AG-Gründung in Deutschland: Bar- oder Sachgründung?

Welche Form der Gründung macht für Sie mehr Sinn?

Gründung einer Aktiengesellschaft

Wenn Sie mit dem Gedanken einer AG-Gründung spielen, dann sollten Sie verschiedene Aspekte durchdenken. Einer dieser Aspekte ist die Unterscheidung zwischen Bargründung und Sachgründung. Wir erklären Ihnen den Unterschied, sowie den generellen Gründungsprozess. Am Ende helfen wir Ihnen, zu verstehen, welche Form der Gründung für Sie mehr Sinn macht.

Die Aktiengesellschaft als Unternehmen

Wie die GmbH, die UG (haftungsbeschränkt), die SE und die KGaA ist auch die Aktiengesellschaft (AG) eine Kapitalgesellschaft. Sie haftet grundsätzlich bis zum Wert des eingebrachten und erwirtschafteten Kapitals. In Deutschland beträgt das mindestens eingebrachte Stammkapital der AG 50.000 Euro. Die Anteile werden als Aktien ausgegeben. Anteilhaber werden auch Aktionäre genannt. Die Gesellschaftsform ist in Ausprägungen, Voraussetzungen und Berichtspflichten unter anderem im Aktiengesetz (AktG) geregelt. Wesentliche rechtliche Organe der AG sind die Hauptversammlung, der Vorstand und der Aufsichtsrat. Die Hauptversammlung setzt sich aus allen Aktionären zusammen. Mindestens ein Mal im Jahr wird die Hauptversammlung einberufen, um über aktuelle Entwicklungen zu diskutieren und neue Maßnahmen zu definieren. Der Vorstand leitet die AG. Er wird mindestens alle fünf Jahre vom Aufsichtsrat bestellt. Der Aufsichtsrat wird von den Aktionären gewählt. Er berät und überwacht die Tätigkeiten des Vorstands.

Auch bei der AG haftet der Vorstand für fahrlässig und schuldhaft verursachte Schäden persönlich. Aktionäre haben Vermögens- und Verwaltungsrechte. Vermögensrechte beziehen sich auf den Wert und die Aufrechterhaltung des eingebrachten Grundkapitals sowie auf gleichverteilte Dividenden. Verwaltungsrechte beziehen sich beispielsweise auf die Teilnahme und Mitbestimmung bei der Hauptversammlung. Außerdem zählen hierzu das Recht auf Auskunft und darauf, während der Hauptversammlung Anträge zu stellen. AGs können börsennotiert sein, müssen sie aber nicht. Der Erwerb einer AG kann folglich auch außerhalb der Börse erfolgen. Wenn Sie sich für die AG-Gründung interessieren, dann seien Sie auf die folgenden Abschnitte gespannt. Der Gründungsprozess wird kurz dargestellt. Alternativ können Sie auch den Erwerb einer AG als Vorrats- oder Mantelgesellschaft in Betracht ziehen. Diese sind zwar etwas teurer als es die eigene Gründung ist, dafür sind sie unmittelbar verfügbar. Vorratsgesellschaften sind in der Regel sogar fast ungenutzt.

Die Arten der AG-Gründung

Die AG-Gründung kann sowohl als Bargründung, als auch als Sachgründung erfolgen. Im Folgenden stellen wir Ihnen beide grundlegenden Varianten der AG-Gründung kurz dar.

AG-Gründung als Bargründung

Bei der AG-Gründung als Bargründung wird das Stammkapital in liquiden Mitteln bereitgestellt. Die Grundsätzliche Unterscheidung was oder wie viel des Wertes des Nennkapitals zunächst einzubringen ist, ergibt sich aus dem Paragrafen 36a des AktG. Demnach muss bei der Bargründung zunächst lediglich ein Viertel des in der Gesellschaftssatzung genannten Nennbetrages jeder einzelnen Aktie eingezahlt werden. Beim geringstmöglichen Grundkapital von 50.000 Euro entspricht dies einem Wert von 12.500 Euro. Dies entspricht dem Wert, der auch bei der GmbH zunächst einzuzahlen ist. Der Unterschiedsbetrag zum Nennbetrag ist dann später einzuzahlen. Hierzu muss der Vorstand der AG aber zunächst noch auffordern. Sofern eine Aufforderung durch den Vorstand vor der Einzahlung nicht erfolgt, wird diese auch nicht anerkannt. Die Einzahlung muss erneut und nach Aufforderung erfolgen. Um entsprechende Nachweise zu haben und um Verwirrungen zu vermeiden empfehlen wir, Aufforderungen zur Einzahlung auch schriftlich festzuhalten.

Bei einem höher definierten Grundkapital steigt der Wert entsprechend an. Wenn bei der Ausgabe ein Aufgeld (Agio) definiert ist, so ist der komplette Wert der Aktien einzuzahlen. Die initiale Einzahlung muss vor der Anmeldung der Gründung beim Handelsregister erfolgen. Die Bank bestätigt die Einzahlung. Ein Notar beglaubigt dies und nimmt die Anmeldung beim Handelsregister vor, doch dazu später mehr. Wie Sie sich jetzt wahrscheinlich bereits denken können, ist die AG-Gründung als Bargründung durch den reinen Nachweis an eingezahlten liquiden Geldmitteln die einfachere Variante im Vergleich zur AG-Gründung als Sachgründung.

AG-Gründung als Sachgründung

Die AG-Gründung als Sachgründung bezieht sich im Gegensatz dazu nicht auf eine eingezahlte Geldsumme. Im Gegensatz: Das Grundkapital wird in Form von Sachwerten bereitgestellt. Dies können Technische Anlagen, hochwertige Maschinen oder auch Grundstücke und Immobilien sein. Von einer Sachgründung wird bereits gesprochen, sobald einer der Gründer einen Sachgegenstand anstatt von Barmitteln einbringt. Über den Ablauf einer AG-Gründung als Sachgründung, also mit eingebrachtem Sachwert ist gemäß Paragraf 32 fortfolgende AktG ein schriftlicher Bericht zu erstellen. Der Sachwert sowie der Bericht müssen vom Vorstand, wie auch vom Aufsichtsrat geprüft und bestätigt werden. In einigen Fällen muss auch ein unabhängiger und sachkundiger Dritter den Bericht, sowie den Wert des eingebrachten Sachgegenstandes prüfen und bestätigen. Dies ist gemäß Paragraf 33 des AktG in folgenden Fällen notwendig:

  • Einer/ Eine der Gründer/ Gründerinnen befindet sich im Vorstand oder/ und Aufsichtsrat
  • Ein Mitglied des Vorstands oder Aufsichtsrates hat im Gründungsprozess auf eigene Rechnung Aktien erworben.
  • Wenn sich ein Mitglied von Vorstand und/ oder Aufsichtsrat einen Vorteil, wie eine Entschädigungszahlung verschafft hat.
  • Eine Gründung mit Sacheinlagen oder Sachübernahmen liegt vor.

Die Prüfung durch einen unabhängigen und sachkundigen Prüfer kann durch einen Wirtschaftsprüfer erfolgen. Sofern der eingebrachte Sachwert nicht dem versprochenen Wert entspricht, so haftet der einbringende Unternehmer selbst für den Differenzbetrag. In der Regel erfolgt die notwendige Einbringung des Differenzbetrages dann in Form von Geldmitteln.

In der Satzung der AG müssen bei einer AG-Gründung als Sachgründung zudem folgende Aspekte beschrieben werden:

  • Die Art, Bezeichnung und gegebenenfalls Seriennummer der einzubringenden Sachwerte.
  • Namentlich den bisherigen Eigentümer der Sachwerte.
  • Den Nennbetrag der für den Sachwert bereitgestellten Aktien.

All dies und noch weitere kleine Besonderheiten sind gesetzlich vorgeschrieben. Auch bei der AG-Gründung werden die Aktionäre geschützt. Eingebrachte Sachwerte sollen nicht künstlich überbewertet werden. Entsprechend der höheren Prüfungsvoraussetzungen ist die AG-Gründung als Sachgründung in der Regel sowohl zeit- als auch kostenintensiver als die Gründung einer AG als Bargründung.

Ablauf und Kosten der AG-Gründung

Grundsätzlich ist die AG-Gründung die wohl aufwendigste Form der Gründung. Geregelt wird sie im AktG. Sie kann sowohl durch eine, als auch durch mehrere natürliche oder juristische Personen gegründet werden. Hierzu zählen nicht nur Sie als Person, sondern auch rechtswirksame Kapital- und Personengesellschaften sowie Vereine und Genossenschaften. Die Gründungsmitglieder übernehmen die Aktien der AG. Wie bei der Gründung anderer Kapitalgesellschaften muss bei der AG-Gründung der Gesellschaftsvertrag (oder auch Satzung) notariell beglaubigt werden. Anders als bei der GmbH oder UG (haftungsbeschränkt) liegt hierfür keine Mustersatzung vor. Jeder Gesellschaftsvertrag wird individuell aufgesetzt, geprüft und vor dem Notar unterschrieben. Die Gründung der AG durchläuft drei Phasen:

  • Bis zur notariellen Beurkundung des Gesellschaftsvertrages wird die Gesellschaft Vorgründungsgesellschaft (auch Vorgründungskonsortium) genannt. Solange die Gesellschaft das angestrebte Gewerbe noch nicht ausübt, trägt diese Gesellschaft die Eigenschaften einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) mit der Zielsetzung der Gründung einer AG. Wenn das spätere Gewerbe bereits ausgeübt wird, entspricht sie einer offenen Handelsgesellschaft, wenn es zwei oder mehr Gründer gibt. In diesem Stadium einigen sich die Gründer über die Ausarbeitung des Gesellschaftsvertrages, welches vom Grundkapital und der Aufteilung der Anteile bis hin zur Definition des Gesellschaftszweckes reicht.
  • Wenn die Satzung notariell festgestellt wurde, existiert die Gesellschaft als Vorgesellschaft (Vor-AG). Der Notar/ die Notarin hat die Anmeldung der AG am Handelsregister zum Handelsregister geschickt. Das Handelsregister prüft die Anmeldung und schickt eine Rechnung zur Anmeldung an die Gesellschaft. Nach der Begleichung der Rechnung nimmt das Handelsregister nach erfolgreicher Prüfung die Eintragung der AG-Gründung in das Register vor. Während dieser Zeit ist die Gesellschaft oft bereits als AG anerkannt. Das Gewerbe kann vollkommen ausgeführt werden. Im Geschäftsverkehr muss lediglich auf die Gründungsphase mit einem „i.Gr.“ (in Gründung) nach der AG hingewiesen werden. Dies ist vergleichbar mit der Gründung der GmbH.
  • Mit der Eintragung ins Handelsregister ist die Gründung abgeschlossen. Die Aktiengesellschaft ist eine vollwertige AG.

Über den Ablauf der AG-Gründung ist ein Gründungsprotokoll zu erstellen. Aufsichtsrat und Vorstand sowie ein unabhängiger sachkundiger Dritter müssen dieses Prüfen. Die Kosten belaufen sich in der Regel auf mindestens 2.500 Euro (abhängig von Auslegungen und dem Grundkapital).

Vorteile und Nachteile der AG-Gründung als Bargründung

Wie bereits beschrieben wird bei der AG-Gründung als Bargründung zu Beginn mindestens ein Viertel des Grundkapitals auf ein dafür vorgesehenes Bankkonto eingezahlt. Welche Vor- und Nachteile ergeben sich hieraus für Sie?

Vorteile:

  • Die Gründung erfolgt in der Regel schneller als bei der Sachgründung
  • Bei einer AG-Gründung als Bargründung muss zunächst nur ein Viertel der Barwerte auf das vorgesehene Konto eingezahlt werden.
  • Die Prüfung der Werthaltigkeit der Einlage einer AG ist bei der Einzahlung von Geld weniger aufwendig.
  • Folglich ist die Gründung einer AG durch Barmittel in Summe auch kostengünstiger als bei der Gründung mit Sachwerten.
  • Es liegen unmittelbar monetäre Mittel zur Begleichung offener Rechnungen und Gehälter sowie Steuern vor. Eine Finanzierung erster Aufwände ist einfacher. Da die Fakturierung erst mit der Zustellung der Steuernummer erfolgen kann, können etwaige Barmittel einen anfänglichen Betrieb ermöglichen. Die Steuernummer erhält die AG erst auf Antrag beim Finanzamt und wenige Wochen nach Eintragung in das Handelsregister.
  • Für die Finanzierung erster Ausgaben muss weniger Fremdkapital/ externes Kapital angefragt werden.

Nachteile:

    • Die volle Einzahlung der Stammeinlagen muss in Barmitteln bereitgestellt werden können. Es sind liquide Mittel notwendig.
    • Die Einzahlung noch nicht geleisteter Werte des Stammkapitals kann nur nach Aufforderung des Vorstands erfolgen. Dies macht den Prozess der Einzahlung komplizierter und kann auch zu Irritationen führen.
    • Sachwerte, die zur Ausübung der Geschäftstätigkeit notwendig sind, müssen erst noch angeschafft und installiert werden.
    • Mitunter kann es Zeit kosten, bis notwendige Sachwerte angeschafft sind. Der Betrieb kann unter Umständen langsamer ins Rollen kommen als bei einer Sachgründung.

Vorteile und Nachteile der AG-Gründung als Sachgründung

Bei der AG-Gründung als Sachgründung hingegen werden Sachwerte eingebracht. Dies sind die Vor- und Nachteile aus der Gründung einer AG als Sachgründung:

Vorteile:

  • Das Grundkapital muss nicht in Barmittel aufgebracht werden.
  • Es sind unmittelbar Sachwerte wie Immobilien oder Produktionsmaschinen im Unternehmen verfügbar. Es sind also weniger Investitionen zu tätigen, ggf. ist keine Miete zu zahlen.
  • Auch komplette Unternehmen / funktionierende Betriebe können als Sachwerte eingebracht werden.
  • Wenn entsprechende eingebrachte Sachwerte die Produktion ermöglichen, kann der Geschäftsbetrieb schneller starten.

Nachteile:

    • Bei einer reinen AG-Gründung als Sachgründung (ohne enthaltene Barmittel) stehen nicht unmittelbar liquide Geldmittel zur Begleichung offener Rechnungen und Gehälter zur Verfügung.
    • In diesem Fall muss der eingebrachte Sachwert unmittelbar und voll geleistet werden.
    • Die Werthaltigkeit der Einbringung muss von Vorstand und Aufsichtsrat, sowie gegebenenfalls einem unabhängigen und sachkundigen Dritten geprüft und bestätigt werden. Dies verursacht extra Kosten.
    • Der Wert eines eingebrachten Gegenstandes kann den Wert der eigentlichen Einbringung übersteigen. Dieser Aufschlag (auch Agio) kann im Gesellschaftsvertrag festgehalten werden. Die Auswirkung in Bezug auf die Anteile muss aber gesondert zwischen den Gesellschaftern diskutiert werden.
    • Die Abrechnung bereits vertriebener Produkte kann erst mit vorhandener Steuernummer erfolgen. Diese erhält eine AG erst auf Antrag und nach Eintragung im Handelsregister. Bis dahin muss die Finanzierung des Betriebs anders erfolgen, unter Umständen auf Rechnung der Gesellschafter.

Welche Form der AG-Gründung macht für Sie Sinn?

Nachdem Sie die Grundlagen der AG-Gründung verstanden haben, wollen wir im Folgenden erörtern, wann eine Gründung als Bargründung oder als Sachgründung Sinn macht. Vielleicht spielen Sie inzwischen sogar mit dem Gedanken der Gründung einer AG. Einer der Vorteile gegenüber einer GmbH ist schließlich auch die vereinfachte Ausgabe von Unternehmensanteilen an Mitarbeiter oder neue Geschäftspartner. Über die Vereinbarung eines Aufgeldes können dann auch zusätzliche Kapitalreserven in den Betrieb geholt werden. Dies kann bei der Finanzierung des Betriebes aus Eigenmitteln helfen, zumal auch Aktiengesellschaften in den ersten zwei Jahren kaum einen Bankkredit erhalten. Wann aber macht welche Auslegung der Gründung Sinn?

Wenn Sie bereits über eine Immobilie verfügen, in welcher der Start der Unternehmung erfolgen könnte, könnten Sie mit dem Gedanken der Einbringung spielen. Das Unternehmen würde folglich an Mietausgaben sparen. Vielleicht sind Sie aber auch bereits im Eigentum einer technischen Anlage zur Produktion oder einer Website, die Sie in ein Unternehmen einbringen wollen. Unter Umständen wollen Sie sogar ein komplettes Unternehmen einbringen. Sofern Sie nicht genügend Barmittel aufbringen können oder wollen, aber über entsprechende werthaltige Sachgegenstände verfügen, dann können Sie eine Sachgründung in Betracht ziehen. Allerdings müssen Sie auch in Betracht ziehen, dass Sachgründungen wesentlich aufwendiger zu prüfen sind. Sowohl Kosten als auch Zeitaufwand können mitunter enorm ansteigen. Aus diesem Grund wird die AG-Gründung zumeist als Bargründung ausgeübt.

Entsprechende Sachgegenstände können dem Unternehmen auch später zu marktüblichen Konditionen zur Verfügung gestellt oder verkauft werden. Gründungsprozesse und Kosten der Gründung sind bei der Bargründung erheblich vorteilhafter. Überlegen Sie es sich gut, bevor Sie eine Sachgründung anstoßen.