Digitalisierung im deutschen Mittelstand

Digitalisierung im deutschen Mittelstand – noch in den Kinderschuhen? Schlagworte wie Digitalisierung, Big Data und Industrie 4.0 bestimmen den öffentlichen Diskurs zum Thema Unternehmensentwicklung, aber inwiefern finden diese Schlagworte auch ihre praktische Anwendung im Arbeitsalltag von kleinen- und mittelgroßen Unternehmen? Die Umstellung auf digitale Prozesse und Technologien stellt gerade Kleinunternehmer vor große Herausforderungen – zum einen im Zuge der Implementierung und Handhabung zum anderen in Fragen der Finanzierung. Unternehmer vergessen dabei nicht selten, dass die Digitalisierung für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft des eigenen Betriebes unerlässlich ist.

Anfängerstadium

In einer KfW-Studie vom August 2016 zum Thema „Digitalisierung im Mittelstand“ heißt es: „Der Grad der Digitalisierung ist in mittelständischen Unternehmen bei weitem nicht so hoch, wie man ihn aufgrund der öffentlichen Debatte hätte erwarten können. Rund ein Drittel der Mittelständler befindet sich bisher noch in einem Grundstadium der Digitalisierung. Vorreiter, d. h. Unternehmen, die bereits auf digitale Produkte und Dienstleistungen, Apps oder Industrie 4.0 setzen, stellen mit knapp einem Fünftel noch eine Minderheit dar.“ Das Problem: Unternehmer befürchten oftmals zu hohe Investitions- und Betriebskosten, um digitale Projekte in allen Belangen auszubauen bzw. im Arbeitsprozess zu integrieren. Zudem mangelt es oftmals an IT-Fachkräften und Kompetenzstellen in den Unternehmen. Des Weiteren ist eine Investition in die Digitalisierung weniger greifbar als Investitionen in Maschinen oder andere Sacheinlagen, was Finanzierungen deutlich erschwert.
INFO: Lesen Die hier die KfW-Studie zur Digitalisierung des Mittelstandes.

Investitionen in digitale Strukturen steigen

Gänzlich vorbei geht die Digitalisierung am deutschen Mittelstandlern dennoch nicht, denn in den letzten drei Jahren haben bereits 83 Prozent der Mittelständler mit mindestens fünf Mitarbeitern in neue Technologien oder die Verbesserung der IT-Kompetenz investiert. Allerdings befinden sich viele Unternehmen des deutschen Mittelstandes – wie im vorgenannten KfW-Zitat angedeutet, noch in einer frühen Phase der Digitalisierung. Auch die Finanzierungssummen zeigen, dass der Ausbau der Digitalisierung überwiegend in sehr kleinen Schritten erfolgt. Beinahe die Hälfte der Unternehmen gibt pro Jahr weniger als 10.000 Euro für Digitalisierungsprojekte aus. Ausgaben von 100.000 Euro und mehr findet man dagegen nur bei knapp 5% der Mittelständler – insbesondere bei den größeren Unternehmen.

Finanzierung aus eigenem Cashflow

Interessant und aussagekräftig ist, dass der Cashflow (also laufende Einnahmen von Unternehmen) bislang die wichtigste Finanzierungsquelle bei Digitalisierungs-Projekten darstellt. Die Digitalisierung wird laut Studie zu beachtlichen 77% aus den laufenden Einnahmen der Unternehmen finanziert. Bankkredite spielen mit 4 % in diesem Zusammenhang eine äußerst untergeordnete Rolle – ganz anders als bei der Finanzierung von Produktions- und Sachanlagen. Dort machen Bankkredite 21%, der laufende Cashflow aber nur 58 % des Finanzierungsvolumens aus. Auch Kreditgeber scheinen also weiterhin Schwierigkeiten mit der Einschätzung und Bewertung von IT-Infrastruktur sowie den Erträgen aus der Digitalisierung zu haben.

Mangelnde IT-Kompetenz

Organisatorische und kompetenzbedingte Hemmnisse blockieren die Digitalisierung im Mittelstand laut Studie sehr stark. Dazu gehören beispielsweise mangelnde IT-Kompetenz der Beschäftigten oder Schwierigkeiten bei der Implementierung einer neuen digitalen Arbeitsstruktur. Der unternehmerische Schritt in die digitale Vernetzung ist aber unbestritten von Nöten und sollte von Unternehmern stets bedacht werden – auch wenn dafür Kosten und höhere Ausgaben für Schulungen und IT-Implementierung anfallen. Vielen Mittelständlern sind die Vorteile und der Nutzen einer stärkeren Digitalisierung nicht wirklich bewusst. Die Verdeutlichung von konkreten Einsparpotenzialen könnte die Bereitschaft zu weiteren Digitalisierungsschritten erhöhen.

Fazit: Zweifelsohne wird die Digitalisierung im Mittelstand weiter zunehmen und IT-Projekte sowie die notwendigen Finanzierungen steigen. Trotz Bedenken und mangelnder IT-Kompetenz dürfen mittelständische Unternehmen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu wahren, nicht an der falschen Stelle sparen und müssen ihre Finanzierungsstrategie an den neuen Erfordernisse anpassen. Denn wer den erforderlichen digitalen Sprung nicht verpassen möchte, muss seine Aufwände in digitale Strukturen erhöhen und sollte dabei nicht nur auf den eigenen Cashflow zurückgreifen – die fortschreitende Digitalisierung des Unternehmens sollte in den breiten Finanzierungsmix miteinbezogen werden, auch um flexibler reagieren zu können. Auf der anderen Seite müssen sich Kreditgeber ebenfalls auf weniger greif- und messbare digitale Projekte einstellen, um mittelständische Unternehmen als Partner bei der Digitalisierung begleiten zu können.