Wie Sie sich im Einzelhandel jetzt aufstellen sollten

So müssen sich Einzelhändler jetzt aufstellen

Die Corona-Krise stellt für die Bevölkerung und die Wirtschaft eine große Herausforderung dar. Der Einzelhandel ist durch die Maßnahmen stark betroffen: Viele Geschäfte haben geschlossen und stehen vor der Frage, wie sie sich aktuell und nach der Pandemie neu organisieren sollen. Kreativität und Tatendrang sind erforderlich. Doch auch viele klassische Konzepte lassen sich nun nutzen, um Existenzen zu retten.

Harte Fakten für den Einzelhandel: Corona hinterlässt Spuren

Für den Handel haben harte Zeiten begonnen: Viele Geschäfte sind geschlossen und es ist nur schwer abschätzbar, wie sich die Lage in Zukunft entwickeln wird. Enorme Umsatzeinbußen treffen viele Einzelhändler. Zwar hat die Bundesregierung gemeinsam mit den Landesregierungen beschlossen, dass auch kleinere Geschäfte wieder öffnen dürfen, jedoch ist nicht die gleiche Situation wie vor der Corona-Pandemie hergestellt. Die Infektionsgefahr ist noch stets vorhanden, Hygienemaßnahmen und umfangreiche Auflagen sind in Kraft gesetzt. Der Einzelhandel muss versuchen, einen Weg zu finden, sich neu aufzustellen, um die Bevölkerung und die eigene wirtschaftliche Existenz zu schützen. Eine Neupositionierung bietet Chancen – sowohl während der Pandemie als auch danach.

Die Corona-Krise führt zu einem veränderten Konsumverhalten: Der Einzelhandel muss reagieren

Die Corona-Krise führt zu einem veränderten Konsumverhalten. Jeder Kunde hat es in den Supermärkten hautnah erlebt: Toilettenpapier und Taschentücher sind ausverkauft, Nudelregale sind leer geräumt und lang haltbare Lebensmittel erfreuen sich einer großen Beliebtheit. Hinsichtlich dieser Situation ist zwischen der kurzfristigen und der dauerhaften Veränderung des Konsumverhaltens zu unterscheiden. Je mehr die Konsumenten Lebensmittel Engpässe befürchten, desto mehr „hamstern“ sie. Hinsichtlich Hygieneartikeln gehen 69 Prozent der Konsumenten von Lieferengpässen aus. Obgleich das Hamsterverhalten der Kunden nachgelassen hat, ist dennoch noch nicht der Normalzustand wieder eingetreten: 31 Prozent der Konsumenten stocken ihre Lebensmittelvorräte auf. Sie kaufen mehr Lebensmittel als normalerweise.

Die Auswirkungen der Schließung der Gastronomie auf den Einzelhandel

Die Gastronomie ist geschlossen, der Großhandel setzt weniger Produkte an die Gastronomie ab. Die Menschen bleiben zuhause, sie essen zu Hause und sie kaufen keine Snacks unterwegs am Imbiss. Diese Situation führt dazu, dass die Konsumenten ihre Lebensmittel vollständig in Supermärkten kaufen – abgesehen vom Kauf über Lieferdienste. Der Einzelhandel muss dieser Nachfrage nachkommen, er verändert seine Absatzplanung. Privatkunden stehen im Mittelpunkt der Bemühungen des Einzelhandels. Ein Beispiel ist das Unternehmen Metro. Der Händler vertreibt seine Produkte normalerweise an gewerbliche Abnehmer, hat in der Pandemie-Zeit jedoch bereits einige Märkte für Privatkunden geöffnet. Der Nutzungsänderung müssen die Bundesländer zustimmen, weswegen zunächst in Mecklenburg-Vorpommern fünf Märkte Privatkunden zur Verfügung stehen: Das Ministerium hatte Anfang April 2020 der Nutzungsänderung zugestimmt. Laut Eigenaussage von Metro möchte das Unternehmen einen Beitrag leisten, die Grundversorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sicherzustellen. An diesem Beispiel können Sie erkennen, dass es wichtig ist, als Unternehmer in Krisenzeiten flexibel zu agieren und sich an die äußeren Umstände anzupassen.

So sollten Sie sich im Einzelhandel jetzt positionieren:

Zuhause bleiben – Zuhause konsumieren

Zuhause bleiben muss nicht heißen, dass Sie Langeweile haben müssen. Aktuell ist nicht absehbar, wann und ob die Situation vor der Pandemie wieder hergestellt werden kann. Ist der Tagesausflug an die See nicht möglich, dann ist es umso wichtiger, eine funktionale Ausstattung der Terrasse zu besitzen, um dort die Freizeit zu verbringen. Videospiele, ein großer TV-Fernseher und Heimtrainer sind Kaufobjekte, die Zuhause für Freude sorgen. Der Einzelhandel muss sich auf diese veränderte Nachfrage einstellen, um den Konsumenten zu bieten, was die Konsumenten wünschen.

Der Online-Shop als Geschäftsmodell

Als Einzelhändler sollten Sie die Krise nutzen, eine Neuausrichtung der Geschäftstätigkeit zu überdenken. Ein vielversprechender Ansatz ist die Verlagerung in den Online-Bereich. Betreiben Sie bereits einen Online-Shop, dann können Sie das Angebot ausweiten und sich neu im Internet positionieren.

Lag der Fokus Ihrer geschäftlichen Aktivität bisher im Filialgeschäft und Sie haben noch keinen Online-Shop konzipiert, so wird es Zeit, einen neuen Weg einzuschlagen: Der Online-Verkauf ist unabhängig von der Corona-Krise ein zukunftsweisender Absatzkanal. In Zeiten von Pandemie und der damit verbundenen Skepsis von Verbrauchern gegenüber einem Besuch in einer Filiale lohnt sich das Anbieten von Waren über das Internet umso mehr.

Der Online-Sektor ist ein Wachstumsmarkt

Bereits vor der Corona-Krise hat sich gezeigt, dass immer mehr Kunden die Vorteile des Online-Kaufs zu schätzen wissen. Laut Online Monitor 2019 ist der Onlinehandel im Jahr 2018 um 9,1 Prozent gewachsen. Wachstumstreiber sind vor allem die Bereiche FMCG, Heimwerken & Garten sowie Wohnen & Einrichten. In den Branchen Fashion, Consumer Electronics und Wohnen verlagert sich der Fokus des Shoppings immer mehr auf den Online-Sektor, wodurch der stationäre Handel Umsatzeinbußen hinnehmen musste. Diese Entwicklung zeigt die Notwendigkeit auf, als stationärer Einzelhändler den eigenen Online-Bereich weiter auszubauen. Zusätzliche Absatzmöglichkeiten ergeben sich – zugleich folgt der Einzelhandel dem Trend zum Online-Shopping.

Wie beginne ich mit dem Online-Verkauf?

Der erste Schritt der Neuausrichtung ist sicherlich das Erstellen eines Geschäftsplans beziehungsweise eines Konzepts. Hinsichtlich der Überlegung, wie ein Online-Shop aufgebaut wird, haben Sie verschiedene Optionen. Kleine Unternehmen benötigen nicht zwangsweise einen selbst programmierten Online-Shop. Es ist möglich, Plattformen wie Ebay und Shopify zu nutzen, um Produkte über das Internet zu vertreiben. Über diverse Plattformen können Sie die integrierten Online-Shops nutzen und innerhalb kürzester Zeit den ersten Umsatz erzielen. Das Marketing vereinfacht sich, da Ihr Shop über die Suchfunktion der Portale gefunden werden kann. Zusätzlich sollten Sie eine eigene Webseite aufbauen und dort ebenfalls einen Webshop einbauen. Auf ihrer Homepage informieren Sie die Kunden über Ihre Produktpalette und das Unternehmensprofil. Präsenz sollten Sie auch in den sozialen Netzwerken zeigen: Professionelles Social Media Marketing dient dem direkten Ansprechen der Zielgruppe und der Absatzgenerierung.

Der Online-Shop als erster Schritt zur Digitalisierung

Die digitale Transformation ist ein Prozess, der die Wettbewerbsstärke der Unternehmen erhöht. Das Ziel ist es, die Prozesse effektiv zu gestalten, indem digitale Möglichkeiten genutzt werden. Der Aufbau eines Online-Shops ist ein Beispiel, weitere Maßnahmen sind die Umstellung auf die digitale Kommunikation. Die interne Kommunikation betrifft die Mitarbeiter. In der Corona-Krise wurde deutlich, wie wichtig es ist, digital kommunizieren zu können. Menschen sind angehalten, so viel wie möglich zu Hause zu arbeiten. Im Home Office ist die digitale Kommunikation die Grundlage für die erfolgreiche Durchführung. Die Mitarbeiter müssen standortunabhängig auf die benötigten Informationen zugreifen können und sich ohne persönlichen Kontakt austauschen können. Doch selbst wenn sich alle Mitarbeiter in einem Bürogebäude befinden sollten, ist dank digitaler Kommunikation nicht das Face-to-Face-Gespräch erforderlich: Unternehmensplattformen, Intranet und Skype-Konferenzen bieten schnelle und einfache Kommunikation – sowohl in der Corona-Krise als auch danach. Virtuelle Teams bestehen aus Personen, die sich nicht an einem Standort befinden müssen, sondern ausschließlich aufgrund ihrer Kompetenzen ausgewählt worden sind. Die Projektorganisation ist ohne persönlichen Kontakt möglich. Sie sehen, die digitale Transformation ist ein zukunftsfähiges Konzept, das die Maßnahmen des Social Distancings beinhaltet, jedoch auch nach der Corona-Krise eine wertvolle Veränderung für Ihr Unternehmen darstellt. Investitionen sind in Form des Aufbaus der digitalen Kanäle und digitalen Prozesse erforderlich. Passen Sie die IT-Architektur an Ihre Unternehmensziele an.

Digitale Produkte entwickeln

Aus der Überlegung der digitalen Transformation heraus entsteht die Idee, vermehrt digitale Produkte zu entwickeln. Verkauf und Versand finden hierbei über den gleichen Kanal statt. Digitale Produkte werden über das Internet angeboten und können von den Konsumenten direkt heruntergeladen werden – der physische Versand entfällt. Ein klassisches Beispiel sind E-Books. Fußballvereine entwickeln bereits seit einiger Zeit eigene Ideen für digitale Produkte. Die deutsche Bundesliga erfreut sich auch in asiatischen Ländern und in den USA großer Beliebtheit. Digitale Produkte verfügen über eine große Reichweite. Unternehmen sprechen Kunden über die sozialen Netzwerke und das WWW an, sodass sie neue Märkte erschließen.

Ein Best Practise Beispiel: Lebensmittel liefern – REWE als Vorreiter

REWE hat bereits vor einigen Jahren begonnen, Lebensmittel zu den Kunden nach Hause zu liefern. Die Entscheidung hierzu treffen die einzelnen Märkte. Sie investieren in ein Lieferfahrzeug, die Mitarbeiter liefern die Ware aus. Die Kunden bestellen über die Webseite von REWE. Hauptzielgruppen vor der Corona-Krise waren ältere Menschen, Personen ohne eigenes Fahrzeug und Berufstätige. In der Corona-Pandemie möchten viele Menschen den Einkauf meiden, weswegen von einer erhöhten Nachfrage nach Lebensmittel-Lieferungen ausgegangen werden darf. Im Falle einer angeordneten Quarantäne ist die Lebensmittellieferung ebenfalls eine gute Option für den Einkauf. Bezahlt werden kann im Voraus online, die Ware kann an der Grundstücksgrenze abgestellt werden.

Sie sehen, die Corona-Krise ist eine große Herausforderung für Unternehmen, jedoch stehen Lösungen parat, sich neu zu positionieren.