So machen Sie sich die Diversifikation zunutze

Wir zeigen Ihnen, welche Formen der Diversifikation es gibt und welche Ziele dabei verfolgt werden.

Produktvielfalt

Die Diversifikation wird sowohl in der Betriebswirtschaftslehre als auch in der Finanzwirtschaft verwendet. Da sich beides besser zusammen verstehen lässt, erklären wir den finanzwirtschaftlichen Ansatz zusammen mit dem betriebswirtschaftlichen Ansatz. Wir zeigen Ihnen, welche Formen der Diversifikation es in beiden Bereichen gibt. Außerdem zeigen wir auf, welche Ziele dabei verfolgt werden und wie diversifiziert werden kann.

Der Begriff: Diversifikation

Der Begriff der Diversifikation findet sowohl in der Betriebswirtschaft als auch in der Finanzwirtschaft Anwendung. In diesem Artikel werden wir in jedem Abschnitt zunächst die betriebswirtschaftliche Bedeutung definieren, bevor wir auch auf die finanzwirtschaftliche Definition eingehen. Die Verbindung beider Sichtweisen soll das Verständnis für Sie erhöhen.

Betriebswirtschaftlich stellt die Diversifikation den Grad der Vielfalt an Produkten und Artikeln eines Unternehmens dar. Ist die Anzahl an Artikeln in einem Onlineshop wie Amazon groß, dann ist auch der Grad der Diversifikation groß. Das Produktportfolio eines Unternehmens zu diversifizieren bedeutet, die Produktpalette, um weitere Produkte zu ergänzen. Diese können mehr oder auch weniger mit den bereits vorhandenen Produkten zu tun haben. Ein Beispiel mit extremer Diversifikation ist Nokia. Angefangen hatte Nokia mit der Herstellung von Papiererzeugnissen. Später war Nokia dann auch in der Stromerzeugung tätig, bevor es diverse Gebrauchsgegenstände wie Gummistiefel oder Reifen produzierte. Später wurde die Produktpalette des Konzerns auch um beispielsweise Kabel und Elektronikartikel ergänzt. Weitere Chancen sah der Konzern dann auch im Angebot von Bodenbelegen, Laptops und Mobiltelefonen, sowie VPN-Zugängen. Über Produktentwicklungen und eine Vielzahl an Aufkaufen ist Nokia ein Beispielunternehmen, welches sich im ständigen Wandel durch Diversifikation befindet.

Neben der Diversifikation von Produkten – also des Sortiments –  wird auch bei der Ausweitung von neuen regionalen Vertriebsgebieten von Diversifikation gesprochen. Wenn Ihr Unternehmen zunächst primär in Süddeutschland vertreibt, dann entspricht die Öffnung des Norddeutschen Raumes oder die Öffnung von Österreich einer regionalen Diversifikation. Betriebswirtschaftlich gesehen werden jegliche Ausweitungen der Vertriebsmöglichkeiten unter dem Begriff der Diversifikation zusammengefasst.

Finanzwirtschaftlich verhält sich das Prinzip der Diversifikation ganz ähnlich. So können Sie Ihr Anlagenportfolio diversifizieren. Anstatt nur in Aktien einer Gesellschaft zu investieren, können Sie auch in Anleihen, Geldmarktfonds, Derivate, als Darlehen oder andere Investmentfonds und Anlagemöglichkeiten investieren. Wenn Sie in Investmentfonds investieren, so verfügen auch diese in der Regel über einen hohen Grad an Diversifikation. Fonds können selbst in verschiedene Geldanlagen investieren. Sie werden von einem Fondsmanager verwaltet, der sich auf dem Markt der Geldanlage auskennt.

Das sind die verschiedenen Formen

Da die Diversifikation an sich sehr vielseitig sein kann, wird sie in verschiedene Formen der Diversifikation unterschieden. Dies unterstützt beim Verständnis sowie auch bei der Definition der anvisierten Entwicklung des eigenen Portfolios. Im Folgenden werden wir Ihnen die drei Formen der Diversifikation kurz an Beispielen verdeutlichen.

Horizontale Diversifikation

Bei der horizontalen Diversifikation geht es in der Betriebswirtschaftslehre darum, das eigene Portfolio, um neue Produkte zu ergänzen. Dies erfolgt auf derselben Wirtschaftsebene, löst aber neue Probleme der Abnehmer. Der Kundenstamm kann derselbe sein. Anstatt nur Fahrräder zu verkaufen, könnte Ihr Betrieb beispielsweise auch den Vertrieb von E-Bikes übernehmen. Die Branche ist generell noch dieselbe. Das Produkt ist aber anders. Es besteht zudem ein sachlicher Zusammenhang zwischen Fahrrädern und E-Bikes. Wichtig bei der horizontalen Diversifikation des Sortiments ist die generelle Vergleichbarkeit der Produkte. Zudem befinden sich die Produkte auf der gleichen Ebene der Wirtschaftsstufe. Wenn statt nur Fahrräder zusätzlich Fahrradketten angeboten werden, dann wird nicht von einer horizontalen Erweiterung der Produktlinie gesprochen.

Mit der Finanzwirtschaftlichen Brille kann eine horizontale Diversifikation ebenfalls stattfinden. Sie können Ihr Portfolio an Geldanlagen um Anlageoptionen ergänzen, die der bisherigen Anlage ähneln, aber dennoch andere Herausforderungen lösen. Wenn Sie Beispielsweise bisher nur in Anleihen von Bildungsinstituten investiert haben, könnten Sie Ihr Anlageportfolio um zum Beispiel Anleihen von Unternehmen aus der Branche der erneuerbaren Energien erweitern. Sachlich handelt es sich immer noch um Anleihen. Das Unternehmen, in welches Sie zusätzlich investieren erfüllt aber einen anderen Zweck, löst andere Probleme. Bei dieser Form der Diversifikation bleiben Sie in derselben Anlagenklasse. Risiken, Chancen und Rendite ähneln sich grundsätzlich. Je nach Kreditwürdigkeit des Emittenten sowie auch der Nachfrage an Anleihen der Branche des Emittenten können sich die Renditechancen unterscheiden. Wenn Sie bisher nur in Aktien investiert haben, entspräche die Anlage in Aktien anderer Unternehmen einer horizontalen Diversifikation. Grundlage bei dieser Ausprägung ist die schliche Vergleichbarkeit der einzelnen Anlageoptionen. Investments bleiben innerhalb einer Anlageklasse.

Mit Hilfe der horizontalen Diversifikation können Sie Ihre Produktpalette erweitern, ohne dabei Ihre Risikoklasse zu verlassen. Auch Rendite-Chancen bleiben folglich ähnlich. Sie streuen Verlustrisiken, haben aber zugleich auch die Chance, über Ihr Investment Unternehmen, Institutionen oder Staaten zu unterstützen, die Ihre Ziele unterstützen.

Vertikale Diversifikation

Wenn Sie Ihr Anlegerrisiko weiter oder weniger streuen wollen, dann wäre die vertikale Diversifikation ein Ansatz, den Sie verfolgen können.

In der Betriebswirtschaft wird unter dieser Form der Diversifikation des Produktportfolios entlang der Wertschöpfungskette gesprochen. Die eigenen bereits vorhandenen Produkte werden um Produkte früherer oder späterer Wirtschaftsstufen ergänzt. Die Fertigungstiefe Ihres Unternehmens kann auf diese Weise erweitert werden. Von einer Rückwärtsintegration wird gesprochen, wenn Sie nicht nur Fahrräder verkaufen, sondern sie sogar herstellen. Sie könnten Fahrräder bei Ihren Lieferanten auch in Einzelteilen kaufen. Auf diese Weise stellen Sie ihre eigenen Fahrräder zusammen. Sie können speziell auf Kundenbedürfnisse eingehen. Sie könnten Ihre Margen anheben, allerdings vergrößert sich dabei auch der zeitliche Aufwand. Wenn Sie neben dem Vertrieb von Fahrrädern auch die Reparatur und Wartung von Rädern übernehmen, dann wird von der Vorwärts-Integration gesprochen. Eine sachliche Ähnlichkeit ist weiterhin gegeben, allerdings werden vorherige oder folgende Fertigungsstufen mit angeboten. Diese Fertigungsstufen produzieren primär für den Eigenbedarf.

Wie können Wir dies auf Ihr Anlageportfolio beziehen? Wenn Sie in Unternehmen aus verschiedenen Wirtschaftsstufen eines Produktes investieren, wird nicht von einer vertikalen Diversifikation gesprochen. Das Produkt, in welches Sie investieren ist nicht der Zweck des Unternehmens, sondern die Anlageart. Sie bleiben bei dieser Ausprägung der Diversifikation innerhalb Ihrer generellen Anlageart. Mit Hilfe des vertikalen Ansatzes der Erweiterung Ihres Anlageportfolios investieren Sie nicht nur beispielsweise direkt in Anleihen, sondern in einer weiteren Form auch in Investmentfonds für Anleihen. Anstatt sich selbst das Wissen um Unternehmen und Anleihen anzueignen, finden Sie einen Fond, in den Sie vertrauen und anlegen wollen. Ein Fondsmanager übernimmt die Zusammenstellung der Anleihen entsprechend der Definition des Portfolios. Ausprägungen können in Richtung des Zwecks der Unternehmen oder auch der Risikostufe sein. Auch bei Anleihen gibt es entsprechend der Bonität eines Emittenten Anleihen mit unterschiedlicher Risikobewertung.

Laterale Diversifikation

Die Laterale Diversifikation wird auch diagonale Diversifikation genannt. Wenn betriebswirtschaftlich von der lateralen Diversifikation gesprochen wird, so ist eine Erweiterung des eigenen Sortiments um andersartige Produkte die Rede. Eine sachliche Vergleichbarkeit der Produkte ist nicht mehr gegeben. Anstelle von nur Fahrrädern werden beispielsweise zusätzlich noch Drohnen angeboten. Der technische und wirtschaftliche Zusammenhang zwischen bestehendem Produktportfolio und neuen Produkten ist nicht gegeben. Anstatt sich nur auf den Vertrieb von Fahrrädern zu verlassen, wird auf das Trend Thema der Drohnen eingegangen. Mehr und neue Umsätze sollen erzielt werdem. Das Ziel einer solchen Entscheidung könnte eine grundsätzliche Minimierung des unternehmerischen Risikos sein. Es kann auf Trends auf dem Markt eingegangen werden. Inwiefern solch eine Art der Diversifikation für ein Unternehmen Sinn macht, hängt vom Einzelfall ab. Angebot und Nachfrage bestimmen die Erfolgschancen auf dem Markt.

Aus finanztechnischer Sicht wird bei der diagonalen Diversifikation eine Anlageklasse verlassen. Anstatt nur in Anleihen zu investieren, könnten Sie sich dazu entscheiden, auch in Kryptowährungen wie den Bitcoin zu investieren. Sie nehmen die Marktströmung und Marktchancen wahr und könnten sich irgendwann dazu entscheiden, die von Ihnen bisher präferierte Anlageklasse zu verlassen. Sowohl Erfolgschancen als auch Ausfallrisiko können sich hierdurch grundlegend unterscheiden. Ihre Anleihen können Sie weiterhin behalten. Sie geben Ihnen eine Sicherheit oder auch Chance im Rücken. Durch ein Investment in Kryptowährungen erhoffen Sie sich neue Chancen. Bei vielen Anlagearten wie den Aktien könnten Sie in diesem Fall zunächst auch in Aktienfonds investieren. Diese bieten Ihnen noch eine gewisse Sicherheit. Diese Sicherheit ist ähnlich wie die aus dem bisherigen Investment in Anleihen. Die Erfolgschancen sind allerdings auch geringer als die bei einem direkten Investment in Aktien. Als weitere Zwischenlösung, und hier nicht eindeutig abgrenzbar, gibt es auch das Investment in einen Mischfonds, der in verschiedene Anlagearten investiert.

Wie Sie sehen, stehen Ihnen verschiedene Möglichkeiten der Diversifikation Ihres Investmentportfolios zur Verfügung. Was aber sind die Ziele, die Sie mit einer Erweiterung des Portfolios Ihrer Anlagen verfolgen können?

Ziele der Diversifikation

Mit Hilfe der Diversifikation können sowohl in der Betriebswirtschaft als auch in der Finanzwirtschaft Ziele verfolgt werden. Diese Ziele überschneiten sich in vielen Bereichen. Die Basis ändert sich allerdings.

Das oberste Ziel der Betriebswirtschaft ist die Erzielung von Unternehmenswachstum. Unternehmen, die in die Diversifikation investieren erweitern ihre Produkt-Markt-Matrix. Sie erschließen neue Vertriebsgebiete oder bieten zusätzliche Produkte am Markt an. Unter Umständen werden sogar neue Märkte in bestehenden Regionen erschlossen. Durch die Diversifikation wird häufig entweder die abgesetzte Menge oder die Gewinnmarge vergrößert. Die vertikale Diversifikation kann auf die Kostenoptimierung abzielen. Dies kann auch eine Preisreduktion ermöglichen. Durch einen größeren Umsatz oder eine bessere Marge erhält das Unternehmen Kapital, um zu wachsen. Des Weiteren kann die Diversifikation die Wettbewerbsfähigkeit festigen und verbessern. Über ein breiteres oder besseres Angebot macht das Unternehmen mehr auf sich aufmerksam. Wettbewerbsvorteile werden generiert. Als drittes Ziel ist die Risikominimierung zu nennen. Durch weitere Geschäftsfelder können Gemeinkosten besser gedeckt werden. Schwächen eines Geschäftsfeldes beeinflussen andere Geschäftsfelder weniger. Das letzte große Ziel der Diversifikation ist die bessere Nutzung bereits vorhandener Ressourcen.  Dies kann sich auf Produktionsstraßen, aber auch auf den Verwaltungsapparat beziehen. Die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens wird durch einen besseren Deckungsbeitrag optimiert.

Wie aber lässt sich dies auf Ihr Anlageportfolio beziehen? Das wohl größte und für viele Anleger wichtigste Ziel der Diversifikation der eigenen Geldanlagen ist die Risikostreuung. Dadurch, dass Sie Ihr Kapital nicht nur in ein Unternehmen, eine Institution, einen Staat oder einen Investmentfond investiert haben, laufen Sie weniger Gefahr, dass eine Geldanlage komplett ausfällt oder erhebliche Verluste einbüßt. Durch die Anlagediversifikation streuen Sie dieses Risiko. Zugleich verringern Sie durch diese Streuung aber auch die Chance auf außergewöhnliche Gewinne. Weitere Ziele könnten für Ihre Erweiterung des Portfolios an Geldanlagen auch das Wachstum Ihres Kapitals sein. Schließlich hat nicht nur eine einzige Geldanlage das Potential, Ihr Kapital zu vermehren.

Wann und wie wird diversifiziert?

Nachdem Sie jetzt die allgemeinen Ziele der Diversifikation verstanden haben, ergibt sich für Sie vielleicht schon, wann Sie diversifizieren sollten. Natürlich, immer wenn Sie die Ziele erreichen wollen. Die Diversifikation ist aber nur eine Strategie, um die Ziele zu erreichen. Gerade in der Betriebswirtschaftslehre gibt es noch verschiedene andere Strategien. So könnten Sie alternativ die Produktion vergrößern, wenn Sie merken, Sie könnten mehr absetzen. Allerdings ist wie bei der Geldanlage das Vertrauen auf lediglich einen Umsatzstrom riskant. Die Diversifikation erlaubt eine Risikostreuung. Wie aber kann eine Diversifikation betriebswirtschaftlich umgesetzt werden?

Generell gibt es drei verschiedene Instrumente der Diversifikationsstrategie:

  1. Das Unternehmen wächst von innen heraus, zum Beispiel durch ein Investment in neue Fertigungsstraßen und die Forschung und Entwicklung. Hierdurch wird ein organisches Wachstum generiert. Das Wissen um neue Produkte muss gegebenenfalls komplett neu erworben werden. Die Eigenschaften und Qualität des neuen Produktes können dabei durchaus ungewiss sein. Die Finanzierung dieser Strategie kann aus eigenen Mitteln, aber auch aus der Fremdfinanzierung erfolgen.
  2. Bestehende Unternehmen können aufgekauft werden (Akquisition). Unternehmen, die bereits mehr oder weniger erfolgreich am Markt agieren, können eine sinnvolle Ergänzung für Ihr Portfolio bieten. Die Produkteigenschaften sind bekannt. Übernahmen können aber durchaus teurer als das organische Wachstum werden, bietet dafür aber mehr Sicherheit.
  3. Die dritte Option ist die Kooperation mit einem wirtschaftlich unabhängigen Partner. Zwei verschiedene Unternehmen können durch eine Kooperation wie innerhalb einer neuen, gemeinsamen Tochtergesellschaft gemeinsame Ziele einfach realisieren. Dies erleichtert die Finanzierung. Bei einem Joint Venture werden allerdings auch die Profite geteilt. Man muss dem Kooperationspartner langfristig vertrauen können und auch zum Vertrauen bereit sein.

Wie Sie sehen, erfordern diese drei Wege der Diversifikation auch ein mehr oder weniger großes Investment in Kapital. Dies kann über zusätzliches Eigenkapital oder auch über eine Fremdfinanzierung wie Firmenkredite, das Leasing, die Lager- oder Einkaufsfinanzierung sowie auch das Factoring gelingen.

Finanzwirtschaftlich wird zur Realisierung einer Diversifikation an den entsprechenden Finanzmärkten zusätzlich investiert. Zur Finanzierung sind Eigenmittel empfehlenswert, da die Kosten der Fremdfinanzierung oft höher sind also die mögliche Rendite. Eine Ausnahme könnte sein, wenn Sie alternativ einen Bereitstellungszins zahlen müssten.