Einzelunternehmer führt die Corona-Krise schnell an die Belastungsgrenze. Doch auch als Solo-Selbständiger hat man einen gewissen Spielraum, in diesen Zeiten seine Existenz zu sichern. Die Politik hat das verstanden und versucht mittlerweile, auf die Herausforderung mit Milliardenfonds zu reagieren.

Darum sind Einzelunternehmer besonders heftig von der Krise betroffen

Solo-Selbständige oder Einzelunternehmer trifft die Corona-Krise deswegen besonders hart, weil es die Politik in den letzten Jahrzehnten bewusst versäumt hat, diese als wertvollen Bestandteil der Wirtschaft anzuerkennen und dementsprechend zu fördern und sozial abzusichern. Die Bundesrepublik ist zwar grundsätzlich ein großzügiger Sozialstaat, der in besonderem Maße die Rechte von Arbeitnehmern schützt, aber eben nur derjenigen, die als Festangestellte Anspruch auf Kurzarbeiter- und Arbeitslosengeld haben. Einzelunternehmer wurden hierbei nicht berücksichtigt, da sie in der Regel nicht in die Arbeitslosenversicherung einzahlen dürfen, selbst wenn sie es wollten. So brechen für viele dieser Solo-Selbständigen jetzt ihre Einkommen weg, ohne dass sie Anspruch auf Sozialleistungen hätten. Trotzdem müssen Mieten, Kredite und Sozialversicherung weiter bedient werden.

Welche speziellen Förderprogramme gibt es?

Update vom 26.03.2020 

Im Zuge der staatlichen Hilfspakete stehen neben den größeren Unternehmen besonders die Selbständigen, Freiberufler und Kleinunternehmer im Fokus.

Für diese Gruppe stellt der Bund ab sofort 50 Milliarden Euro Soforthilfe zur Verfügung. Mit einem unbürokratischen Antragsprozess sollen Unternehmer und Selbstständige vor existenziellen Problemen geschützt werden. Hierdurch können beispielsweise Miet- Pachtkosten sowie sonstige Betriebskosten, z.B. Krediten für Betriebsräume oder Leasingraten geschützt und realisiert werden.

Zudem werden Insolvenzregeln insofern geändert, dass in den nächsten Monaten zunächst keine Insolvenz angemeldet werden muss. Die Bedingungen für Soforthilfen ist, dass Antragsteller wirtschaftliche Schwierigkeiten (Existenzbedrohung bzw. Liquiditätsengpass) infolge der Corona-Pandemie nachweisen können.

Update vom 22.04.2020

Speziell für kleine Betriebe und Geschäfte “aus der Nachbarschaft” hat die Gothaer Versicherungsgemeinschaft die Initiative “#KraftderGemeinschaft” ins Leben gerufen. Sie bietet kleinen Unternehmen eine Plattform, auf der sie mittels Crowdfunding Unterstützung aus der Bevölkerung sammeln können.

Teilnehmen kann jeder Unternehmer, Freiberufler oder Gewerbetreibende mit Unternehmenssitz in Deutschland, der von der Corona-Krise betroffen ist. Zusätzlich erhalten die ersten 2.000 Unternehmen, die 500 € Unterstützung gesammelt haben, zusätzliche Unterstützung in Höhe von 100 € von der Gothaer. Die Zahlungsplattform Stripe wickelt sämtliche Spenden ab und zahlt sie spätestens 10 Tage später, abzüglich einer Gebühr von 1,4 % zzgl. 0,25 €, an den Empfänger aus. Geld gesammelt werden kann bis einschließlich 31.07.2020.

Direkttransfer / Einmalzahlungen

Selbstständige und Unternehmen mit bis zu 5 Beschäftigten

  • Einmalzahlung von bis zu 9.000 € für 3 Monate (nicht zurückzuzahlen)
  • Gilt für Selbständige und Unternehmen mit bis zu 5 Beschäftigten (Vollzeitäquivalente)

Selbstständige und Unternehmen mit bis zu 10 Beschäftigten

  • Einmalzahlung von bis zu 15.000 € für 3 Monate (nicht zurückzuzahlen)
  • Gilt für Selbständige und Unternehmen mit bis zu 10 Beschäftigten (Vollzeitäquivalente)

Grundsicherung

Der Bund stellt neben den genannten Maßnahmen zusätzliche 3 Milliarden Euro für Selbständige zur Verfügung, um den Zugang zur Grundsicherung zu erhalten (Lebensunterhalt, Unterkunft). Hierzu müssen keine Vermögensverhältnisse offen gelegt werden.  Nähere Infos und Updates hierzu finden sie auf den Websites des Bundes.

Kredite

Eine detaillierte Übersicht der Hilfskredite finden sie in folgenden Artikeln.

https://fincompare.de/kfw-foerderbank

https://fincompare.de/foerdermittel

https://fincompare.de/corona-krise-tipps-kmus-selbststaendige

Jungen Start-ups, die weniger als 5 Jahre am Markt bestehen, ist es möglich, wegen der Corona-Krise leichter an ERP-Gründerkredite der Staatsbank „Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)“ zu gelangen. Diese Kredite können über die Hausbank beantragt werden, die sich um die Zuschüsse bei der KfW bemüht. Sind Sie persönlich unter Quarantäne gestellt worden, greift das Infektionsschutzgesetz. Der Staat muss für Ihre Verdienstausfälle aufkommen und zahlt Summen aus, die sich am Jahreseinkommen des Vorjahres orientieren. Die Industrie-und Handelskammern raten dazu, sich als Einzelunternehmer nicht gleich arbeitslos zu melden, sondern das Existenzminimum vorübergehend über Ergänzungsleistungen der Jobcenter zu sichern. Zudem besteht die Möglichkeit, sich zeitnah bei der Künstlersozialkasse (KSK) darum zu bemühen, die Einkommenserwartung für das laufende Jahr herabzusenken. Dadurch kann die KSK die Beitragshöhe neu berechnen, die dann gegebenenfalls deutlich niedriger ausfallen kann.

Die Bundesregierung plant einen Hilfsfond über 40 Milliarden Euro für Einzelunternehmer. 10 Milliarden sollen als Zuschüsse direkt an Selbständige mit bis zu 10 Mitarbeitern ausgezahlt werden. Weitere 30 Milliarden sind als Hilfen in Form von Darlehen vorgesehen. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ berichtete am 19. März, dass Unternehmer mit maximal 5 Angestellten Zuschüsse in einer Höhe von 9000 Euro für drei Monate erhalten sollen. Am 23. März stellte der Bundeswirtschaftsminister in einer Pressekonferenz sogar bis zu 15.000 Euro Soforthilfen für Einzelunternehmer in Aussicht. Die Länder Bayern, Berlin, Hamburg und Bremen stellen sogenannte Landes-Hilfsfonds bereit, mit deren Hilfe sie Solo-Selbständigen unter die Arme greifen wollen. Die Rede ist von Summen zwischen 2500 – 5000 Euro. Bremen erwägt – nach eingehender Prüfung – sogar Zuschüsse von bis zu 20.000 Euro an Einzelunternehmer auszuzahlen. Das Land Nordrhein-Westfalen stellt bisher nur Soforthilfen in Höhe von 2000 Euro für Künstler zur Verfügung. Diese Landeshilfen sollen greifen, bis die Bundesregierung ein eigenes Hilfsprogramm aufgelegt hat. Außerdem wird von den Solo-Selbständigen erwartet, dass sie nachweisen, dass die Corona-Krise an ihrer finanziellen Schieflage Schuld ist.

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Kreative Ideen für Spendenaufrufe

Für freischaffende Musiker hat die Deutsche Orchester-Stiftung eine Spendenaktion gestartet. Diese Berufsgruppe leidet besonders darunter, dass ihre gesamten Auftritte und die Zuverdienstmöglichkeiten als Musiklehrer abgesagt bzw. untersagt wurden. Der Hashtag #AktionTicketBehalten ruft Konzertbesucher dazu auf, ihre Tickets nicht zurückzugeben, um Solidarität mit den Künstlern zu zeigen, die wegen der Corona-Krise nicht mehr auftreten dürfen. Der Branchenverband der Kreativwirtschaft „Wir gestalten Dresden“ hat unter dem Motto #supportyourlocalartists zu einer Spendenaktion zugunsten ortsansässiger Künstler aufgerufen, die wegen Auftrittsverboten und Schließungen von Cafés, Volkshochschulen und Musikschulen von heute auf morgen ohne Einkommen dastehen.

Die Clubcommission Berlin hat eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen, um ein Clubsterben der Berliner Clubszene zu verhindern. Hier können sich Interessierte an Live-Streams beteiligen und erhalten so die Möglichkeit, sich und Ihren Club bei Spendenaktionen zu präsentieren. Die Community „Unitedwestream.berlin“ will nicht nur Musikauftritte streamen, sondern auch Podiumsdiskussionen, Vorträge und Filme. Darüber hinaus erwägt der Berliner Senat laut der „Zeit“ vom 12.03. eingefrorene Residenz-Stipendien umzufunktionieren, um die dafür vorgesehenen 350.000 Euro in die Bekämpfung der Folgen zu investieren, die die Corona-Krise für Solo-Selbständige verursacht.

Gibt es eine Möglichkeit kurzfristig Arbeitslosengeld zu erhalten?

Da Selbständige nicht in die Arbeitslosenversicherung einzahlen, erhalten sie auch kein Arbeitslosengeld I. Laut der Gewerkschaft ver.di besteht zwar grundsätzlich die Möglichkeit, als Selbständiger einen Antrag auf Mitgliedschaft in der Arbeitslosenversicherung zu stellen, dieser ist jedoch so kompliziert und bürokratisch, dass die wenigsten Einzelunternehmer dieses Verfahren erfolgreich beendet haben. Für diejenigen, denen es geglückt ist, in die Arbeitslosenversicherung aufgenommen zu werden, gilt jedoch, dass sie nicht mehr als zwei Auszahlungen erhalten.

Arbeitslosengeld II, auch als Hartz IV bekannt, können natürlich alle Selbständigen beantragen, die wegen der Corona-Krise unter das Existenzminimum rutschen. Bundessozialminister Heil stellt für die Dauer der Pandemie einen erleichterten Zugang ohne die sonst üblichen Hürden und Vermögensprüfungen in Aussicht. Für Solo-Selbständige kann sich dies sehr vorteilhaft auswirken, da so das Eigentum für die Dauer der Krise unangetastet bleiben könnte.

Homeoffice für Künstler

Im Gegensatz zu kleinen Handwerksbetrieben, die darauf angewiesen sind, vor Ort tätig zu sein, kann es sich für Künstler lohnen, einige ihrer Services im „Homeoffice“ anzubieten. Musiker können je nach Instrument und digitaler Ausstattung ihre Schüler auch per Skype unterrichten. Des Weiteren sollten auch Autoren darüber nachdenken, abgesagte Lesungen, PoetrySlams und Vorträge im Livestream und per Videokonferenz durchzuführen. Viele Musiker und „Stars“ haben damit begonnen, Konzerte und Gigs zu streamen, um ihren Fans als Vorbild für das „Social Distancing“ zu dienen. Der Bedarf an Unterhaltung und Ablenkung ist angesichts der Ausgangbeschränkungen so hoch, dass sich gestreamte Hauskonzerte, Podcasts und Lesungen immer größerer Beliebtheit erfreuen. Leider werden die digitalen Möglichkeiten in vielen Fällen an ihre Grenzen stoßen. Sei es, weil die Infrastruktur nicht mitmacht oder weil bestimmte Dienstleistungen wie Handwerk, Musik-und Kunsttherapie, aber auch Logopädie, Fußpflege und Maniküre nicht einfach ins Internet verlagert werden können. Bedenken Sie für sich die besten Möglichkeiten, um im Geschäft zu bleiben. Vorübergehend kann es sogar Sinn machen, eventuelle Hobbys zum Beruf zu machen. Sprachkenntnisse oder mathematische Begabung kann man als Nachhilfelehrer online anbieten, da sicherlich sehr viele Schüler im Netz auf der Suche nach Tipps und Tricks zur Erledigung ihrer Hausaufgaben unterwegs sein werden. Wichtig dabei ist in jedem Fall, am Ball zu bleiben, sich nicht aus der Bahn werfen zu lassen und die augenblickliche Situation als Chance zu begreifen. Es besteht schließlich die Möglichkeit, dass sich die eine oder andere kreative Geschäftsidee auch nach der Corona-Krise als besonders wertvoll erweist.