Fachkräftemangel im Mittelstand mithilfe von KI bekämpfen

4 Gründe für den Fachkräftemängel und wie KI hilft.

Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Personalsuche

Der Fachkräftemangel im Mittelstand bereitet Sorgen. Die Gründe sind so vielfältig wie bekannt: demographische Entwicklung, zu wenige MINT-Absolventen und die Landflucht verstärken den Mangel an geeigneten Mitarbeitern. Lösungen gibt es jedoch auch. Die künstliche Intelligenz kann Fachkräfte ersetzen und dadurch insbesondere dem Mittelstand gewaltige Vorteile bieten.

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Zusätzliche Information

KMUs leiden unter dem Fachkräftemangel: Das sind die Gründe

Wie ist der Status Quo beim Fachkräftemangel in Deutschland? Das Bundeswirtschaftsministerium sieht derzeit noch keinen flächendeckenden Fachkräftemangel. Gleichwohl warnt das Ministerium, dass bereits heute in bestimmten Regionen und Branchen offene Stellen nicht mit geeigneten Bewerbern besetzt werden können. Dies betrifft nach Darstellung des Ministeriums z.B. den Gesundheitsbereich.

Auch regionale Unterschiede lassen sich demnach ausmachen. Besonders Unternehmen in Süddeutschland und in den neuen Bundesländern seien vom Fachkräftemangel im Mittelstand betroffen. Mehr als 60 % der Unternehmen sehen der DIHK Konjunkturumfrage von Anfang 2019 zufolge im Fachkräftemangel ein Entwicklungshemmnis. Im Jahr 2010 waren es noch 16 %.

Laut Bundesregierung reicht die EU Binnenwanderung allein nicht aus, um den Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials aufgrund des demographischen Wandels auszugleichen. Das Ministerium geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung ganz ohne jeglichen Fachkräftemangel heute höher wäre. Insofern widerspricht sich das Ministerium selbst, da es einleitend stets erwähnt, noch keinen flächendeckenden Fachkräftemangel zu sehen.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat mit dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (www.kofa.de) ein Format entwickelt. Dieses soll KMUs dabei unterstützen, Fachkräfte zu finden, an das Unternehmen zu binden und zu qualifizieren. Im November 2018 hatte die Bundesregierung ihre Strategie zur Sicherung von Fachkräften vorgelegt. Bestandteil der Strategie ist eine Steigerung der Erwerbsbeteiligung insbesondere von Frauen und älteren Personen. Gleichzeitig soll die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland gefördert werden.

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen für den Fachkräftemangel im Mittelstand. Neben dem bekannten Problem der demographischen Entwicklung zählen dazu häufig auch ein zu geringer Bekanntheitsgrad, unattraktive Standorte und generelle Engpässe in bestimmten Studiengängen und Ausbildungsberufen.

KMUs sind häufig nicht bekannt genug

Viele mittelständische Unternehmen sind schlicht nicht bekannt genug, um Bewerbern aufzufallen. Die Lage am Arbeitsmarkt hat sich verändert. Heute müssen Unternehmen gezielt nach geeigneten Fachkräften suchen. Es reicht nicht mehr, die eingehenden Bewerbungen zu studieren. Ein geeigneter Bewerber wird sich jedoch nicht bei einem Unternehmen bewerben, das er gar nicht kennt. Deshalb haben viele KMUs gegenüber Großkonzernen einen Nachteil. So gibt im deutschen Mittelstand viele Weltmarktführer, die 150 km entfernt kaum bekannt sind.

Eine Lösung für dieses Problem stellt einzig und allein mehr Präsenz gegenüber der Zielgruppe dar. Die Teilnahme an Messen, Werbung in einschlägigen Publikationen, Jobanzeigen in gut besuchten Portalen – all dies kann helfen, den eigenen Bekanntheitsgrad gegenüber potenziellen Fachkräften zu erhöhen.

KMUs sitzen häufig im ländlichen Raum

Heiß begehrte Fachkräfte können zwischen verschiedenen Stellen wählen. Dabei muss nicht nur das Gehalt stimmen. Auch Entwicklungsmöglichkeiten, Work Life Balance und nicht zuletzt ein attraktiver Standort sind Argumente für einen bestimmten Arbeitgeber – die Vorlieben der Generationen Y und Z lassen grüßen.

Viele KMUs agieren im ländlichen Raum und haben gegenüber Konkurrenten mit Standorten in Großstädten das Nachsehen. Beliebte Ballungszentren wie München, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart oder Berlin sind für viele Wettbewerber ein besseres Argument als Standorte im Bayerischen Wald, der Sächsischen Schweiz oder dem Sauerland.

Unternehmen können hier zweigleisig agieren. Zum einen bietet es sich an (gegebenenfalls mit gleichgesinnten Unternehmen aus der Region) auf eine Erhöhung der Attraktivität des Standorts hinzuwirken. So könnten der Lokalpolitik die Vorteile attraktiver regionaler Angebote aufgezeigt werden. Lebendige Innenstädte und Ausgehmöglichkeiten nach 22:00 Uhr mögen manchmal unbequem sein, sind für jüngere Menschen jedoch sehr wichtig. Es kann sich lohnen, dies der Öffentlichkeit gegenüber zu kommunizieren.

Die zweite Anlaufmöglichkeit ist das gezielte Umwerben von Fachkräften in Großstädten, die einen Umzug in eine ländliche Region planen. Auch gut ausgebildete Fachkräfte mit überdurchschnittlichem Einkommen finden in vielen Großstädten keine adäquaten Wohnmöglichkeiten mehr. Hier kann es  sich lohnen, ein Lebensmodell im Grünen zu vor Augen zu führen – Haus mit Garten, Ruhe und alle weiteren Vorzüge des Landlebens inklusive.

Engpass bei MINT-Absolventen

Ein weiteres Problem besteht in der zu geringen Anzahl der Absolventen aus Fächern, die für die Industrie besonders wichtig sind. Dazu zählen insbesondere Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, kurz MINT. Die Zahl der Abgänger ist hier strukturell zu niedrig. Allen Anstrengungen zum Trotz wird dies absehbar so bleiben. Der Mittelstand kann nicht viel mehr tun, als an die Politik zu appellieren und auf Verbesserungen in der Bildungspolitik hinzuwirken.

Demographie: Geburtenstarke Jahrgänge verabschieden sich

Die Demographie ist eine der wesentlichen Ursachen für den drohenden Fachkräftemangel. Die geburtenstarken Jahrgänge (Babyboomer) verabschieden sich ab sofort Jahr für Jahr in den Ruhestand. Die nachfolgenden Jahrgänge fallen durch den Geburtenrückgang Anfang der 1970er Jahre zahlenmäßig deutlich kleiner aus. Dadurch sinkt das Erwerbspersonenpotenzial.

Sofern hier überhaupt Gegenmaßnahmen in Betracht kommen, liegen diese in der Zuständigkeit der Politik. Der Mittelstand sollte darauf hinwirken, dass gut ausgebildete Fachkräfte leichter angeworben werden können und dass die Erwerbstätigkeit älterer Personen gefördert wird.

Mittelständler können versuchen, einen Teil der Mitarbeiter im Rentenalter noch eine Zeit an das Unternehmen zu binden. Denkbar sind zum Beispiel Programme mit Teilzeitarbeit. Dadurch lässt sich die Demographieproblematik noch eine Weile herauszögern.

Auf Dauer müssen jedoch andere Lösungen her. Hier kommt die künstliche Intelligenz (KI) ins Spiel. Künstliche Intelligenz kann Prozesse automatisieren, bei denen heute noch Menschen erforderlich sind. Dadurch kann der Bedarf an menschlichen Mitarbeitern reduziert und die Produktivität erhöht werden.

KI bietet Unternehmen große Wertschöpfungspotenziale

Was ist Künstliche Intelligenz und welche Rolle kann sie im Mittelstand spielen? Der Mittelstand sieht in der Künstlichen Intelligenz eine der Schlüsseldisziplinen zur Behauptung der Wettbewerbsposition. Dies gilt ausdrücklich auch für den Mittelstand. Nach derzeitigem Stand werden vor allem cloudbasierte KI-as-a-Service Modelle dort eine große Rolle spielen. Der Grund: Zur Entwicklung eigener KI Lösungen fehlt es vielen KMUs an Fachkräften und Datenbasis. Um die Produktivitätspotenziale in Logistik, Produktion, Einkauf und Beschaffung zu heben, müssen deshalb externe Lösungen her.

Die Erhebung „Mittelstand Digital“ kommt zu dem Schluss, dass der Mittelstand Potenziale vor allem bei der Optimierung der Distribution, bei gesteigerten Prozesseffizienzen sowie in einer zielgenaueren Werbung sieht. Diese Potenziale können mit KI-as-a-Service Modellen gehoben werden. Dazu bedarf es im Mittelstand jedoch in vielen Fällen noch zusätzlicher Qualifizierung und Beratung.

Die öffentliche Hand fördert Digitalisierungsberatung auch im Hinblick auf KI-as-a-Service Modelle. Dieser Bereich wird zum Beispiel durch das Förderprogramm Go Digital des Bundeswirtschaftsministeriums abgedeckt. Über das Programm können sich Unternehmen aus dem Mittelstand die Hälfte der Beratungskosten eines autorisierten Beraters erstatten lassen. Vergleichbare Förderprogramme gibt es auch auf Länderebene.

Höhere Produktivität, niedrigere Kosten

Wesentliches Potenzial bietet künstliche Intelligenz durch höhere Produktivität bei gleichzeitig niedrigeren Kosten. Kosten können eingespart werden, indem Prozesse automatisiert und dadurch personell entlastet werden. Die Produktivität kann durch die Reduzierung der Fehlerquote, eine Beschleunigung der Abläufe und eine vorausschauende Logistik erhöht werden.

Optimierte Prozesse mit weniger Fehlern

Die Reduzierung der Fehlerquote spielt bei Künstlicher Intelligenz eine wesentliche Rolle. Richtig eingesetzt, erkennt Künstliche Intelligenz mit an 100 % grenzender Sicherheit, ob ein Produkt korrekt produziert wurde oder nicht. Kommt es zu einem Fehler, behebt ein KI gesteuerter Roboter diesen selbst oder meldet den Fehler einem Menschen. Dass ein fehlerhaftes Produkt zunächst die weitere Produktionskette durchläuft, anschließend in den Verkauf geht und danach als Retoure wieder erscheint und dadurch horrende Kosten verursacht, lässt sich so weitgehend ausschließen.

Höhere Kundenzufriedenheit

Eine geringere Fehlerquote und niedrigere Kosten sind für sich genommen bereits günstig für die Kundenzufriedenheit. Diese kann jedoch durch Künstliche Intelligenz noch weiter gesteigert werden. Künstliche Intelligenz kann zum Beispiel frühzeitig erkennen, wann an einem durch den Kunden verwendeten Produkt ein Defekt auftritt und  frühzeitig eine Wartung veranlassen. Dadurch werden Produktionsausfälle beim Kunden minimiert. In Kombination mit digitalisierten Wartungslösungen wie zum Beispiel Fernwartung lassen sich dadurch Ausfälle zusätzlich verringern.

Neue Wachstumsfelder und Geschäftsmodelle

Künstliche Intelligenz kann auch dabei helfen, neue Geschäftsmodelle, Produkte und Services zu entwickeln und dadurch Wachstumspotenzial zu erschließen. Ein Beispiel dafür ist die kundenindividuelle Massenproduktion ab Losgröße 1. Künstliche Intelligenz könnte beim Kunden angesiedelt sein und erkennen, wann welche Ersatzteile, Neuanschaffungen, Wartungsprozesse etc. erforderlich sind und automatisch deren Produktion und Auslieferung anstoßen. Mittelständische Unternehmen wie zum Beispiel Maschinenbauer können ihren Kunden dadurch eine erweiterte Servicelösung bieten.

Fazit: Mit KI gegen den Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel betrifft weite Teile der mittelständischen Wirtschaft. Neben der allgemein demographischen Entwicklung spielen dabei Defizite in der Ausbildung und die Präferenz vieler junger Menschen zugunsten städtischer Ballungsräume eine Rolle. Künstliche Intelligenz (KI) kann dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Roboter und Algorithmen können Aufgaben übernehmen, die bis jetzt durch Menschen ausgeführt werden. Dadurch sinkt der Personalbedarf, was die Situation auf dem Arbeitsmarkt aus Sicht der Unternehmen entspannt. KI kann in allen Branchen zu Produktivitätssteigerungen führen. Dies gilt im Gesundheitswesen genauso wie in der industriellen Produktion und ganz besonders im Bereich IT. Im IT-Bereich kann künstliche Intelligenz insbesondere zu mehr IT-Sicherheit beitragen und hier überlastete Sicherheitsabteilungen unterstützen.