Das müssen Unternehmen zur betrieblichen Altersvorsorge wissen

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Mittelgroße Betriebe in Deutschland unterschätzen offenbar immer noch die Bedeutung und die Vorteile der betrieblichen Altersvorsorge. Anders ist die mäßige Verbreitung im Mittelstand nicht zu erklären. Dabei gibt es eine Vielfalt an Möglichkeiten. Gesetzesänderungen eröffnen neue Wege und Chancen. Unternehmen und Beschäftigte profitieren gleichermaßen von der bAV.

Hintergrund: Demografie

Bedingt durch den demografischen Wandel kommt der privaten und der betrieblichen Altersvorsorge eine erhöhte Bedeutung zu. Wer seinen Lebensstandard nach dem Renteneintritt annähernd beibehalten möchte, kann sich nicht allein auf die gesetzliche Rente verlassen. Der Gesetzgeber kann die privaten Maßnahmen der Bürger nicht beeinflussen – wohl aber die Rahmenbedingungen für die betriebliche Altersvorsorge (bAV).

Entwicklung und Neuerungen seit 2019

2002 trat das Altersvermögensgesetz in Kraft. Seitdem besteht ein gesetzlicher Anspruch auf Entgeltumwandlung in Beiträge zur Altersvorsorge. Auf der anderen Seite sorgt die anhaltende Niedrigzinspolitik der EZB zunehmend für Skepsis. Der Gesetzgeber hat daher mit der jüngsten Reform der betrieblichen Altersvorsorge neue Anreize für Unternehmen und Beschäftigte gegeben. Teilweise berühren die Änderungen ebenso bereits bestehende Verträge.

Am 01.01.2018 trat das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) in Kraft. Mitarbeiter mit kleinem Einkommen bis 2.200 Euro monatlich können Sie über den neuen bAV-Förderbetrag unterstützen. Der Förderbetrag ist für Unternehmer und Beschäftigte gleichermaßen attraktiv. Sie als Arbeitgeber zahlen zwischen 240 und 480 EUR pro Jahr ein. Davon können Sie 30 Prozent direkt mit der Lohnsteuer verrechnen. Der Restbetrag wirkt sich als Betriebsausgabe steuermindernd aus.

Ebenfalls neu ist der Arbeitgeberzuschuss zur Entgeltumwandlung. Als Arbeitgeber steuern Sie einen pauschalen Zuschuss von 15 Prozent zur betrieblichen Altersvorsorge bei. Dies ist für alle Neuverträge ab 2019 verpflichtend. Für Altverträge tritt die Regelung zeitverzögert ab 2022 in Kraft.

Seit dem 01.01.2018 besteht zusätzlich ein erweiterter Gestaltungsspielraum für Tarifvertragsparteien. Durch die neue Form der reinen Beitragszusage. Bei diesem „Sozialpartnermodell“ haftet der Arbeitgeber ausschließlich für die Beitragszahlung – nicht jedoch für eine konkrete Leistung. Nicht tarifgebundene Unternehmen haben die Möglichkeit, entsprechende Regelungen aus Tarifverträgen zu übernehmen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die betroffene Versorgungseinrichtung dieser Vereinbarung zustimmt.

Kernergebnisse aktueller Expertenbefragung

Das F.A.Z.-Institut hat in Zusammenarbeit mit der Generali Deutschland eine aktuelle Studie zur Entwicklung in der betrieblichen Altersvorsorge vorgelegt. Hieraus wird deutlich, dass das neue Sozialpartnermodell mit reiner Beitragszusage bisher kaum Anwendung findet.

Die Analyse zur Marktdurchdringung der bAV baut auf Umfrageergebnissen der Marktforschungsgesellschaft forsa auf. Diese hatte im Januar 2020 eine Umfrage mit 201 mittelständischen Unternehmen in Deutschland durchgeführt. Wie in jedem Jahr seit 2011. Die Informationen stammen jeweils von den für die bAV zuständigen Personalverantwortlichen. Hier einige herausragende Kennziffern (prozentualer Anteil der Mitarbeiter mit bAV-Vertrag):

  • Unterhalb der Führungsebene: 45,7 % – eine Steigerung im Vergleich zu den letzten vier Jahren
  • 50 % in Betrieben zwischen 250 und 500 Mitarbeitern
  • Topmanagement in kleineren Betrieben: 58,6 % – + 4 %
  • Mittleres Management in kleineren Betrieben: 49,2 % – +2 %

Nach Branchen betrachtet, liegt der Dienstleistungssektor vor der Industrie – und das auf allen Hierarchieebenen.

Auch in Bezug auf die Finanzierungswege zeichnet sich ein Trend ab.

  • Mischfinanzierung: 76 % Marktanteil – plus 4 % im Vergleich zum Vorjahr
  • rein arbeitnehmerfinanziert: 44 % – stabil
  • rein arbeitgeberfinanziert: 29 % – plus 3 % (erster Zuwachs seit drei Jahren)

Dabei hängen die kleinen Betriebe trotz der Anreize aus dem BRSG weiterhin deutlich zurück.

Die Vormachtstellung der Versicherungen auf dem Markt ist ungebrochen. 83 % der befragten Betriebe arbeiten mit Versicherungsgesellschaften zusammen. Pensionskassen hingegen büßen Marktanteile ein und liegen mit 41 % auf einem Rekordtief. Damit stellen sie jedoch weiterhin den zwei beliebtesten Durchführungsweg dar.

Diese Durchführungswege sind bei der bAV möglich

Fünf verschiedene Durchführungswege für die bAV sind in Deutschland zugelassen. Drei Finanzierungswege sind jeweils möglich:

  • Der Arbeitnehmer finanziert die Beiträge allein durch Entgeltumwandlung.
  • Mischfinanzierung: Arbeitgeber und Arbeitnehmer übernehmen die Beiträge anteilig.
  • Reine Arbeitgeberleistung.

Direktversicherung

Als Arbeitgeber schließen Sie eine Rentenversicherung auf das Leben des Arbeitnehmers ab. Monatlich können Ihre Mitarbeiter bis zu 8 % der Beitragsbemessungsgrenze (BBG GRV West) steuerfrei in einen Beitrag zur Direktversicherung umwandeln. Bis zu 4 % sind zudem sozialversicherungsfrei. Beiträge oberhalb der BBG sind im gegenseitigen Einvernehmen möglich – tarifvertragliche Regelungen haben hierbei Vorrang. Folgende Leistungen können umgewandelt werden:

  • Teile des Bruttogehalts
  • Urlaubs- und Weihnachtsgeld
  • vermögenswirksame Leistungen.

Beim Eintritt in die Rente können Ihre Mitarbeiter wählen zwischen einer Kapitalauszahlung und einer lebenslangen Zusatzrente. Optional ist der Einschluss von:

  • Berufsunfähigkeitsversicherung und/oder
  • Hinterbliebenenschutz

Es ist keine Insolvenzsicherung erforderlich.

Pensionskasse

Die Pensionskasse ist eine Variante speziell für mittelständische und kleine Unternehmen. Die Konditionen sind weitgehend mit der Direktversicherung vergleichbar. Allerdings ist die Pensionskasse eine Versorgungseinrichtung und rechtlich selbstständig. Träger können ein oder mehrere Unternehmen sein. Ein weiterer entscheidender Unterschied ist der Rechtsanspruch auf die vereinbarten Leistungen– für den Arbeitnehmer oder die Hinterbliebenen.

Pensionsfonds

Der Pensionsfonds ist eine selbstständige Versorgungseinrichtung – unabhängig vom Unternehmen. Pensionspläne regeln die Leistungen zur Altersvorsorge für die Arbeitnehmer. Auch hier entsteht für die versicherte Person ein Rechtsanspruch gegenüber dem Pensionsfonds.

Der entscheidende Unterschied zur Pensionskasse sind jedoch die Renditechancen durch Erträge auf dem Kapitalmarkt. Dies birgt für Ihre Mitarbeiter zugleich ein Risiko.

Die eingezahlten Beiträge werden durch die festgesetzten Mindestleistungen im Pensionsplan garantiert. Unterschiede zur Pensionskasse und zur Direktversicherung:

  • keine Kapitalauszahlung
  • keine integrierte Berufsunfähigkeitsversicherung möglich
  • Insolvenzschutz durch Pensions-Sicherungs-Verein (reduzierte Beiträge)

Unterstützungskasse

Führungskräfte, Geschäftsführer und Gesellschafter profitieren von der beinahe unbegrenzten Leistungshöhe der Unterstützungskasse, die von mehreren Unternehmen getragen wird. Die selbstständige Versorgungseinrichtung sichert ihre Leistungen ab, indem sie Lebens- und Rentenversicherungen bei Versicherungsgesellschaften abschließt.

  • Arbeitgeber ist gleichzeitig Trägerunternehmen.
  • Für Sozialabgaben gilt die 4 %-Regel.
  • Zusatzversicherungen wie bei der Direktversicherung und Pensionskasse sind möglich.
  • Kapitalauszahlung ist möglich.

Pensionszusage

Bei diesem Durchführungsweg zahlt der Arbeitgeber die Leistungen zur Altersvorsorge aus betrieblichen Mitteln. Hierfür sind Rückstellungen erforderlich, die den steuerpflichtigen Gewinn mindern. Auch bei dieser Variante schließen Sie für Ihre Mitarbeiter eine Lebensversicherung ab. Mit dem Unterschied, dass in diesem Fall Sie als Arbeitgeber bezugsberechtigt sind, um die Versicherungsleistung aus der Pensionszusage zu erfüllen.

  • Die Arbeitnehmerbeiträge sind in unbegrenzter Höhe steuerfrei.
  • Für Sozialabgaben gilt die 4 %-Regel.
  • Höhe der Zusage und Beiträge sind nicht limitiert.
  • Kombinierbar mit Direktversicherung, Pensionskasse oder bAV IndexInvest (Versorgung für Gesellschafter/Geschäftsführer)
  • Kapitalauszahlung ist möglich
  • Insolvenzschutz durch Pensions-Sicherungs-Verein

Diese Vorteile entstehen für Sie als Arbeitgeber aus der bAV

Eine betriebliche Altersvorsorge macht Sie als Arbeitgeber am Markt attraktiver. Besonders dann, wenn Sie mehrere Varianten anbieten. Dies wirkt sich positiv aus bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter. Gerade Fach- und Führungskräfte sind stark umworben. Ein bAV-Modell erhöht Ihre Chancen. Auch als Instrument zur Mitarbeitermotivation und Mitarbeiterbindung hat sich die bAV bewährt.

Doch auch wirtschaftliche Vorteile sprechen dafür. So können Sie Ihre Beiträge als Betriebsausgabe steuerlich abziehen. Durch die Entgeltumwandlung sparen Sie zudem bei den Lohnnebenkosten. Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus günstigen Gruppenverträgen.