Die Nachrichtenlage zur Corona-Pandemie ändert sich stündlich, immer neue Maßnahmen im Kampf gegen das Virus werden verkündet. Klar ist: Die Gesundheit der Menschen ist das Wichtigste und steht über allem. Doch auch die Wirtschaft und die Finanzmärkte leiden unter den Folgen. Die Regierung, die Europäische Zentralbank EZB und viele andere Institutionen bemühen sich intensiv darum, einen wirtschaftlichen Rettungsschirm über den Unternehmen, Betrieben und Freiberuflern aufzuspannen oder die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen soweit anzupassen, dass die Unternehmen möglichst reibungslos ihren Geschäften nachgehen können – was von Tag zu Tag schwieriger wird.

An dieser Stelle wollen wir eine Übersicht über die wichtigsten Maßnahmen geben, mit denen die wirtschaftlichen Folgen für Unternehmen, Beschäftigte und deren Angehörige abgefedert werden sollen. Dazu widmen wir uns gezielt wichtigen Fragen, die sich aus der Krise ergeben: Wie geht es an der Börse weiter? Stehen wir vor Produktionsengpässen? Wie wirken sich die Grenzschließungen auf den Im- und Export aus? Diese und weitere Fragen sollen in den nächsten Wochen regelmäßig beantwortet werden.

Update 18.März 2020:

EZB erwartet geringeres Wirtschaftswachstum

Die Europäische Zentralbank geht davon aus, dass die Wachstumserwartungen für Europa stark abgesenkt werden müssen. In einem Interview mit der Zeitung „Die Zeit” sagt EZB-Direktorin Isabel Schnabel aus, dass es einen schweren ökonomischen Schock geben wird und die Rezessionswahrscheinlichkeit deutlich gestiegen ist. Viele andere Institute, wie zum Beispiel das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) hatten ebenfalls bereits einen deutlichen Wirtschaftseinbruch vorausgesagt.

Die Bundesregierung hat, trotz der Prognosen, für ihren Haushaltsplan 2021 heute vorerst wie geplant den Plan der schwarzen Null angesetzt. Die Auswirkungen der Corona-Krise sollen erst nach weiteren Beratungen berücksichtigt werden.

Es ist genug Geld da, die Krise zu bekämpfen!

Die deutschen Unternehmen, Betriebe und Selbstständige stehen vor harten Zeiten. Um die schlimmsten Folgen zu vermeiden, hat die Bundesregierung Ende der letzten Woche ein „Maßnahmenpaket zur Abfederung der Auswirkungen des Corona-Virus“ auf den Weg gebracht, um „Firmen und Betriebe mit ausreichend Liquidität auszustatten, damit sie gut durch die Krise kommen“. Es umfasst vor allem Kredite, Bürgschaften und Exportgarantien in grundsätzlich unbegrenzter Höhe, Steuererleichterungen und Kurzarbeit. Die wichtigste Botschaft der Bundesregierung lautet: Es ist genug Geld vorhanden, um die Krise zu bekämpfen – und diese Mittel sollen jetzt eingesetzt werden!

Mit den Maßnahmen sollen vor allem Liquiditätsengpässe vermieden werden, weil die Unternehmen aufgrund fehlender Teile die Produktion unterbrechen müssen, ihre Produkte nicht mehr verkaufen können oder weil die sonst reibungslos funktionierenden Geschäftsbeziehungen aufgrund der Kontaktsperre empfindlich gestört sind. Vielen brechen auch schlicht die Märkte weg, da die Menschen erst mal keine Möglichkeit mehr haben, wegen der eingeschränkten Bewegungsfreiheit in die Geschäfte zu gehen und die Produkte zu kaufen.

Unternehmen, aber auch Freiberufler und Selbstständige sollen mit Hilfe der staatlichen Förderbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) leichter, schneller und günstiger die bereits bestehenden staatlichen Programme für Liquiditätshilfen in Anspruch nehmen können. Weil die KfW über keine eigenen Filialen verfügt, können Unternehmen die Anträge über ihre Hausbank stellen. Wer keine hat, kann sich über weitere Finanzierungspartner wie Geschäftsbanken, Banken, Sparkassen, Versicherungen oder Finanzvermittler an die KfW wenden und je nach Bedarf Förderkredite für Investitionen, Betriebsmittel, Warenlager etc. in Höhe von bis zu 25 Mio. Euro beantragen. Auch wir von FinCompare können Ihnen mit kurzfristigen Finanzierungen weiterhelfen. Stellen Sie uns gerne eine unverbindliche Anfrage.

 

Jetzt unverbindliche Finanzierungsanfrage stellen

Erhalten Sie bis zu 5 individuelle Angebote ✔

Die KfW bietet den Unternehmen, welche die staatlichen Förderprogramme in Anspruch nehmen, schon länger niedrige Zinsen an. „Was sich jetzt verändert hat, ist die Risikoübernahme“, erklärte eine KfW-Sprecherin die neuen Regelungen. So garantiert die KfW den Finanzierungspartnern Risikoübernahmen von bis zu 80 Prozent bei den Betriebsmittelkrediten. Das heißt: Die KfW trägt in hohem Maße das Risiko für den Fall, dass das Unternehmen aufgrund der Krise die Kredite nicht mehr bedienen kann.

Allerdings werden – und müssen – die Finanzierungspartner auch in diesen Zeiten die Bonität der Unternehmen prüfen. Wer schlechte Zahlen vorlegen muss, dürfte bei der Finanzierung leer ausgehen – zumal die Hilfe immer an die unmittelbaren Folgen der Corona-Krise gekoppelt sein soll. Zudem müssen die Unternehmen mehrere Wochen überbrücken können, bis der Antrag bewilligt ist, auch wenn die KfW verspricht, dass es „schnell gehen“ soll.

Förderkredite für etablierte Unternehmen und Start-ups

Beim KfW-Unternehmerkredit für Unternehmen, die länger als fünf Jahre am Markt sind, gelten beispielsweise die folgenden Konditionen für kleine und mittlere Unternehmen: Für einen KfW-Unternehmerkredit über 500.000 Euro werden 1 Prozent Sollzins und 1 Prozent Effektivzins bei zwei Jahren Laufzeit fällig.

Für Existenzgründer und junge mittelständische Unternehmer, die weniger als fünf Jahre am Markt sind, steht dagegen der ERP-Gründerkredit – Universell zur Verfügung. Auch hier erhalten die Gründer bis zu 25 Mio. Euro Kredit, um das Unternehmen innerhalb von fünf Jahren zu festigen.

Neu aufgelegtes Sonderprogramm der KfW 

Wem als KMU krisenbedingt die Aufträge aus dem In- und Ausland wegbrechen, ohne bislang Zugang zu den staatlichen Förderprogrammen gehabt zu haben, soll in den Genuss eines neuen Sonderprogramms der KfW kommen. Auch hier wurden die Risikoübernahmen bei Investitionsmitteln deutlich verbessert. Bei Betriebsmitteln betragen sie bis zu 80, bei Investitionen sogar bis zu 90 Prozent. Diese Hilfen, verspricht die KfW, sollen auch von Unternehmen in Anspruch genommen werden können, die krisenbedingt vorübergehend in Finanzierungsschwierigkeiten geraten sind, wobei das neue Programm noch von der EU-Kommission genehmigt werden muss.

„Zusätzlich weitet der Staat die bewährten Instrumente zur Flankierung des Kreditangebots privater Banken aus und macht sie für die Unternehmen verfügbar. Neben der Verdopplung des Bürgschaftshöchstbetrags „bei den Bürgschaftsbanken auf 2,5 Mio. Euro stellt die Bundesregierung exportorientierten Unternehmen, denen in Folge der weltweiten Pandemie das Geschäft weggebrochen ist, Exportkreditgarantien (so genannte Hermesdeckungen) bereit, die sich schon in der Finanzkrise 2008 bewährt haben. Dazu kommt das gut ausgestattete KfW-Programm zur Refinanzierung von Exportgeschäften„. Die Regierung kündigte darüber hinaus an, dass sich der Ermächtigungsrahmen in diesem Bereich sehr schnell erhöhen lässt, sollte es bei der Exportdeckung und Refinanzierung zusätzlichen Bedarf geben.Als weitere Maßnahme hat die Bundesregierung im Eilverfahren und im Einklang mit dem Parlament die Zugangsvoraussetzungen für das Kurzarbeitergeld erleichtert, mit dem nicht nur den von der Krise betroffenen Beschäftigten, sondern auch den Unternehmen selbst geholfen werden soll.

In Italien ist der Staat sogar bereit, die Fluggesellschaft Alitalia, die schon seit vielen Jahren im Krisenmodus fliegt, zu übernehmen und durch die Corona-Pandemie zu steuern. Dass das schon früher nicht funktioniert hat, scheint erst mal zweitrangig zu sein. Die Botschaft lautet: Wir lassen euch nicht hängen!

China: Rückgang der Industrieproduktion um 13,5 Prozent 

Die nötigen liquiden Mittel sind also vorhanden und können zumeist als günstige Kredite in Anspruch genommen werden. Die Frage, welche Unternehmen tatsächlich aufgrund der Corona-Krise in finanzielle Schieflage geraten sind und welche schon länger massive Liquiditätsprobleme mit sich herumschleppen, dürfte dagegen schwer zu beantworten sein. Experten rechnen damit, dass am Anfang vor allem solche, meist mittelständisch geprägten Unternehmen und Betriebe in Frage kommen, deren Geschäfte auf Kundenkontakt beruhen: Hotels, Restaurants und Cafés, Einzelhändler, Reise- und Konzertveranstalter etc.

Welche Auswirkungen die Krise auf die Industrie, KMU oder die über zwei Millionen Solo-Selbstständigen in Deutschland tatsächlich haben wird, ist bislang nur schwer absehbar. Noch ist es zu früh, um eine fundierte Aussage treffen zu können. Denn noch stehen die Bänder nicht still, zumal auch die Regierungen anderer Länder alles versuchen, die Wirtschaft am Laufen zu halten. Als Erstes scheinen die Fluglinien, Reiseveranstalter, Hoteliers und Gastronomen massiv unter der Krise zu leiden, sodass der Ruf nach staatlicher Hilfe bislang vor allem aus dieser Richtung kommt.

Wie dramatisch es aber für alle werden könnte, zeigt das Beispiel China: Laut chinesischem Statistikamt ging die Industrieproduktion im Januar und Februar 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13,5 Prozent zurück. Der Umsatz im Einzelhandel sackte mit über 20 Prozent ab, die Anlageinvestitionen brachen um fast 25 Prozent ein. Als Hauptgrund wird angegeben, dass große Teile der chinesischen Wirtschaft seit mehr als sieben Wochen aufgrund der vielen Beschränkungen im Kampf gegen das Virus weitgehend lahm liegen. Immer noch stocken viele Produktionen, weil Arbeiter oder Einzelteile fehlen oder der Warentransport nicht funktioniert.

Der Warenverkehr soll nicht eingeschränkt werden

Nachdem auch Europa die Grenzen dicht macht und der freie Personen- und Warenverkehr immer stärker eingeschränkt wird, gehört nicht viel Fachkenntnis dazu, ein ähnliches Szenario auch für Deutschland und den Rest Europas vorherzusagen. Der Im- und Export von Waren wird besonders stark unter der Krise leiden, was für den Exportweltmeister Deutschland alles andere als gute Nachrichten sind.

Zwar hat die EU-Kommission Leitlinien für den Güterverkehr im Schengenraum veröffentlicht, die unter anderem separate Fahrspuren für den LKW-Verkehr vorsehen. Dennoch haben sich an den meisten deutschen Grenzen schon kurz nach der Grenzschließung am Montag kilometerlange LKW-Staus gebildet. Dabei gibt es auch hier Unterschiede: Während die LKWs in Bayern noch weitgehend ungehindert passieren können, werden sie an den Grenzen zu Frankreich oder der Schweiz deutlich stärker kontrolliert, sodass die Schlangen immer länger werden. Wenn die LKWs nicht mehr durchkommen, dürfte das schnell zu Lieferengpässen und ruhenden Produktionen führen – wie bei VW, immerhin zweitgrößter Autohersteller der Welt und eines der ersten Unternehmen in Deutschland, das am Dienstag angekündigt hat, Ende der Woche seine Werke vorübergehend schließen zu müssen.

Experten halten Rezession für wahrscheinlich 

Bei aller Ungewissheit wird sich eine weltweite Rezession wohl nicht mehr vermeiden lassen. Bereits vor zwei Wochen haben führende deutsche Wirtschaftsforscher rund um den Wirtschaftswissenschafter Peter Bofinger eine gesamtwirtschaftliche Rezession im ersten Halbjahr wegen der Absage wichtiger Fach- und Branchenmessen, Reisen und Veranstaltungen bis in den Mai hinein und möglichen Produktionsausfällen in der Industrie, deren Höhepunkt erst noch bevorstehe, für wahrscheinlich gehalten. Ihre Forderungen nach einer Abkehr der schwarzen Null und massiven staatlichen Hilfen hat die Bundesregierung mit ihrem Maßnahmenpaket inzwischen aufgegriffen.

Neben dem Bund und einzelnen Landesregierungen – der Freistaat Bayern hat Soforthilfen von 10 Mrd. Euro für in Not geratene Betriebe angekündigt – stemmen sich noch andere Institutionen gegen den wirtschaftlichen Abschwung, auch auf europäischer Ebene. Die Europäische Zentralbank beispielsweise hat ein Notfallpaket aus vielen Einzelmaßnahmen geschnürt, um es den Geschäftsbanken zu ermöglichen, Unternehmen mit genügend Krediten zu versorgen. So hat sie ihr Anleihekaufprogramm bis Jahresende um bis zu 120 Mrd. Euro ausgedehnt und möchte verstärkt auch Anleihen u.a. von Geschäftsbanken kaufen, damit diese sich im Gegenzug billiger frisches Geld borgen und als Unternehmenskredite weiterreichen können. Die Kapitalanforderungen für Banken werden gelockert, sie erhalten neue großzügige Liquiditätsspritzen und müssen sich in diesem Jahr keinem Banken-Stresstest mehr unterziehen.

Börsenkurse im freien Fall

Obwohl Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, in einem Zeitungsinterview vor kurzem betont hat, dass man sich um die Finanzinstitute keine Sorgen machen müsse („Die deutschen Banken haben ihr Eigenkapital gestärkt, und Liquidität ist im Bankensystem reichlich vorhanden“) befinden sich ihre Börsenkurse im freien Fall – wie auch die vieler anderer Dax-Unternehmen. Hier dürften sich die ohnehin eher schlechten Wirtschaftsdaten der letzten Monate mit den dramatischen Auswirkungen der Corona-Krise verbinden und den Anlegern nur noch eine Option lassen: verkaufen! Wenn auch die Kurse am Anleihemarkt weiter sinken, werden auch Banken und Fondsgesellschaften noch stärker unter Druck geraten, da sie den Wert der Anleihen in ihren Portfolios abschreiben müssen.

In den nächsten Wochen werden immer mehr Unternehmen, die ihren Geschäften nicht mehr wie gewohnt nachgehen können oder denen schlicht die Beschäftigten fehlen, Probleme bekommen. Dann werden sie ohne die jetzt versprochene staatliche Unterstützung ihre bereits bestehenden Kredite nicht mehr im vollem Umfang bedienen können, sodass auch den Banken schnell das Geld ausgehen dürfte. Noch besteht aber aufgrund der oben beschriebenen Aktivitäten und Finanzmittel kein Grund zur Panik. Hoffen wir, dass sich das so schnell nicht ändert.