FinTechs schaffen spannende Use Cases, das ist für FinCompare-Geschäftsführer Stephan Heller klar. Im Gespräch mit dem Fachmagazin com! Professional verriet er, was FinCompare den Banken und der Konkurrenz voraus hat, wie er die Entwicklung des Fintech-Markts einschätzt und was einen guten Unternehmensgründer ausmacht.

com! professional: FinCompare ist eine Online-Plattform für KMU-Finanzierung – was schafft ein Startup, was traditionelle Banken nicht leisten können?

Heller: Da wir nicht reguliert sind, können wir uns 100 % auf die perfekte Customer Experience konzentrieren und hier auch viel probieren und lernen, was eine Bank nicht kann. Das gilt natürlich auch für innovative Technologien – hier hat eine Bank einfach keine Chance.

com! professional: FinCompare bietet eine Vielzahl von Finanzierungsoptionen, darunter Kredite, Leasing, Factoring und Einkaufsfinanzierungen von mehr als 200 Banken, alternativen Finanzdienstleistern und Förderbanken. Doch hier gibt es schon ein paar weitere Player, etwa Compeon. Was ist der USP von FinCompare?

Heller:  Wir wachsen dynamisch und haben in 2 Jahren einfach eine sehr gute Technologie entwickelt und Arbeit geleistet. Das hat auch die ING Bank überzeugt als Lead Investor unsere letzte Finanzierungsrunde von zehn Millionen Euro anzuführen (Mutter der Interhyp).
Wir erhalten viele gute Bewerber, Banken kennen das Modell und wir haben als „Second Mover“ einfach einen enormen Vorteil. Aber gerade durch unseren klaren Fokus auf Unternehmen mit einem Finanzierungsbedarf unter eine Million Euro und „schnelle“ Finanzierungsoptionen, die sich durch Technologie skalieren lassen werden wir bald Marktführer sein.

com! professional: Der Markt für Fintechs hat sich weiterentwickelt von dezidierten Banken-Gegner zum Partner. Das hört sich zunächst gut an. Was fehlt Ihrer Meinung nach bei dieser Entwicklung? Wie wird sich der Markt in den nächsten 5 Jahren weiterentwickeln?

Heller: Die Modelle werden immer komplexer und es wir noch mehr Kooperationen geben. Es gibt Banken, die die Digitalisierung und Plattformen komplett verstanden haben und umsetzen. Hier werden wir mehr Dynamik sehen.
Aktuell ist es noch sehr viel PR der Banken, aber ich glaube in den nächsten fünf Jahren wird es dank FinTechs hier einige spannende Use Cases geben und ein Umdenken in der breiten Fläche.

com! professional: Sie haben ja schon mehrere Firmen gegründet: 2015 Watchmaster, eine europäische Handelsplattform für neue und gebrauchte Luxusuhren. 2017 folgte Fincompare. In einem anderen Interview haben Sie gesagt: „Geschwindigkeit ist bei der Umsetzung der eigenen Vorhaben und Ideen ausschlaggebend.“ Macht Geschwindigkeit folglich einen Gründer aus?

Heller: Speed is everything in einem Startup. Gute Gründer zeichnet es aus, dass sie jeden Tag mental in eine Wand rennen müssen und am nächsten Tag wieder aufstehen und es neu versuchen. Das ist extrem hart. Viele Leute sind risikoscheu und verbringen zu viel Zeit am Rand des Pools mit Trockenübungen. Am Ende muss man aber einfach springen und nass werden.