So minimieren Sie erfolgreich Währungsrisiken

erfolgreich Währungsrisiken minimieren

Import und Export in Deutschland haben in den letzten Jahren stetig weiter zugenommen. Rund 50 Prozent der Auslandsgeschäfte wickeln die deutschen Unternehmen in Yen, US-Dollar, Renminbi oder Pfund ab. Zahlungsforderungen und Zahlungsverpflichtungen in ausländischen Währungen sind mit Wechselkursrisiken verbunden. Frank Schmidt von der LBBW gibt an, vor allem mittelständische Unternehmen unterschätzen oftmals die resultierenden Risiken.

Was genau sind Währungsrisiken im Unternehmenszusammenhang? 

Der Handel in ausländischen Währungen stellt für die Unternehmen ein wirtschaftliches Risiko dar. Ändert sich der Währungskurs, dann ändert sich die Zahlungsbilanz. Ein Beispiel macht die Situation deutlich:

Angenommen Sie verkaufen ein Produkt im Wert von 10.000 Euro an ein in den USA ansässiges Unternehmen. Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses steht der Wechselkurs bei 1,07 US-Dollar. Sie erhalten 10.700 Euro vom Käufer. Steigt nun der Eurokurs auf 1,10 US-Dollar an, so resultiert ein Wert von 11.000 US-Dollar. Im Vertrag ist jedoch der alte Kurs festgehalten. Trotz der Kursänderung erhalten Sie lediglich 10.700 US-Dollar. Hätten Sie das Geschäft zu einem späteren Zeitpunkt abgeschlossen, dann hätten Sie 300 US-Dollar mehr eingenommen. Der umgekehrte Fall ist ebenfalls möglich: Fällt im betrachteten Beispiel der Kurs auf 0,95 US-Dollar, dann sind die Waren nur noch 9.500 US-Dollar wert. Da Sie dennoch die vereinbarten 10.700 US-Dollar erhalten, verzeichnen Sie Mehreinnahmen in Höhe von 1.200 US-Dollar.

Wie entstehen Wechselkursrisiken?

Das Management von Wechselkursrisiken dient der Vermeidung von Nachteilen durch schwankende Wechselkurse bei international tätigen Unternehmen. Zahlungsverbindlichkeiten sind in einer definierten Währung festgelegt. Ändern sich die Wechselkurse, dann resultieren Auswirkungen für den Partner, der seine Buchführung in einer – von der Vertragswährung – abweichenden Währung vornimmt. Es kann sich um positive aber auch negative Folgen handeln. Entscheidend ist die Unsicherheit, die vorliegt. Risiken sind vor allem hinsichtlich der potenziell möglichen Verschlechterung der ökonomischen Situation von Belang.

Beispiele für enorme Kursschwankungen

Im Jahr 2016 verzeichnete die Wirtschaft große Währungsschwankungen. Auf den US-Dollar wirkte sich der Wahlkampf zwischen Hillary Clinton und Donald Trump aus. Zwischenzeitig rutschte der US-Dollar gegenüber den Euro um sechs Prozent ab. Nachdem das Wahlergebnis im November 2016 feststand, erholte sich der US-Dollar und stieg wieder um fünf Prozent. Das britische Pfund durchlebte nach dem Brexit-Votum eine noch größere Krise. Über das Kalenderjahr hinweg betrachtet lag ein Minus von 13,6 Prozent vor. Der Rubel hingegen entwickelte sich positiv. Die EU-Sanktionen hatten den Kurswert lange Zeit gedämpft, später konnte der Rubel um mehr als 24 Prozent gegenüber dem Euro an Wert gewinnen.

Die verschiedenen Arten von Währungsrisiken

Wirtschaftswissenschaftler unterscheiden zwischen drei Teilrisiken: Das Translationsrisiko (translation exposure) entsteht infolge von Wechselkursschwankungen und bezieht sich auf den Wert des buchhalterischen Reinvermögen. Das Transaktionsrisiko (transaction exposure) liegt bei Forderungen und Verbindlichkeiten vor, die in einer Fremdwährung gebildet wurden. Wechselkursschwankungen führen zu Veränderungen des Wertes der Zahlungsverpflichtungen. Das Operationsrisiko (operating exposure) siedelt sich im Themenbereich der zukünftigen in- und ausländischen Zahlungsströme an. Die Höhe dieser Zahlungen ist ausgehend von der noch unbekannten Wechselkurshöhe nicht zuverlässig vorhersagbar. Konkrete Positionen sind noch nicht entstanden.

Das Wettbewerbsrisiko als strategisches Risiko

Aus den beschriebenen Teilrisiken leitet sich das Wettbewerbsrisiko ab. Es bezieht sich auf die Gefahr, dass Sie durch schwankende Währungskurse kein wettbewerbsfähiges Produkt auf dem Markt etablieren können. Die Ungewissheit über die langfristige Kursentwicklung hemmt die Gewinnprognosen. Sie bauen Lieferantennetzwerke auf, eine Abhängigkeit im Einkauf entsteht. Ebenso betroffen ist der Absatz – auch hier wirken sich Wechselkursschwankungen negativ auf die Zuverlässigkeit von Prognosen aus. Nicht nur direkte wirtschaftliche Konsequenzen entstehen, zunächst einmal wird die Planung unsicher und die Positionierung von wettbewerbsfähigen Produkten auf dem Markt wird erschwert.

Die Marge wird durch die Kursschwankungen beeinflusst

Der betriebswirtschaftliche Begriff der Marge ist definiert als die Differenz aus dem Verkaufspreis und dem Ankaufspreis. Eine große Marge erhöht den Gewinn und sichert die Marktposition des Unternehmens – sofern genügend Absatz erzielt wird. Es handelt sich somit um eine Kennzahl für den Gewinn. Ein anderer Ausdruck für Marge lautet Gewinnspanne. Wechselkursschwankungen wirken sich auf die Höhe der Marge aus. Angenommen Sie beziehen ihre Produkte von einem Lieferanten aus den USA, der seine Rechnungen in der Währung US-Dollar ausstellt.

Sie rechnen den Einkaufspreis in Euro um und kalkulieren vom Ergebnis ausgehend den Verkaufspreis für die Ware. Nun kennen Sie die Marge. Doch leider handelt es sich um keine sichere Berechnung. Zwischen Angebotseinholung beim Lieferanten und dem tatsächlichen Bezahlen der gelieferten Ware vergeht Zeit. Ändert sich der Wechselkurs, dann ändert sich der Betrag, den Sie in der Währung Euro überweisen müssen. In der Konsequenz ändert sich die Marge. Die Gewinnspanne wird kleiner oder größer.

Lange Zahlungsziele verstärken das Risiko

Lange Zahlungsziele haben den Vorteil, dass das Kapital möglichst lange im eigenen Unternehmen verbleibt. Allerdings verstärken sich im Falle des internationalen Handels die Währungsrisiken. Auf lange Sicht kann nur schwer abgeschätzt werden, wie sich Kurse entwickeln. Je weiter das Zahlungsziel in der Zukunft liegt, desto mehr Unsicherheit existiert. Ein hohes Währungsrisiko resultiert. Doch nicht nur die zeitliche Differenz bestimmt die Höhe des Risikos. Während einige Währungen relativ stabil sind, unterliegen andere Währungen größeren Schwankungen. Allgemeine Aussagen sind schwierig, da sich die diesbezüglichen Situationen in unregelmäßigen Abständen ändern. Wenn Sie Verträge in ausländischen Währungen abschließen, dann sollten Sie zunächst die Kursentwicklung betrachten und hinterfragen, wie wahrscheinlich große Schwankungen sind. Im Februar 2020 stieg der Kurs des Rubels sprungartig an. Der zukünftige Verlauf muss daher als unsicher beurteilt werden. Die Kursentwicklung des japanischen Yen fällt durch den Einbruch im Jahr 2016 auf. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung nimmt der Kurs seit 2017 wieder ab. Trends verlaufen jedoch nicht gradlinig. In der Tendenz fallen oder steigen die Kurse, bezogen auf kleine Zeiträume können entgegengesetzte Entwicklungen auftreten. Beispielsweise kann ein Kurs über die Jahresbilanz gestiegen sein, in Zeiträumen von wenigen Wochen jedoch kurzzeitig gefallen sein.

Diese Unternehmen sind besonders betroffen

Es existieren verschiedene Einflussfaktoren auf das Ausmaß der Währungsrisiken:

  •  Die internationale Geschäftstätigkeit

Wenn Sie nur mit inländischen Geschäftspartnern agieren, dann werden die Handelsverträge in der Währung Euro abgeschlossen – Währungsrisiken entfallen. Je intensiver Sie mit ausländischen Exporteuren und Importeuren zusammenarbeiten, desto mehr Gelegenheiten für Währungsrisiken bestehen. Lesen Sie hierzu gerne auch unseren Artikel: Auslandsgeschäfte mit Global Partners – Tipps zur Risikominimierung

  • Die Länge der Zahlungsziele

Lange Zahlungsziele resultieren in schlecht einschätzbaren Währungsrisiken.

  • Die Verhandlungsstärke

Da es für Sie besser ist, Verträge in Euro abzuschließen, profitieren Sie von einer diesbezüglichen Verhandlungsstärke.

  • Der Währungsmarkt

Nicht alle Währungen unterliegen den gleichen Schwankungsrisiken. Daher sind nicht alle Währungsrisiken gleich hoch.

So können Sie sich absichern

  1. Fakturierung in inländischer Währung

Wenn Sie Verträge mit Exporteuren und Importeuren in Euro – also Ihrer inländischen Währung – abschließen, dann verlagern sich die Währungsrisiken auf die Seite Ihrer Geschäftspartner. Die Währungsrisiken sind nicht eliminiert, sie sind für Ihre Finanzen jedoch nicht mehr entscheidend. Ihre Geschäftspartner hingegen – sofern sie nicht in der EU ansässig sind – haben noch Währungsrisiken.

  1. Devisentermingeschäfte

Grundidee dieser Strategie ist die Absicherung eines festen Kalkulationskurses über eine definierte Laufzeit. Beim Abschluss fallen keine Kosten an. Allerdings verzichten Sie durch die Devisentermingeschäfte auf das eventuelle Profitieren von vorteilhaften Kursentwicklungen. Beachten Sie, dass die Termingeschäfte verbindlich sind. Sollte der ausländische Geschäftspartner in Zahlungsschwierigkeiten geraten, dann müssen Sie ungeachtet dieser Entwicklung die vereinbarte Devisenmenge bei Fälligkeit des Termingeschäfts verkaufen. Der festgelegte Preis ist einzuhalten.

  1. Exportkreditversicherungen

Exportkreditversicherungen dienen der Absicherung gegen Risiken im Außenhandel. Es stehen diverse Anbieter zur Verfügung, die unterschiedliche Versicherungsmodelle konzipiert haben.

  1. Forfaitierung durch den Verkauf der Forderungen

Sie verkaufen Ihre Exportforderungen an eine Bank. Sobald Sie die Produkte geliefert haben, erhalten Sie vom Fortfaiting-Vertragspartner die vereinbarte Summe. Die Bank übernimmt das Ausfall- und Währungsrisiko. Da Sie das Geld schnell bekommen, verbessern Sie Ihre Liquidität und können außerdem auch langfristige Zahlungsziele gewähren. Nachteilig wirken sich die Kosten für das Fortfaiting aus, sie schmälern Ihren Gewinn.

Fazit

Es ist wichtig, im Unternehmen das Wechselkursrisiko zu kennen und geeignete Strategien umzusetzen.