lebensmittelbranche können sich lohnen. Der Zeitpunkt erscheint günstig. Es gibt bei Verbrauchern eine signifikante Akzeptanz für neue Produkte. Diese Akzeptanz wird nicht zuletzt durch Trends wie dem Wunsch nach gesunder Ernährung und nachhaltiger Nahrungsmittelproduktion genährt. Ein gut eingeführtes Food-Startup kann einen rasanten Wertzuwachs erleben, wenn Produkte mit hohen Margen vor einem großen Publikum platziert werden. Außerdem ist das Zinsniveau derzeit günstig, was die Finanzierung von Beteiligungen erleichtert. Dies gilt insbesondere in Kombination mit staatlichen Förderdarlehen wie zum Beispiel der KfW. Ohne Risiko sind die Investitionen naturgemäß nicht. Längst nicht jedes Startup setzt sich durch. In den vergangenen Jahren gab es auch viele Enttäuschungen.