Die Vertrautheit von KMU mit Factoring ist - zu Unrecht - gering

  • Über 20% aller kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) waren in den Jahren 2015 und 2016 von einem Forderungsausfall betroffen.
  • Mehr als die Hälfte aller Entscheidungsträger der KMU ist an einer flexiblen Unternehmensfinanzierung interessiert.
  • 75% der Entscheider nutzen kein Factoring, da sie sich nicht ausreichend mit der Funktionsweise und dem Produkt auskennen.
  • Der Ausblick für den Factoringmarkt in Deutschland ist positiv und es wird weiteres Wachstum erwartet.

Viele Unternehmer und Geschäftsführer von KMU kennen das Problem: Die Ware ist geliefert oder die Dienstleistung erbracht und anschließend muss lange Zeit gewartet werden, bis die Zahlung des Kunden eingeht. Manche Kunden reizen das Zahlungsziel nicht nur vollständig aus, sondern überziehen es sogar und der tatsächliche Zahlungseingang liegt über dem vereinbarten Zahlungsziel. Das Problem von Forderungsausfällen ist hier noch nicht berücksichtigt. Jedes fünfte Unternehmen war in den Jahren 2015 und 2016 von einem Forderungsausfall betroffen, wie aus einer aktuellen und repräsentativen Studie des BFM Bundesverband Factoring für den Mittelstand aus dem Monat Januar 2017 hervorgeht.

Das Ausreizen von Zahlungszielen und Forderungsausfälle wirken sich negativ auf die Liquiditätssituation des jeweiligen Unternehmens aus und bergen langfristig ein Problempotential, speziell bei hohen Forderungsbeständen im Verhältnis zum Umsatz. Hier bietet Factoring bzw. ein Forderungsverkauf für KMU eine effiziente und verlässliche Lösung. Beim Factoring werden ausstehende Kundenforderungen an eine dritte Partei (den Factoringanbieter) verkauft. Der Factoringanbieter erhält das Recht an der Forderung und übernimmt das Delkredererisiko, sodass das Unternehmen vor eventuellen Ausfällen geschützt ist (“echtes Factoring”). Unnötige Kapitalbindung wird dadurch vermieden und die so gewonnene Liquidität steht sofort für alternative Verwendungszwecke zur Verfügung, insbesondere zur schnelleren Begleichung von Lieferantenverbindlichkeiten mit Skontonutzung. Je nach Factoringvariante, verbleibt das Debitorenmanagement beim Unternehmen (“Inhouse Factoring”) oder kann an den Factoringanbieter outgesourct werden (“Full Service Factoring”). Beim sogenannten “stillen Factoring” werden die Debitoren nicht vom Forderungsverkauf in Kenntnis gesetzt.

Factoring bzw. ein Forderungsverkauf ist flexibel gestaltbar und kann so individuell an die unternehmensspezifischen Bedürfnisse angepasst werden. Die Mittel aus dem Forderungsverkauf können neben der Finanzierung des weiteren Wachstums auch beispielsweise zur Skonto Wahrnehmung genutzt werden, um günstigere Einkaufskonditionen zu verhandeln oder eine teurere Kontokorrentlinie zu schonen. Weiterhin kann die Liquidität zur Tilgung bestehender Verbindlichkeiten genutzt werden. Dadurch wird die Bilanz verkürzt und die Eigenkapitalquote erhöht. Factoring bzw. Forderungsverkäufe eignen sich also, um die Bonität zu verbessern und die Position gegenüber Lieferanten oder Banken zu stärken.

Die Vorteile von Factoring liegen auf der Hand, doch wie sieht es in der Praxis aus

Vor diesem Hintergrund und dem immensen Potential von Factoring, ist es verwunderlich, dass mittelständische Unternehmen mit diesem Instrument wenig vertraut sind. Nach einer aktuellen und repräsentativen Studie des BFM Bundesverband Factoring für den Mittelstand ist mangelnde Vertrautheit im Hinblick auf das Produkt und die Funktionsweise für 75% der Entscheider in KMU der Grund, wieso Factoring nicht eingesetzt wird. Dies ist gerade vor dem Hintergrund der Tatsache bemerkenswert, dass 57% der befragten Entscheider sich einen bankenunabhängigen Finanzierungsmix wünschen und das Prinzip des umsatzkongruenten Factorings für immerhin 53% aller Entscheider grundsätzlich von Interesse ist. Insgesamt gaben nur etwa 15% der Entscheider an, bei sich im Unternehmen bereits mit einer der verschiedenen Factoringvarianten zu arbeiten. In der Regel können kleinere Unternehmen nur eine Factoringvariante nutzen, größere Unternehmen können die Forderungen ggf. auf mehrere Factoringanbieter aufteilen.

Wichtige Trends für die Zukunft des Factorings für KMU

Der Markt für Forderungsverkäufe wird sich auch weiterhin positiv entwickeln. Dies sowohl auf der Anbieter- als auch Kundenseite. Die Neuanmeldungen von Anbietern im Deutschen Factoring Verband sowie das stetig steigende Volumen unterstreichen diesen Trend. Dies wurde bereits in unserem Artikel Ist Factoring im Mittelstand angekommen? vom 2. Juni behandelt. Zu den klassischen Factoring Anbietern wie Tochtergesellschaften und Abteilungen deutscher Banken (Deutsche Factoring Bank, Grenke Factoring, PB Factoring), kommen seit einigen Jahren auch vermehrt Startups aus dem FinTech Bereich hinzu, die sich auf die Faktoren Transparenz, Einfachheit und Schnelligkeit fokussiert haben. Weiterhin zieht der wachsende Factoringmarkt in Deutschland natürlich auch große und kapitalstarke Anbieter aus dem Ausland an, die den Wettbewerb auf der Anbieterseite weiter verschärfen (ABN AMRO Commercial Finance, BNP Paribas Factoring, Societe Generale Factoring). KMU können und sollten davon profitieren.

“Factoring bzw. Forderungsverkäufe sind eine effiziente Möglichkeit für ein Unternehmen sich schnell Liquidität zu verschaffen und die Bilanz zu entlasten. Allerdings besteht die Herausforderung, den richtigen Partner für die unternehmensspezifische Situation zu identifizieren und den Prozess so schlank wie möglich zu halten. Hier setzen wir an und können Unternehmen schnell und zuverlässig Optionen aufzeigen und durch den gesamten Prozess begleiten.”
Paul Weber - Geschäftsführer bei FinCompare

Fazit

Die Nutzung von Factoring bietet weitreichende Vorteile und kann für viele KMU eine ideale Ergänzung zum bisherigen Finanzierungsmix darstellen. Allerdings besteht für Factoringanbieter sowie Finanzberater das Gebot, die Funktionsweise und den Prozess den KMU einfach und transparent näher zu bringen, um diesen so zu ermöglichen ihr volles Potential auszuschöpfen.

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