Neue Auslandsmärkte erschließen – Diese Förderprogramme unterstützen Sie

Die Deutsche Wirtschaft pflegt seit Langem einen starken Exportfokus. Qualität „Made in Germany“ hat im Ausland nach wie vor einen ausgezeichneten Ruf und die Nachfrage nach deutschen Produkten ist entsprechend hoch. KMUs, welche bisher noch nicht als Exporteure tätig gewesen sind, stehen jedoch vor einer Vielzahl an Herausforderungen. Ein Förderprogramm des Bundes kann hierbei von entscheidender Hilfe sein. Der folgende Beitrag stellt die wichtigsten Programme vor.

Mittelstand Global

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) unterstützt kleine und mittlere Unternehmen mit einem ganzen Bündel an Angeboten zur Exportförderung, um diesen dabei zu helfen, Auslandsmärkte zu erschließen. Seit Kurzem werden diese Förderprogramme unter dem Label Mittelstand Global zusammengefasst.

Die einzelnen Programme sind dabei modular aufgebaut, sodass jedes Unternehmen aus einer Reihe individuell passender Maßnahmen wählen kann. Mittelstand Global besteht aus dem Markterschließungsprogramm (MEP) sowie den Exportinitiativen. Seit 2019 ist das Wirtschaftsnetzwerk Afrika zudem ein Teil des MEP. Zwischen dem MEP und den Exportinitiativen gibt es zahlreiche Überschneidungen, sodass die Nutzung der der beiden Programm teils fließend ineinander übergeht.

Das Programm im Detail

Markterschließungsprogramm (MEP)
Das MEP steht grundsätzlich allen Wirtschaftszweigen zur Verfügung. Im besonderen Fokus stehen dabei branchenübergreifende Zukunftsthemen wie Gesundheit, alternative Energien, Umwelttechnologien oder zivile Sicherheit. Doch auch Unternehmen, welche in traditionelleren Feldern der deutschen Wirtschaft wie dem Anlagen- und Maschinenbau oder der Automobilindustrie tätig sind, können im vollen Umfang vom Förderprogramm profitieren.

Die Förderung findet zielgerichtet und länderspezifisch statt. Geförderte Unternehmen erhalten aus erster Hand eine Vielzahl an relevanten Marktinformationen für das entsprechende Zielland sowie die relevanten Branchen. Durch Auslandsreisen sowie die Einführung in langjährige Kontaktnetzwerke können KMUs mit potenziellen Geschäftspartnern zusammenkommen.

Teilnahmeberechtigt sind sowohl KMUs wie auch Großunternehmen. Jedoch müssen bei allen Modulen mindestens 50 % der Teilnehmer KMUs sein. Diesen wird bei einer entsprechend hohen Interessentenzahl Vorrang gegenüber Großunternehmen eingeräumt.

Die geförderten Unternehmen müssen nur dann für die Kosten des Programms aufkommen, falls die EU-Freigrenze für De-minimis von 200.000 EUR bereits vollkommen ausgeschöpft worden ist. Entscheidend ist hierfür ein Betrachtungszeitraum von drei aufeinanderfolgenden Jahren.

Module des Förderprogramm 

Informationsveranstaltung
Ausgerichtet auf Exporteinsteiger, Vermittlung von Know-how über allgemeine, wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen

Markterkundung
Erstellung einer ZielmarktanalyseKontaktherstellung mit Behörden und Partnern, Sondierung von Geschäftschancen

Geschäftsanbahnung
Unternehmerreise, lokale Präsentationsveranstaltung und Organisation von Einzelgesprächen

Leistungsschau
Symposium im Zielland, deutsche Unternehmen stellen ausländischem Fachpublikum Leistungen und Kooperationsfelder vor

Informationsreise für Einkäufer und Multiplikatoren
Ausländische Einkäufer und Multiplikatoren informieren sich in Deutschland über Know-how, Technologie und Projekte

Exportinitiativen

Neben dem MEP beinhaltet Mittelstand Global auch eine Reihe von branchenspezifischen Exportinitiativen. Diese richten sich gezielt an kleine und mittlere Unternehmen, welche in einem der unterstützten Bereich in den Exportmarkt einsteigen wollen.

Exportinitiative Energie

Diese Exportinitiative richtet sich in erster Linie an Unternehmen, welche in den Bereichen erneuerbare Energie, Netzwerk- und Speichertechnik, Energieeffizienz oder Power-to-Gas tätig sind. Die konkreten Maßnahmen beinhalten:
  • Sammeln von Marktinformationen
  • Entwicklung von Exportstrategien
  • Knüpfung von Geschäftskontakten im Ausland
  • Entwicklung von Projekten im Ausland
  • Erhöhung der Sichtbarkeit als Qualitätsanbieter „Made in Germany“
  • Einsparung von Zeit und Kosten beim Markteintritt

Exportinitiative Umwelttechnologien

Gefördert werden KMUs aus den Bereichen Wasser- und Kreislaufwirtschaft, Lärmschutz, Luftreinhaltung sowie nachhaltige Mobilität. Im besonderen Fokus des Programms steht dabei die Erschließung von Exportmärkten in Schwellen- und Entwicklungsländern. Unterstützt werden:

  • Informationsveranstaltungen in Deutschland
  • Markterkundungsreisen
  • Geschäftsanbahnungsreisen
  • Leistungsschauen
  • Informationsreisen ausländischer Entscheidungsträger

Exportinitiative Gesundheitswirtschaft

Die Exportinitiative Gesundheitswirtschaft unterstützt Unternehmen mit dem Fokus Arzneimittel, Biotechnologie, Medizintechnik, Telemedizin sowie gesundheitsbezogenen Dienstleistungen. Das Programm bietet:

Zweisprachiger Internetauftritt
Expertenwissen für deutsche Unternehmen, Information und Werbung für ausländische Kunden

Erstellung von Firmenverzeichnissen
Verteilung an Zielgruppen über Mails, Messen und Kongresse

Dialog mit Branchenverbänden
Exportinitiative zivile Sicherheitstechnologien und -Dienstleistungen

Ziel ist die Stärkung der deutschen zivilen Sicherheitskraft im internationalen Wettbewerb. Im Vordergrund stehen hierbei nicht nur wirtschaftliche Aspekte, sondern auch sicherheitspolitische Erwägungen. Im Fokus stehen Großbaumaßnahmen sowie Großereignisse verschiedenster Art. Folgendes wird geleistet:

  • Informationsveranstaltungen in Deutschland
  • Informationsreisen
  • Geschäftsanbahnungsreisen
  • Leistungsschauen und Workshops
  • Informationsreisen ausländischer Entscheider nach Deutschland

Förderprogramm für den Export Agrar– und Ernährungswirtschaft

Dieses Programm unterstützt die deutsche Agrar– und Ernährungswirtschaft bei ihren jeweiligen Außenwirtschaftsaktivitäten. Ziel des Programms ist die Erschließung von Auslandsmärkten, die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit sowie die Vergrößerung der Zahl exportierender Agrarunternehmen in Deutschland. Folgende Maßnahmen werden durchgeführt:

– Informationsveranstaltungen und Seminare
– Markterkundungs– und Geschäftsanbahnungsreisen
– Markt- und Produktstudien für ausländische Absatzmärkte
– Informationsveranstaltungen für ausländische Entscheider in Deutschland

Import Promotion Desk

Im Gegensatz zu den anderen Förderprogrammen, welche einen expliziten Exportfokus haben, richtet sich diese Programm speziell an den Import ausländischer Güter nach Deutschland. Dementsprechend richtet es sich in erster Linie an deutsche Importeure. Es bietet:

– Unterstützung bei der Eröffnung neuer Beschaffungsmärkte
– Unterstützung bei allen Aspekten des Beschaffungsprozesses

Wirtschaftsnetzwerk Afrika

Als Teil des MEP richtet sich dieses Förderprogramm speziell an mittelständische Unternehmen, welche vorhaben, in Afrika wirtschaftlich aktiv zu werden. Das Netzwerk arbeitet mit diversen etablierten Akteuren und Programm wie z. B. Germany Trade & Invest oder dem Netz der Auslandshandelskammer zusammen. Zudem können zahlreiche Module und Veranstaltungen des MEP sowie der verschiedenen Exportinitiativen genutzt werden. Neben diesen Förderprogrammen bietet das Wirtschaftsnetzwerk Afrika zusätzlich:

– Erstberatung für die Wirtschafts- und Entwicklungszusammenarbeit
– Betreuung durch erfahrenen Kundenberater für die relevante Region/Branche

Auslandsmesseprogramm

Seit 2018 unterstützt das BMWi junge und innovative Unternehmen bei der Teilnahme an diversen internationalen Leitmessen im Rahmen eines GemeinschaftsstandesFörderfähig sind Messen mit einem hohen Grad der Internationalität was Aussteller und Besucher anbelangt. Welche Messen hierunter fallen, wird jeweils jährlich vom BMWi festgelegt.

Um für eine Förderung infrage zukommen, muss ein Unternehmen über weniger als 50 Mitarbeiter verfügen und der Jahresumsatz darf zehn Millionen Euro nicht übersteigen. Zudem muss das Unternehmen jünger als zehn Jahre sein.

Das Beispiel German Pavillon
Unter dem Namen German Pavillon können deutsche Firmen im Rahmen eines offiziellen Gemeinschaftsstandes weltweit auf verschiedenen Messen auftreten. Der German Pavillon arbeitet speziell mit dem Förderprogramm für Auslandsmessen zusammen.

Eine solche gemeinschaftliche Ausstellung bietet jungen, deutschen Unternehmen eine Reihe von Vorteilen. Zum einen findet die Organisation komplett in Deutschland unter erfahrener Leitung statt. Zudem erhöht sich hierdurch die Sichtbarkeit und das Potenzial neue Partnerschaften und Netzwerke zu knüpfen vor allem für kleine Unternehmen signifikant.

Germany Trade and Invest (GTAI)
Hierbei handelt es sich um eine Gesellschaft zur Förderung der Außenwirtschaft und zum Standortmarketing. Sie fungiert als Nachfolger der Bundesagentur für Außenwirtschaft. Die GTAI stellt deutschen Unternehmen umfangreiche Außenwirtschaftsinformationen zur Verfügung. Die bereitgestellten Informationen reichen dabei von der allgemeinen Wirtschaftslage und Entwicklung über Rechts- und Zollregelungen bis hin zu länderspezifischen Branchentrends.

Ferner hilft die GTAI dabei, ausländische Partner mit deutschen Unternehmen zusammenzuführen. Ausländische Unternehmen und Entscheider können hierüber z. B. Kooperationswünsche und Geschäfte ausschreiben. Ferner hilft die Gesellschaft beim Anwerben von Investoren.

Export- und Investitionsgarantien
Wirtschaftliche Aktivitäten auf ausländischen Märkten und andere Auslands-bezogene Transaktionen bergen je nach Region ein erhöhtes Risiko für Forderungsausfälle. Dies ist besonders dann der Fall, falls im Zielland wirtschaftliche, gesellschaftliche oder politische Verwerfungen vorliegen. Um deutsche Unternehmen hiervor zu schützen, bietet der Bund Export- und Investitionsgarantien an.

Exportgarantien
Staatliche Exportgarantien (auch Hermesdeckungen genannt) können sowohl von Exporteuren wie auch exportfinanzierenden Banken in Anspruch genommen werden, um sich vor Forderungsausfällen zu schützen. Sie existieren in zahlreichen Produktvarianten und werden gegen die Zahlung risikobasierter Prämien bereitgestellt. Als Mandatar des Bundes fungiert dabei die Euler Hermes AG.

Investitionsgarantien
Investitionsgarantien schützen deutsche Unternehmen, welche in Ländern mit erhöhten politischen Risiken investieren. Von diesem Förderprogramm werden Beteiligungen, beteiligungsähnliche Darlehen, Kapitalausstattungen sowie verschiedene vermögenswerte Rechte abgesichert. Sie schützen u. a. vor dem Verlust der Investition durch Verstaatlichung, Krieg, Nichteinhaltung der Zahlungsvereinbarungen seitens staatlicher Akteure oder Zahlungsmoratorien.

Außenwirtschaftsförderangebote der Bundesländer

Zusätzlich zum Bund unterhalten auch die einzelnen Länder diverse Förderprogramm, welche sich speziell an kleine und mittlere Unternehmen richten. Verantwortlich hierfür zeichnen zumeist die jeweiligen Wirtschaftsfördergesellschaften der Länder.

Als Beispiele lassen sich Thüringen International (IT), NRW.International oder Bayern International anführen. Über diese Programme können KMUs von Netzwerken profitieren, welche speziell lokale Unternehmen mit ausländischen Märkten und Partnern zusammenbringen.

Fazit

Kleinen und mittleren Unternehmen, welche ausländische Märkte für sich erschließen wollen, um in das Exportgeschäft einzusteigen, können zwischen einer Reihe umfassender Förderprogramm wählen. Auf diese Weise besteht die Möglichkeit, vom Know-how und den Netzwerken erfahrener Partner zu profitieren und innerhalb kurzer Zeit umfassende Informationen über die Chancen und Risiken der anvisierten Absatzmärkte zu erhalten. Zudem bietet der Bund im Rahmen seiner Export- und Investitionsgarantien auch wichtige finanzielle Unterstützung für angehende Exportunternehmen.

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