Die Corona-Krise hat die Welt im Griff. Die Maßnahmen, die den Virus zurückdrängen sollen, haben eine verheerende Nebenwirkung auf die Weltwirtschaft. Auch der deutsche Maschinenbau ist davon betroffen. Die Stimmung war schon Anfang des Jahres mehr als bescheiden. Alle Umsatz- und Gewinnprognosen liegen deutlich hinter den Erwartungen für das laufende Jahres zurück. Experten befürchten, dass sich die Situation weiter verschärfen wird, wenn die Corona-Krise die Welt noch weiter in Schach hält.

Umsatzeinbußen im Maschinenbau

Der VDMA (Verband deutscher Maschinenbauer) ging schon vor der Corona-Krise davon aus, dass sich die Umsatzsteigerung des Vorjahres im Jahr 2020 nicht fortsetzen würde. Damals stiegen die Erlöse bis September auf 169,1 Mrd. Euro an. Zum Schluss des Geschäftsjahres konnte die Maschinenbaubranche immerhin noch 226 Mrd. Euro erzielen.Für das aktuelle Geschäftsjahr wurden die Erwartungen deutlich gedrosselt. Die Prognosen gingen schon zu Beginn des Jahres davon aus, dass der Wert von 223 Mrd. Euro nicht überschritten wird. Zu der Zeit war aber noch nicht eingeplant, dass ein Virus die gesamte Wirtschaft an den Rande des Stillstands bringen würde.

Die Corona-Krise macht vor keiner Branche halt. Dass hiervon insbesondere die Autoindustrie betroffen ist, belastet auch die Maschinenbauer. Schließlich gehören die Autohersteller zu ihrem größten Kundenkreis. Dass es in vielen Produktionshallen jetzt beinahe still ist, beunruhigt auch die exportorientierte Schlüsselindustrie. Bei einer Blitzumfrage erklärten 75% der Unternehmen, die bisher noch keine Folgen der Corona-Krise spürten, dass sie spätestens in zwei bis drei Monaten mit massiven Umsatzeinbußen rechnen. Zu annähernd 70% rechnen die Betriebe im Maschinenbau damit, dass ihre Umsätze in 2020 zurückgehen. Knapp die Hälfte der Befragten war davon überzeugt, dass die Umsatzeinbußen mehr als 10% betragen werden.

Der Umsatzeinbruch ist mit einer weiteren negativen Folgeerscheinung verbunden: Im Maschinenbausektor sind derzeit über eine Millionen Mitarbeiter beschäftigt. Wird sich die Corona-Epidemie weiter verschärfen und die befürchteten Einbußen beim Gewinn eintreten, können die Betriebe ihr Personal nicht mehr bezahlen. Kurzarbeit und Personalentlassungen wären die Folge. 12% der Unternehmen aus dem Maschinenbau denken jetzt schon über Entlassungen nach, die auch Kollegen aus der Stammbelegschaft treffen würden.

Der VDMA hofft darauf, das Schlimmste noch verhindern zu können, wenn der Warenverkehr innerhalb der Europäischen Union weiter frei fließen könnte und die Berufspendler ihre Arbeit nicht ganz aufgeben müssen. Solange die Autoproduktion nicht ganz still stehen würde, wäre noch nicht alles verloren. Maschinen und Anlagen werden gebaut und an die Autohersteller ausgeliefert.

Engpässe bei Materiallieferungen

Die Corona-Krise wirkt wie eine Kettenreaktion. Jede Branche ist von den Folgen betroffen. Gerade der Maschinenbau ist auf eine globale und vernetzte Wertschöpfungskette angewiesen. Das für die Anlagen erstellte Material kommt aus aller Welt. Dass der Virus momentan in jedem Land zu Hause ist, wirkt sich auch auf die Produktion in anderen Ländern aus. Kann das bestellte Material nicht geliefert werden, kommt es zu Engpässen, die sich besonders im Lager eines Maschinenbauunternehmens auswirken. Im Normalfall weiß jeder Unternehmer, wie er die Lagerverwaltung so gestaltet, dass es zu keinen Engpässen im Lager kommt. Ein geeignetes Kapazitätsmangement oder das Führen eines Mindestbestands sind oft die besten Wege, seinen Lagerbestand in den Griff zu bekommen. Doch die Corona-Krise hat alles auf den Kopf gestellt.

Lagerkennzahlen wie die optimale Bestellmenge oder die Lagerumschlagshäufigkeit liefern in diesen Zeiten keine Informationen, weil ein Maschinenbauer nicht mit Sicherheit sagen kann, ob die fertigen Maschinen und Anlagen morgen noch ausgeliefert werden können. Auch die Wiederbeschaffungszeit für neu bestelltes Material lässt sich unter diesen Umständen kaum mit einem zuverlässigen Wert ermitteln. Brauchte das Material von der Bestellung bis zur Verwahrung auf dem eigenen Lager früher zehn Tage, können daraus heute schnell zwei bis drei Wochen oder noch mehr werden.

Auch die Kapitalbindung steigt, wenn die Maschinenbauer ihre eigenen Anlagen und Maschinen nicht ausliefern können. Das hergestellte Material liegt auf dem Lager. Stattdessen sollte es Geld bringen. Je länger die deutsche Wirtschaft stillsteht, je höher ist die Gefahr, dass sich auch dieses Problem noch weiter verschärfen wird.

Einschränkungen bei Lieferketten und Netzwerken

Von der Corona-Krise sind die Lieferketten im Maschinenbau betroffen. Der VDMA startete auch hier eine Blitzumfrage, um zu erfahren, wie sich die momentane Situation bei den Maschinenbauern darstellt. Von insgesamt 1000 befragten Unternehmen gaben über 80% an, dass sie zu Beginn der Krise noch keine Änderungen hätten ausmachen können. Mittlerweile seien aber deutliche Einschränkungen zu spüren. Die Ausmaße bei den betroffen Firmen sind allerdings unterschiedlich und reichen von merklichen bis zu gravierenden Einschränkungen. Nur eine Minderheit von 5% der Befragten, gab zur Antwort, dass man sich überhaupt nicht beeinträchtigt fühle.

Trotzdem kann man jetzt schon die folgende Aussage treffen: Ein Liefersystem, das sich über lange Jahre bewährt hat, funktioniert seit Ausbruch der Epidemie nicht mehr. Material und andere Komponenten, die vor mehr als einem Monat in Asien bestellt wurden, sind bei den deutschen Maschinenbauern nicht angekommen. Zusätzlich sind die Betriebe dadurch belastet, dass auch ihre europäischen Lieferanten nicht mehr in gewohnter Weise ihren Aufgaben nachkommen können.

Die Folge sind Produktionsbelastungen. Kann das Unternehmen nicht auf einen Lagerbestand zurückgreifen, muss die Produktion ganz ausfallen. So werden die Probleme von China nach Europa transportiert. Einer aktuellen Umfrage des VDMAzufolge, sind insbesondere die Betriebe in den folgenden Ländern von Unterbrechungen in der Lieferkette betroffen:

  • Italien
  • Deutschland
  • China
  • Frankreich

In vielen Unternehmen wächst die Unsicherheit darüber, ob die Produktion wieder zeitnah aufgefangen werden kann. Hinzu kommt, dass viele Unternehmen im Maschinenbau wegen der befürchteten Liquiditätsengpässen eine Kürzung wichtiger Investitionsvorhaben für das laufende Jahr in Erwägung ziehen. Ein Lichtblick scheint es da zu sein, dass plötzlich immer mehr Bestellungen chinesischer Kunden bei deutschen Maschinenbauern verzeichnet werden.

Kurzarbeit – Reduktion der Geschwindigkeit

Die Kurzarbeit war auch schon vor der Corona-Krise ein Thema bei den Maschinenbauern. Mitte 2019 war die Auftragslage im Maschinenbausektor so zurückgegangen, dass nicht alle Beschäftigten genug zu tun hatten. Die Auslastung lag damals knapp über 70%. Um keine Entlassungen vornehmen zu müssen, wurde Kurzarbeitergeld beantragt. Für viele Unternehmen war dies aber auch nicht mehr als eine Übergangslösung. Manche Maschinenbauunternehmen hielten sich mit dem Abbau von Arbeitszeitkonten über Wasser. Andere sahen keine andere Lösung mehr und zogen die Reißleine.

Vor einem ähnlichen Szenario steht die Branche, seit das Kontaktverbot dazu beitragen soll, die Corona-Krise einzudämmen. Wird die Produktion in den Werkshallen zurückgefahren, hat dies auch Folgen für die Arbeitnehmerschaft. Bei Kurzarbeit bekommen die Beschäftigten 60% ihres Nettolohns. Werden ein Vater oder eine Mutter beschäftigt, beläuft sich das Kurzarbeitergeld auf 67% des letzten Gehalts. Drastische Einschränkungen im familiären Bereich blieben nicht aus.

Mehr Informationen über Kurzarbeit erhalten sie auch in unserem Artikel: Kurzarbeit in der Corona-Krise – was die vom Arbeitsausfall betroffenen Unternehmen beachten müssen.

Die Kurzarbeit beschleunigt auch die Reduktion der Geschwindigkeit. Just-in-time-Produktionen, bei denen das angeforderte Material in dem Moment zur Verfügung steht, in dem es benötigt wird, sind gar nicht mehr möglich. Durch die Unpünktlichkeit der Materialanlieferungen kann der Produktionsablauf nicht ordnungsgemäß organisiert werden. Eine vernünftige Personalplanung ist unter diesen Umständen gar nicht möglich. Niemand weiß, ob man heute oder morgen mehr oder weniger Personal benötigt. Und niemand kann sagen, wie lange dieser Zustand noch andauert.Wenn Sie von der Krise betroffen sind bietet FinCompare Ihnen als Partner in diesen schwierigen Zeiten spezielle Überbrückungskredite an. Außerdem stehen Ihnen unsere Finanzexperten gerne für Fragen zur Seite und bieten finanzielle Hilfen. In weiteren Beiträgen von uns können Sie auch mehr zu staatlichen Förderungen wegen Corona nachlesen.

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Fazit

Corona-Krise in Deutschland. Restaurants und Geschäfte haben größtenteils geschlossen. Auch der deutsche Maschinenbau ist von dem Kontaktverbot und den einschneidenden Maßnahmen betroffen. Viele Unternehmen rechnen mit starken Einbußen bei ihren Umsätzen. Damit einher taucht erneut die Frage nach Entlassungen auf. Soweit es geht, versuchen die Unternehmen ihre Beschäftigten über den Abbau von Arbeitszeitkonten oder Kurzarbeit zu halten. Die immer weiter schneidenden Einschränkungen in der Lieferkette und in den globalen Netzwerken machen diese Bemühungen aber nicht leichter. Statt den Lagerbestand nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen zu führen, müssen die Maschinenbauer darauf hoffen, dass die angeforderten Materialien irgendwann ankommen. An ein Einhalten der Wiederbeschaffungszeit denkt niemand mehr.

Die Corona-Krise hat auch Folgen für die wirtschaftliche Situation der Arbeitnehmer. Viele müssen lernen, mit dem knappen Budget auszukommen, das ihnen durch das Kurzarbeitergeld vorgegeben wird. Andere haben noch weniger Glück.