Wie können KMUs ihre Bonität verbessern?

Bilanzkennzahlen und Liquidität - nicht gerade die Lieblingsthemen, mit denen Unternehmer sich beschäftigen, wenn mit dem Daily Business mehr als genug zu tun ist. Sich mit diesen eher trockenen Themen zu beschäftigen, kann sich jedoch lohnen. Denn Banken schauen bei der Kreditvergabe in erster Linie auf „harte“ Faktoren wie Bilanzkennzahlen, Liquidität und das Creditreform-Rating. Wer diese Parameter aktiv optimiert, investiert in die Kreditwürdigkeit und damit in die Zukunft seines Unternehmens. Auch Kommunikation spielt hierbei eine entscheidende Rolle.

Gab es früher nur wenige Möglichkeiten, diese Faktoren aktiv zu beeinflussen, so haben sich in den letzten Jahren neue Finanzierungsformen entwickelt, mit denen man die eigene Bilanz aufpolieren kann. Aber spielen die Kennzahlen tatsächlich eine so große Bedeutung? Ja! Denn: Die Zeiten, in denen Kredite aufgrund von guten, teils jahrzehntelangen, Beziehungen zu einer Bank vergeben wurden, sind vorbei. Die Finanzwelt kriselt regelmäßig und die politische und wirtschaftliche Lage ist geprägt von Unsicherheiten. Resultat: Die Banken sind sehr vorsichtig bei der Kreditvergabe und orientieren sich nicht länger an „weichen“ Faktoren, sondern an „harten“ Fakten wie Cash-Flow oder Nettoverschuldung.

Bilanzkennzahlen und Liquidität sollten auf der Management-Agenda stehen

Auch im eigenen Interesse sollten Bilanzkennzahlen und Liquidität einen vorderen Platz auf der Management-Agenda einnehmen: Je höher die Liquidität, desto resistenter ist das Unternehmen gegen Unvorhergesehenes und umso flexibler kann das Unternehmen sich bietende Investitionsmöglichkeiten nutzen.

Eine Möglichkeit zur Verbesserung der Bilanz bietet das Factoring, bei dem Forderungen im Paket verkauft werden mit dem Ziel, die eigene Bilanz zu verkürzen (lesen Sie auch den ausführlichen Vergleich zwischen Factoring und Finetrading).
Die wichtigsten positiven Aspekte des Factorings sind:

  • Die verkauften Forderungen wechseln von den Passiva zu den Aktiva und verbessern somit die Bilanzkennzahlen.
  • Die Liquidität wird erhöht, da der Erlös aus dem Verkauf der Forderungen praktisch sofort zur Verfügung steht, wohingegen das Unternehmen sonst womöglich Monate auf die Begleichung der offenen Forderungen warten müsste.

Besseres Rating dank proaktiver Finanzkommunikation

Ein wesentliches Kriterium bei der Kreditvergabe der Banken ist das Bonitätsrating. Bonität wird im Wirtschaftslexikon definiert als „die prognostizierte Eigenschaft eines Schuldners, zukünftige Zahlungsverpflichtungen vollständig und fristgerecht erfüllen zu können und zu wollen“. Und Ratings sind standardisierte Verfahren zur Beurteilung der wirtschaftlichen Lage und der zukünftigen Zahlungsfähigkeit oder Bonität eines Unternehmens. Diese Definition zeigt bereits, wie wichtig das eigene Zahlungsverhalten für die zukünftige Kreditwürdigkeit ist.

Das wichtigste Rating ist das der Creditreform Rating AG, viele Banken erstellen jedoch auch eigene interne Ratings. Beeinflusst werden alle Ratings von den sogenannten harten und weichen Faktoren. Zu den harten Faktoren gehören laut Creditreform unter anderem die fehlende Kreditsicherheit, steigende Inanspruchnahme von Zahlungszielen bis hin zur Kontoüberziehung, was auf einen Liquiditätsengpass und Mängel in der Liquiditätsplanung hinweist. Weiche Faktoren sind zum Beispiel die Vermögensverhältnisse des Unternehmers, die Nachfolgeregelung oder auch die proaktive Finanzkommunikation. Mit proaktiver Kommunikation kann das Ranking zu den eigenen Gunsten verändert werden.
Bilanzen sowie Gewinn- und Verlustrechnungen sollten an Banken und Auskunfteien übermittelt werden. Denn allgemein gilt: Je offener der Unternehmer informiert, desto weniger beurteilt die Bank nach Schätzungen. Das Unternehmen und der Unternehmer erhalten bei der Übergabe der Daten an die Auskunftei die Chance, diese zu erklären. Positive Entwicklungen können so schnell in die Bonitätsauskunft einfließen. Negative Entwicklungen können begründet werden.

Drei Tipps zum Umgang mit dem eigenen Bonitätsrating

Die Creditreform Rating AG gibt Unternehmen drei Tipps zu den Ratings:

  1. Der Unternehmer muss sich der Bedeutung der eigenen Bonitätsrankings bewusst sein,
  2. Der Unternehmer sollte bei den Kreditinstituten nach dem Status des eigenen Rankings fragen und sich das Ranking auch erläutern lassen - was auch für die Bewertung bei der Creditreform und möglicherweise weiteren Auskunfteien gilt.
  3. Der Unternehmer sollte seine im Idealfall gute Bonitätseinstufung halten und nachhaltig steigern oder bei negativen Werten verbessern.

Fazit: Die eigene Kreditwürdigkeit kann aktiv zum Positiven beeinflusst werden. Voraussetzung ist jedoch das aktive Management von Bilanzkennzahlen sowie die proaktive Kommunikation mit Banken und Auskunfteien.