Update vom 6. März 2020: Schlechteste Geschäftserwartungen seit 2009

Die Schäden der Corona-Krise für die Automobilindustrie sind enorm. Jetzt zeigt eine Umfrage des ifo Instituts, dass sich die Geschäftserwartungen für die deutsche Autobranche deutliche verschlechtern. Der Index sackt für März auf Minus 33,7 Punkte, nachdem er im Februar bereits bei Minus 19,7 Punkten lag. Auch der Nachfrage-Index und die Exporterwartungen brechen drastisch ein. Insgesamt wird der schlechteste Wert seit März 2009 verzeichnet. 

Update vom 26.03.2020: Daimler schickt Großteil seiner Mitarbeiter in Zwangsurlaub

Nachdem Volkswagen aufgrund des Nachfrageeinbruchs und den gesundheitlichen Risiken bereits angekündigt hatte seine Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken reagiert jetzt auch Daimler und schickt zunächst ab dem 6. April für zwei Wochen große Teile der Belegschaft in Zwangsurlaub. 

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Jüngste Ereignisse in der Automobilindustrie 

Angesichts der Corona-Krise überschlagen sich die Ereignisse in der Automobilindustrie. Die Autohersteller und Zulieferer haben auf die Krise reagiert. In den Montagewerken von Volkswagen mit den Tochtergesellschaften Audi, Seat, Skoda und Lamborghini, bei Daimler, Nissan, Ford, Fiat sowie im PSA-Konzern mit Peugeot, Citroen und der deutschen Tochter Opel kam es bereits zu Produktionsstillständen. Am Dienstag bestätigte VW-Konzernchef Herbert Diess die prekäre Lage. In den kommenden zwei Wochen oder länger wird kein Auto in den Werken in Wolfsburg, Emden, Zwickau, Ingolstadt, Neckarsulm, Rüsselsheim oder Eisenach mehr vom Band laufen. Die Produktion in Europa wird auch bei Daimler größtenteils eingestellt. Auch BMW hat mit einer vierwöchigen Produktionspause auf die Corona-Krise in der Autoindustrie reagiert.

Die Mitarbeiter arbeiten in engen Abständen zueinander am Fließband. Es gilt, die Mitarbeiter in den Montagehallen vor einer Ansteckung mit dem Virus zu schützen. Anders als ihre Kollegen in der Verwaltung können sie nicht ins Home-Office ausweichen.

Auswirkungen der Corona-Krise auf die Autoindustrie – Zahlen, die für sich sprechen

An der Automobilindustrie hängen in Deutschland so viele Jobs wie an keiner anderen Branche in der Privatwirtschaft. Nicht nur bei den Herstellern, sondern auch bei zahlreichen Zulieferernbetrieben wie Continental, Schäffler, Bosch und kleineren Zuliefererbetrieben sind insgesamt ungefähr 827.000 Menschen beschäftigt. Auf die Zulieferbetriebe entfällt rund 70 Prozent der Wertschöpfung beim Autobau. Zum Schutz der Mitarbeiter ist auch dort mit Schließungen zu rechnen. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Auftraggeber ihnen zumindest vorübergehend keine Ware mehr abnehmen.

Bei den Kfz-Betrieben und Händlern in Deutschland sind ungefähr 440.000 Menschen beschäftigt. Auch sie sind von Schließungen betroffen. Die Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.

Die Automobilindustrie in Deutschland befindet sich in Schwierigkeiten. Ein Grund dafür ist der Transformationsprozess zur Elektromobilität. Dadurch stehen 80.000 bis 400.000 Arbeitsplätze bei den Automobilherstellern und Zulieferern in Deutschland auf dem Spiel. Die Zulieferer, die vom Verbrennungsmotor abhängen, sind besonders gefährdet. Die Lage in der Automobilindustrie verschärft sich noch aufgrund der Corona-Krise.

Branchenanalyst Ferdinand Dudenhöffer geht für das Jahr 2020 von einem Rückgang des Automobilabsatzes in Westeuropa um elf Prozent gegenüber dem Vorjahr auf etwa 12,7 Millionen Einheiten aus. Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Autoindustrie sind dabei bereits berücksichtigt. Dudenhöffer schätzt jedoch, dass sich die Pandemie in etwa drei Monaten wieder beruhigt und die Wirtschaft auf niedrigem Niveau wieder Fahrt aufnimmt.

Toyota hat sein Werk bereits auf unbestimmte Zeit geschlossen. MAN hat Kurzarbeit für die deutschen Werke beantragt. Sie soll ab dem 23. März für den Großteil der Beschäftigten an den produzierenden Standorten gelten. Auch Skoda hat seine Werke in Tschechien für zwei Wochen stillgelegt. In der ersten Woche erhalten die Mitarbeiter noch 70 Prozent ihres Durchschnittseinkommens. In der zweiten Woche erhalten sie 75 Prozent. Auch Konferenzen mussten aufgrund der Ansteckungsgefahr von vielen Automobilherstellern abgesagt werden.

Der Kapitalmarkt reagiert – Kursstürze bei den großen Automobilunternehmen

Die Corona-Krise in der Automobilindustrie wirkt sich auch auf den Kapitalmarkt mit Kursstürzen bei den Aktien aus. Das macht sich beim deutschen Leitindex DAX bemerkbar. Er hat schon fast 40 Prozent verloren und brach am 18. März erneut um über drei Prozent ein. Beim Handelsstart lag er unter 8.600 Zählern. Die Aktie von VW verlor 12 Prozent, die BMW-Aktie 11 Prozent. Die Daimler-Aktie verzeichnete einen Kursverlust von 8,64 Prozent.

Kommen jetzt Insolvenzen?

In Anbetracht der Corona-Krise in der Autoindustrie wächst die Sorge vor Insolvenzen. Eine Vielzahl an Arbeitsplätzen steht auf dem Spiel. Ferdinand Dudenhöffer spricht von der größten Krise in der Automobilindustrie seit dem Zweiten Weltkrieg. Mit viel Glück könnte sich die Produktionsunterbrechung nur über einige Wochen oder Monate hinziehen. Die weltweite Absatzkrise aufgrund der Corona-Pandemie stellt für die Autoindustrie ein viel größeres Problem dar. Die Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 führte lediglich zu einem Einbruch der US-amerikanischen Automobilindustrie. Der Staat musste Chrysler und General Motors aus der Insolvenz retten.

Die Corona-Krise in der Autoindustrie trifft gleich drei wichtige Absatzmärkte. In China ist der Markt bereits eingebrochen, der europäische Markt steckt in Schwierigkeiten, der US-amerikanische Markt wird bald folgen. Damals haben Gewerkschaft und Politik die Kurzarbeitsregelungen großzügiger gestaltet. Die meisten Unternehmen konnten ihre Stammbelegschaft halten und auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten.

Dudenhöffer prognostiziert, dass selbst bei einer optimistischen Einschätzung der Entwicklung mit einer Schneise der Verwüstung in der Autoindustrie zu rechnen sei. Auch große, solide aufgestellte Automobilkonzerne wie Daimler, BMW oder VW könnten gefährdet sein.

Mit kurzfristigen Massenentlassungen sei nicht zu rechnen, wie Bundesregierung und Landesregierungen ankündigten. Mit kurzfristigen Liquiditätshilfen von Bund und Ländern könnten die Unternehmen die Krise überbrücken.

Kurzarbeit reicht zur Kostenreduktion nicht aus 

Die Stammbelegschaften in fast aller größeren Unternehmen sind gegenwärtig noch durch Verträge mit Betriebsräten und Gewerkschaft für mehrere Jahre geschützt. Dudenhöffer befürchtet, dass aufgrund der Corona-Krise in der Autoindustrie Kurzarbeit zur Reduzierung der Kosten und zur Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen nicht ausreicht. Weniger pessimistisch ist VW-Konzernchef Herbert Diess. Er betont jedoch, dass 2020 ein schwieriges Jahr werden könnte. Der Chef des weltweit größten Automobilkonzerns sagt, dass die Pandemie die Autoindustrie vor bislang unbekannte finanzielle und operative Herausforderungen stellt. Ein weiteres Problem stellen die Reparaturarbeiten aufgrund des Abgasskandals dar. Die Experten sind sich einig, dass die Absatzzahlen in Europa von 2019 erst 2030 wieder erreicht werden können.

Zulieferer greifen auf kurzfristige Kredite und Förderprogramme zurück

Aufgrund der Auswirkungen der Corona-Krise auf die Autoindustrie greifen kleinere Kfz-Betriebe und Zulieferer auf kurzfristige Liquiditätshilfen zurück. Sie versuchen, Entlassungen zu vermeiden und die Kosten zu decken. Kurzfristige Kredite eignen sich zur Überbrückung finanzieller Engpässe. Einige Banken haben auf die Corona-Krise bereits mit Förderprogrammen reagiert.Nach wie vor steht Ihnen FinCompare für die Vermittlung von Firmenkrediten zur Verfügung. Für Ihr Unternehmen können Sie kurzfristige Kredite zu günstigen Konditionen erhalten. Auch die KfW hat ein Förderprogramm zur Corona-Krise eingeführt.