Die Wucht, mit der die Wirtschaft durch das Coronavirus lahmgelegt wird, stürzt Deutschland in eine tiefe Rezession. Denn zusätzlich zum ausgebremsten Konsum, macht dem deutschen Export der Zusammenbruch der Weltwirtschaft zu schaffen. Wie wird sich dies langfristig auswirken?

Update vom 30. März 2020: Sondergutachten des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung gibt wenig Hoffnung

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („Wirtschaftsweisen“) rechnet mit einem starken Abschwung der Weltwirtschaft. Abhängig davon wie lange die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Krise anhalten und wie schnell es danach zu einer Erholung der Wirtschaft kommt wurden unterschiedliche Szenarien konstruiert. Im Basisszenario wird mit einem Einbruch des durchschnittlichen Wachstum vom Bruttoinlandsproduktes um 2,8% gerechnet. Allerdings werden auch Szenarien einer länger anhaltenden Krise gezeichnet. 

Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist die Erwartung der Forscher, dass sich die wirtschaftliche Lage über den Sommer wieder etwas normalisiert und dadurch großflächige Produktionsstilllegungen unnötig werden. 

Zum ausführlichen Sondergutachten mit unterstützenden Grafiken kommen Sie auf der Seite des Sachverständigenrates.

Bundesbank spricht von „ausgeprägter Rezession“

Der am 23. März veröffentlichte Monatsbericht der deutschen Notenbank hätte kaum deutlichere Worte für seine düsteren Prognosen wählen können. Dort hieß es wörtlich: „Das Abgleiten in eine ausgeprägte Rezession ist nicht zu verhindern.“ Eine Erholung der Wirtschaft sei derzeit nicht absehbar. Zuerst gelte es, die Pandemie einzudämmen, bevor sich seriöse Vorhersagen über einen wirtschaftlichen Aufschwung anstellen ließen.

Die Bundesbank geht davon aus, dass das erste Halbjahr 2020 komplett unter dem Zeichen der Pandemie stehen wird. Vor allem die Dienstleistungsbranche sei betroffen, welche bislang auch bei rückläufigen Exporten die Konjunktur gestützt habe. Exportorientierte Unternehmen spürten einen starken Rückgang der Nachfrage aus Ländern, in denen das Coronavirus ausgesprochen heftig wütete. Dazu gehören China, Spanien, Italien, aber auch einige Länder Südamerikas. Zudem drohten Lieferengpässe aufgrund der starken Drosselung der Produktion von dringend benötigten Vorprodukten. Dies führe auch in Deutschland zu einem Rückgang der Industrieproduktion.

Ifo-Institut warnt: „Die Kosten werden alles übersteigen“

Erstmals hat ein führendes Wirtschaftsinstitut durchgerechnet, was ein einmonatiger Corona-Shutdown die deutsche Wirtschaft kosten könnte. Die Zahlen des Ifo-Instituts zeigen, dass durch eine Rezession selbst im günstigsten Fall 152 Milliarden Gesamtschaden entstehen werden. Damit wäre der komplette Nachtragshaushalt, den die Regierung wegen der Corona-Krise beschlossen hat, innerhalb von einem Monat aufgebraucht.

Wohlgemerkt: dies sind die Berechnungen für den günstigsten Verlauf bei einem vierwöchigen Shutdown und einer anschließenden rasanten Aufholjagd. Es müssten sämtliche Wirtschaftszweige gleich wieder richtig anspringen und die Politik weiterhin fördern und unterstützen.

Sehr viel drastischer würde sich eine Verlängerung des Corona-Stillstands auf die Wirtschaft auswirken. Das Institut rechnet vor, dass bei einer 3-monatigen Auszeit das Ankurbeln der Wirtschaft viel länger dauern würde und sehr zäh vonstatten ginge. Dies könne einen Wertschöpfungsverlust von bis zu 729 Milliarden Euro bedeuten. Die Verlustspanne könne von mindestens 4,6% auf 20,6% anwachsen. Der Präsident des Ifo-Instituts Clemens Fuest stellte fest, dass das Ausmaß der Kosten für die bevorstehende Rezession alles übersteigen werde, was die Bundesrepublik in den letzten Jahrzehnten an Naturkatastrophen und Wirtschaftskrisen erlebt habe.

Laut Fuest werde sich die Rezession ebenfalls massiv auf den Arbeitsmarkt auswirken. So könnten 1,8 Millionen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze abgebaut werden und bis zu 6 Millionen Menschen in Kurzarbeit landen. Aus diesem Grund müsse das Ziel jeglicher staatlicher Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus sein, die Teilschließungen der Wirtschaft so weit wie möglich zu verkürzen. Trotzdem solle auch weiterhin die Bekämpfung der Krankheit an oberster Stelle stehen.

Meistert Deutschland die Krise besser als andere Länder?

Deutschland stand im Vergleich zu anderen EU-Mitgliedsstaaten zu Anfang der Krise einerseits zwar finanziell und wirtschaftlich besser da. Die Gesamtverschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt lag in der Bundesrepublik vor der Corona-Krise mit 64 % deutlich niedriger als diejenige Italiens mit 130%, welches bereits seit Jahren darauf angewiesen war, dass die EZB seine Staatsanleihen aufkaufte. Die strengere Haushaltsdisziplin der deutschen Regierung ist einer der Gründe, warum das Finanzministerium davon ausgeht, über größere Spielräume bei der Bewältigung der Rezession zu verfügen.

Die Bevölkerung erlebte jedoch ein beispielloses Durcheinander der Zuständigkeiten im Verordnen von geeigneten Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19. Wertvolle Zeit zur Vorbereitung auf rasant ansteigende Infektionszahlen ging auf diese Weise verloren. Dies führte nicht nur bei kleineren Betrieben zu erheblicher Verunsicherung. Der hierdurch entstandene Vertrauensverlust in die Handlungsfähigkeit der Regierung ließ sich auch durch die angekündigten Hilfsgelder zuerst nur schleppend beheben. Viele Arbeitnehmer und Unternehmen befürchteten hohe bürokratische Hürden und Überlastung der Arbeitsagenturen. Desweiteren befanden sich die Industrieproduktion und große Häfen bereits seit Wochen und Monaten im Krisenmodus, da sie durch die Abhängigkeit von Importen aus China wesentlich früher von den Auswirkungen der Pandemie betroffen waren als andere Wirtschaftszweige.

Die von Finanzminister Scholz angekündigten Milliarden zur Milderung einer Rezession scheinen jedoch Wirkung zu entfalten und sorgten am 24. März für ein Plus von 11 % beim DAX. 50.000 Unternehmen sollen bereits Kurzarbeitergeld für ihre Beschäftigten beantragt haben. Zudem wird fieberhaft daran gearbeitet, dass bis Anfang April Zuschüsse und KfW-Kredite fließen, um weiterhin Gelder für Gehälter und Fixkosten aufzubringen.

Vom Rekordhoch 42 % entfernt

Seit seinem Rekordhoch von 13.800 Punkten am 17. Februar hat der DAX bis zu seinem nachbörslichen Tiefststand vor einigen Tagen bereits 42 % eingebüßt. Prozentual gesehen ist das mehr als während des Crash von 1987. Für Besitzer von ETFs erwies sich der März als ein rabenschwarzer Monat. So kletterte der MSCI World im Jahr 2019 um 30 %, in den Monaten vor der Corona-Krise Richtung Allzeithoch. Mittlerweile liegt er auf einem Niveau von 2016. Keine einzige Anlageklasse wurde von diesem Börsenbeben verschont. Zusätzliche Schocks wie das Absenken des Ölpreises um 10 Dollar pro Barrel durch Saudi-Arabien heizten den Abwärtstrend bei allen großen Aktienindizes weltweit an. Sichere Häfen suchte man im März vergeblich. Bitcoin verlor zeitweise über 50 %, aber auch Edelmetalle fielen der Verkaufswelle zum Opfer.

Börsencrashs kommen und gehen

Am 24. März erlebte der Dow Jones den kräftigsten Tagesgewinn seit 1933. Auch solche Meldungen gehören zu den Irrfahrten der Börsen in den letzten Wochen. Tatsächlich gehören Talfahrten an den Märkten zum Geschäft. Im Oktober des Jahres 1987 stürzte die New Yorker Börse an einem Tag um 20 % ab. Während der Finanzkrise von 2007-2008 belief sich der Verlust beim MSCI World für Anleger aus dem Euroraum auf 48 %.

Der DAX erlebte mit dem aktuellen Virus-Crash den schnellsten Börsencrash seiner Geschichte. Der Absturz ereignete sich in Rekordzeit. Innerhalb von 28 Tagen verlor der deutsche Leitindex fast 40 % seines Wertes. So wird für uns Deutsche der 9. März als „Schwarzer Montag“ in die Geschichtsbücher eingehen. Mit knapp 8 Prozent fuhr der DAX an diesem Tag höhere Verluste ein als am 11. September 2001. 1987 allerdings ging es an den weltweiten Börsen ähnlich schnell bergab, laut dem Magazin „Spiegel“ verloren die Märkte damals in 28 Tagen 37 %.[vc_column width=“1/2″]

Wer sind die größten Verlierer?

Zu den größten Verlierern der Corona-Panik an den Börsen gehören Luftfahrt- und Tourismusunternehmen, da Reisen zurzeit weder erlaubt noch erwünscht sind. Weder Urlaubsreisen noch geschäftliche Trips kommen in diesen Wochen infrage. Durch die langanhaltenden Fabrikschließungen in China leiden insbesondere die Autozulieferer an Engpässen, weswegen fast alle Autokonzerne ihre Produktion stoppen mussten.[vc_column width=“1/2″]Auch die Einzelhändler klagen über größere Verluste. Die Modekette H&M plant wegen der Rezession die Entlassung von Tausenden von Mitarbeitern, denn in der Krise halten sich Verbraucher mit dem Konsum stark zurück.

Kann man von Krisen profitieren?

Als Profiteure der Krise erweisen sich Biotechnologieunternehmen wie CureVac, die an Impfstoffen forschen, Arzneimittelhersteller, deren Medikamente als aussichtsreich zur Behandlung von Infizierten gelten sowie Produzenten von Beatmungsgeräten wie beispielsweise Drägerwerk und Desinfektionsmittelhersteller. Doch auch Softwareunternehmen wie Teamviewer konnten sich in den letzten Tagen an den Aktienmärkten behaupten. Grund hierfür ist ein hoher Zuwachs an Neukunden aufgrund vermehrter Heimarbeit und Telefonkonferenzen in der Corona-Krise.

Was sollten Anleger jetzt beachten?

Bitter ist es zurzeit vor allem für ETF-Investoren, die am Sparplanende angelangt sind. Ein Kurssturz führt für sie zu realen Verlusten. Es ist in diesen Fällen ratsam, sich um einen Aufschub des Ablaufs seines Sparplans zu bemühen und die Rezession einfach abzuwarten. Dies kann Renditechancen enorm verbessern.

Wie bei jeder Rezession sollte man immer einen kühlen Kopf bewahren und sich überlegen, aus welchem Grund welche Investitionen getätigt wurden. Hat sich an diesen Gründen durch die Verluste nichts geändert, lohnt es sich, abzuwarten. Benötigen Sie jedoch dringend einen Teil Ihres Kapitals, kann es hilfreich sein, nicht alles auf einmal zu verkaufen, sondern Stück für Stück das Geld zurückzuholen.

Wer sich traut, jetzt in den Markt einzusteigen, sollte darauf achten, auf Zukunftstechnologien zu setzen. Dies sind interessanterweise genau die Werte, die gerade in der Krise besonders gefragt sind. Möglicherweise zeichnet sich hier ja schon der Trend für die nächste Rally ab.