Kann man Fintech Startups vertrauen? - Ein Gastbeitrag von Finiata

N26, Kontist oder Penta, das sind nur drei von dutzenden jungen Unternehmen, die den deutschen Bankensektor revolutionieren wollen. Fintechs sprießen schon seit Jahren wie Pilze aus dem Boden und füllen Lücken, die klassische Banken zurückgelassen haben. Doch was macht sie, wenn überhaupt, großen etablierten Banken überlegen und kann man Ihnen als Kunde überhaupt vertrauen?

Fliegengewicht gegen Superschwergewicht, so könnte man sich einen Kampf der jungen Fintechs gegen alteingesessene Hausbanken vorstellen. Wem würden Sie eher Ihr Geld anvertrauen? Der Bank mit fast 150-jähriger Historie oder dem vor 5 Jahren gegründeten Tech-Startup, dessen Altersdurchschnitt auf der Chefetage etwa 30 Jahre beträgt? Die meisten denken, was schon seit mehr als einem Jahrhundert funktioniert, wird jetzt auch nicht pleitegehen, und wählen die Bank. Auch dann, wenn das nicht die beste Wahl für sie ist.

Warum Fintech?

Das Argument mag stimmig klingen: die Sparkassen machen seit über 100 Jahren etwas richtig. Wer weiß, ob das 5 Jahre alte Startup, wie zum Beispiel die Direktbank N26, auch in 15 Jahren noch existiert? Geschweige denn in 100! Den “neuen” am Horizont des Bankings fehlt womöglich dieser Vertrauensvorschuss, sie sind dennoch äußert erfolgreich. Und zwar, weil Sie auf Bedürfnisse von Kunden eingehen, die klassische Banken bisher noch nicht bedient hatten. Hier liegt der große Vorteil dieser jungen Player. Denn nur, weil etwas seit 100 Jahren stabil läuft, bedeutet das noch lange nicht, dass man es nicht besser machen kann.

Fintechs haben den Vorteil, dass sie durch ihre Unternehmensgröße, aber auch durch weniger strenge Regularien, deutlich flexibler und daher auch kundenorientierter als Großbanken agieren können. Durch wesentlich kürzere “Time-To-Market”-Zeiten können sie schnell auf erkannte Bedürfnisse und Wünsche von Kunden eingehen und ihre Produkte gezielter entwickeln und schneller anpassen. Diese Vorteile erkennen auch immer mehr Kunden. Und obwohl eine Studie aus dem Jahr 2016 offenlegt, dass 90% der Befragten wenig bis gar kein Vertrauen in Fintech Startups hegen und in Sachen Finanzen eher ihrer Hausbank vertrauen, wachsen die Kundenzahlen der jungen Unternehmen weiterhin rasant.

Wie werden Fintechs reguliert?

“Die” Regulierung von Fintechs gibt es nicht, denn der Sektor ist vielfältig. Das Bundesfinanzministerium unterscheidet Fintechs in vier Kategorien: Finanzierung, Vermögensmanagement, Zahlungsverkehr und sonstige FinTechs. Somit unterliegen verschiedene Unternehmen auch verschiedenen Gesetzen und Regulierungen. Ein Fintech-Unternehmen muss daher nicht immer eine Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einholen, um seine Geschäfte abzuwickeln. Ist ein Fintech-Unternehmen mehr “Tech” als “Fin”, unterliegt es möglicherweise nur der Gewerbeordnung. Bietet ein deutsches Fintech allerdings selbst Zahlungsabwicklungen an, muss es immer auch eine Erlaubnis der BaFin einholen, um operieren zu dürfen. Die Fintechs, die selbst nicht BaFin-Lizensiert sind, arbeiten in der Regel mit Partnerbanken zusammen, die eben diese Lizenz besitzen.

Fazit

Grundsätzlich gilt, jedes Unternehmen, das in Deutschland operiert, unterliegt dem deutschen Gesetz. Gleiches gilt für Fintechs. Kein Mensch darf “einfach so” eine Bank eröffnen, ohne die strengen Auflagen der BaFin zu erfüllen. Die Unternehmen, die die BaFin-Auflagen nicht erfüllen müssen, unterliegen weiterhin strengen Regularien, zum Beispiel dem Datenschutzgesetz.

Je nachdem, was Sie als Kunde von einem Finanzinstitut erwarten, kann ein Fintech Unternehmen viele Vorteile gegenüber einer klassischen Hausbank haben. Fintechs füllen Lücken auf dem Markt und sind es definitiv wert in Betracht gezogen zu werden, auch wenn sie erst wenige Jahre existieren.

Weiterführende Quellen: FinTech - Markt in Deutschland - Abschlussbericht 17. Oktober 2016
Prof. Dr. Gregor Dorfleitner, Jun.-Prof. Dr. Lars Hornuf

90 Prozent der Bankkunden skeptisch gegenüber FinTech-Startups - Der Bank Blog https://www.der-bank-blog.de/prozent-bankkunden-fintech/studien/digitalisierung-finanzdienstleistung/21102/